Karlheinz Deschner und die analytische Philosophie

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Jedes Mal, wenn ich bei der Zugfahrt von Erfurt in Richtung Nürnberg an Haßfurt vorbeifahre, denke ich an Karlheinz Deschner, der dort lebte. Das werde ich weiterhin tun, nachdem er nicht mehr dort oder sonstwo lebt.

Analytische Apologeten wie Richard Swinburne und Alvin Plantinga sind äußerst selten. Die majoritäre Haltung der analytischen Philosophie war seit Russells und Carnaps Zeiten die Skepsis gegenüber der Metaphysik, insbesondere gegenüber religiös motivierter Metaphysik.

Auch die Epigonen des Wiener Kreises blieben dieser Linie treu. Wolfgang Stegmüllers Rezension von John L. Mackies Wunder des Theismus stellt nach 176 Seiten (!) abschließend fest, dass “ die uns bekannten monotheistischen Religionen auf einer für sie unverzichtbaren Existenzannahme beruhen, die vermutlich falsch ist“ (W. Stegmüller, Hauptströmungen der Gegenwartsphilosophie, Bd. IV, Stuttgart: Kröner, 1990, 518). Aber Stegmüller war ein Philosoph. Er interessierte sich für die Existenzfrage, konnte aber nicht wissen, ob die monotheistischen Religionen in ihrer geschichtlichen Ausgestaltung inkonsistent sind.

Einen Nachweis, jedenfalls einen Teilnachweis dafür, dass theologischer Anspruch und „Kriminalgeschichte“ des Katholizismus unvereinbar sind, glaubte er wohl bei Deschner zu finden. Jedenfalls soll Karlheinz Deschner nach Wolfgang Stegmüllers Worten „der bedeutendste Kirchenkritiker des [20.] Jahrhunderts“ gewesen sein.

Auch andere analytische Philosophen waren von Deschners Arbeiten angetan, so z.B. der Popper-Schüler Hans Albert, dessen Rücken auf dem Foto unten mit dem Kirchenkritiker abgelichtet wurde.

Offene Atheisten gab es in der Gesellschaft der genannten Religionskritiker nicht. Rationalisten sind fast nie offene Atheisten. Um es auf English auszudrücken, stellt der Atheismus eine lose-lose situation dar: Denn entweder gibt es ein Leben nach dem Tod oder nicht. Wenn der Atheist Recht darin hat, dass es keinen Gott und kein Leben nach dem Tod gibt, dann ist er nicht mehr da, um seinen Sieg zu genießen, wenn seine Überzeugung verifiziert wird, denn die Verifikation seiner Überzeugung ist sein Tod. Und wenn er Unrecht hat, dann existiert er nur weiter, um seine Niederlage einzugestehen. Die Situation des Theisten ist die umgekehrte win-win situation: er überlebt seine Niederlage nicht, genießt aber seinen Sieg.

Ich weiß nicht, was ich hoffen soll: Ist es besser, wenn Deschner seit letztem Dienstag irgendwelche Bewusstseinszustände hat, oder müsste ich ihm lieber die Existenzlosigkeit wünschen?

Deschner_Albert

Whenever my train passes through Haßfurt I think of Karlheinz Deschner who lived there. I’ll continue to think of him after he doesn’t live there anymore – after he doesn’t live anywhere…

Analytics are almost never apologists. People like Richard Swinburne and Alvin Plantinga are in the minority. The vast majority of analytic philosophers has been since Russell’s und Carnap’s times skeptical against metaphysics, let alone religiously motivated metaphysics.

The epigons of the Vienna Circle remained faithful to this line of thought. Wolfgang Stegmüller’s review of John L. Mackie’s Miracle of Theism concludes after 176 pages (!) that „the monotheistic religions with which we are familiar are irresolvably connected with the assumption that God exists as their basis – an assumption probably false.“ (W. Stegmüller, Hauptströmungen der Gegenwartsphilosophie, Bd. IV, Stuttgart: Kröner, 1990, 518). Stegmüller was a philosopher. He was interested in the question about God’s existence but he didn’t know whether the monotheistic religions were inconsistent in any other respect.

In Deschner’s work, however, Stegmüller appeared to discover the indications he needed that the theology and the „criminal history“ of catholicism are in deep disagreement. The philosopher named the man from Haßfurt „the most important church critic of the [20th] century“.

Stegmüller was not the only analytic philosopher who was enthusiastic about Deschner’s work. The man whose back can be seen on the picture above while he’s discussing with the church critic is Sir Karl Popper’s disciple Hans Albert.

However, there were no open atheists in the club of the critics of religion whom I just mentioned. Rationalists are almost never open atheists. They know that atheism is a lose-lose situation. Because either there is an afterlife or there is no such thing. But if the atheist is right in his rejection of an afterlife he will not be there to enjoy his victory since the verification of his rejection of an afterlife is his death. But if he is wrong, he will be there only to acknowledge his defeat. By constrast, the theist’s is a win-win situation: he does not survive his defeat but enjoys his victory.

I’m not quite certain what would be the best thing to wish to Deschner after last Tuesday. Should I wish him to have some states of consciousness or rather to be inexistent?

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