Patzig

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patzig

Zwar bin ich kein Absolvent von Günther Patzigs Göttinger Institut aber zwei meiner Bonner Lehrer, Ulrich Nortmann und Rainer Stuhlmann-Laeisz, waren Patzig-Schüler. Selbst nachdem ich später in Bayern in einem formalistischen Umfeld „resozialisiert“ worden war, blieb mir Patzigs Logizismus als sozusagen indirektes Erbe erhalten.

Von den frühen Sechzigern bis zu den frühen Neunzigern hatte die analytische Philosophie in Deutschland sowieso nicht viel mehr als diese beiden Institute anzubieten: Stegmüllers in München, Patzigs in Göttingen. Wenn die deutsche Philosophie heute die Abwendung von der Begriffspoesie, dem Dünkel und den verschwörerischen Telefonaten im Hintergrund als eine Selbstverständlichkeit betrachtet, hat das weitgehend mit diesen beiden Instituten zu tun.

Anders als bei Stegmüller, war bei Patzig nicht der angelsächsische Einfluss, der zur analytischen Wende führte, sondern vor allem der Einfluss der Lemberg-Warschauer Schule. Er selber („Autobiographische Einleitung“, in: Patzig, G., Tatsachen, Normen, Sätze, Stuttgart: Reclam, 3-7; insb. 5-6) erwähnt die Lektüre des Aristoteles-Buches von Łukasiewicz als einen Wendepunkt in seinem Denken. Patzigs Mind-Aufsatz über wahre Konklusionen aus falschen Prämissen bei Aristoteles gehört immer noch zu den ganz wenigen Artikeln in Mind, die aus der Feder von Leuten kommen, die keine Alumni einer angelsächsischen Uni sind – und das im Jahr 1959.

Hilary Putnam sagte mir vor neun Jahren am Rande meiner damaligen Bewerbung an der Uni Zypern (eine sehr traurige Geschichte diese – die erzähle ich nur mündlich und selbst dann ungern): „Ich wollte Patzig in Cambridge haben. Er wollte nicht, da er an dieser Göttinger Konditorei hing, für die es in Cambridge und Boston nichts Entsprechendes gab“. Ich glaube, ich weiß heute, von welcher Konditorei Patzig bei Putnam geschwärmt hatte.

Ich würde der grauen Eminenz der deutschen analytischen Philosophie zum heutigen 87. Geburtstag einen Kuchen von dort wünschen.

„Patzig“ is German for „stroppy“. However, when it comes to philosophy, Patzig is the surname of a person to whom German analytic philosophy owes not very much less than its existence.

From the early 60s until the early 90s there wasn’t much more in terms of analytic philosophy in Germany than two institutes: Stegmüller’s in Munich and Patzig’s in Göttingen. Unlike Stegmüller’s, Patzig’s turn to exact, disciplined thinking wasn’t due to an Anglosaxon but to a Polish influence. Patzig himself mentions Łukasiewicz’s book on Aristotle as the turning point in his thinking. Patzig’s article on Aristotelian syllogisms with false premises is still one of the very few articles in Mind which have been authored by people who aren’t alumni of some English-speaking university – NB, an article published back in 1959!

Patzig’s logicism is a very distinctive tendency in German analytic philosophy, found in alumni of Göttingen, but also a mediated heritage for many others like me, who never studied in Göttingen. Although the way I think was about to be „reshaped“ by Bavarian formalists, Göttingen logicism, propagated in my days in Bonn by Patzig’s disciples there, Ulrich Nortmann and Rainer Stuhlmann-Laeisz, continues to be a constraint of the way I see things in logic and language.

Hilary Putnam told me nine years ago after an interview I gave for a position at the University of Cyprus (I will not write about this very sad story and I don’t talk about this very often either): „I wanted to have Patzig in Cambridge. But he didn’t want to come because he was unwilling to leave this Konditorei in Göttingen (Putnam used the German word, which initially surprized me – afterwards we talked German with each other alright…) which he found no substitute for in Cambridge and Boston“. I think that now I know which pastry shop Patzig had mentioned to Putnam.

I wish that Patzig celebrated today his 87th birthday with a cake from there.

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