Die Zeit Nr. 25

Morgen ist zwar bereits die Nr. 26 am Kiosk, aber ich wollte nicht die Gelegenheit verpassen, eine Woche nach dem Erscheinen der Philosophie-Beilage in der Zeit Nr. 25 ein paar Zahlen zu nennen.

Zeit 25 2013

Die Autoren der Einzelbeiträge über Gerechtigkeit, Freiheit, Liebe, Lüge, Toleranz usw. haben folgende Verpflichtungen im Sinn einer fachlichen Tradition:

10 sind Kontinentalphilosophen

3 sind eindeutig analytische Philosophen (Martha Nussbaum, Julian Nida-Rümelin und Michael Sandel)

2 sind in der Nähe der analytischen Philosophie aber im Wesentlichen „bündnisfrei“ (aber man könnte Manfred Frank als Überläufer in die analytische Philosophie betrachten – in diesem Fall sollten die Zahlen entsprechend korrigiert werden).

3 sind Soziologen

Einer ist Psychoanalytiker.

Angesichts der Tatsache, dass die analytische Philosophie heute auch in Deutschland den Mainstream bildet – jedenfalls keine minoritäre Richtung – finde ich diese Zahlen sehr charakteristisch. Sie entsprechen keiner zufälligen Präferenz der Zeitung, meine ich. Vielmehr spiegeln sie die Tendenz der meisten analytischen Philosophen wider, sich Alltagsthemen zu verschließen. Dabei möchte ich mich selber davon gar nicht freisprechen. Heute schrieb ich z.B. an einem Text über die Möglichkeit der Existenz körperloser selbstbewusster Wesen. Ich meine, ich verneine ihre Existenz aber trotzdem…

Klar haben die meisten Kontinentalphilosophen zu Themen wie Liebe, Menschenwürde usw. viel mehr zu sagen. Sie wollen jedenfalls viel mehr sagen.

3 thoughts on “Die Zeit Nr. 25

  1. Mich würde vor allem interessieren, wie es überhaupt zu dieser analytischen Tendenz kommen konnte bzw. wieso erhoffen sich die meisten von der analytischen Philosophie so viel? Die Bestrebungen der Analytiker und die Methoden stelle ich nicht infrage (höchstens wenn diese zu Methodenblindheit u.a. führen); aber die erwähnte Verschließung der Alltagsthemen halte ich für sehr bedenklich, weil damit letztendlich ein großes Feld des philosophischen Denkens ausgeklammert wird.

    • Teile der analytischen Philosophie geben den manchmal – allerdings nicht immer – berechtigten Eindruck, ausgereifte Theorien zu sein. Deshalb die Erwartungen. Das mit dem Alltag nun: Ich glaube, dass die meisten analytischen Philosophen, selbst wenn sie das Gegenteil beteuern, im Tiefsten ihres Herzens Szientisten sind und deshalb ein Problem damit haben, sich mit Teilen ihrer Disziplin zu beschäftigen, die eindeutig nicht zur „scientia“, sondern zur „ars“ gehören.

  2. Hallo,
    ich hatte das Heft mal durchgelesen und fand einige Artikel sehr interessant. Leider bin ich gerade für etwas längere Zeit am anderen Ende der Welt und kann im Internet leider Kaum etwas über das Heftchen finden. Wären sie so lieb und könnten mir den Namen des Autor zukommen lassen, der einen Artikel über Natürlichkeit und Unnatürlichkeit von menschlicher Anpassung geschrieben hat. Begeistert wäre ich natürlich, wenn sie dazu noch ein Foto des Artikels mitsenden würden, da ich befürchte, auch mit dem Namen, online nicht besonders viel zu finden.
    Vielen Dank für ihre Aufmerksamkeit.
    Liebe Grüße, Janosch.

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