If Meno’s slave had been a girl

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Als Einziges setzt Sokrates in Platons Menon 82b4 voraus, der pais, den ihm sein Gastgeber präsentieren soll, solle Griechisch können. Pais ist Griechisch für „Junge“ und „Mädchen“. Erst ein Artikel oder der Kontext machen die Bezeichnung geschlechtsspezifisch. Mit einer kleinen Änderung hätten wir also im Originaltext statt eines Jungen ein Mädchen. Statt eines jungen Sklaven wäre es eine junge Sklavin, mit deren Hilfe Sokrates demonstriert hätte, dass das Verständnis der Mathematik kein Lernen voraussetzt, sondern lediglich einfällt.

Sokrates‘ Argument wäre durch diese Änderung nicht beeinträchtigt.

Das waren meine Gedanken gestern, nachdem ich in einer Buchhandlung zwei Übungsbücher für Mathematik gesehen hatte: Textaufgaben für Jungs und Textaufgaben für Mädchen.

Beim Durchblättern der Bücher ist mir aufgefallen, dass das Buch für die Jungs mehr Textaufgaben mit Geld und Autos enthielt, das Buch für die Mädchen mehr Textaufgaben mit Ponys. Hier handelt es sich um naive Alltagspsychologie, die vom Verlag gekonnt für die Produktdiversifikation angewandt wird.

Aber welcher Verlust auf einer epistemologischen Metaebene bei den Eltern, die auf den Gedanken kommen könnten, die Mathematik, eine Grundkapazität also, zu der alle Menschen ungeteilt Zugang haben, wäre so beschaffen, dass sie Mädchen anders mitgeteilt werden sollte als Jungen.

Und welcher Horror für das Geschlechterverständnis dieser Menschen…

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Socrates‘ only demand towards Menon in Plato’s homonymous dialogue 82b4 is that the pais should speak Greek. Pais was the Greek word for „boy“ and „girl“, the disambiguation being given in the article or in the context. With a minimal alteration of the original text, Socrates would have shown with the help of a girl slave instead of a boy slave that mathematics requires reminiscence rather than learning.

The argument would be essentially the same.

These were my thoughts yesterday after I stumbled across these two books with mathematical problems in text form: Problems for Boys and Problems for Girls.

Browsing through them I noticed that the book for boys contained mostly problems with cars and money, the book for girls contained problems with ponies. What we have here is folk psychology which the publisher uses in order to diversify the product line.

But what a loss on an epistemological metalevel for those parents who come to think that mathematics, a basic capacity to which all rational beings have the same access, would require a different didactic approach depending on whether boys or girls are the audience.

And what a horror if you think of the views of such people on gender…

Aristotle without Winckelmann

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Das ist kein Beitrag über Winckelmann. Ich ziehe eine Analogie zwischen Winckelmanns stilisierte, farblose Darstellung antiker Bildhauerei einerseits und der heute gängigen Meinung über die aristotelische Logik andererseits.

Je bunter die Logik wird, desto mehr häufen sich Vorwürfe (vgl. den Vortrag mit dem Titel „Logics as Scientific Theories“, den Timothy Williamson um den Globus in den letzten 3 Jahren wiederholt und im i-Tunes-channel des Munich Centre for Mathematic Philosophy als podcast erhältlich ist), traditionell habe die Logik von Aristoteles an als scientia pura ohne Einschränkungen je nach Gegenstandsbereich gelten wollen und grobe Fahrlässigkeiten deshalb begangen.

Wäre es aber so gewesen, dann hätte Aristoteles die Folgerung des Satzes „Manche Athener essen nicht gesund“ aus dem Satz „Kein Athener isst gesund“ nicht als gültig angesehen. Ersetzt man „Athener“ durch „Einhörner“ ist die Folgerung offensichtlich falsch! Indem er Termini wie „Athener“ benutzte, setzte Aristoteles voraus, dass alle Termini in seiner Syllogistik referrieren müssen.

Es gibt viele ähnliche Beispiele, die verdeutlichen, dass die aristotelische Syllogistik unter gewissen Voraussetzungen pragmatischer Natur gilt. Ein neugriechischer Philosoph sieht die Wahrheit bei Aristoteles als gelungene Kommunikation an. In Gesprächen mit ihm habe ich immer wieder darauf hingewiesen, dass seine Interpretation textlich nicht belegt werden kann.

Einerseits gibt er mir Recht darin, andererseits komme ich langsam zur Einsicht, dass diese Interpretation den Geist des Wahrheitsbegriffs in der Analytik sehr gut erfasst.

Es gibt natürlich in Metaphysik 1011b25 ein starkes Plädoyer für die Wahrheit als Übereinstimmung. Aber womöglich ist das, was wir heute unter „adaequatio-Lehre“ verstehen, genausowenig Aristoteles wie die weiße Farbe eine Eigenschaft griechischer Skulpturen.

Aristotle vs Aristotle

This is not a post on Winckelmann. I just make an analogy between Winckelmann’s colourless view on Greek sculptures and a today widely accepted opinion on Aristotelian logic.

Logic is becoming more colourful and is making more and more people feel free (cf. the lecture titled „Logics as Scientific Theories“ which Timothy Williamson propagates around the globe in the last 3 years to be found as podcast in the i-Tunes-channel of the Munich Centre for Mathematic Philosophy) to accuse logicians from Aristotle to our times of wanting to found a scientia pura independently of domain fixity. They accuse traditional (or modern but a bit conservative) logicians to give a false picture of the discipline on the metatheoretical level.

If these accusations had been just then Aristotle wouldn’t have regarded the inference of „Some Athenians eat unhealthy food“ from „No Athenian eats healthy food“ as valid. In fact, if you substitute „unicorn“ for „Athenians“ the inference becomes false! Aristotle presupposed that all syllogistic terms have a reference and this can be clearly seen in his examples.

There is evidence for the claim that Aristotelian syllogistics is valid only under certain pragmatical conditions. A contemporary Greek philosopher takes truth in Aristotle to be equivalent with successful communication. Of course, I’ve told him that there is no direct textual evidence for his interpretation.

He says that I’m right in this. Nevertheless, on my side, I have to admit that his interpretation captures the implicit role of the concept of truth in the Analytics.

I know what you’re thinking: in Metaphysics 1011b25 Aristotle appears to support the correspondence theory. I can imagine, however, that Aristotle could think of what we call „correspondence theory“ to be as alien to his philosophy as the white colour is alien to Greek statues.

Sprachphilosophisches zum Thema „Hausberufungen“. Und eine kleine Notiz zum Sinn der Integrität

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Hausberufungen sind erlaubt. Unter gewissen Voraussetzungen. Die Formulierungen unterscheiden sich von Bundesland zu Bundesland aber eins bleibt konstant: der Wille des Gesetzgebers, Hausberufungen an Universitäten nur dann als gültig anzusehen, wenn brain-drain droht.

Um die Gefahr eines brain-drain im konkreten Fall einzuschätzen, fragt man, ob das Individuum, für das eine Hausberufung in Frage kommt, über herausragende, einzigartige und unersetzliche Kapazitäten in Deutschland verfügt. Oder so etwas Ähnliches…

Nun sind wir alle herausragend im einen oder im anderen Sinn. Denn wir sind so etwas wie der Kirchturm vom Sankt Martin in Landshut: Als der höchste Turm kann er nicht gelten, als der höchste Kirchturm auch nicht; aber als Backsteinkirchturm ist er der höchste der Welt. Jedes zusätzliche Charakteristikum, hier in Form von Wortbestandteilen, grenzt den darunter gehörenden Gegenstandsbereich ein und erhöht die Wahrscheinlichkeit, mit der der Turm herausragend ist.

Für Hausberufungen ist diese Erkenntnis sehr wichtig. Wenn ich Rektor der Uni X bin und dem Religionsphilosophen Y, der ungünstiger Weise an der Uni X lehrt, einen Lehrstuhl gönne, dann werde ich einsehen müssen, dass eine Ausschreibung für eine Professur für Religionsphilosophie natürlich Bewerbungen von Kandidaten anziehen wird, die mit Y gleichwertig sind und die Bedingung für Y’s Hausberufung hinfällig machen. Als kluger Rektor muss ich also die Ausschreibung so formulieren: „Vom erfolgreichen Kandidaten wird erwartet, einen Schwerpunkt in der Religionsphilosophie mit durch Publikationen dokumentierten fundierten Kenntnissen in der Philosophie der Antike und der Spätantike samt Beherrschung der klassischen Sprachen zu verbinden. Es wird ferner vorausgesetzt, dass der Lehrstuhlinhaber die Module Logik I bis III lehrt und historisch einen zweiten Schwerpunkt in der Philosophiegeschichte hat, vorzugsweise in der Philosophie Kants“. Alles natürlich Kapazitäten, die „zufällig“ Y besitzt – nach dem Motto: Kantianer und Altgriechisch-Experten gibt es viele, aber wer hat all das zusammen?

Y ist damit einzigartig und erfüllt die Bedingungen für eine Hausberufung.

Kluge Rektoren gibt es viele und das verwundert mich nicht. Nicht zuletzt wurde ich in einem Land von Künstlern im Verfassen solcher Ausschreibungstexte geboren. Was mich verwundert, ist das Fehlen eines hämischen Ausdrucks im Deutschen für solche Ausschreibungstexte. Im Griechischen heißen diese im Volksmund: „photographikes prokeryxeis“, weil das Blabla einem Foto des Wunschkandidaten gleichkommen soll, das man allerdings im Ausschreibungstext nicht verwenden darf. Einem Foto nach dem Motto: „So sieht der erfolgreiche Kandidat aus“. Y’s Foto…

Deutsche tendieren zu praktischen Lösungen und nicht zu hämischem Humor. Sie stellen sich Fragen wie: „Was tun? Die Hausberufungen vollends verbieten?“ Dann droht natürlich wieder das brain-drain. Tatsächlich außerordentliche Menschen sollen doch bleiben können.

Ich finde, dass K.R. Popper, der Philosoph, dessen zwanzigster Todestag vor ein paar Tagen fast unbemerkt verlief, die Lösung hatte. Eine Lösung aber, die offenbar nicht praktikabel ist. Popper stellte im 7. Kapitel des ersten Bandes der Offenen Gesellschaft fest, dass Institutionen wie Burgen sind, die sowohl gut angelegt als auch entsprechend mit (integren) Leuten besetzt sein müssen.

PS: Der obige Ausschreibungstext ist frei erfunden. Naja, fast…

Landshut Martinskirche

This is probably a very „German“ posting. Take it as an incentive to learn more about academic philosophy in this remarkable, exotic country!

In Germany, normally professors are not tenured in the very university in which they happened to start teaching. The reason for this is that the procedure to offer a tenured post to someone who’s already a member of the department is allowed only under the condition that otherwise there would be the danger of brain-drain. If you’re good enough someone else apart of your present colleagues will acknowledge your value. And only if you are unique in Germany but some university outside Germany would have the idea to hire you before a German university does, you may stay with your present colleagues – this is the rationale.

Now, who is unique? Obviously this would be an individual with extraordinary capacities which no one else has.

But every one has such capacities in one way or another. We’re all like the tower of the St Martin’s church in Landshut, the capital of Lower Bavaria and home to about seventy thousand inhabitants. It’s not the highest tower in Germany. It’s not even the highest church tower in Germany. But it is a church tower made of bricks, which makes it the world’s highest church tower made of bricks. Every additional property you assign the tower truthfully restricts the domain in which you make the comparison and increases the probability that the tower is extraordinary.

You can use this trick in order to prove that the non-tenured philosopher of religion at your department is unique in Germany, of course. Let’s say that the philosophy department of the German university of which you’re the „Rektor“ (the British would say: „chancellor“) seeks to hire a professor in philosophy of religion. If you advertise a position for a philosopher of religion you’ll receive applications of many individuals with publications and experience similar to your colleague’s. By this, you cannot give the position to your colleague (and eo ipso he won’t be tenured) since the law prescribes that he must be unique in order to be able to be tenured at the university in which he happens to teach. Things change if you publish an advertisement which contains the following: „The successful candidate will combine an AOS in Ancient and late Ancient Philosophy with a mastery of classical languages including Arabic. Further, he will have an AOC in logic and critical thinking as well as in the philosophy of German Idealism“. Now, „accidentally“ these have to be your colleague’s topics in his publications. If these don’t make him unique, what then? Like there are many high church towers out there but not so many high church towers made of bricks, there are many folks who teach Ancient, but how many teach Ancient and Early Modern?

There are many bright university chancellors in Germany and advertisements of this kind do not surprise me. What surprises me is the absence of an offensive expression in colloquial German. Modern Greek has the expression „photographikes prokeryxeis“ for advertisements of the aforementioned kind. „Photographikes“ because the bla-bla is equivalent to the guy’s picture.

But Germans don’t like bitchy humour. They prefer to give practical solutions. A German would rather ask: „What can I do against this? Should it be absolutely prohibited to give someone from the same university a tenured post?“ But then, of course, the brain-drain argument would retain its validity.

K.R. Popper (the 20th anniversary since his death remained almost unnoticed a few days ago) had a solution. Alas, a non practical one. In the 7th chapter of the first volume of the Open Society he stated that institution are like fortresses which must be well designed and manned.

Bin ich ein Neophänomenologe?

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Zwar bin ich kein Phänomenologe, aber aus religionswissenschaftlicher Sicht erscheinen ein paar Gedanken, die ich u.a. in diesem Blog geäußert habe, „neophänomenologisch“. Zuletzt wurde mein Blog in diesem Kontext in Steffen Führdings Interview bei Christoph Wagenseil erwähnt (gegen Ende des Gesprächs).

ENOUGH WITH SCROLLING

God knows, you cannot call me a phenomenologist. But from the point of view of Religious Studies some thoughts which I have been expressing also in this blog among other places, appear „neo-phenomenological“. The last episode of this ongoing debate was played in the blog of the Media and Information Service for the Religious Studies. Check it out towards the end of the interview which Steffen Führding gave to Christoph Wagenseil (in German).

Explain your kids what metaphysical necessity is. Or something like this.

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Die Stelle, an der die Isar und die Amper zusammenfließen, ist, obwohl mit einer Brücke und Bahngleisen der Natur mit Gewalt entrissen, immer noch inspirierend.

Dort fragte ich meine Töchter:

– Was ist schwieriger: Wenn ich die Flüsse flussaufwärts fließen lasse, oder wenn ich mit einer Handbewegung die Amper zur Isar mache und die Isar zur Amper?

– Letzteres!

Dann erhob ich die rechte Hand, bewegte sie irgendwie komisch, sprach irgendwas, was nach einer magischen Formel klang, und verkündete in feierlichem Ton:

– Bitteschön! Jetzt habe ich die Amper zur Isar gemacht und die Isar zur Amper!

Trotz der Bitte der Kinder konnte ich gegen physische Notwendigkeit nicht das Wasser zurück in die Alpen fließen lassen. Aber ich konnte immerhin so tun, als hätte ich gegen metaphysische Notwendigkeit die schwierigere Aufgabe vollbracht.

Falls damit keine bloße Umbenennung gemeint ist, ist die Aufgabe, beide Flüsse ineinander zu verwandeln, damit gleichzusetzen, dass an Stelle der Isar ein Fluss fließt, der die essentiellen Eigenschaften der Amper hat (die haecceitas oder das tode ti, der Amper) und umgekehrt. Das ist ein Fall von metaphysischer Unmöglichkeit: von etwas Unvorstellbarem, das sich aber widerspruchsfrei ausdrücken lässt.

Zum Vergleich: physisch Unmögliches ist vorstellbar und lässt sich widerspruchsfrei ausdrücken. Logisch Unmögliches ist unvorstellbar und lässt sich nicht widerspruchsfrei ausdrücken.

Mein Eindruck ist, dass alles metaphysisch Unmögliche nichts anderes ist als logisch Unmögliches unter der Annahme der Wahrheit von bestimmten nichtlogischen Prämissen. Das wäre allerdings das Thema eines Vortrags für Erwachsene, keines Gedankenspiels für Kinder.

Amper Isar

Though disfigured with a bridge and railway tracks along the left riverbank, the confluence of the Isar and the Amper is an inspiring place.

This is where I asked my daughters:

– What do you think, what is more difficult: to make the two rivers change direction or to wave my hand and make the one river become the other?

– Make the one become the other!

I waved my hand, spoke something that sounded like magical words and announced:

– Here you are! What used to be the Isar is now the Amper. And what used to be the Amper is now the Isar!

They asked me to make the other trick as well: make the waters change direction back to the Alps. Unfortunately, I was unable to fulfil this demand – or any other demand against physical necessity. But at least I was keen enough to fulfil a much more difficult task against metaphysical necessity.

If no simple renaming is meant by it, making the Isar become the Amper and vice versa is equivalent with making a river with the essential properties of the Amper (the haecceitas or the tode ti of the Amper) take the place of the Isar and vice versa. This case of a metaphysical impossibility is unintelligible but one can express it without a formal contradiction.

Compare with it physical and logical impossibility: the former is intelligible and one can express it without a formal contradiction. The latter is unintelligible and one cannot express it without a formal contradiction.

My impression is that metaphysical impossibilities are logical impossibilities under the assumption of certain nonlogical premises. This, however, would be rather the topic of a lecture for grown-ups than a puzzle for children.

Putnam, Sheldrake, 9/11, the Greek paper and causality

Nineeleven

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Zunächst in Kürze die durchaus bekannte Geschichte, die unseriöse Journalisten und Blogger seit 13 Jahren beschäftigt: Zwei Tage VOR den Terroranschlägen des 11. September 2001 veröffentlicht die griechische Zeitung Eleftherotypia in ihrer Sonntags-Magazin-Beilage das links stehende Bild.

Mit den Verschwörungsvermutungen werde ich mich nicht beschäftigen. Sie sind philosophisch uninteressant.

Die Unterstellung allerdings, es gäbe eine Erklärung für die Ähnlichkeit der Bilder einerseits, die Verteidigung des Teams der Zeitung andererseits, die Ähnlichkeit sei rein zufällig, erscheinen mir interessant und lehrreich.

Wer auf Zufall plädiert, meint damit, dass es keinen KAUSALEN Zusammenhang zwischen dem linken und dem rechten Bild gibt und damit keine Erklärung für ihre Ähnlichkeit. Wer dagegen an eine Erklärung für die Ähnlichkeit glaubt, würde entweder auf eine Mitschuld der Zeitung an den Terroranschlägen tippen (aber das Vorhandensein von Gründen als Ursachen einer Handlung ist an sich kausaltheoretisch unproblematisch) oder aber den Zusammenhang zwischen beiden Bildern nicht als kausal, sondern als Reziprozität betrachten – im Sinn einer alleinheitlichen oder parapsychischen Beeinflussung. Man spricht von Gedankenübertragung oder von Sheldrakesmorphischer Resonanz„.

Seit Hilary Putnams „Why there Isn’t a Ready-Made World“ betrachten wir eine kausale Erklärung als persönliche oder sachbezogene und jedenfalls epistemisch definierte „Schuldigkeit“ eines bestimmten Faktors. Das entspricht auch dem ursprünglichen, adjektivischen Sinn des „aitios“ im Griechischen. Allerdings hat die zeitgenössische Wissenschaftsphilosophie mit ihrer Fokussierung auf die kausale Erklärung auf ein unglaublich chancenloses Pferd gewettet. Denn es gibt Erklärungen, die gar nicht kausaler Natur sein wollen. Wer glaubt, dass es eine Erklärung für die Ähnlichkeit obiger Bilder gibt, kann dem Wissenschaftsphilosophen entgegnen, diese sei nicht kausaler Natur. Wenn der Wissenschaftsphilosoph auf die kausale Erklärung als die einzig mögliche Erklärung setzt, dann ist das petitio principii.

ENOUGH WITH SCROLLING

It’s a well-known story which has been the subject of nonserious journalists and bloggers for the past 13 years. Two days BEFORE the September 11 attacks, the Sunday supplement of the Greek daily Eleftherotypia has the picture on the left side above.

There are conspiracy theories concerning this but they are philosophically uninteresting.

It is interesting, however, to ask whether there is some explanation for the similarity between the two pictures. And, of course, the commonsensical line of defense of the newspaper („The similarity is a coincidence“) is also interesting.

Pleading coincidence means that there is no CAUSAL connection between the picture on the left and the picture on the right. Further, that there is no explanation for the similarity of the two pictures. Believing that there is an explanation means either that some complice of the terror attacks worked for the newspaper (but this is, again, uninteresting for our understanding of a causal explanation since the point for a theory of causality is not if reasons are causes for action but what causality is) or that the connection between the two pictures is not causal but a case for reciprocity – say in terms of telepathy or Sheldrake’s „morphic resonance„.

Since Hilary Putnam’s „Why there Isn’t a Ready-Made World“ we tend to consider causal explanations to be based on an individual „blame“ of an event. Which event or person is to blame depends on our epistemic background. This corresponds to the initial meaning of the Greek term „aitios“ as an adjective. My impression, however, is that the contemporary philosophy of science places a bet on a slow horse when it focuses on causal explanations. There are explanations which are not supposed to be causal. Those who believe that there must be an explanation for the similarity of the pictures above can object to the philosopher of science that this explanation is not necessarily causal. If the philosopher of science counter-objects that there are no explanations but causal ones, she begs the question.

10 September, 2014 14:37

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Seit die Zinsen nichts abwerfen, können sich die Zinsmeister dieser Welt zum Stoizismus bekennen.

Eine Münchener WG weist den Weg (s. Foto unten).

ENOUGH WITH SCROLLING

The picture shows the bell of a house in Munich. I just happened to pass by and noticed the old-fashioned German word for „interest-rates master“.

The low revenues make the cohabitation interesting.