The meaning of life 1.1

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In seinem ersten großen Kino-Auftritt spielt Dustin Hoffman die Rolle eines College-Absolventen, der eine Affäre mit der Ehegattin des Geschäftspartners seines Vaters eingeht. Darauf, ob das biblische Verbot nicht nur für Gattinnen unseres Nächsten, sondern auch für Gattinnen von Geschäftspartnern unserer Familienmitglieder gilt, kommt es mir heute nicht an. Davon gehe ich mal aus… Auch nicht um die spätere große Liebe des jungen Mannes zur Tochter seiner Geliebten geht es mir.

Mein Interesse gilt etwas anderem. In einem sarkastischen Moment des Films fragt der junge Liebhaber seine erfahrenere Sexpartnerin, ob ihre gemeinsamen Betätigungen „zur Abwechslung durch eine Unterhaltung neubelebt werden können“ – mit deprimierenden Ergebnissen. Es ist bereits vor diesem Moment jedem Zuschauer mehr als deutlich geworden, dass die soziale Schicht, die der Film thematisiert, über Symbole ihrer sozialen Zugehörigkeit nachdenkt und spricht, über Sachen wie Häuser, Autos, Geld oder Wege, um Geld zu machen, etwa über Kunststoffprodukte, aber über nichts anderes.

Ich habe nichts gegen Kunststoff. Ohne die Kunststofffabrik meines Vaters wäre ich selber kein Mitglied der oberen Mittelschicht gewesen mit eher unerfreulichen Folgen. Wahrscheinlich wäre mir dann z.B. eine schlechtere Ausbildung zuteil geworden. Abgesehen davon, werden die große Literatur, die großen Gefühle, die großen Ideen nicht von den Statussymbolen der Mittelschicht getragen: nicht von den Einsern ihrer Kinder, nicht von den Gärten ihrer Häuser, nicht von den Ferien in Übersee.

Große Literatur, Gefühle, Ideen werden durch die Liebe und den Tod veranlasst; oder eher durch den Tod und die Liebe. Um es mit Tom Stoppard nach einem Zitat aus Rosencrantz and Guildenstern are Dead auszudrücken:

Wir kommen von der Liebe-Blut-Rhetorik-Schauspielschule: Wir können etwas mit Blut und Liebe ohne Rhetorik vorspielen. Wir können auch etwas mit Blut und Rhetorik ohne Liebe vorspielen. Wir können alle drei Elemente im Widerstreit oder nacheinander vorstellen. Aber Liebe und Rhetorik können wir ohne Blut nicht machen. Blut ist obligatorisch.

Ostern ist ein Fest der großen Literatur, der großen Gefühle, der großen Ideen. Es geht um Schmerz und Tod dabei. Und um einen Sieg gegen den Tod – einen Sieg, der dadurch davongetragen wird, dass jemand stirbt.

Ob das überhaupt Sinn ergibt, darüber scheiden sich die Geister auf eine Weise, die viel heftiger ist, als der Streit der filmischen Liebhaber darüber, ob sie dem Sex eine Unterhaltung vorausgehen lassen sollten oder nicht. Wer über Sinn und Unsinn der Osterbotschaft streitet, hat jedenfalls beiden Liebhabern etwas voraus: ein Diskussionsthema, das sich nicht in den Konventionen einer sozialen Klasse erschöpft. Ostern ist ein ungewöhnliches Fest anlässlich einer ungewöhnlichen Tradition.

Was der Sinn des Lebens genau ist, weiß ich nicht. Aber der Sinn des Lebens besteht mit Sicherheit nicht darin, unsere Zeit totzuschlagen, indem wir uns über Trivialitäten und Konventionelles unterhalten, bis die Zeit irgendwann uns tötet.

In his first big role, Dustin Hoffman is Benjamin, a college graduate and mrs Robinson’s lover – the upper-middle-class alcoholic mother of his future big love. Mrs Robinson’s character in the movie is reminiscent to the fact that the biblical commandment: „Thou shalt not desire thy neighbour’s wife“ also holds of your father’s business-partner’s wife – this is namely what she is to the lad.

But lads can also be emotional and this is why, in a very sarcastic moment of the movie, the youngster asks mrs Robinson to „live [their sex life] up with a little conversation for a change“ – with bad results. The question was meant to be provocative from the very beginning. It is evident to our hero that the people among whom he was socialized have nothing substantial to say. And Benjamin, our hero, is fed up with their hypocrisy, eclipse of emotions, intellect, inspiration. In fact, he rejects their way of having nothing to say or to think apart of the symbols of their social class: houses, cars, money or ways to make money: plastics for example – the main thing someone recommended Benjamin to do in the legendary garden-party scene above.

I have nothing against plastics. Without my father’s plastics factory I wouldn’t be a member of the upper middle class myself – with all the negative results and with some positive among which is an education that could have been worse if my dad didn’t have the factory. But independently of this, the symbols of the middle class, A-grade children, houses, swimming pools or you name it are not what makes big literature, big emotions, big ideas.

The stuff for big literature, emotions, ideas are love and death. Or rather death and love. To quote from Tom Stoppard’s Rosencrantz and Guildenstern are Dead:

We’re more of the love, blood, and rhetoric school. Well, we can do you blood and love without the rhetoric, and we can do you blood and rhetoric without the love, and we can do you all three concurrent or consecutive. But we can’t give you love and rhetoric without the blood. Blood is compulsory.

Easter is about big literature, emotions, ideas. It is about grief. It is about death. It is about a victory over death which can be won in death itself.

Whether this makes any sense is a big discussion; even bigger than the conversation for which Benjamin asked mrs. Robinson before having sex with her. But in order to have this discussion, one has to stop discussing about trivialities like the conventions of a social class. Easter is about unusual things and it is about unusual discussions.

Whatever the meaning of life is, it’s not killing our time discussing about conventions until time kills us.

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