Putnam, Sheldrake, 9/11, the Greek paper and causality

Nineeleven

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Zunächst in Kürze die durchaus bekannte Geschichte, die unseriöse Journalisten und Blogger seit 13 Jahren beschäftigt: Zwei Tage VOR den Terroranschlägen des 11. September 2001 veröffentlicht die griechische Zeitung Eleftherotypia in ihrer Sonntags-Magazin-Beilage das links stehende Bild.

Mit den Verschwörungsvermutungen werde ich mich nicht beschäftigen. Sie sind philosophisch uninteressant.

Die Unterstellung allerdings, es gäbe eine Erklärung für die Ähnlichkeit der Bilder einerseits, die Verteidigung des Teams der Zeitung andererseits, die Ähnlichkeit sei rein zufällig, erscheinen mir interessant und lehrreich.

Wer auf Zufall plädiert, meint damit, dass es keinen KAUSALEN Zusammenhang zwischen dem linken und dem rechten Bild gibt und damit keine Erklärung für ihre Ähnlichkeit. Wer dagegen an eine Erklärung für die Ähnlichkeit glaubt, würde entweder auf eine Mitschuld der Zeitung an den Terroranschlägen tippen (aber das Vorhandensein von Gründen als Ursachen einer Handlung ist an sich kausaltheoretisch unproblematisch) oder aber den Zusammenhang zwischen beiden Bildern nicht als kausal, sondern als Reziprozität betrachten – im Sinn einer alleinheitlichen oder parapsychischen Beeinflussung. Man spricht von Gedankenübertragung oder von Sheldrakesmorphischer Resonanz„.

Seit Hilary Putnams „Why there Isn’t a Ready-Made World“ betrachten wir eine kausale Erklärung als persönliche oder sachbezogene und jedenfalls epistemisch definierte „Schuldigkeit“ eines bestimmten Faktors. Das entspricht auch dem ursprünglichen, adjektivischen Sinn des „aitios“ im Griechischen. Allerdings hat die zeitgenössische Wissenschaftsphilosophie mit ihrer Fokussierung auf die kausale Erklärung auf ein unglaublich chancenloses Pferd gewettet. Denn es gibt Erklärungen, die gar nicht kausaler Natur sein wollen. Wer glaubt, dass es eine Erklärung für die Ähnlichkeit obiger Bilder gibt, kann dem Wissenschaftsphilosophen entgegnen, diese sei nicht kausaler Natur. Wenn der Wissenschaftsphilosoph auf die kausale Erklärung als die einzig mögliche Erklärung setzt, dann ist das petitio principii.

ENOUGH WITH SCROLLING

It’s a well-known story which has been the subject of nonserious journalists and bloggers for the past 13 years. Two days BEFORE the September 11 attacks, the Sunday supplement of the Greek daily Eleftherotypia has the picture on the left side above.

There are conspiracy theories concerning this but they are philosophically uninteresting.

It is interesting, however, to ask whether there is some explanation for the similarity between the two pictures. And, of course, the commonsensical line of defense of the newspaper („The similarity is a coincidence“) is also interesting.

Pleading coincidence means that there is no CAUSAL connection between the picture on the left and the picture on the right. Further, that there is no explanation for the similarity of the two pictures. Believing that there is an explanation means either that some complice of the terror attacks worked for the newspaper (but this is, again, uninteresting for our understanding of a causal explanation since the point for a theory of causality is not if reasons are causes for action but what causality is) or that the connection between the two pictures is not causal but a case for reciprocity – say in terms of telepathy or Sheldrake’s „morphic resonance„.

Since Hilary Putnam’s „Why there Isn’t a Ready-Made World“ we tend to consider causal explanations to be based on an individual „blame“ of an event. Which event or person is to blame depends on our epistemic background. This corresponds to the initial meaning of the Greek term „aitios“ as an adjective. My impression, however, is that the contemporary philosophy of science places a bet on a slow horse when it focuses on causal explanations. There are explanations which are not supposed to be causal. Those who believe that there must be an explanation for the similarity of the pictures above can object to the philosopher of science that this explanation is not necessarily causal. If the philosopher of science counter-objects that there are no explanations but causal ones, she begs the question.

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