The meaning of life 1.0

Unbenannt

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In einer Karwoche habe ich einen knietiefen Graben gegraben und mit Ästen überdeckt, damit meine Mutter ihn übersieht und reinfällt. Erwischt hat es meine Tante Briseis, die wider Erwarten zu lachen angefangen hat.

In einer Karwoche habe ich eine Falle gestellt und einen Stieglitz gefangen. Später war ich überzeugt, dass ich das gar nicht wollte.

Mehrmals in der Karwoche bin ich der nächtlichen Prozession bis zum Friedhof gefolgt und ins Gebeinehaus gegangen, um meine Großmutter Euphemia zu besuchen – oder eher ihre sterblichen Überreste.

In einer Karwoche war ich der Jüngste, der das Fasten brach: Ein Onkel und seine Freunde hatten heimlich die Leber des Osterlamms bereits zubereitet und mit Wein serviert.

In einer Karwoche schrieb mir mein späterer Doktorvater, dass er einen sehr guten Eindruck von meinem Dissertationsexposé hatte; dass ich also nach München konnte.

In einer Karwoche war mein Stipendium wegen eines Bankstreiks der griechischen Banken nicht angekommen und ich hatte kein Geld in der Tasche und auch nichts zum Essen außer einer in einer Ecke des Kühlschranks liegen gebliebenen Packung mit Wurst.

In der Karwoche wollen meine Kinder Blumen des in der Münchener Salvatorkirche aufgebahrten Jesus klauen.

Das Sakrale und das Ungewöhnliche hängen sehr eng zusammen. Wenn nicht immer in der Realität, dann wenigstens in der Selektion der Erinnerungen.

mai 74

In a Holy Week I dug a half-yard-deep hole in the ground and covered it with branches and foliage from the trees so that my mother would fall in. But my aunt Briseis was earlier at the spot and fell in to unexpectedly start laughing.

In a Holy Week I set a trap and cought a goldfinch. Subsequently, I was pretty sure that, from the beginning I didn’t want this to happen.

In the Holy Week I used to follow the night procession all the way to the graveyard and into the ossuary to visit my grandmother – or, rather, what remains of her.

In a Holy Week I was the youngest who broke fasting. An uncle and his friends fried secretly the liver of the easter lamb and served it with wine.

In a Holy Week the man who later became the supervisor of my PhD thesis wrote to me that he had a good impression of my proposal. I could go to Munich.

In a Holy Week a Greek bank strike prevented the money of my scholarship to arrive in time. The only thing to eat was a vacuum pack with sausages in the refrigerator.

In the Holy Week my children want to steal flowers from Jesus’s bier in Munich’s Salvatorkirche.

The sacral and the unusual are very closely connected. If not always in reality, surely in memory selection.

 

One thought on “The meaning of life 1.0

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