Integrity

SCROLL FOR ENGLISH

Die Evaluationen von Personen und Fachbereichen aufgrund der von der Person oder im Fachbereich produzierten Peer-Review-Publikationen ist eine Entwicklung in der Wissenschaft, die mit großer Wahrscheinlichkeit nicht lange auf sich warten lässt. Gerade als jemand mit ein paar derartigen Publikationen muss ich wohl der Entwicklung positiv gegenüberstehen. Im Kongress der Gesellschaft für analytische Philosophie des Jahres 2012 zirkulierte ein Thesenpapier, das der Entwicklung ebenfalls positiv gegenüberstand allerdings mit ein paar Bedenken, die ich bis vor ein paar Monaten nicht teilte. Ein paar Beobachtungen der letzten Monate, über die ich übrigens manchmal lachen musste, ließen mich umdenken.

Das anonymisierte Peer-Review-Verfahren für Publikationen macht Sinn, finde ich, wenn wir dem entgegenwirken wollen, dass ein philosophisches Alphatier seinen Mitarbeitern viele Publikationen in Sammelbänden ermöglicht, um just diese Publikationen später als hervorragend zu bewerten. Ein anonymisiertes Verfahren für die Qualitätssicherung der wissenschaftlichen Arbeit garantiert, dass das Alphatier nicht gerade das im nachhinein als „kreativ“ betrachtet, was es vorweg selber absegnete.

Aber das anonymisierte Verfahren muss natürlich einen Unterschied zur Taktik des philosophischen Alphatiers machen, ansonsten gibt es keinen besonderen Grund, ein solches Verfahren einzuführen.

Diesen Unterschied gibt es allerdings nicht, wenn der Herausgeber einer Zeitschrift eingereichte Manuskripte noch vor dem Peer-Review-Verfahren ablehnen darf. Einen Unterschied gibt es auch dann nicht, wenn die Gutachter vom Herausgeber ein Paper in die Hand bekommen, das an den Instituten der Gutachter bereits vorgestellt worden war. Oder wie soll man sonst diese ominöse Fußnote Nummer 1 in vielen „Peer-Review“-Artikeln verstehen: „Für wertvolle Verbesserungen und Diskussionen möchte ich mich an dieser Stelle bei XY in Saint Andrews, bei YX in Glasgow, bei XX in Durham und bei YY in Cambridge bedanken, wo ich frühere Versionen meiner Arbeit vorstellte“? Wenn die Gutachter das Paper selbst kennen, braucht man in keinem anonymisierten Verfahren den Namen des Autors zu verheimlichen. Die „Peers“ können sich gut erinnern, mit wem sie nach dem Vortrag des Papers weggegangen sind, um ein Bier zu trinken und aus dem Peer-Review ein Beer-Review zu machen.

Schließlich macht die als Peer-Review-Organ geführte Zeitschrift keinen Unterschied zur traditionellen Taktik des Alphatiers, wenn sie unwahrscheinlich oft Artikel von bekannten Freunden des Herausgebers (gleichzeitig des Alphatiers) bringt. Besonders ironisch wirkt das, wenn sich darunter Artikel zur Wahrscheinlichkeitstheorie befinden.

beer-review-form-filled

Evaluations of institutes and persons on the basis of the peer reviewed publications which the institutes or the persons have brought forth come sweeping across the landscape of science. As someone who has authored such publications I had a positive overall view on this development. In the last congress of the German Society of Analytic Philosophy (GAP) there was a non-paper circulating, one which also affirmed the development but without hesitating to express some concerns. Now, a couple of cases with which I had to laugh make me share these concerns with some delay.

Anonymized peer reviewing makes sense if we want to prevent a philosophical alpha’s decision to make beta animals publish things which he, the alpha, will be able to call „excellent“ or „creative“ only after he has already blessed them.

However, if anonymized peer reviewing makes no difference in comparison to the alpha’s aformentioned tactic, there is no reason to introduce it.

And indeed, I cannot help myself missing this difference when the editor of a journal which is supposed to be „peer reviewed“ has the right to reject papers without forwarding them for peer reviewing. I also find no difference when I read, mostly as footnote nr. 1, declarations like the following: „My thanks go to XY in Saint Andrews, YX in Glasgow, XX in Durham and YY in Cambridge, where I presented previous versions of my paper“. When the referees happen to know the paper, is there any chance that they would not remember the person who presented the paper to them, to go subsequently for a beer with them and to make a beer review out of the peer review? Which is the use of anonymizing the paper in this case?

Finally, I fail to discover any difference between the traditional behaviour of philosophical alphas and peer reviewing when an editor’s friends publish in their friend’s – nominally! – peer reviewed journal with an improbable frequency. The special irony in this case is when the friends‘ articles are on probability theory.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s