Cuius culpa?

(Scroll for English)

Nach einem eher unglücklichen Meinungsaustausch zwischen meiner achtjährigen Tochter und mir blieb uns gestern nach dem ersten Prozessionsdurchgang in der Landshuter Altstadt nichts anderes übrig, als unsere Plätze zu räumen. Die gute Laune war weg… Im zweiten Prozessionsdurchgang waren die Plätze bestimmt von jemand anders besetzt. Unglaublich schöne Plätze waren sie!

Schuld

Unterwegs nach Hause stellte sich die Frage nach der Schuld – entgegen meinen pädagogischen Grundsätzen. Die Frage nach der Schuld finde ich im Umgang mit Minderjährigen meistens kontraproduktiv. Aber meine Tochter hat gemeint, wenn jemand darum gebetet hätte, unsere Plätze für den zweiten Prozessionsdurchgang zu bekommen, und wenn dieser Wunsch erhört worden wäre, dann wäre an ihrem eigenen Benehmen nicht sie selber schuld, sondern der betende Nutznießer.

Einerseits wollte ich nicht ausschließen, dass Wünsche wirksam sein können. Vor allem ist die alltägliche pädagogische Praxis nicht der geeignete Spielplatz für diese Diskussion. Andererseits wollte ich das schlau eingesetzte deterministische Argument nicht einfach so gelten lassen. Eine Lösung wäre zu sagen: „Wünsche sind zwar gelegentlich wirksam, aber wir behalten trotzdem unsere Schuld, wenn wir gemäß dem Wunsch eines anderen handeln“. Diese Lösung hat mir aber nicht gefallen, weil sie vielzusehr nach Thomas von Aquin klingt.

Also schwieg ich…

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That it was an unfortunate, impulsive discussion between my eight-year-old daughter and me, is a rather very euphemistic way to put it. Subsequently we left our seats to return home – just in the interval between the first and the second passing of the procession in the Landshut Wedding. During the second passing our seats were definitely occupied by someone else. And they were good ones!

On our way back home the question concerning personal culpability came up – which is quite opposite to my views on education. Especially with regard to minors, I think that the question concerning culpability is not constructive. However, my daughter thought that there could have been someone who prayed to get our seats after the interval. In case, she said, that his prayer was heard by God, then the praying person who benefited from our leaving would be to blame for my daughter’s outburst of temper, not herself.

I didn’t want to exclude the possibility that prayers do have some effect. I mean, when it’s about my children we are talking education, not metaphysics. But I didn’t want to legitimize the (clever) positioning of the deterministic argument either. A way out of the riddle would be to say „Prayers do have effects sometimes, but we keep our personal culpability even if we act in accordance to someone else’s prayer“. Not really a viable way out: It sounds as if I were Thomas Aquinas.

I just remained silent…

One thought on “Cuius culpa?

  1. Eigentlich ist ja die Schuldfrage nie konstruktiv. Vielmehr wird sie mächtig, wenn die Ohnmacht überhand gewinnt…
    – übrigens herzlichen Glückwunsch zur tollen Tochter😉

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