Tomb Raider 2014: In Search of Language

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Die Geschichte kommt pünktlich zum Halloween: Archäologen erreichen die Grabkammer einer makedonischen Bestattungsstätte aus dem Umfeld Alexanders des Großen im nordgriechischen Amphipolis und finden keinen Sarkophag!

Welch eine Enttäuschung! Stattdessen enthält der Schutt in der Grabkammer Trümmer und Teile aus den wohl Vandalen zum Opfer gefallenen Kunstobjekten in beiden vorderen Kammern des Monuments. Die Grabkammer war eine Mülldeponie.

Die Enttäuschung ist eine propositionale Einstellung. Ein intentionaler Zustand. Der griechische Ministerpräsident ist enttäuscht, weil sein Wunsch unerfüllt blieb, der Republik Makedonien, dem nördlichen Nachbarn Griechenlands, wo kein Griechisch gesprochen wird, mit ein paar griechisch-makedonischen Inschriften aus dem Grab (wohl der Mutter Alexanders? Dessen Ehefrau? Alexanders Kenotaph?) eins auszuwischen. Die Mitglieder des Forscherteams sind enttäuscht, weil ihre Hoffnung verblasst, mit einem spektakulären Fund einen Nachfolgeantrag für eine weitere Ausgrabung beim Ministerium durchzubekommen. Wie jeder intentionale Zustand ist eine Enttäuschung sprachlich zu äußern.

Seit Jahrzehnten ist die Archäologie in Griechenland das Paradebeispiel einer ideologisch durchtränkten Disziplin, die ihrerseits Indoktrination produziert. In den 60ern und 70ern wollte das Team der Santorin-Ausgrabung, wohlgemerkt einer prähistorischen Stätte, Indizien für eine kollektivistische Gesellschaftsordnung entdeckt haben: die Archäologie im Dienst des Etatismus. Die griechische Archäologie bleibt derselben Agenda verhaftet.

Damit will ich nicht andeuten, dass die Wissenschaft nicht theoretisch beladen sein sollte. Aber der Unterschied zwischen theoretischen Voraussetzungen einerseits und ideologischer Agenda andererseits ist himmelhoch. Keine bloß theoretischen Vorurteile wären in der Lage in Ermangelung epigraphischer Funde, politische Einstellungen und Mentalitäten herauszulesen. Und das ist gerade, was die griechische Archäologie oft versucht hat in den letzten Jahrzehnten.

Was mich anbetrifft, ist die einzige Einstellung, die mich wirklich neugierig macht in diesem Grab, die des Grabschänders, der im Versuch herauszufinden, ob sich unter dem Mosaik der zweiten Kammer Wertvolles verbirgt (er hat wohl sonst nichts zu finden vermocht), das Mosaik mit einer fast akkurat kreisförmigen Grabung zerstörte.

Wohl ein methodischer Vandale… Allerdings kann man selbst da nicht sicher sein, bevor man keine Sätze aus seiner Feder liest. Schade nur, dass die antiken Grabschänder keine Bücher schrieben.

 

Aktuell: Am 12.11.2014 wurde unter dem Fußboden der letzten Kammer der Anlage das eigentliche Grab mit einem Skelett eines Mannes entdeckt. Leider immer noch keine Inschrift. Es bleibt also schwierig…

Hades and Persephone

It’s as if the story were launched by the media only because it’s halloween: archaeolgists reached the burial chamber of a Macedonian tomb which is connected with Alexander the Great only to realize that there is no sarcophagus there!

A giant disappointment! The rubble in the chamber contains pieces and parts of artefacts which originally belonged to the sculptures and the mosaic of the first two chambers of the tomb. The chamber was a disposal site.

Disappointment is a propositional attitude. An intention. It’s understandable why the Greek prime minister should be disappointed: he wished to make the Republic of Macedonia jealous by finding Greek inscriptions in the tomb – of Alexander’s mother? Of Alexander’s wife? Or a cenotaph of Alexander himself? The Republic of Macedonia is the northern neighbour to Greek Macedonia. However no usage of Greek language is to be registered there. How dare they?

The team is also disappointed. They see their hope of a continuation of the excavations vanishing.

Every disappointment and every intention is expressed with a proposition.

For decades, archaeology in Greece has been an ideologically contaminated discipline. One which produces indoctrination. In the 60s and 70s, the team of the Santorini excavation, NB a prehistoric site, claimed to have indications of a collectivist social order on the isle. Archaeologists in the service of etatism. Greek archaeology remains serving the same master.

I don’t mean to allude that science shouldn’t have theoretical bias. I only mean that the difference between theoretical bias and ideological agenda is immense. No theoretical bias would justify conclusions concerning political attitudes and mentality if no epigraphc evidence would be there. But this is exactly what Greek archaeology tries to justify in the last couple decades.

To be honest, the only attitude which I find interesting concerning the Amphipolis grave is the attitude of the tomb raider who attempted to explore what is under the mosaic (since he very probably failed to find anything else) by destroying it by means of an almost accurate circular digging.

I suppose that he was a very methodically working vandal… Even this is, however, not quite clear. Like in almost every case in which intentions are crucial, some page written by him would have elucidated the mystery. It’s a pity that tomb raiders of antiquity didn’t write any memoirs.

 

Breaking news: On November 12th, 2014, under the last chamber, a grave with the skeleton of a man was discovered. But no inscription… The situation remains inconclusive.

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