An epitaph for a project

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Seit gestern weiß ich, dass die Deutsche Forschungsgemeinschaft mein Projekt abgelehnt hat, in dessen Rahmen ich feststellen wollte, ob die religiöse Konversion eine „ganz normale“ Überzeugungsrevision darstellt.

Ich wollte sehen, ob die Verhaltensmuster, die relevant sind, wenn ich meine Meinung über Produkte ändere und doch das „andere“ Produkt kaufe, auch im Fall der religiösen Bekehrung vorhanden sind. Vor allem gälte mein Augenmerk der Nichtmonotonität und dem Konservatismus im Entscheidungsprozess: Ist es so, dass mehr und mehr abzulehnende, blödere und blödere Alternativen im religiösen Leben, einen dazu führen, auf eine bereits abgelehnte aber eben nicht dermaßen blöde Alternative zurückzugreifen? Und optiert der Konvertit lieber dafür, alle seine Überzeugungen zu ändern oder bevorzugt er die kleineren Änderungen? Als empirische Basis hätte ich Beispiele von Konversion aus historischen, meist mittelalterlichen Quellen verwurstelt. Ich finde so etwas nicht wild. Ein heutiger Bericht ist nicht glaubwürdiger als die mittelalterlichen.

Im Nachhinein kann man sagen, dass es ein gravierender Fehler meinerseits war, es als ein religionswissenschaftliches Projekt anzumelden. In der Göttinger Konferenz der deutschen Religionswissenschaft im September bestand mein Publikum fast ausschließlich aus Studenten. Ja, im Nachhinein kann man sagen, dass es dumm meinerseits war, ein Projekt, in dem der ganze Formalismus der belief-revision-theory vorausgesetzt war, in einem Fach anzumelden, das sich nach außen zwar zur Interdisziplinarität bekennt, das im Inneren jedoch voller Animositäten gegenüber dem Formalismus ist, ja die Rationalität in Zweifel zieht.

Wären meine Chancen besser gewesen, wenn ich es als philosophisches Projekt angemeldet hätte? Vielleicht, wenn ich den Antrag zusammen mit einem Psychologen gestellt hätte. Aber er müsste habilitiert sein und das Projekt toll finden und weiß der Geier noch was… Angst vor der Haltung von sprachanalytischen Gutachtern gegenüber insbesondere der Religionsphilosophie hatte ich auch noch, obwohl (weil!) ich selber Vereinsmitglied bin; und ebenfalls Angst vor der Haltung von kontinentalen Gutachtern gegenüber dem Formalismus.

Das Projekt ist tot. Ich bestattete es in diesem Beitrag. If only the sun would shine through my window pane, to the place I keep my books… Van Morrison und Bob Dylan auf dem Philopappos-Hügel:

Van Morrison sang „And the sun shone through your window pane to the place you kept your books“. He felt like singing it because he was in Athens, I suppose. Anyway it’s not very likely for the sun to shine upon my books today in my place in Bavaria. It would give me some hope after what happened yesterday.

The German Society for Scientific Research (DFG) rejected my project to investigate whether religious conversion is a „normal“ belief revision.

What I wanted to explore was if the same patterns which are the case when I change my mind on certain products and buy something that I rejected in first place – if these patterns are still valid when I change my mind concerning faith. My focus would be on nonmonotonicity and conservatism in the decision process. Does the emergence of more and more ugly things I have to do or say when I belong to a religious community lead me to return to another faith which I rejected when I first encountered it? Are piecemeal changes in my web of beliefs concerning religion more likely to happen than a full conversion? My empirical basis would be historical records of conversions, mostly from the Middle Ages. Not that strange, if you ask me. Why shouldn’t records from the past be as credible as contemporary witnesses?

Post festum one can say that it was my mistake to apply in the funding scheme for the religious studies – not for philosophy. In the Göttingen conference of the German religious studies last September my public consisted almost solely of students. Maybe I was stupid to make religious-studies scholars read as referees a project which presupposed the use of the logical formalism contained in the belief-revision theory. I mean, I know some people who became religious studies scholars just because they were persuaded that rationality is evil or wrong…

Would my chances have been better if I had announced that it is a philosophical project? Well, perhaps, if the application were together with a psychologist. But then, he should have to have also a habilitation, plus he should be someone who thought it was a viable project, plus, plus, plus… Additionally, I was afraid of the judgment of German analytic philosophers on a project in philosophy of religion – although strictly speaking I’m a club member myself… And I was afraid of the judgment of all the others also…

The project is dead. This entry is its funeral. Van Morrison played the guitar and sang, Bob Dylan played the harmonica…

6 thoughts on “An epitaph for a project

  1. Oh, das ist ja wirklich… hmm, bedauerlich, enttäuschend, wie auch immer. Schade aus meiner Sicht jedenfalls. Die Frage finde ich doch interessant und bedenkenswert. Und die Entschedungen von Institutionen gehen doch oft seltsame Wege. Daher mein Wunsch – KEIN R.I.P. Die Frage ist es doch wert, vielleicht an anderer Stelle wieder gestellt zu werden.

    • Eigentlich bin ich auf mich sauer, weil ich eine ganz wichtige Grundregel des guten Geschäftsmanns nicht befolgt habe – ausgerechnet ich als Fabrikantensohn ;-)Die lautet: niemals nur einen Kunden und niemals nur einen Lieferanten zu haben, selbst wenn diese ganz gut sind. Danke fürs Vertrauen in meine Zähigkeit.

  2. Pingback: Euthanasia | philori.de

  3. Pingback: Tetralemma | philori.de

  4. Pingback: Telling rationality gaps from irrationality | philori.de

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