Against the decline of historical knowledge in philosophy

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Bei einem Routinebesuch in der Kaserne der Engelscharen musste Gott feststellen, dass seine Botschafter ein vernachlässigbares Theologiewissen haben. Er hat sofort die nötigen Schritte eingeleitet, dass sich das ändert. Ein paar Theologieprofessoren aus dem Paradies haben schnell einen Studienplan erarbeitet. Die Fächer waren zwar nicht modularisiert – keine Zeit und der Bologna-Prozess war sowieso nach ihrer Zeit – aber die Kurse begannen schnell.

Unter den Dozenten war ein altmodischer Dogmatikprofessor, der seine ersten Sitzungen den traditionellen Gottesbeweisen widmete: von Anselm, von Thomas von Aquin, von Descartes… Nach ein paar Wochen gab er seinen Studenten die Hausaufgabe, selber einen Beweis des Daseins Gottes zu erarbeiten. Am nächsten Tag kamen alle mit Fotos.

Im Gegensatz zum alten Professor wäre David Lewis eher begeistert, wenn ihm jemand eine voll funktionsfähige Zeitmaschine präsentieren würde statt über die Möglichkeit der Zeitreise zu argumentieren. Eine Zeitmaschine wäre nicht nur für Lewis, sondern auch für jeden Philosophiehistoriker eine höchst erfreuliche Errungenschaft. Denn die Disziplin befindet sich unverdient in einer bedrückenden Lage. Immer mehr Philosophen erklären seit anfang des 20. Jahrhunderts, als dieser Trend begann, stolz zu sein, wenn sie keine zwei Brocken Philosophiegeschichte nacheinander reimen können. Sie ignorieren die Vorgeschichte der Themen, die sie untersuchen, sie erfinden aufs neue das Rad oder sie haben keine Chance festzustellen, dass es längst ein Gegenbeispiel zu ihrer Hauptaussage gibt.

Um diesem Trend entgegenzuwirken, konstruierte ich einen Zeittransporter. Es funktioniert wie jeder stinknormale Star-Trek-Transporter mit dem Unterschied, dass er auch Zeitreisen ermöglicht.

Mit meinem Transporter besuchte ich Bertrand Russell, eine dieser Autoritäten, die von den Leuten hochgehalten werden, die stolz darauf sind, die Philosophiegeschichte zu ignorieren. Russell selber hatte bemerkenswerte philosophiehistorische Kenntnisse und einige sehr interessante Seiten seines Gesamtwerks sind der Philosophiegeschichte gewidmet. Er gab mir eine Nachricht für all diejenigen, die die Worte „Great Dead Philosophers“ mit Verachtung aussprechen. Die Nachricht besagt: „Ich bin genauso wenig tot wie Kant oder Aristoteles“.

– Das kann aber so interpretiert werden, dass ihr alle tot seid! entgegnete ich.

– Selbst in diesem Fall ist es ein Trugschluss ad hominem, unsere Argumente als weniger wertvoll zu betrachten, nur weil wir tot sind! sagte er.

Bertrand and Stamatios

The joke goes like this: during a routine visit in the angels‘ headquarters, God found out that his personell has poor knowledge of theology. Embarassed over this fact, he commanded them to take some theology classes. He mobilized some old theologians who happened to be in paradise and the lessons began.

Among the instructors, there was this old-fashioned professor of dogmatics who started his lectures with the traditional proofs of God’s existence: Anselm’s, Aquinas’s, Descartes’… After a couple of weeks he gave his students as a homework to attempt to give a proof of God’s existence on their own. To his great disappointment, on the next day the students supplied him with photos.

Unlike the old professor, David Lewis would be rather excited if someone would present him a full functioning time machine instead of arguing for the possibility of time travel. Constructing a time machine would be a rewarding task not only to enchant Lewis. It would be the right thing to do in order to make a trend in philosophy undone – one which the discipline doesn’t deserve. The trend began in the early 20th century when more and more philosophers declared to be proud of ignoring the prehistory of the issues they were investigating – with the result that, sometimes, they reinvented the wheel, some other times they didn’t realize that the history of philosophy had already provided a counter-example for their thing.

To make this deplorable trend undone I constructed a time transporter. It works just like a normal spaceship-Enterprise transporter with the difference that it beams you not only across space but also across time.

With the help of my transporter, I visited Bertrand Russell, one of the thinkers considered to be a great authority to most people who are proud of ignoring the history of philosophy today. Russell himself had a remarkable knowledge of the history of philosophy and dedicated some quite interesting pages of his oeuvre to the subject. He gave me a message for all those who utter the words „Great Dead Philosophers“ with contempt. The message reads: „I’m not dead any more than Kant or Aristotle“.

– This could be interpreted to say that you’re all dead after all! I replied.

– But even in this case, it’s a fallacy ad hominem to think that our arguments are less valuable because we’re dead, said he.

One thought on “Against the decline of historical knowledge in philosophy

  1. Dieses Problem habe ich mir in einer Arbeit bei Frau Tarkian zu Herzen genommen. Glücklicherweise gibt es aber auch heutige DenkerInnen, die sich der Geschichte der Philosophie widmen, um zu sehen, was die Alten bereits gedacht und durchdacht haben. Das liegt aber auch daran, dass sie grundlegend ein Interesse an der Geschichte haben. Aber wie im Artikel bereits vermerkt ist; es werden immer weniger. Das ist vor allem schade, da man bei Platon und Seneca beispielsweise eine ganz andere Philosophieauffassung als in den heutigen akademischen Kreisen vorfindet, von ihr aber aufgrund der Betriebsblindheit nichts erfährt. Für sie und andere der Alten erschöpft sich Philosophie beispielsweise nicht im Denken, sondern erst in der Tat (nach erfolgtem Denken). Ich denke, dass die Beschäftigung mit der Philosophiehistorie und allgemein mit der Geschichte zumindest die Denkbewegungen nicht zu einseitig werden lässt. Und wie wir aus der Sportwissenschaft wissen, sind vielseitige Bewegungen gut, um Krämpfen und anderen Verletzungen vorzubeugen.

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