Impatientes adversus impatientem

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Das indische Springkraut (Impatiens glandulifera) hat in den Isarauen, wie immer gegen Ende August, eine prächtige Präsenz. Dabei hat es heftige Gegner: Menschen, die wegen der außerordentlichen Verbreitung des Neophyts besorgt sind, zertreten die Pflanzen.

Die Frage ist: besorgt um was? Um die Verdrängung der Brennnessel? Ich selber bin mehr der Brennnessel zugeneigt als dem indischen Springkraut: Nicht zuletzt sind die Brennnesselblätter die Hauptzutat der Brennnesselpitta

Wie ich aber immer wieder beim Pflücken von Brennnesselblättern feststelle, ist die indische Pflanze trotz ihrer Verbreitung nicht in der Lage, die ebenfalls reichen Brennnesselbestände der Isarauen zu gefährden.

Also, um was sind die Leute besorgt? Vielleicht um das ästhetische Bild einer idealisierten bayerischen Natur so um das frühe 19. Jahrhundert herum: vor der Einführung des indischen Springkrauts (aber unbedingt nach der Einführung der Kastanie und der Gemüseampfer)?

Ästhetisches Empfinden und die Bewahrung einer Kulturlandschaft betrachte ich zwar generell als berechtigte Anliegen. Es ist mir auch klar, dass nicht jeder, der gegen die Verbreitung einer Pflanze aus ästhetischen Gründen ist, auch gegen die Aufnahme von Flüchtlingen aus ästhetischen Gründen wäre.

Ich kann trotzdem nicht umhin, bei einer Idealisierung eines Heimatbildes ein slippery slope zu befürchten, das sich auf das Vorherrschen ästhetischer Urteile in der Migrationsproblematik auswirken würde.

Literatur (nicht zu Pflanzen, sondern zum Umgang mit Anderssein in bezug auf Menschen):

M. Dummett (2001), On Immigration and Refugees.

K.R. Popper (1945), Die offene Gesellschaft und ihre Feinde, Bd. 1, Kap. 9.

Springkraut

Every August, the impatiens glandulifera celebrates triumphs in the riverbanks of the Isar, the river which flows through Munich – in spite of its enemies: these people who destroy the plants out of fear of the invasive neophyte.

It’s true that the impatiens glandulifera competes against nettles with big success. And I have to say that I’m more for nettles than for the Himalaian plant. This nettle pitta recipe is my main reason for this.

Still, whenever I go to the riverbanks to collect nettles and although there would surely have been more nettles if the impatiens glandulifera weren’t there, I fail to see how the presence of nettles could be substantially threatened in the ages to come.

So, what are people really afraid of? My suspicion is that they cannot stand losing the aesthetic image of an idealized Bavarian flora which stems from the 19th century: before the invasion of the impatiens glandulifera (but after the introduction of the chestnut tree and the monk’s rhubarb).

Of course, I do see some point in aesthetics and cultural traditions and I’m aware of the fact that those who are against neophytes for aesthetical reasons wouldn’t be necessarily against immigrants for aesthetic reasons.

However, I cannot help myself fearing that the idealized image of a homeland can bring about a slippery slope argument – aesthetic judgments in the topic of immigration.

Bibliography (not on plants, rather on dealing with otherness in reference to humans):

M. Dummett (2001), On Immigration and Refugees.

K.R. Popper (1945), The Open Society and Its Enemies, Vol. 1, ch. 9.

 

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