Nedd amoi ignorier’n

(Scroll for English)

Es gibt zweierlei Arten, etwas oder jemanden zu ignorieren. Die eine ist die Art der Ignoranz, des Unwissens ohne Absicht.

Die andere ist die Art des Wegsehens, des Verdrängens. Gerade diese ist das Zeugnis von Befangenheit, Unmut und Befremden. Man guckt weg, kontrolliert das Telefondisplay und drückt ab, blockiert eine social-media-Präsenz, signalisiert aber gerade dadurch, doch etwas oder jemanden zu bemerken und zwar gerade die Sache oder die Person, die man zu ignorieren vorgibt.

In was unterscheiden sich beide Arten des Ignorierens? Offensichtlich darin, dass man in der ersten Art nicht weiß, was oder wen man ignoriert („nedd amoi ignorier’n“ soll Karl Valentin das genannt haben); dass man in der letzteren Art durchaus weiß, was oder wen man ignoriert. Letzteres ist aber widersprüchlich. Es ist widersprüchlich, wissen zu wollen, dass ich nichts von der Existenz von etwas wüßte, wenn ich gleichzeitig weiß, was das ist.

Paradoxerweise gibt es also nur eine echte Form des Ignorierens: nedd amoi zu ignorier’n.

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The words of the title are not the standard German usage. They are in the southern dialect which Karl Valentin, a well-known comedian of the early 20th century used, and they mean: „not even ignore“. Valentin thought that „not even ignoring“ is a very important form of ignoring something or someone – you don’t even know that you ignore the thing or the person.

There is another form of ignoring someone, one which one makes use of to show discomfort, embarassment, bewilderment: looking away, checking who is calling to reject the phone call, blocking someone in the social media. But what one demonstrates by doing so is that one clearly knows what or who annoyed her/him. This is inconsistent! You cannot know that you ignore that something exists and at the same time know what it is!

Karl Valentin was right. There is only one way of ignoring. This is the case if you didn’t bother to ignore. Which is kind of a paradox, I suppose…

2 thoughts on “Nedd amoi ignorier’n

  1. Pingback: Ubuntu 14.10: Nicht einmal ignorieren … | ubuntu-buch.info

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