Marks and deutschmarks

SCROLL FOR ENGLISH

Die Noteninflation bei den Master- und Doktorarbeiten finde ich ärgerlich. Selbst die schlechten Noten finde ich ärgerlich – weil man sie viel zu ernst nimmt.

Für mich, der ich ja von der Grundschule an ein Spross der Reformpädagogik bin, der ich stets reformerisch denkende Dozenten in Pädagogik und Didaktik hatte – für mich waren und sind Noten immer noch eine Rückmeldung der Lehrperson an den jungen Menschen, den jene beim Lernen begleitet; nichts mehr, nichts weniger…

Die Noten haben für mich einen Nutzwert („Ich dachte, Sie konnten viel besser“; oder „Prima! Weiter so!“) und dabei besitzen sie keine der drei Funktionen des Geldes: Weder sind sie gegen Anderes zu tauschen, noch stellen sie Kapital dar, noch messen sie objektiv wie viel wert die Mühe des Schülers war. Sie sind eine persönliche, subjektive Rückmeldung.

Natürlich habe ich sehr früh in meiner Lehrtätigkeit auf fast allen Stufen festgestellt, dass nicht nur die Allgemeinheit, sondern auch viele Pädagogen und Universitätslehrer die Noten anders betrachten – eben nicht als eine Rückmeldung, sondern als eine Art Geld: gute Noten für gute Arbeit. So betrachtet, sind Noten auf einmal gegen eine gute berufliche Position eintauschbar, sie stellen Kapital für den Schüler bzw. Studenten dar, ihnen wird unterstellt, eine Aussagekraft über den Wert einer Leistung, ja eines ganzen Menschen zu haben. Aber alles Geld muss einen stabilen Wert haben und wenn die Noten eine Art Geld sind, stehen am Ende der Fehlentwicklung Schulen, an denen jeder Mucks des Schülers benotet wird und zwar sofort, bevor – angeblich! – das Urteil des Lehrers von seinen sonstigen Emotionen gegenüber dem Schüler gefärbt werden kann. Das ist nicht Science-Fiction. Solche Schulen gibt’s bereits.

Offensichtlich können die Noten selbst unter solchen Umständen die ihnen unterstellte Rolle nicht spielen. Wie viel wert ist eine Note in Altgriechisch am Freisinger Domgymnasium und wie viel wert ist dieselbe Note im selben Fach am Wirsberg-Gymnasium in Würzburg? Wie viel wert ist summa cum laude bei einem Doktorvater, der brave Manieren samt unkreativer Folgsamkeit honoriert, und wie viel wert ist cum laude bei mir?

Ein Mindestmaß an Prinzipientreue soll mir gegönnt sein, wenn ich mit meinen Noten im Sinn von persönlichen Kurznotizen umgehe. Und wenn wir hierzulande  die Noten von Master- und Doktorarbeiten nach dem britischen Vorbild endlich abschaffen, werde ich triumphieren!

Zehn Pfennig-Schein

In Germany, master’s- and PhD-degrees are marked and these marks are often inflationary. But also bad marks are a reason for discomfort. They’re taken too seriously.

I visited a progressive school. Later, my education and didactics professors affirmed reformed education. It feels natural for me to see marks as a personal and subjective feedback of the teacher to the young people who learn with the teacher’s assistance – not more, not less.

Marks have for me a use value („I thought you can do better“; or: „Great! Continue with the good job!“) and none of the three functions of money. You cannot exchange marks for something else; marks don’t store values; marks don’t form an objective, common measuring standard. They’re a personal, subjective feedback.

In my career as a teacher in institutions of almost every educational stage, I realized very early that marks are considered not only by the general public but also by many teachers to be a kind of money: good marks for good job. Seen thus, marks become exchangeable for a good profession, they store a student’s capital, they measure the value of the student’s efforts. What am I saying? – they measure how much the student’s worth…

Money, however, must be of stable value. If marks are a kind of money then at the end of this faulty line of development there are schools in which students are graded for every peep they make and this immediately after the peep in order for the teacher’s emotions to be blocked when the „objective“ grade is marked in the block. This is not science fiction. Such schools already exist.

But marks have no chance to play the role of money even under these or similar circumstances. Who’s there to guarantee that the same mark in Ancient Greek at two high schools in Munich and in Würzburg is of one and the same value? What is the value of the predicate summa cum laude for a PhD-degree marked by a supervisor who honours good manners and obedient lack of creativity and what is the value of the predicate cum laude when I’m marking?

I only need to be minimally faithful to my beliefs to continue considering marks as personal brief notes. And when the marks of German master’s- and PhD-degrees will be abolished following the British model, I’ll go out in the streets and triumph!

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s