Verliebt aber null Gunstbezeugungen

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In die Metaphysik verliebt zu sein, beklagte sich 1766 Immanuel Kant, ohne dass ihn seine Angebetete ihrerseits mit Gunstbezeugungen ermutigte. Wohl nicht das einzige Beispiel. Bertrand Russell wird man mit Recht eine Liebesbeziehung zur Logik nachsagen können.

Ich bin skeptisch gegenüber dieser Metapher: “Ich bin in meine Disziplin verliebt” – obwohl ich durchaus selber davon betroffen bin. Bei mir ist es eine polyamore Beziehung: Sowohl die Metaphysik als auch die Logik haben’s mir angetan.

Skeptisch! Weil es ja nur eine Metapher ist, die nichts anderes bedeutet als einen Sprachmissbrauch zu Zwecken der Übersteigerung. “Ich bin in die Metaphysik und in die Logik verliebt” bedeutet nichts anderes als: “Ich schreibe und lese sehr gern Werke über Metaphysik und Logik”. Es wäre ja lächerlich, wenn meine Frau deswegen eifersüchtig wäre oder wenn ich deshalb ein schlechtes Gewissen gegenüber meiner Familie hätte.

So gibt es z.B. – wie Kant genau wusste – nur selten Gunstbezeugungen seitens einer Disziplin, in die man verliebt ist, und selbst wenn es diese gibt, sind sie nicht von der Art, die das Familienleben stören würden.

Während ich aber an meiner Steuererkärung arbeite, ist die alljährliche Einsicht wieder da: Bestimmt gibt es Leute, die sehr gerne ihre Steuererklärung machen. Ich kann mir allerdings nicht vorstellen, dass sie nach meiner Art sagen könnten: “Ich bin in meine Steuererklärung verliebt”. Nicht in jede Gewinn bringende Tätigkeit kann man verliebt sein.

Wenn ich die Metaphysik und die Logik einerseits, die Steuererklärung andererseits miteinander vergleiche, dann weiß ich genau: In beide ersteren kann man sich verlieben. Letztere kann man wegen der Steuerbegünstigungen höchstens gern zu machen lernen – na ja, vielleicht…

In einem anderen Leben…

Logik und Finanzen

Immanuel Kant wasn’t much younger than I am now when he complained in 1766 that he was in love with metaphysics. His problem was that he didn’t receive any signs of favour from the side of his beloved. He’s not the only example. Who would fail to notice Bertrand Russell’s love affair with logic?

I’m suspicious towards the metaphor: “I’m in love with my discipline”. I mean, I’m in love myself with metaphysics and logic – no problem there, regardless of the fact that it’s a polyamorous situation.

My suspicion is due to my attitude towards metaphors altogether. Metaphors are linguistic usurpations which we use in order to exaggerate. “I’m in love with metaphysics and logic” means nothing but: “I fancy writing and reading metaphysics and logic”. It would be ridiculous if my wife were jealous because of this as much as it would if I felt guilty.

Like Kant, I know that this is not a love in which my beloved disciplines would give me signs of their love in return. And even if they would, these wouldn’t be of the kind that would threaten our family life.

But still, it is love. While I work on my tax declaration I think that there are definitely people who like working on their tax declaration. But I cannot imagine them saying that they’re in love with their tax declaration.

You can fall in love with metaphysics and logic without receiving anything in return but never fall in love with the tax declaration despite tax return.

Metaphysics naturalized

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Wer hat das gelesen?

http://www.amazon.com/Scientific-Metaphysics-Don-Ross/dp/0199696497

Wie soll ihnen eine naturalisierte Auffassung der Ursache-Wirkung-Relation gelingen? Wohlgemerkt sind Ross, Ladyman, Kincaid nicht die einzigen, die solche Ambitionen hegen. Auch Gerhard Schurz arbeitet auf dem Feld. Das kann zweierlei zeigen:

1. Entweder sehen die Leute etwas, wozu ich unfähig bin (würde ich es sehen, wenn ich den Sammelband kaufe?);

oder

2. sie haben Bildungslücken (theoretische Termini usw.) seit der Zeit, als sie als Erstsemester am Proseminar Wissenschaftstheorie teilnahmen.

Ersteres wäre eine leichtfertige Antwort; letzteres eine unnaheliegende.

PS: Soll der coole 70er-Jahre-Mercedes auf dem Buchumschlag andeuten, dass die alte, klassische Metaphysik nicht läuft, und der hässliche rote Bugatti (oder was auch immer) auf die angeblichen Leistungen der naturalisierten Metaphysik hindeuten? Wer ist dermaßen primitiv, um sich vom Bild auf dem Einband angesprochen zu fühlen?

Scientific metaphysics

Has anyone read this?

http://www.amazon.com/Scientific-Metaphysics-Don-Ross/dp/0199696497

How are they supposed to deliver a naturalized account on causation? The fact that suddenly several people next to Ross, Ladyman and Kincaid, for example also Gerhard Schurz, work on causality naturalized can show two things:

1st: they see something which I don’t see (would I see it if I buy the volume?);

or

2nd: they haven’t learned their lesson (theoretical terms etc.) in the introductory class on epistemology.

The first is too easy an answer, the second too implausible.

PS: Is the cool Mercedes from the 70s on the front cover an allegory which is supposed to show that traditional metaphysics doesn’t work? And the ugly-red-Bugatti-or-something is supposed to show that metaphysics naturalized works? Who can be that primitive to identify himself with the visual material on the cover?

Antiaristotelians in my family…

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Personen:

Vater (V)
Tochter (T)
Mutter (M)

V: Das war eine wunderschöne Geschichte, Schatz! Wer hat sie dir erzählt?
T: Damals war sie in der Zwölften und…
V: Entschuldigung: WER hat sie dir erzählt!?
T: Ja! Damals war sie in der Zwölften und…
V: “Damals” ist keine gute Art, um eine Antwort auf eine Frage nach dem “Wer” einzuleiten.
M: Hey, sie ist ein Kind und kein Logiker!

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Persons

Father (F)
Daughter (D)
Mother (M)

F: A gorgeous story, love! Who do you have it from?
D: Back then she was in the twelfth class and…
F: Excuse me, WHO told you the story?
D: Yes, back then she was in the twelfth class and…
F: Don’t you think that “back then” is a bad way to start answering a question about who did something?
M: Hey, she’s a child, not a logician!

Der Quotient oder die Q-Anbetung

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Viele bayerische Viertklässler sind seit gestern auf ein gespanntes Verhältnis mit ihren Eltern in den nächsten Monaten gefasst. Sie bekamen ihren Zwischenbericht. Werden ihre Leistungen nicht sehr bald viel besser, ist der Gymnasiumsübertritt gefährdet. Die Eltern werden trotz der Appelle fürs Gegenteil Druck auf die Kinder ausüben, viele Kinder werden im Alter von 10 Jahren mit Misserfolg und Minderwertigkeitsgefühlen rechnen müssen.

Der Lehrerverband fordert mehr gemeinsame Zeit für die Kinder vor dem Gymnasium. Die Politik stellt sich aber taub. Sie stützt sich ja auf Expertenmeinungen, die in der Intelligenz ein angeborenes Potential sehen, auf Meinungen von Experten, die für weniger Gymnasiasten plädieren, da das Gymnasium ein Hort für die außerordentliche Intelligenz sein sollte, die mit von ebendenselben Experten entwickelten IQ-Tests messbar wäre.

Bei der Intelligenz gehe es nun mal um formale, kognitive Fähigkeiten im engeren Sinne, um “logisches Denkvermögen, die Fähigkeit zum schlussfolgernden (induktiven) Denken oder die Fähigkeit zur räumlichen Vorstellung”.

So umschreibt und zitiert die SZ des 14. Juni 2013 die Intelligenzauffassung Elsbeth Sterns (ETH Zürich) und Aljoscha Neubauers (Uni Graz) aus ihrem Buch Intelligenz: Große Unterschiede und ihre Folgen. Der SZ-Artikel trägt auch die möchtegern-provokative Überschrift “Es ist die Intelligenz, Dummkopf”.

Ein Buch, das weniger Gymnasiasten fordert, weil vielzuviele Kinder zu dumm wären, dessen Autoren nicht in der Lage sind, zwischen induktiv und deduktiv zu unterscheiden – wie soll man das nennen?

Gelinde ausgedrückt: dumm gelaufen…

Stern

Since yesterday, the school report of many Bavarian students of the fourth class shadows their relationship to their parents. If their marks won’t improve very soon, they won’t be visiting the highschool for which Bavarian students have either to be fit for in the age of 10 or to leave it aside for good. Their parents will put pressure on the kids the appeals for the opposite notwithstanding, many kids won’t manage to get the marks they need and they’ll be plagued with feelings of inferiority for their whole life for something which happened to them when they were 10.

The Teachers’ Union’s demand is that the exams are taken by the students much later – i.e. the teachers are for an elementary school which goes beyond the fourth and the fifth class. The politicians are deaf to this demand. They are backed by experts opinions according to which intelligence is an inborn potential and the number of highschool students, which is in Germany traditionally very low, has to be even lower because, they say, the highschool has to be a seminar for the ones who have the extraordinary intelligence which they calculate by means of IQ-tests.

Intelligence is a set of formal cognitive abilities in the narrow sense. It involves “logical reasoning, the ability of conclusion-drawing (inductive) thinking or the ability of spatial imagination”.

This is how the Munich daily Süddeutsche Zeitung of June 14 2013 defined what these IQ-tests calculate with a quotation from Elsbeth Stern’s (Federal Polytechnic Zurich) and Aljoscha Neubauer’s (University of Graz) book: Intelligence: Big Differences and where they Take us. The newspaper wants to provoke with the title: “It’s the Intelligence, Stupid”.

Stern and Neubauer demand less highschool students. They say that most kids are too stupid for highschool. However, Stern and Neubauer who define what inborn intelligence is, confuse deduction with induction!

I leave it to the reader to decide if this is very intelligent of them…

Der Flöhe neue Kleider

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Ich lebe im falschen Jahrhundert. Am liebsten würde ich in einem fortschrittsorientierten Jahrhundert leben, das Wagnisse nicht als Gefahren betrachtet. In einem modernen Jahrhundert! So zum Beispiel im achtzehnten. Oder im frühen neunzehnten…

Nicht genug kann ich davon haben nachzuerleben, wie Goethe, der seinen Lebensunterhalt Menschen mit Privilegien, Titeln und Pfründen verdankte, sich von ihnen den Mund nicht verbieten ließ.

Welch ein Gegensatz zum inzwischen kalten und verkrusteten Brei, der mich umgibt. Überall wunderschöne Herausforderungen und tolle Ideen, die zu Grunde gehen: Entlastung der schulischen Lehrpläne; Verkürzung der Studienzeit; peer reviews; journal rankings; mehr Standardisierung in personellen Fragen. Nichts davon wird ernsthaft in Angriff genommen. Mit vielen Ausreden: Weil das Neue angelsächsisch ist; weil es aus Bologna kommt; oder aus sonstwo; weil das Neue von selber kommt, bevor wir es hereinlassen; weil die Leute, die das Neue bringen, eben neu sind – da könnte jeder kommen…

Mit vielen Ausreden, aber aus einer einzigen Ursache: Weil um den Status quo besorgte Epigonen der ehemaligen Aufbruchszeit lieber ihre alten winzigen Höflinge haben als irgendwelche Freigeister.

Und welch eine schwache Leistung auch meinerseits, wenn ich mich aus Bequemlichkeit verstelle, dass es sich mit den Winzlingen gut leben ließe…

Eins bleibt mir übrig: In die Zeitmaschine einzusteigen und mich in die Moderne, ins achtzehnte-neunzehnte, zu katapultieren. Die nächste Fahrt ist Ende Februar und die Zeitmaschine ist mit der S-Bahn von München erreichbar.

Aber vorerst ein Vorgeschmack Goetheschen Freimuts:

Beethoven’s playful melody and Goethe’s ironic lyrics are not a harmless scherzo. Goethe and Beethoven owed the fact that their art was celebrated to the aristocracy. However, the sharp political undertone of the song shows that they were anything but compromised because of this.

What a difference compared to my environment! Everywhere I look I see great challenges and excellent ideas: slimmer curricula, shortened duration of studies, peer reviews, journal rankings, standardised procedures for the appointments of professors. As I said: excellent ideas none of which gets the chances they deserve. There are many excuses for this: the new ideas come from the anglosaxon experience; or they come from Bologna; or they come from somewhere else; or they come uninvited; or they come with new people whom we don’t know – do we?

Many excuses but only one reason: the epigons of the pioneers are not pioneers themselves but, most probably, people who want to retain the status quo. What is better? To be sure that you will play Center every week for the Dwarfs Basketball Club or to risk playing as a substitute twice a year for Miami Heat? Well, there are those who prefer the former to the latter.

Once you know this, only for one thing there’s no excuse: for continuing to go to the games…

But there was a time in which the pioneers weren’t in love with stagnation. And you can go to this time. In late February there will be a time-machine near Munich – just twenty minutes by the public transport from downtown. The time-machine will take you straightforwardly to a time much more modern than ours. To a time at which risking wasn’t un-German. To the eighteenth and nineteenth centuries.

Variables

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Warum nennen wir das “x” von Gleichungen mit nur einer Lösung eine “Variable”? Weil wir den Wert nicht kennen und dummerweise was anderes einsetzen könnten? Aber dann meinen wir mit “Variable” etwas Epistemisches.

Ulrich Blau wirft dem Konstruktivismus vor, Epistemik und Semantik durcheinander zu bringen. Ich glaube, dass das stimmt. Aber der Grund ist keine methodologische Unsauberkeit, wie Blau meint, sondern der Grund ist, dass Epistemik und Semantik tatsächlich ineinandergehen.

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Why is “x” called a “variable” when the equation has only one solution? Is it because we don’t know the solution und we could calculate something wrong? But then, by calling “x” a variable we express something epistemic.

Ulrich Blau complains that constructivism fails to consider semantic and epistemic properties separately. This is true. But it’s true only because there’s no clear cut between semantics and belief. Unlike what Blau thinks, constructivism is not “clumsier” than Platonism in distinguishing.

Tribalism in academia

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Verkommen Diskussionen über Sachen in Streit um Bräuche in einer Zunft, in einem Milieu, in einer Nation (“Ich sehe ein, dass du da ein Argument hast, aber bei uns wird der Diskurs anders geführt”), dann ist Tribalismus im Spiel.

Einige der leidenschaftlichsten Attacken K.R. Poppers gegen die Feinde der offenen Gesellschaft gelten deren Tribalismus – als ob der Tribalismus ausgerottet werden könnte.

Machen wir uns nichts vor: Gegen den Tribalismus ist kein Kraut gewachsen – auch in der Wissenschaft nicht.

Das ist mehr als traurig. Denn das, was die Wissenschaft zu dem macht, was sie ist, ist die bewusste, wenn auch nie vollständige Bekämpfung des Tribalismus.

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The name for the attitude which is the case when the discussion shifts from a matter of fact to the conventions of a group, a sub-culture, a nation (“I suppose you have a point there but here we have our own discourse”) is “tribalism”.

Some of K.R. Popper’s most passionate attacks against the enemies of the open society are directed against their tribalism. Popper was an optimist who thought that tribalism can be banned from social affairs.

I don’t think that it can even be banned from the sciences and from scholarship.

This is more than sad. What makes the sciences and scholarship what they are, is the suppression of tribalism.

“Was er damit meinte, das weiß doch nur er…”

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“Meanings ain’t in the head” hat einer der größten lebenden Philosophen einst geschrieben, um uns fast alle zu überzeugen, während er seine Meinung wieder änderte. Irgendwann habe ich ihn getroffen. Er war externer Gutachter in einem Berufungsverfahren, hat sich für mich eingesetzt aber das war in einem Department, das vielzuviele sonstige – nennen wir sie – Sensitivitäten hatte. Dort, auf Zypern, damals lehrte er in Tel Aviv, hat er mir zwischen Tür und Angel gesagt, dass Kants Philosophie die Hauptinspiration seiner Meinungsänderung bezüglich “meaning” war. Meanings are in the head after all…

Das gefiel mir. Nicht wegen Kant, sondern überhaupt. Und es gefällt mir immer noch. Dafür, dass das, was wir meinen, im wesentlichen mental ist, gibt es alltägliche Beispiele.

Die Knesset beschloss z.B. vor ein paar Tagen, die Bagatellisierung  nationalsozialistischer Symbole und des Wortes “Nazi” unter Strafe zu stellen. Will man den Holokaust als Höchstmaß menschlicher Brutalität im Gedächtnis bewahren, dann kommt man nicht umhin, darauf hinzuweisen, dass die Eigennützigkeit und Derbheit des Vermieters diesen noch zu keinem Nazi macht.

Man darf also weiterhin das Wort “Nazi” benutzen, um  Menschen zu bezeichnen, denen begründetermaßen Nazitum unterstellt werden kann, andernfalls aber nicht. Es scheint aber, als wäre meine Bereitschaft, ernsthaft zu argumentieren, jemand sei ein Nazi, ausschlaggebed dafür, ob ich das Wort mit gutem Grund benutze – nach diesem neuen Gesetz jedenfalls…

Einen Parallelfall stellt die Darbietung der Melodie “Wuidschütz Jennerwein” in Deutschland dar. Sie steht nicht unter Strafe, während die sehr ähnliche Melodie des Horst-Wessel-Lieds natürlich nicht gespielt, gepfiffen oder sonst noch produziert werden darf. Da aber die Melodien sehr ähnlich sind, müsste der Ankläger die Absicht eines Angeklagten dokumentieren können, nach dem Nazi-Lied und nicht nach der Tegernseer Volksweise zu pfeifen.

Die Anklage käme damit nicht weiter. Aber wir, die wir im Alltag wohl wissen, wer, wie Wörter benutzt und Melodien pfeift, betrachten wohl das Gemeinte als den Inhalt des Kopfes desjenigen, der es so und nicht anders meint.

Der Grieche sagt: Wer, wie, was gemeint hat, das wisse “Gott und die Seele dessen“, der es gemeint hat: “ho Theos kai he psyche tou“.

I like this short movie. It’s food for thought. Kantian food for thought.

One of the greatest living philosophers wrote forty years ago: “Meanings ain’t in the head”. He persuaded almost everyone while, in fact, he was changing his mind. Ten years ago he tried to help me get this job in Cyprus – back then he taught in Tel Aviv – but the department had certain other priorities so to say…  Anyway, since he considered me to be a Kantian (which was accurate back then and is accurate still now in a way) he told me that his main inspiration in his change of mind was Kant’s philosophy. Meanings are in the head after all…

I liked this. I still like it. Not only because of Kant, I mean. Meanings which are essentially mental are an everyday experience, I think.

Take the decision of the Knesset a few days ago. In order to stop the inflationary use of Nazi symbols and the word “Nazi”, they made it a legal offence to use them without serious reason. That is, you can still call someone a Nazi if you can make the case that he is one, but being greedy and coarse doesn’t make a rent-raising landlord a Nazi from alone.

But being able to make the case that someone is a Nazi is a mental thing.

I see a parallel in playing a folk song which is very well known in the Alpine countryside between Salzburg and Munich. In Germany, it’s permitted to play, whistle, produce the melody of “Wuidschütz Jennerwein“, but you may not produce by any means the melody of the Nazi march known as “Horst-Wessel-Lied”, whose melody is very similar. If a barrister wanted to make the case that someone whistled to the one and not to the other, then he should know the intention of the accused.

Which would be a mental thing again.

Greeks say: What someone meant is known only by “God and the soul of the man“, who meant it: “ho Theos kai he psyche tou“.

I conclude that considering meanings to be in the head does justice to an everyday intuition, not only to sophisticated, Kantian arguments.

Education and natural language

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Im Hörspiel, dem unsere Älteste gespannt zuhört, kommt eine Sturmwarnung im Radio und der Reiterhof muss auf den Sturm vorbereitet werden. Die Information ist Glück im Unglück, weil die Leute des Reiterhofs sehr selten Radio hören. Der Besitzer verkündet:

Ich muss regelmäßiger Radio hören

Der Ausdruck lässt mich meine Miene verziehen. “Es gefällt dir gar nicht” sagt die Tochter vorwurfsvoll. Ich antworte, dass das Hörspiel nicht so schlimm sei; nur der Ausdruck “Ich muss regelmäßiger Radio hören” sei falsch. Was dabei gemeint sei, sei offensichtlich “öfter”. Denn auch einmal im Jahr sei regelmäßig. Hat man früher z.B. hin und wieder während des Jahres Radio gehört und hört jetzt dagegen nur einmal im Jahr, so hört man bereits “regelmäßiger” Radio.

Die ganze Familie war gegen mich: So sage man das…

Abgesehen davon, dass ich zu den Philosophen gehöre, die die natürliche Sprache nicht als sakrosankt betrachten, finde ich es richtig, den Kindern beizubringen, dass das, was die meisten Menschen sagen, manchmal Unsinn ist. Selbst wenn das eine sprachliche Norm ist.

“Der Cäsar steht nicht über den Sprachlehrern” sagten die Alten. Ich möchte hinzufügen: “Auch das Volk nicht”.

Als Nächstes bestelle ich mir das abgebildete T-Shirt.

caesar non supra grammaticos

Next thing to do is to order this T-shirt. Here’s the story:

Marta, our elder daughter, listened to a story on a CD. It was about an equestrian farm in which people listen to the news only very rarely. By chance they turn on the radio just a couple of hours before a storm hits their estate. They hear it and they can make preparations. Of course, there is more to come, since the storm is much more terrible than they expect it to be, but for now the proprietor of the farm announces:

I have to listen to the radio more regularly

Marta notices an expression of detestation in my face. “You don’t like it at all” said she full of disappointment. I answered that the play wasn’t that bad. But the expression “I have to listen to the radio more regularly” is simply false. What he means is “more often”. Because even if you listen to the radio once a year, it’s regularly enough. You already listen “more regularly” to the radio if you listened every now and then during the year and now you decide to listen only once a year.

The whole family was against me: This is how people talk…

I’m not the kind of philosopher who would see natural language as sacrosanct. But independently of this, I think that it’s the right thing to tell the children that the way people talk sometimes doesn’t make sense. Even if I attack a linguistic norm by doing so.

“Caesar non supra grammaticos” said the ancients. I have to add: “Neque populus!”

One of us is lying…

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Ich habe es bereits an sonstiger Stelle erwähnt: Eine der gefährlichsten Situationen, wenn ich am Steuer sitze, tritt ein, wenn ein logisches Paradox in meinem Gehirn Runden dreht.

Es begann heute, als unsere Jüngste Abba hören wollte. Ein paar Kilometer sind gut gegangen, bis es dann eigentlich anfing. Erst harmlos: “They passed me by, all those great romances…” usw. Dann kam aber der Refrain: “One of us is crying, one of us is lying…”

“Oh nein!!!” dachte ich. Aber das Looping begann bereits:

Wenn einer von beiden lügt – angenommen, es sind zwei – dann kann das nicht die Sängerin sein. Denn wenn die Sängerin lügen würde, dann würde sie die Aussage, dass sie lügt, auf sich beziehen und dann wäre diese Aussage nicht falsch, sondern wahr, denn sie besagt, dass die Dame lügt und sie lügt eben laut Annahme. Aber nicht so schnell! Ihre wahre Aussage, die besagt, dass sie selber lügt, würde heißen, dass ihre eigene Aussage doch falsch ist – was widersprüchlich ist, also kann die Annahme nicht gelten. Deshalb meint sie bestimmt nicht, dass sie selber lügt, sondern dass der Typ lügt. Und mal ehrlich, wenn wir jemandem sagen: “Einer von uns lügt!”, meinen wir nicht stets den anderen? Das heißt in der Tradition – wie heißt es nochmal? – a, ja, ich hab’s: secundum quid et simpliciter.
Aber was ist, wenn die Sängerin zwei oder mehr Liebhaber hatte? Ist das ein logisches Problem?

Dazu kommt, dass man beim Fahren offensichtlich nicht so klar denken kann…

Der Refrain ging weiter: “…in her lonely bed staring at the ceiling…”

Das war meine Rettung. Sie sagte ja gar nicht, dass einer von beiden lügt, sondern dass einer von beiden liegt!

Die Moral von der Geschichte: Die secundum quid et simpliciter-Lösungen der Lügner-Paradoxie sind besser als ihr Ruf. Bisher habe ich zugunsten konstruktivistischer, Kantisch angehauchter Lösungen publiziert. Trotzdem kann ich secundum quid et simpliciter-Lösungen etwas abgewinnen. Zwar gibt es nicht immer jemanden, wenn wir sagen, “Jemand lügt hier” aber…

Ach nee! Ich werde jetzt nicht die Pointe meiner neuesten Arbeit zum Lügner-Paradox vor der Publikation verraten…

One of the most dangerous situations when I drive is, as I have already mentionend, when my mind goes into loops because of a logical paradox.

It started today when our little one said that she would like to hear Abba. For a short distance it was unproblematic until the lyrics came: “They passed me by all those great romances…” etc. OK, that was harmless, but wait to listen to the refrain: “One of us is crying, one of us is lying…”

“Oh no!!!” I thought to myself. But it was too late already:

If one of the two lies – let’s take for granted that they are two – it cannot be the singer. Because if the singer is assumed to be the only liar the statement “One of us is lying” is not false but true, because it says that the singer is lying and thereby confirms the assumption. However – beware of fast conclusions! – since her statement that she is lying is true, the singer is lying after all – which is contradictory. The contradiction shows that the assumption has to be abandoned. Obviously the singer doesn’t mean that she lies herself. She says that the guy lies! Honestly now, when we say to someone: “Someone here is a liar” do we mean ourselves or the other? There’s a name for this in traditional logic. Just a moment, it’s on the tip of my tongue… Secundum quid et simpliciter, that’s it! But what if she had two or more lovers? Is there a logical problem there?

Obviously, one cannot think clearly and drive a car at the same time…

But the refrain continued: “…in her lonely bed staring at the ceiling…”

Thank you God!

The lesson to draw from this is that secundum quid et simpliciter-solutions of the liar paradox are better than generally assumed. Until now, in my publications I offered constructivistic solutions; solutions in a Kantian spirit, that is. But there is more to come on secundum quid et simpliciter-solutions. They are complicated, of course, since it’s not necessary that someone else exists when you say “There’s someone lying here”, but…

C’mon, you don’t really expect me to tell you all the details of my current work on the liar paradox prior to publication, do you?