Zahlen, Zahlwörter, Numerale

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Mit der Didaktik des Mathematikunterrichts habe ich mich nie ernsthaft beschäftigt. Also habe ich in diesem Sujet mehr zu lernen als zu lehren. Was ich nun von meinen Kindern bisher gelernt habe, ist, dass mathematisches Können sprachliche Kompetenz darstellt.

Der italienische Pizzeria-Kellner, der beim Rechnen stets die Sprache wechselt, ist ein Anzeichen dafür, dass unsere alltägliche Rechenpraxis sprachlich vermittelt ist: „Undici e tredici fa ventiquattro. E sette: Einunddreißig Euro genau macht das“.

Wir rechnen wohl nicht unter Rückgriff auf die Vorstellung der Zahl, sondern auf irgendwann erlernte sprachliche Zeichen, die für Zahlen stehen.

Auch Kinder finden es meines Erachtens leichter, wenn sie einen besonderen Namen für die zu addierenden Dezimalstellen haben. Unsere Große spicht in dieser Hinsicht von „Zigs“ (das sind Zahlen wie zehn, zwanzig, dreißig usw.) und „Zacks“ (eins, zwei, drei usw. bis neun). Das Griechische von „Dekaden“ und „Monaden“ (unsere Tochter kann schon Griechisch, aber sie kennt die Bedeutung dieser beiden Termini nicht und hat sowieso eigene „deutsche“ Wörter dafür erfunden). Es gibt Schulen, in denen den Kindern beigebracht wird, Dezimalstellen farblich zu unterscheiden. Die griechischen Numerale unterscheiden zwischen ihnen grafisch!

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Der von Eltern und Pädagogen oft angesprochene Gemeinplatz: „eher sprachlich oder mathematisch begabt?“ erscheint mir infolge dessen suspekt. Mathematisches Denken und Sprachgewandtheit gehören zusammen.

Am Donnerstag ist der erste Tag unserer Kleinen in der ersten, unserer Großen in der dritten Klasse.

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I never seriously occupied myself with the didactics of mathematics, which means that I have much more to learn than to teach on this subject. In fact, I learned from my children that familiarity with mathematics is akin to a linguistic competence.

Italian waiters who skip from the one language to the other as they write down the bill demonstrate that everyday calculations are not based on the representation of number but rather on linguistic signs which stand for numbers and are learned by heart : „Undici e tredici fa ventiquattro. E sette: that would be thirty-one euros“.

Children find it, as much as I can judge, easier to have an extra name for the decimal places. Our big daughter speaks of „Tys“ (numbers like ten, twenty, thirty, forty etc.) in juxtaposition to the natural numbers between one and nine. In Greek this is expressed by means of the terms „decades“ and „monads“ (although our daughter does speak Greek, she does not know what these words mean and prefers to use „German“ terms invented by herself). At some schools children learn to distinguish between the decimal places in terms of different colours. Greek numerals distinguish between them graphically.

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Parents and teachers often claim that if you are good in languages, you are not good in maths and vice versa. To my opinion this is simply false. Mathematical and linguistic competence are closely tied.

Next Thursday is our younger daughter’s first day at school and our older one’s first day in the third class.

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