Fast fasten

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Das Fasten vor Ostern assoziiere ich mit Euböa. Denn wenn ich mich zu der Zeit auf der Insel befand, wurde ich stets von frommen Tanten bekocht. Euböisch Fasten bedeutet, vegan zu essen plus Tiere zu essen, die Hämocyanin statt Hämoglobin im Blut haben: Oktopus, Sepia, Gambas, Austern, Weinbergschnecken und dergleichen.

Ich betrachte das Fasten aus mehreren Gründen als einen Luxus. „Etwas als Luxus betrachten“ klingt wohl in den Ohren meiner meisten Leser wie: etwas als verzichtbar betrachten. Aber ich meine genau das Gegenteil: Fasten ist etwas zwar sehr Teures (es sei denn, ich bin gerade auf Euböa und tauche selber für meine Austern), wofür meine Familie nicht zu begeistern ist (oder wer hat versucht, seinen Kindern Weinbergschnecken in Tomatensauce mit Löwenzahnsalat aufzutischen? – außer mir meine ich…), das ich aber nicht missen möchte; jedenfalls nicht vollständig…

Ich kenne das Gegenargument: Fasten ist Verzicht und nicht mit opulentem Essen vereinbar. Euböisches Fasten ist formal gesehen Verzicht auf rotes Fleisch, auf Geflügel, auf Käse, auf Fisch, auf Vieles. Aber es ist kein Verzicht auf Genuss.

Das Gegenargument überzeugt mich nicht. Zwar ist es mir unklar, wie der euböische Fasten-Formalismus mich zu einem besseren Menschen machen sollte. Aber es ist mir noch unklarer, wie ich alternativ dadurch ein besserer Mensch werden würde, wenn ich beim Fasten nur Speisen essen würde, die ich nicht genieße.

Denn dann müsste ich jeden Tag ein Jägerschnitzel essen…

Chtapodi abrounies

I associate fasting during Lent with Euboea. Whenever I happened to be in the island during Lent, the food was prepared by religious aunts. Fasting in Euboea means vegan diet plus eating animals which have haemocyanin instead of haemoglobin in their blood: octopus, sepia, gambas, oysters, escargots and the like.

Thus understood, fasting can be regarded as luxury. „Luxurious“ might sound in some readers‘ ears like „unnecessary“. But I mean rather the opposite. Fasting is a very expensive practice (if I don’t happen to be in Euboea where I can dive for my oysters) for which I never persuaded my family (who has tried to make his children eat escargots in tomato sauce with a dandelion salad? – except of me, I mean…) but which is an indispensable part of my menu in March and April – at least in some occasions.

I know the counter-argument: Fasting is self-control and cannot be combined with sumptuous food. Euboean fasting conforms to the formal prohibition to eat red meat, poultry, cheese, fish and many other things. But it’s not refraining from enjoying food.

I understand the counter-argument but I think that it’s not sound. It’s not clear to me how formalistic Euboean fasting can make me a better person, however it’s much less clear to me how I can be a better person if I eat by contrast only food which I don’t enjoy.

Could God wish that I would become a better person by eating escalope à la chasseur every day?

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