The meaning of life 1.0

Unbenannt

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In einer Karwoche habe ich einen knietiefen Graben gegraben und mit Ästen überdeckt, damit meine Mutter ihn übersieht und reinfällt. Erwischt hat es meine Tante Briseis, die wider Erwarten zu lachen angefangen hat.

In einer Karwoche habe ich eine Falle gestellt und einen Stieglitz gefangen. Später war ich überzeugt, dass ich das gar nicht wollte.

Mehrmals in der Karwoche bin ich der nächtlichen Prozession bis zum Friedhof gefolgt und ins Gebeinehaus gegangen, um meine Großmutter Euphemia zu besuchen – oder eher ihre sterblichen Überreste.

In einer Karwoche war ich der Jüngste, der das Fasten brach: Ein Onkel und seine Freunde hatten heimlich die Leber des Osterlamms bereits zubereitet und mit Wein serviert.

In einer Karwoche schrieb mir mein späterer Doktorvater, dass er einen sehr guten Eindruck von meinem Dissertationsexposé hatte; dass ich also nach München konnte.

In einer Karwoche war mein Stipendium wegen eines Bankstreiks der griechischen Banken nicht angekommen und ich hatte kein Geld in der Tasche und auch nichts zum Essen außer einer in einer Ecke des Kühlschranks liegen gebliebenen Packung mit Wurst.

In der Karwoche wollen meine Kinder Blumen des in der Münchener Salvatorkirche aufgebahrten Jesus klauen.

Das Sakrale und das Ungewöhnliche hängen sehr eng zusammen. Wenn nicht immer in der Realität, dann wenigstens in der Selektion der Erinnerungen.

mai 74

In a Holy Week I dug a half-yard-deep hole in the ground and covered it with branches and foliage from the trees so that my mother would fall in. But my aunt Briseis was earlier at the spot and fell in to unexpectedly start laughing.

In a Holy Week I set a trap and cought a goldfinch. Subsequently, I was pretty sure that, from the beginning I didn’t want this to happen.

In the Holy Week I used to follow the night procession all the way to the graveyard and into the ossuary to visit my grandmother – or, rather, what remains of her.

In a Holy Week I was the youngest who broke fasting. An uncle and his friends fried secretly the liver of the easter lamb and served it with wine.

In a Holy Week the man who later became the supervisor of my PhD thesis wrote to me that he had a good impression of my proposal. I could go to Munich.

In a Holy Week a Greek bank strike prevented the money of my scholarship to arrive in time. The only thing to eat was a vacuum pack with sausages in the refrigerator.

In the Holy Week my children want to steal flowers from Jesus’s bier in Munich’s Salvatorkirche.

The sacral and the unusual are very closely connected. If not always in reality, surely in memory selection.

 

Of arguments concerning and images depicting passion

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Vier Bücher würde ich für die Karwoche empfehlen. Richard Swinburnes The Resurrection of God Incarnate, Christos Yannaras’ Elements of Faith, Philip Sherrards Christianity and Eros und Kallistos Wares The Orthodox Way.

In diesen Empfehlungen gibt es etwas für fast jeden Geschmack: eine empirisch untermauerte Berechnung dessen, wie wahrscheinlich es ist, dass Jesus auferstanden ist (Swinburne); ein liberales Verständnis des Glaubens an die Auferstehung für Leser, die es nicht nötig haben, an eine physische Auferstehung zu glauben (Yannaras); eine ebenso liberale Verknüpfung von christlicher Liebe und Sexualität (Sherrard); schließlich eine allgemeine Einführung in die Orthodoxie vom vielleicht humorvollsten Kirchenmann der heutigen orthodoxen Kirche (Ware).

Meine Empfehlungen haben gemeinsam, dass die Autoren orthodoxe Christen sind; ebenso, dass ihre Werke nicht weihrauchlastig sind. Es überrascht mich selber, dass meine Autoren zu drei Vierteln britische, Oxforder Orthodoxe sind. So bin ich halt…

Andrej Tarkowskis “Opfer” wäre meine Kino-Empfehlung. Das “Opfer” ist ein mit Sherrards und Yannaras’ Denkweise verwandter Film: Die Liebe ist körperlich, Maria braucht nicht Maria zu sein. Sie kann auch die in der Luft schwebende Haushaltshilfe des Nachbarn sein – und das ohne Ironie. Das ist so, weil der Tod und die Auferstehung viel alltäglicher sind, als man denkt.

Filme sind nicht da, um zu argumentieren, sondern um Bilder zu zeigen; gegebenenfalls Bilder schwebender Liebespaare.

Sacrifice10

Andrei Tarkovsky’s “Sacrifice” would be my DVD recommendation for the Holy Week. It has common elements with something which is a liberal trend in orthodox theology since the 1960s: Christian love is corporeal. Mary doesn’t need to be Mary. She can be the neighbour’s hovering household assistant – and this without irony. This is so because death and resurrection are more everyday phenomena than one thinks.

Movies are not there in order to provide arguments. They are there in order to show images. In this case, these are images of levitating lovers.

But I’m the kind of person who produces arguments rather than images. This is why I would like to recommend my readers who would be willing to take this recommendation four books for the Holy Week: Richard Swinburne’s The Resurrection of God Incarnate, Christos Yannaras’s Elements of Faith, Philip Sherrard’s Christianity and Eros and Kallistos Ware’s The Orthodox Way.

My recommendations meet many tastes: there is something for those who love empirically corroborated calculations of the probability by which Jesus really resurrected (Swinburne); something for those who prefer a liberal understanding of the faith in resurrection and don’t need proofs for Jesus’s physically surviving his own death (Yannaras); something for those who see Christian love and sexuality as very closely connected (Sherrard); finally, something for those who would rather read a general introduction to Orthodoxy written by the perhaps most humorous orthodox metropolitan of our days (Ware).

My recommendations have in common that all authors are orthodox Christians. They also have in common that they’re not “frankincensed”. The fact that three out of four authors are British – orthodox Oxonians – must be a bit of surprise for my readers. It is also for myself, I assure you. But that’s me, I suppose…

Die Dialektik der Auferstehungsgeschichten

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Im Johannesevangelium wird die Passionsgeschichte mit der Auferstehung des Lazarus eingeleitet.

Ich kann mit Auferstehungsgeschichten leben. Was soll’s: Auferstehungsgeschichten sind ein bekanntes Muster spätantiker philosophischer Erzählungen: Lukian berichtet vom Glauben einiger seiner Zeitgenossen, dass der Zyniker Peregrinus Proteus sich durch ein göttlich machendes Feuer dem irdischen Leben entzogen hätte. Bei Eunapius findet sich eine Formulierung, die die Interpretation zulässt, Porphyrius wäre von Plotin aus dem Tod erweckt worden.

Was mir allerdings speziell an Lazarus’ Auferstehungsgeschichte unpassend erscheint, ist, dass Jesus ausgerechnet seinen besten Freund zum Aushängeschild seiner Fähigkeit benutzte, Tote zum neuen Leben zu erwecken, statt irgendeinen ihm Unbekannten aus dem Jenseits zu holen. Es ist, wie wenn meine wichtigste Publikation in einer Zeitschrift erschienen wäre, die von meinem besten Freund herausgegeben würde.

Aber man kann natürlich entgegnen, auch die Tochter des Jairus habe er zum Leben erweckt, die ihm ja unbekannt war.

Trotzdem: Wie konnte nur Jesus – Gottes Sohn! – seinen besten Freund dazu verdonnern, gleich zweimal zu sterben? Das ist doch die schlimmste Strafe, die sich der griechische republikanische Politiker Nikolaos Plastiras denken konnte. Lange, nachdem dieser 1922 die frühere monarchistische politische Führung hatte hinrichten lassen, soll er gefragt worden sein, ob er etwas anders als damals tun würde, wenn er Gottes Macht gehabt hätte. Die Hoffnung einer von einer Läuterung zeugenden Antwort soll der ehemalige General mit der Erklärung zerstreut haben, er wolle die Hingerichteten zum Leben erwecken, damit er sie noch einmal hinrichten lassen könne.

Aber wirklich ad absurdum würden Auferstehungsgeschichten geführt werden, wenn sehr alte Menschen davon betroffen wären. Bei ihrem Alter müssten sie bald wieder sterben. Die Prozedur könnte wiederholt werden…

Die neoorthodoxe Theologie spricht ungern von einer wörtlich zu verstehenden Auferstehung. Aber das soll das Thema eines anderen Eintrags werden.

Hoi hex

In John’s gospel the raising of Lazarus stands immediately before the passion.

I can live with resurrection stories. There are late ancient resurrection stories which belong rather to the history of philosophy than to the history of religion. Lucian witnessed the self-immolation (or rather a failed stunt?) of the Cynic Peregrinus Proteus and reports about the faith of some of his contemporaries that the fire was Peregrinus’s way to deification. Eunapius describes an episode from Porphyry’s life in a way which allows for the interpretation that decades prior to his final death the Neoplatonic died temporarily in Sicily to be raised from the dead by his teacher Plotinus.

However, I’m uncomfortable especially with Lazarus’ raising. Jesus shows his power by taking advance of his best friend’s death – in fact using his best friend as an instrument. This is as if my best publication had been in a journal edited by my best friend.

Of course there is the counter-argument that Jesus also raised Jairus’ daughter, a girl with whom he had no acquaintance before.

But this gives me rather one more reason to feel uncomfortable about Lazarus’ raising. How could Jesus – God’s son! – make his best friend die twice? This is the worst torment which the Greek republican politician Nikolaos Plastiras could imagine! Formerly an army general, Plastiras overthrew monarchy in 1922 and pulled the strings behind the execution of the monarchist political leadership which he thought responsible of a lost war and the expatriation of one-and-a-half million Greeks from Asia Minor. The legend says that many years later Plastiras was asked if he felt sorry about the executions and what he would do if he was given God’s powers. To which he replied that he would gladly raise the executed from the dead only to have the pleasure to sentence them anew to death.

This brings me to the next point: Resurrection stories can be absurd if the resurrected are highly aged. They would have to die soon after resurrection. And the procedure could be repeated…

The new orthodox theology prefers not to speak of a resurrection in the  literal sense. But I’d like to keep this topic for another posting.

 

Karlheinz Deschner und die analytische Philosophie

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Jedes Mal, wenn ich bei der Zugfahrt von Erfurt in Richtung Nürnberg an Haßfurt vorbeifahre, denke ich an Karlheinz Deschner, der dort lebte. Das werde ich weiterhin tun, nachdem er nicht mehr dort oder sonstwo lebt.

Analytische Apologeten wie Richard Swinburne und Alvin Plantinga sind äußerst selten. Die majoritäre Haltung der analytischen Philosophie war seit Russells und Carnaps Zeiten die Skepsis gegenüber der Metaphysik, insbesondere gegenüber religiös motivierter Metaphysik.

Auch die Epigonen des Wiener Kreises blieben dieser Linie treu. Wolfgang Stegmüllers Rezension von John L. Mackies Wunder des Theismus stellt nach 176 Seiten (!) abschließend fest, dass ” die uns bekannten monotheistischen Religionen auf einer für sie unverzichtbaren Existenzannahme beruhen, die vermutlich falsch ist” (W. Stegmüller, Hauptströmungen der Gegenwartsphilosophie, Bd. IV, Stuttgart: Kröner, 1990, 518). Aber Stegmüller war ein Philosoph. Er interessierte sich für die Existenzfrage, konnte aber nicht wissen, ob die monotheistischen Religionen in ihrer geschichtlichen Ausgestaltung inkonsistent sind.

Einen Nachweis, jedenfalls einen Teilnachweis dafür, dass theologischer Anspruch und “Kriminalgeschichte” des Katholizismus unvereinbar sind, glaubte er wohl bei Deschner zu finden. Jedenfalls soll Karlheinz Deschner nach Wolfgang Stegmüllers Worten “der bedeutendste Kirchenkritiker des [20.] Jahrhunderts” gewesen sein.

Auch andere analytische Philosophen waren von Deschners Arbeiten angetan, so z.B. der Popper-Schüler Hans Albert, dessen Rücken auf dem Foto unten mit dem Kirchenkritiker abgelichtet wurde.

Offene Atheisten gab es in der Gesellschaft der genannten Religionskritiker nicht. Rationalisten sind fast nie offene Atheisten. Um es auf English auszudrücken, stellt der Atheismus eine lose-lose situation dar: Denn entweder gibt es ein Leben nach dem Tod oder nicht. Wenn der Atheist Recht darin hat, dass es keinen Gott und kein Leben nach dem Tod gibt, dann ist er nicht mehr da, um seinen Sieg zu genießen, wenn seine Überzeugung verifiziert wird, denn die Verifikation seiner Überzeugung ist sein Tod. Und wenn er Unrecht hat, dann existiert er nur weiter, um seine Niederlage einzugestehen. Die Situation des Theisten ist die umgekehrte win-win situation: er überlebt seine Niederlage nicht, genießt aber seinen Sieg.

Ich weiß nicht, was ich hoffen soll: Ist es besser, wenn Deschner seit letztem Dienstag irgendwelche Bewusstseinszustände hat, oder müsste ich ihm lieber die Existenzlosigkeit wünschen?

Deschner_Albert

Whenever my train passes through Haßfurt I think of Karlheinz Deschner who lived there. I’ll continue to think of him after he doesn’t live there anymore – after he doesn’t live anywhere…

Analytics are almost never apologists. People like Richard Swinburne and Alvin Plantinga are in the minority. The vast majority of analytic philosophers has been since Russell’s und Carnap’s times skeptical against metaphysics, let alone religiously motivated metaphysics.

The epigons of the Vienna Circle remained faithful to this line of thought. Wolfgang Stegmüller’s review of John L. Mackie’s Miracle of Theism concludes after 176 pages (!) that “the monotheistic religions with which we are familiar are irresolvably connected with the assumption that God exists as their basis – an assumption probably false.” (W. Stegmüller, Hauptströmungen der Gegenwartsphilosophie, Bd. IV, Stuttgart: Kröner, 1990, 518). Stegmüller was a philosopher. He was interested in the question about God’s existence but he didn’t know whether the monotheistic religions were inconsistent in any other respect.

In Deschner’s work, however, Stegmüller appeared to discover the indications he needed that the theology and the “criminal history” of catholicism are in deep disagreement. The philosopher named the man from Haßfurt “the most important church critic of the [20th] century”.

Stegmüller was not the only analytic philosopher who was enthusiastic about Deschner’s work. The man whose back can be seen on the picture above while he’s discussing with the church critic is Sir Karl Popper’s disciple Hans Albert.

However, there were no open atheists in the club of the critics of religion whom I just mentioned. Rationalists are almost never open atheists. They know that atheism is a lose-lose situation. Because either there is an afterlife or there is no such thing. But if the atheist is right in his rejection of an afterlife he will not be there to enjoy his victory since the verification of his rejection of an afterlife is his death. But if he is wrong, he will be there only to acknowledge his defeat. By constrast, the theist’s is a win-win situation: he does not survive his defeat but enjoys his victory.

I’m not quite certain what would be the best thing to wish to Deschner after last Tuesday. Should I wish him to have some states of consciousness or rather to be inexistent?

Wholes with holes

Pinakothek der Moderne

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Die Löcher von Ron Arads “TW3 rocking chairs” sind wichtig für die Stühle – denn das Loch ist mit Sicherheit ein wesentlicher Teil der Entscheidung modern einrichtender Käufer.

Außerdem wäre Emmentaler ohne Löcher nicht zu vermarkten. Nicht jedenfalls unter dem Namen “Emmentaler”. Laut Wikipedia haben die verschiedenen Käsesorten, die weltweit unter diesem Namen produziert werden, nur eines gemeinsam: die Löcher.

Dass aber Geld in die Löcher investiert wird, spricht dafür, dass in den natursprachlichen Begriffen “Ron Arads TW3 rocking chair” und “Emmentaler” die Löcher mit inbegriffen sind. Mit anderen Worten sind Löcher – so wenigstens die in der natürlichen Sprache eingebettete Vorstellung – Teile unserer alltäglichen Vorstellungen eines TW3 rocking chair und eines Stücks Emmentaler. Damit vertrete ich eine ketzerische Meinung. Die bekanntesten Autoren auf dem Gebiet (so etwa Achille Varzi, Uwe Meixner und viele andere) vertreten die Mainstream-Meinung, dass die Löcher keine Teile der Sache sind, deren Kontinuität sie Abbruch tun.

Ich will der Mainstream-Ansicht nicht jedes Recht absprechen. Ich glaube, dass in unserem Alltagsbegriff des einzelnen TW3 rocking chair und des einzelnen Stücks Emmentaler die Löcher als Teile des Ganzen vorausgesetzt sind, aber die distributiven Ganzen, die unter die Allgemeinbegriffe Emmentaler und TW3 rocking chair fallen, dürfen aus folgendem einfachen Grund keine Löcher enthalten: Gegenstände, die unter Allgemeinbegriffe fallen, distributive Ganze also, sind homogen: Die Teile des distributiven Ganzen Wasser sind nichts als konkrete Wassermengen und ist etwas keine konkrete Wassermenge, dann ist es kein Teil des distributiven Ganzen Wasser. Die Teile der Menschheit sind nur Menschen und alle Menschen. Während aber die distributiven Ganzen homogen sind in dem Sinn, dass sie keine “fremden” Zusätze haben, sind individuelle Stühle und gekaufte Käsestücke mit Löchern als ihre Teile eindeutig heterogene Ganze und zwar gerade wegen ihrer Löcher.

Warum das ein Problem ist? Na ja, Allgemeinbegriffe stehen für nichts anderes als für die Summe aller Individuen, die sie instanziieren. Wenn man aber annimmt, die Löcher seien Teile von (heterogenen!) einzelnen TW3 rocking chairs und Emmentaler-Stücken; wenn man ferner wegen der Homogenität der entsprechenden distributiven Ganzen annimmt, dass Löcher dagegen keine Teile der Gesamtheit aller TW3 rocking chair und allen Emmentalers seien, dann haben diese Gesamtheiten einzelne TW3 rocking chairs und Emmentaler-Stücke, die gelocht sind, als Teile, ohne selber aber gelocht zu sein.

Aber selbst dafür gibt es eine Lösung: Die Gesamtheiten sind zwar homogen als distributive Ganze, nicht allerdings in dem Sinn, dass alles, was Teil ihrer Teile ist, Teil der Gesamtheit ist. So ist z.B. Wasser ein distributives Ganzes insofern, als alle Wassermoleküle Wasser sind, aber die Substruktur der Moleküle, Sauerstoff und Wasserstoff, wird nicht in Betracht gezogen. Die Teil-Ganzes-Beziehung ist bei distributiven Ganzen nicht transitiv.

Je mehr ich darüber nachdenke, desto überzeugter bin ich: Einzelne Stücke Emmentaler haben Löcher als Teile; aber die Gesamtheit des Emmentalers hat keine Löcher als Teile.

Käse und Aristoteles

The holes of Ron Arad’s “TW3 rocking chairs” are important for the chairs. The buyer thought the hole surely a substantial element of the chair which contributed to her decision to buy it.

Emmental cheese forms a similar case: no one would buy a piece of Emmental without holes; at least not by the name Emmental. According to the German Wikipedia the various cheese types which are produced all over the world and tagged Emmental have only one thing in common: the holes.

Obviously, we do invest in holes in the case of some commodities. This shows that our everyday understanding of a TW3 rocking chair and a piece of Emmental takes the holes for granted. The holes are taken to be parts of a TW3 rocking chair and a piece Emmental. Holes as parts of wholes: this is heresy. The most influential authors who have published on this (Achille Varzi, Uwe Meixner and others) have shaped the mainstream view that holes cannot be parts of the wholes which are their hosts.

I don’t mean to refute the maistream view. I think that our ordinary conception of an individual TW3 rocking chair and of a piece Emmental the holes are supposed to be parts of the whole, but the distributive wholes for which the general concepts TW3 rocking chair and Emmental stand, have no holes as their parts for the following reason: the referents of general concepts, NB without exception distributive wholes, are homogeneous: every part of the distributive whole water is a quantity of water and anything which is not a quantity of water is not a part of the distributive whole water. The parts of the whole humanity are only human beings and there is no human being who is not a part of the whole humanity. But whereas distributive wholes are homogeneous inasmuch as they do not contain any “other” ingredients, individual chairs and pieces of cheese with holes as their parts are heterogeneous – exactly because of their holes!

Now, why is this a problem? Well, general concepts stand for nothing but the sum of all individuals which instantiate them. But if we assume that the holes are parts of (heterogeneous!) individual TW3 rocking chairs and pieces of Emmental, if we further assume that the corresponding distributive wholes TW3 rocking chair and Emmental have no holes as their parts because distributive wholes are homogeneous, then the distributive wholes TW3 rocking chair and Emmental have no holes although they have parts which have holes as their parts (individual TW3 rocking chairs and pieces of Emmental).

I have a solution for this problem: the distributive wholes are homogeneous, however they are not homogeneous in the sense that every part of their parts is a part of themselves. Water is a distributive whole since every water molecule is water, but the deeper structure of the molecules, oxygen and hydrogen, has to be ignored. In distributive wholes, the whole-part relation is not transitive.

The more I think about it, the more I am persuaded: individual pieces of Emmental have holes as their parts. But the distributive whole Emmental has no holes as its parts.

Making sense of … Marks (sic)

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Ein Teil der Leser wird beim Lesen des Titels gedacht haben, dass es mir wie nur so oft in diesem Blog wieder um Leistungsbewertung und Didaktik geht. Diesen Eindruck wollte ich aber mit dem Titel dieses Eintrags nicht erwecken. Stattdessen wollte ich auf Jon Elsters Buch Making Sense of Marx (1985) anspielen, ein repräsentatives Beispiel der analytischen Lesart von Marx – dabei aber die serbokroatische Rechtschreibung des Namens des Autors des Kapitals benutzen.

Wie im Leben, so ist es auch in der Philosophie ein nicht unübliches Phänomen, dass Sprache, Standort, Tradition, Wahrzeichen es einem ermöglichen, die Idee eines anderen effektiver zu vermarkten. Das passierte z.B. mit Asenjos und Tamburinos logischem System, das den Wahrheitswert wahr-und-falsch zulässt. Allgemein bekannt wurde es nur Jahre später als Graham Priests LP.

Jugoslawischen Philosophen wie Mihailo Marković und Svetozar Stojanović erging es nicht besser. Ihren analytischen Neomarxismus haben sie formuliert bereits Jahrzehnte, bevor die jungen Intellektuellen, die New Labour wählten, Jon Elster entdeckten.

Das Thema der Dissertation von Marković war die Metalogik. Kein anderer als der logische Positivist A.J. Ayer war der Doktorvater, dessen Reaktion ich sehr gern gewusst hätte, als er lies, wie sein Student “Logik” definierte: “Eine Menge aus Theorien, (i) denen von der Öffentlichkeit Bedeutung zugewiesen wird, (ii) die beweisbar sind, und (iii) die sich auf eine bestimmte Theorie T auf niedrigerer Ebene anwenden lassen”. (Marković, M. (1958), The Concept of Logic, London: Dissertation, S. 1).

Stojanović promovierte 1962 in Belgrad über zeitgenössische Metaethik. Das Feld war noch neu und Stojanović hat eine allgemeine Übersicht und eine historistische und relativistische Alternative geliefert (Stojanović, S. (1964), Savremena meta-etika, Belgrad: Nolit, insb. S. 283-322).

Warum schreibe ich all das? Weil ich bei meinem letzten Aufenthalt in Belgrad an die Worte eines chilenischen Kollegen, eines parakonsistenten Logikers, denken musste: “Diejenigen, die bei den großen internationalen Publikationen näher sind, lassen dich verstehen, dass sie einen Diskurs führen, zu dem du in der Peripherie nicht gehörst – selbst wenn du eigentlich diesen Diskurs losgetreten hast”.

Stojanovic

Some of you might expected to read a piece about school grades when they read the title of the posting – say as a follow-up to my former postings on didactics and marks in this blog. But this would be the false impression. I don’t think that one can really make sense of quantified evaluations of the students’ output. In the title of this posting I’m just alluding to Jon Elster’s Making Sense of Marx (1985), a book emblematic of an analytic understanding of Marx, but I’m using the Serbocroatian spelling of the name of the author of the Capital.

Like life in general, also philosophy has many examples to offer about people who, for reasons of language, location, tradition, trade mark etc. managed to distribute ideas of others much more effectively than the original thinkers. This was the case with Asenjo’s and Tamburino’s logic system which allows for sentences to be true-and-false at the same time – a system which became generally known only years later as Graham Priest’s LP.

This was also the case with Yugoslav philosophers like Mihailo Marković and Svetozar Stojanović: they had produced pieces of analytical Neo-Marxist philosophy decades before the New Labour intellectuals discovered Jon Elster.

Let me only remark that Marković’s supervisor for his PhD-thesis on what today is called epistemology of logic was A.J. Ayer – a logical positivist, of course, whose reaction to his student’s pragmatic definition of logic as “a class of theories which are (i) publicly meaningful (ii) provable and (iii) applicable to a certain lower-level theory T” I would very much like to know (Marković, M. (1958), The Concept of Logic, London: PhD-thesis, p. 1).

Stojanović’s PhD-thesis Contemporary Metaethics, submitted in 1962 in Belgrade, reviews a back then emerging field of philosophical research taking a historicist and relativistic stance (Stojanović, S. (1964), Savremena meta-etika, Belgrade: Nolit, esp. pp. 283-322).

Why am I writing all this? Because during my last stay in Belgrade I remembered what a colleague from Chile, a paraconsistent logician, said to me once: “The ones who are closer to the big international publications want to make you think that they have a discourse and you, on the periphery, are not part of this discourse – even if you’re the one who launched it”.