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Womackas am Strand

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Die Logik-Literatur in der DDR lässt mich an ein Wahrzeichen der DDR-Kulturproduktion denken: an Walter Womackas bekanntes Bild „Am Strand“. Die DDR-Logiker waren über die Entwicklungen im Westen gut informierte, scharfe Denker. Gleichzeitig waren sie auch auf etwas anderes scharf: auf die sehr selbstbewusste sowjetische Philosophie.

Man mag wie Lothar Kreiser (Logik und Logiker in der DDR: Eine Wissenschaft im Aufbruch, Leipziger Universitätsverlag, 2009) im nachhinein ideologiefreie Momente der DDR-Logik herausstreichen, oder wie Horst Wessel („Horst Wessel, der Logiker“ wie wir frech in unseren Studentenjahren sagten – den blöden Witz verstehen wohl jüngere Menschen, Gott sei Dank, nicht mehr) sich seiner Zusammenarbeit mit dem wichtigsten Dissidenten unter den sowjetischen Logikern, Alexander Alexandrowitsch Sinowjew, rühmen.

Tatsache bleibt aber, dass das epistemologische Grundmotiv der DDR-Logik durch die Sowjetphilosophie vorgegeben war. Mit dem „epistemologischen Grundmotiv“ meine ich diesen nichtklassischen Logizismus realsozialistischer Machart, wonach die Logik die historisch herausgebildeten Gesetze des Denkens beschreibe, für die aber die klassische Logik zu kurz käme (in diesem Punkt gelegentlich unter Verweis auf Hilbert oder Quine). Bereits bei Georg Klaus († 1974) ist diese Tendenz zu spüren – wobei gerade Klaus (Moderne Logik, Berlin: Deutscher Verlag der Wissenschaften, 1972 (6. Aufl.), 81) gegen die Naivität der Sowjetphilosophie giftete, alles bei Hilbert als Ausdrucksweisen seines Idealismus abzutun. Verliebt in die selbstherrliche und naive Partnerin blieben allerdings die DDR-Logiker bis zum Schluss.

Am 7. Oktober war der „Tag der Republik“ der DDR – der Geburtstag einer Toten sozusagen. An die Zeit vor ihrem Tod erinnern mich ein paar Bücher mit vergilbten Seiten, die ich als etwa Zwanzigjähriger für sehr billiges Geld erstand – bezeichnenderweise in der Athener Buchandlung, die von der griechischen Kommunistischen Partei betrieben wurde.

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East German logic during the times of the GDR reminds me of a „trade mark“ of East German cultural heritage: the well-known 1962-painting of Walter Womacka „On the Beach“. The East Germans were very well informed on the developments of their discipline in the West and keen logicians. At the same time they were keen in devotion to Soviet philosophy who was the dominant part of the partnership. This is what I say…

There are arguments against my claim. Lothar Kreiser (Logik und Logiker in der DDR: Eine Wissenschaft im Aufbruch, Leipziger Universitätsverlag, 2009) attempted to highlight elements of East German logic which were free of ideological indoctrination. And Horst Wessel (not to be confused with a criminal by the same name who was murdered already in 1930) had the honour of being a very close collaborator of the most important dissident among Soviet logicians, Alexander Alexandrowitsch Sinowjew.

However, the main epistemological assumption of East German logic was dictated by Soviet philosophy. With this, I mean a behind-the-iron-curtain non-classical logicism. A logicism which considered logic to explore and describe the historically emerging laws of thinking, for which however classical logic does not suffice – at least this was the assumption. Sometimes this point was accompanied by polemic passages against Hilbert or Quine. This line of thinking was already launched by Georg Klaus († 1974). In order to do justice to Klaus, I should add that he considered the rejection of Hilbert’s – allegedly „idealistic“ – conception of implication (Klaus, G, Moderne Logik, Berlin: Deutscher Verlag der Wissenschaften, 1972 (6th edition), p. 81) a naive tendency in Soviet philosophy. Notwithstanding her naiveté, East German logicians remained in love with Soviet philosophy until the end.

The national holiday of the GDR was on October 7th – a birthday of something which is already dead. I remember myself searching for bibliography from this alien falling star in a bookstore in Athens owned by the Communist Party of Greece – a fainting memory whose witnesses are some old books.

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