PISA

Pisa

(Scroll for English)

Das Akronym PISA (Programme for International Student Assessment) hat außer einer Homonymie auf den ersten Blick nichts mit der toskanischen Stadt gemeinsam. Und doch hat es viel! So hängt z.B. nach jeder Veröffentlichung der PISA-Studie (heute ist so ein Tag!) in Deutschland der Haussegen schief – wegen der mittelmäßigen Ergebnisse der Nationalelf. ‚tschuldigung, der deutschen Schüler wollte ich sagen…

Die Rezeption der PISA-Studie in Deutschland ist ein einziger Beweis über die Vorrangstellung der Fußballmentalität über der Bildung – und zwar in puncto Bildung. In anderer Hinsicht sowieso… Denn die PISA-Studie ist, wenn es nach der deutschen Öffentlichkeit geht, keine bloß nützliche Abbildung der Realität, die so wie alle Abbildungen auch eine selektive Wahrnehmung darstellen würde. Nein! Die PISA-Studie sei DIE Realität, die zeige, wo man stehe!

Noch schlimmer bekräftigt die PISA-Studie diese stumpfsinnige Vorstellung, dass das Wesentliche in der Bildung das Ausführen von Prüfungen  wäre. Vor langer Zeit habe ich eine Latein-Lehrerin für ein paar Wochen an einem Freisinger Gymnasium vertreten. Einen Tag bevor ich antrat, haben mich die Philologen bei der Besprechung der Lernziele im Lehrerzimmer auf nichts anderes hingewiesen als auf Extemporalien. Das ist keine rhetorische Übertreibung, keine façon de parler: Anderthalb Stunden lang haben sie von nichts anderem gesprochen!

Da liegt eine weitere Ähnlichkeit zwischen der öffentlichen sowie – leider Gottes – auch der Pädagogen-Wahrnehmung der PISA-Studie einerseits und der Stadt in Italien andererseits: Fast alle tun so, als gäbe es nichts anderes in der Bildung zu beobachten als das, was von der PISA-Studie festgestellt wird. Genauso der Tourist in Pisa: Er tut so, als gäbe es keine andere Sehenswürdigkeit in der gesamten Stadt als der olle, missratene Turm…

On the surface of it, the acronym PISA (Programme for International Student Assessment) has only one minor similarity with the city in Tuscany: the homonymy. But this is only, as I said, superficial. There is a deep resemblance between PISA and Pisa. In Germany, on the day of the publication of the PISA-results (today is such a day) a whole nation leans towards a depression because of the very mediocre results of the national team – oops sorry: of the German students I meant…

Do we need any more proofs for the prevailing of hooligan’s mentality when it comes to education when we have the public opinion on the PISA-study? If you read German papers, listen to German radio, watch the German TV, then what the OECD does with the PISA-programme is not just monitoring some aspects of reality at the school which are, like every aspect everywhere, selective. No! They see in the PISA-study the ultimate reality!

As if this weren’t enough, the PISA-study supports a more-than-simple-minded and very widespread view according to which education and learning consist in essence in taking exams. Years ago, I replaced a Latin teacher for some weeks at a Bavarian high school. The philologists of the team wanted to discuss learning philosophy with me – so I thought… – and invited me for a meeting on the day before the first lesson. For one hour and a half they talked about nothing else but tests and exams. I’m not exaggerating. They didn’t appear to have anything else to offer as a topic for this discussion!

And this is a further similarity, of course, between the public opinion in Germany concerning the PISA-study and Pisa in Italy: Most Germans don’t seem to realize that in education there are things to be attentive of other than the results of the PISA-study. This is very much like the tourists in Pisa, Italy: they don’t seem to realise that the city has things to be attentive of other than this crap of a tower…

2 thoughts on “PISA

  1. Interessant ist auch, dass die meisten derjenigen, die sich unmittelbar mit den theoretischen aber auch empirischen Grundlagen der Bildung befassen, nämlich Erziehungswissenschaftler, nichts von PISA halten. Aber mit der Studie kann man das Volk in Schrecken versetzen – wohl der einzige Grund, wieso sie durchgeführt wird.

    • Heuer hat’s mich auch positiv beeindruckt, dass die Forderung nach Einstellung der PISA-Studien von pädagogischer Seite in den Medien zur Sprache kam.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s