Deep truths: Is the real McCoy a true Scotsman? And how many Elvis fans can be wrong?

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Mit gültigen Argumenten erhöhen sich die Chancen, den Zuhörer zu gewinnen. Und da die Gültigkeit eines Arguments an der Befolgung formaler Regeln erkennbar ist, sind formale Regeln wichtig für die Überzeugungsarbeit. Wenn ich fünfzig Millionen Leser gehabt hätte, dann wäre ich ein erfolgreicher Blogger gewesen. Aber daraus folgt nicht, dass ich kein erfolgreicher Blogger bin, wenn ich keine fünfzig Millionen Leser habe. Es ist ein formaler Fehler, aus einer wahren Implikation diejenige Implikation abzuleiten, in der Antecedens und Consequens der ursprünglichen Implikation verneint sind. Formale Fehler rächen sich durch falsche Schlussfolgerungen. Ich kann mit viel weniger Lesern als fünfzig Millionen ein sehr erfolgreicher Blogger sein.

Wenn die formalen Voraussetzungen der Überzeugungsarbeit seit der aristotelischen Syllogistik begründet sind, gilt für die nicht minder wichtigen, informellen Voraussetzungen der Überzeugungsarbeit nicht dasselbe.

Die Bestätigung mit Bezug auf Autoritäten klingt oft wenig überzeugend: Fünfzig Millionen Leser machen einen zu einem erfolgreichen Blogger, aber sein Blog ist dadurch kein Bisschen besser. Ad hoc-Annahmen gelten als gemogelt. Ich darf keine unbestätigte Annahme einführen, nur um meine These gegen Kritik zu untermauern. Unterschwellig vorauszusetzen, was ich beweisen will, ist ebenfalls eine Mogeltaktik beim Argumentieren. Und ganz sicher ist es faul, meine Behauptung, kein Schotte würde Bourbon trinken, gegen ein Gegenbeispiel („Angus McCoy trinkt Bourbon“) mit dem Gegenargument zu verteidigen, kein echter Schotte würde Bourbon trinken. McCoy wäre somit kein echter Schotte. Aber Gegenbeispiele darf man nicht durch eine Umdefinition diskreditieren.

Wissen, dass etwas gemogelt ist, ist eine Sache; begründen eine andere. Da es für unsere Ablehnung gegen confirmationes ad auctoritates, ad hoc-Argumente, petitio-Argumente, „kein echter Schotte“-Argumente keine formale Begründung gibt, kann es sein, dass solche Spielzüge andernorts nicht als Mogelspielzüge gelten. Man kann, meine ich, mit gutem Recht meinen, dass die informelle Logik im Gegensatz zur formalen Logik kulturell oder subkulturell bedingt ist.

Es gab diese Lehrerin, die mich für ein Projekt gewinnen wollte: nach antiken Rezepten kochen und zwar mit dem Urtext. Es klingt zwar interessant, aber mir schwebt etwas anderes vor: eine Lehreinheit Elvis. Musik-, Englisch- und Ethiklehrer gehen gemeinsam in die zehnte Klasse und erklären schräge Noten, schräge Sprache und schräge Logik. Alle drei schätze ich viel mehr, als meine Leser denken. Ob die Lehrer mitspielen, ist eine andere Frage. Einen Versuch ist’s wert.

Fifty million fans

There was this teacher who wanted to conduct a project with me: cooking with her students using recipes from the classical antiquity in the original languages. I didn’t say no but I don’t think that it’s the real McCoy. I have a counter-proposal: an English teacher, a music teacher and a philosophy teacher introduce 10-graders into cool sounding language, strangely sounding accords and unsound reasoning all inclusive with Elvis.

Sound reasoning is what we normally want to perform in order to persuade. Since validity, an important constraint of soundness, is dependent on formal rules, following formal rules increases your persuasiveness; formal rules like the following: If I had fifty million readers I would be a successful blogger. But this does not imply that I’m not a successful blogger if I don’t have fifty milliion readers. From an implication you cannot deduce another implication by just negating the antecedent and the consequent of the original implication. Formal mistakes revenge with errors: I can be a successful blogger with much less readers than fifty millions.

Formal logic is founded since Aristotle’s syllogistic. But informal logic is not. The moves which informal logic suggests are not formally justified.

Appeal to authority is eventually an incorrect move: Fifty million readers make you a successful blogger but they don’t make your blog better. Ad hoc-arguments based on assumptions  which are introduced without evidence just in order to save the theory are fallacious. Begging the question is cheating. And of course it is a foul to defend your claim that Scots never drink bourbon against a counter-example („Angus McCoy does drink bourbon“) by saying that no true Scotsman would drink bourbon. This move redefines Scotsmen as people who don’t drink bourbon in order to discredit McCoy’s counter-example.

But since appeal to authority, ad hocness, begging the question and no-true-Scotsman arguments cannot be formally refuted, it’s possible that there are cultures and subcultures in which they are not regarded as fallacies. Elvis fans could be one of the subcultures in question. Normally, we don’t speak of „cultures“ in this context – rather of „communicative ethos“. I’m wondering why…

4 thoughts on “Deep truths: Is the real McCoy a true Scotsman? And how many Elvis fans can be wrong?

  1. Vielen Dank für die kleine Erinnerung an die Vielzahl argumentativer Winkelzüge! Ich war gerade, fast schon reflexhaft, dabei, den Satz „Mit gültigen Argumenten erhöhen sich die Chancen, den Zuhörer zu gewinnen.“ mit einem bissigen Verweis auf einige Spitzenpolitiker und deren unerträglich hohe Vertrauenswerte (in Abwesenheit jeglicher gültigen Argumentation) widerlegen zu wollen, als mir auffiel, dass das ebenfalls nur ein rhetorischer Trick wäre, den man der Liste noch hinzufügen könnte: mit einem „Gegenbeispiel“ gegen eine statistische Aussage „argumentieren“.

    • Danke für diesen Kommentar. Es ist, denke ich, ratsam, gültige Argumente statt offensichtlich defekter Argumente zu benutzen. Selbst Politiker wären besser beraten, das zu tun. Aber ist es der Fall, dass ich mit gültigen Argumenten mehr überzeuge als mit scheinbar gültigen Argumenten? Mit ein paar Gegenbeispielen von vorsichtig gewählten sophistischen Trugschlüssen, die gegenüber gültigen Argumenten historisch überzeugender wirkten, könnte meine These durchaus zum Wackeln gebracht werden.

  2. Es kommt wohl darauf an, wo man welche Art Argument nutzt. In Schriften werden eher gültige Argumente überzeugen aus ganz simplen Gründen: Man kann sie mehrmals lesen, längere Zeit über sie nachdenken, sie nachvollziehen usw. In einer politischen Debatte beispielsweise mit langen Schlüssen anzurücken, wo vielleicht noch alle nötigen Prämissen sauber aufgeschlüsselt werden, wird eher zu Langweile, Unkonzentriertheit und am Ende zu keiner Überzeugung führen. (Das gilt bestimmt auch nicht für alle gültigen Argumente, aber für komplexere.)

    • Unterschätzen Sie, bitte, nicht die Fähigkeit eines geschulten Publikums, Trugschlüsse in sehr kurzer Zeit zu erkennen. In der Demokratie besteht das Publikum natürlich auch aus den nicht Geschulten, aber für den Bundestag und für jedes Parlament setze ich eine argumentationstheoretische Schulung bei den Meisten voraus – und sei es nur aufgrund dessen, dass die Meisten Juristen sind.

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