Langue à l’antique

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Es gibt bestimmte grammatikalische und syntaktische Strukturen, die Rückschlüsse darauf bieten, in welchem Jahrhundert der Sprecher am besten leben möchte. Dativendungen auf -e und die Verwendung des Genitivs sind z.B. bezeichnend für eine traditionalistische Gesinnung.

Aber auch auf der Ebene des Stils kann man Ideologisches erkennen: Nominalstil verbinde ich mit der Moderne, mit Bürokratie, mit unpersönlichem, effizienzorientiertem Handeln. Folgendes, von Christian Bergmann (Die Sprache der Stasi, Göttingen 1999, 90) zitiertes Beispiel spricht Bände:

Bei der Führungs- und Leitungstätigkeit zur Qualifizierung der Entwicklung und Bearbeitung operativer Vorgänge … sind die Festlegungen über die Gewährleistung von Konspiration und Geheimhaltung konsequent durchzusetzen.

Im Verbalstil wirkt dagegen dieselbe Anordnung traditionell, mittelalterlich, kirchlich, fast persönlich, zart und naiv:

Wenn wir führen und leiten, um operative Vorgänge aufs Beste zu entwickeln und zu bearbeiten, … müssen wir alles, was wir festlegten, um zu gewährleisten, dass wir konspirativ sind und unser Handeln geheim halten, konsequent durchsetzen.

Sportjournalisten benutzen Fremdwörter und Neologismen, reden an der Hochsprache vorbei, verschandeln manchmal Grammatik und Syntax des Deutschen, wollen personen- und nicht effizienzorientiert wirken. Letzteres erreichen sie mit einem Verbalstil, der zusätzlich mit vielen Metaphern angereichert wird, auch mit Metaphern, die klischeehaft benutzt werden – was sehr untypisch für eine Metapher ist.

Das Fußballdeutsch ist traditionalistisch und möchtegern-poetisch.

Langue

In German grammar and syntax there are structures which show in which century the speaker would prefer to live. Imagine a speaker of English who speaks like one is supposed to write to get the idea. Dative forms ending with an -e und and the usage of the genitive in the spoken language would be two examples which indicate a traditionalist mind set.

Tacit ideological constraints can be discovered in the stilistic dichotomy between nominal and verbal style. I associate the former with modernity, bureaucracy and an emphasis to impersonal efficiency. I translate a passage which stems from the archives of the East German state security (quoted by Christian Bergmann, Die Sprache der Stasi, Göttingen 1999, 90):

Actions of direction and guidance to guarantee the development and further elaboration of operative processes … involve the consistent implementation of the guidelines which guarentee the conspirative and secret character of these processes.

Once „translated“ into the verbal style, the same passage sounds old-fashioned, medieval, church-like, almost personal, smooth and naive:

When we act in order to direct and guide so to guarantee that operative processes can be developed and further elaborated … we take care to implement consistently the guidelines which guarantee that these processes may remain conspirative and secret.

German sportcasters use many loanwords and neologisms, they never use the standard German, they even maltreat the German grammar and syntax, finally they want to sound caring, not efficiency oriented. They achieve this last point with the help of a verbal style and many metaphors, also with metaphors which are clichés – a very untypical thing for a metaphor to be.

Football German is a language which, despite linguistic level, sounds traditionalistic. And one which, because of linguistic deviations, sounds wannabe poetic.

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