Aristoteles, Oscar Wilde und der Himmel über München

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Drei Münchener Gotteshäuser habe ich heute fotografiert: die Synagoge, bei der ein Kinderfest stattfand, den Alten Peter auf dem Weg zur U-Bahn, schließlich die griechisch-orthodoxe Allerheiligenkirche, in deren Nähe ich immer einen Parkplatz finde.

Nicht nur ist jedes dieser Gotteshäuser repräsentativ für die jeweilige Kultur und Religionsgemeinschaft, sondern heute war auch der Himmel darüber jeweils alttestamentlich, der Lüftlmalerei zuzuordnen oder wie einem maritimen Gemälde von Konstantinos Parthenis entnommen.

Oscar Wilde kehrte auf seine charakteristische Art eine These von Aristoteles um, als er meinte, die Natur ahme die Kunst nach. Cum grano salis ergibt der Spruch Sinn auch außerhalb von Wildes typischer Spitzfindigkeit. Denn es gibt Fälle, in denen die Natur nur deshalb wahrgenommen wird, weil sie mit Kulturellem assoziiert wird.

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I spent the whole day in downtown Munich today and made some pictures of three places of worship: of the synagogue (the St. Jakob’s Square is a great place for children to play), of the „Old Peter“ (in fact Munich is what evolved around this church), finally of the Greek-Orthodox All Saints‘ church, where I always find a place to park the car.

Each of these buildings is very representative of the culture and religious community in question. The distinctive thing today was that the sky was also representative of the three cultures: biblical over the synagogue, akin to Bavarian folk art over the „Old Peter“, and as if it were taken out of one of Constantine Parthenis’s maritime paintings over the All Saints‘ church.

To put it in Oscard Wilde’s words: „Nature imitates art“.

Inverting the terms of a common place was very characteristic of Oscar Wilde and this is how Wilde modified the Aristotelian dictum: „Art imitates nature“. If you consider that there are cases in which we perceive nature only because we associate it with culture, you will probably understand why Wilde’s version makes perfectly sense to me.

 

 

2 thoughts on “Aristoteles, Oscar Wilde und der Himmel über München

    • Ein alttestamentlicher Himmel strotzt vor Zorn! Zorn ist wichtig im Alten Testament. Einen spezifisch neutestamentlichen Himmel gibt es nicht. Ich kann mich nur an eine Beschreibung des Himmels im NT erinnern, nach dem „Es ist vollbracht“, aber ich denke, dass dieser Himmel nicht repräsentativ für das ganze NT ist. Jetzt zu koranisch: Vom koranischen Tageshimmel weiß ich nichts. Aber im koranischen Nachthimmel gibt es nie einen Vollmond. Ich meine, wenn man ein Szenenbild für Mozarts Entführung aus dem Serail bewerkstelligt, was für einen Mond malt man dann?

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