Wholes with holes

Pinakothek der Moderne

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Die Löcher von Ron Arads „TW3 rocking chairs“ sind wichtig für die Stühle – denn das Loch ist mit Sicherheit ein wesentlicher Teil der Entscheidung modern einrichtender Käufer.

Außerdem wäre Emmentaler ohne Löcher nicht zu vermarkten. Nicht jedenfalls unter dem Namen „Emmentaler“. Laut Wikipedia haben die verschiedenen Käsesorten, die weltweit unter diesem Namen produziert werden, nur eines gemeinsam: die Löcher.

Dass aber Geld in die Löcher investiert wird, spricht dafür, dass in den natursprachlichen Begriffen „Ron Arads TW3 rocking chair“ und „Emmentaler“ die Löcher mit inbegriffen sind. Mit anderen Worten sind Löcher – so wenigstens die in der natürlichen Sprache eingebettete Vorstellung – Teile unserer alltäglichen Vorstellungen eines TW3 rocking chair und eines Stücks Emmentaler. Damit vertrete ich eine ketzerische Meinung. Die bekanntesten Autoren auf dem Gebiet (so etwa Achille Varzi, Uwe Meixner und viele andere) vertreten die Mainstream-Meinung, dass die Löcher keine Teile der Sache sind, deren Kontinuität sie Abbruch tun.

Ich will der Mainstream-Ansicht nicht jedes Recht absprechen. Ich glaube, dass in unserem Alltagsbegriff des einzelnen TW3 rocking chair und des einzelnen Stücks Emmentaler die Löcher als Teile des Ganzen vorausgesetzt sind, aber die distributiven Ganzen, die unter die Allgemeinbegriffe Emmentaler und TW3 rocking chair fallen, dürfen aus folgendem einfachen Grund keine Löcher enthalten: Gegenstände, die unter Allgemeinbegriffe fallen, distributive Ganze also, sind homogen: Die Teile des distributiven Ganzen Wasser sind nichts als konkrete Wassermengen und ist etwas keine konkrete Wassermenge, dann ist es kein Teil des distributiven Ganzen Wasser. Die Teile der Menschheit sind nur Menschen und alle Menschen. Während aber die distributiven Ganzen homogen sind in dem Sinn, dass sie keine „fremden“ Zusätze haben, sind individuelle Stühle und gekaufte Käsestücke mit Löchern als ihre Teile eindeutig heterogene Ganze und zwar gerade wegen ihrer Löcher.

Warum das ein Problem ist? Na ja, Allgemeinbegriffe stehen für nichts anderes als für die Summe aller Individuen, die sie instanziieren. Wenn man aber annimmt, die Löcher seien Teile von (heterogenen!) einzelnen TW3 rocking chairs und Emmentaler-Stücken; wenn man ferner wegen der Homogenität der entsprechenden distributiven Ganzen annimmt, dass Löcher dagegen keine Teile der Gesamtheit aller TW3 rocking chair und allen Emmentalers seien, dann haben diese Gesamtheiten einzelne TW3 rocking chairs und Emmentaler-Stücke, die gelocht sind, als Teile, ohne selber aber gelocht zu sein.

Aber selbst dafür gibt es eine Lösung: Die Gesamtheiten sind zwar homogen als distributive Ganze, nicht allerdings in dem Sinn, dass alles, was Teil ihrer Teile ist, Teil der Gesamtheit ist. So ist z.B. Wasser ein distributives Ganzes insofern, als alle Wassermoleküle Wasser sind, aber die Substruktur der Moleküle, Sauerstoff und Wasserstoff, wird nicht in Betracht gezogen. Die Teil-Ganzes-Beziehung ist bei distributiven Ganzen nicht transitiv.

Je mehr ich darüber nachdenke, desto überzeugter bin ich: Einzelne Stücke Emmentaler haben Löcher als Teile; aber die Gesamtheit des Emmentalers hat keine Löcher als Teile.

Käse und Aristoteles

The holes of Ron Arad’s „TW3 rocking chairs“ are important for the chairs. The buyer thought the hole surely a substantial element of the chair which contributed to her decision to buy it.

Emmental cheese forms a similar case: no one would buy a piece of Emmental without holes; at least not by the name Emmental. According to the German Wikipedia the various cheese types which are produced all over the world and tagged Emmental have only one thing in common: the holes.

Obviously, we do invest in holes in the case of some commodities. This shows that our everyday understanding of a TW3 rocking chair and a piece of Emmental takes the holes for granted. The holes are taken to be parts of a TW3 rocking chair and a piece Emmental. Holes as parts of wholes: this is heresy. The most influential authors who have published on this (Achille Varzi, Uwe Meixner and others) have shaped the mainstream view that holes cannot be parts of the wholes which are their hosts.

I don’t mean to refute the maistream view. I think that our ordinary conception of an individual TW3 rocking chair and of a piece Emmental the holes are supposed to be parts of the whole, but the distributive wholes for which the general concepts TW3 rocking chair and Emmental stand, have no holes as their parts for the following reason: the referents of general concepts, NB without exception distributive wholes, are homogeneous: every part of the distributive whole water is a quantity of water and anything which is not a quantity of water is not a part of the distributive whole water. The parts of the whole humanity are only human beings and there is no human being who is not a part of the whole humanity. But whereas distributive wholes are homogeneous inasmuch as they do not contain any „other“ ingredients, individual chairs and pieces of cheese with holes as their parts are heterogeneous – exactly because of their holes!

Now, why is this a problem? Well, general concepts stand for nothing but the sum of all individuals which instantiate them. But if we assume that the holes are parts of (heterogeneous!) individual TW3 rocking chairs and pieces of Emmental, if we further assume that the corresponding distributive wholes TW3 rocking chair and Emmental have no holes as their parts because distributive wholes are homogeneous, then the distributive wholes TW3 rocking chair and Emmental have no holes although they have parts which have holes as their parts (individual TW3 rocking chairs and pieces of Emmental).

I have a solution for this problem: the distributive wholes are homogeneous, however they are not homogeneous in the sense that every part of their parts is a part of themselves. Water is a distributive whole since every water molecule is water, but the deeper structure of the molecules, oxygen and hydrogen, has to be ignored. In distributive wholes, the whole-part relation is not transitive.

The more I think about it, the more I am persuaded: individual pieces of Emmental have holes as their parts. But the distributive whole Emmental has no holes as its parts.

6 thoughts on “Wholes with holes

    • Nicht alle Ganzen, die Löcher „beherbergen“, enthalten diese Löcher als ihre Teile. Der Emmentaler und die im Eintrag abgebildeten Stühle sind vielleicht Sonderfälle.

      • Latten ohne was herum haben vermutlich mehr Nichts als das Loch im Käse oder Stuhl. Falls das Nichts messbar ist.darstellt.

  1. Nach dieser Lektüre hat mein Gehirn Löcher… Distributiv. ähm … definitiv….😉
    Na ja, der Tag war auch lang – vielleicht sollte ich erst schlafen und dann lesen…🙂

    • Fachleuten ist das bekannt. Nicht Fachleute sollen es von mir aus auch als eine Art metaphysische Schrulligkeit betrachten. Es kommen bald Einträge, die nicht von Löchern und Mangel handeln – gerade zu Ostern. Danke für das Interesse auch an meinen abgespaceten Lesestücken!

      • Ich beiß mich schon durch – nur nicht mehr um diese Uhrzeit… Ein wenig Horizonterweiterung hat noch niemanden geschadet. So lange werde ich die Löcher wohl ertragen müssen…😉

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