Ein Blick auf den Südhof, ein Rückblick und ein Philosoph

Wann ich zum vorletzten Mal – d.h. zum letzten Mal vor dem gestrigen – in einem Seminarraum des LMU-Hauptgebäudes war, weiß ich nicht mehr. Vielleicht vor einem Jahr, vielleicht vor zwei. Genauso im Dunkeln bleibt in meinem Gedächtnis der Anlass meines vorletzten Besuchs dort. Eine Konferenz? Ein Kolloquium? So was jedenfalls…

Ganz hell erinnere ich mich dagegen an meinen allerersten Besuch eines dieser Räume mit Blick auf den Südhof. Es war vor fast genau 20 Jahren. Es war ein warmer Tag im Gegensatz zu gestern. Mich hatte die Bahnfahrt von Bonn nach München ganz schön geschlaucht. Während ich schlief, hatte jemand zwischen Frankfurt und Stuttgart einen Hundert-Mark-Schein aus meinem Portemonnaie genommen und dieses dann netterweise mit dem restlichen Inhalt ins Eck des IC-Abteils wieder hingeschmissen. In München angekommen hatte ich also zuerst Geld abheben und mich zur ersten Sitzung von Davidsons Davidson-Seminar beeilen müssen.

Ein Davidson-Seminar (mit Bindestrich) ist ein Seminar über die Philosophie Donald Davidsons. Davidsons Seminar (mit einem Genitiv) ist ein Seminar, das von Donald Davidson geleitet worden ist. Und das war Davidsons Davidson-Seminar.

Die Fenster mit Blick auf den Südhof waren mir damals vor 20 Jahren riesengroß erschienen. Ebenso gestern. Sie waren damals nicht nur eine großzügige Lichtquelle, sondern auch eine erfrischende Ablenkung in den langweiligeren Momenten – ja auch solche konnte es in Davidsons Davidson-Seminar geben. Im Gegensatz dazu leiteten sie gestern nicht nur ein spärliches Regentagslicht in den Raum, sondern vor allem viel Melancholie.

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Es ist allerdings nur Melancholie und nicht etwa Niedergeschlagenheit, wenn man die verlorenen Jahre, die verpassten Chancen, die vergangenen Freunde trotz allem nicht beweint.

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Warum denn auch? Der Sommer wird genauso heuer wie vor 20 Jahren wieder einkehren.

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In der Maxvorstadt werden die jungen Paare und die alten Freunde wie damals nach irgendeinem Seminar in ihre Autos steigen, um am frühen Abend am Ufer des Starnberger Sees ein Feuer zu machen. Sie werden Kartoffeln in Alufolie in die Glut verbergen und hoffentlich dafür Entdeckungen aneinander machen.

Und alles wird irgendwie – genauso wie damals – ganz super sein.

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