Gambling democracy

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Der amtierende griechische Ministerpräsident, der in den Minuten, in denen ich das schreibe, ein Misstrauensvotum übersteht, ist Enkel eines früheren Abgeordneten und eines Ministers sowie Ururenkel eines weiteren Ministers. Beim Ministerpräsidenten vor ihm handelte es sich zwar um einen Ökonomen ohne politische Familie, er war aber auf den Sohn eines Ministerpräsidenten gefolgt, der seinerseits ebenfalls Sohn eines Ministerpräsidenten war. Davor wurde das Land von einem Neffen eines Ministerpräsidenten regiert, nachdem es vom Sohn eines Ministers der – allerdings international nicht anerkannten – kommunistischen Regierung während des Bürgerkriegs regiert worden war. Noch vor diesem wurde das Land abwechselnd von zwei Rivalen regiert: Der eine war Sohn eines Ministerpräsidenten, der andere Großneffe eines anderen. Fünf dieser sieben Ministerpräsidenten nach dem Jahr 1981 (ausgenommen Interimsministerpräsidenten) haben außerdem ein-und-dieselbe Privatschule besucht. Offensichtlich ist die Fluktuation in den griechischen Eliten nicht besonders ausgeprägt.

Dass man dabei noch von einer Demokratie spricht, ist wohl formal gesehen richtig. Aber die moderne griechische Demokratie wird wohl dieses Schreckkespenst sein, das die Zeit im IQ-Wert eine Alternative zur sozialen Herkunft sehen lässt.

Jenseits von Mittelalter und Biologismus gibt es allerdings eine echte demokratische Alternative: die Besetzung von Ämtern in einem Losverfahren entscheiden zu lassen. Das alte Athen betrachtete sich als demokratisch nicht allein wegen seiner plebiszitären Elemente, sondern insbesondere wegen der Verlosung von Ämtern. Eine philosophische Untermauerung dieser Alternative würde ich hier sehen.

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The Greek prime minister who survives a vote of no confidence in the moments I’m writing this, is the grandchild of a member of the parliament and of a minister. The man before him had been professor of economics and vice president of the European Central Bank but he followed as prime minister someone who was the son of a prime minister – a son of a prime minister himself. This guy had succeeded a nephew of a prime minister who was preceded by the son of a minister of the communist guerilla government during the civil war. Two personal rivals led the country alternatingly before him: the one was the son of a prime minister, the other was the grand-nephew of another. Five out of seven prime ministers after 1981 (I don’t count the interim prime ministers) visited one and the same private school. Obviously, fluctuation is not a very strong phenomenon among Greek elites.

Formally, Greece is a democratic country. But countries like Greece exemplify the horror of those German social democrats who see in the IQ a „democratic“ alternative to social background.

However, beyond the Middle Ages and biologism there is a genuine democratic alternative: deciding the appointment to offices by means of a lottery. Ancient Athens didn’t consider itself democratic because of its plebiscitary elements alone. Without the institution of lotteries for the appointment of public officers it would probably consider itself an aristocracy. I see a philosophical vindication of this alternative here.

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