Paradoxical resolutions

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Meine Frau nimmt sich im neuen Jahr vor, mit mir gar nicht mehr zu streiten, die Kinder dagegen nehmen sich vor, mehr Schokolade zu essen. Beides abgrundtief paradoxe Neujahrsvorsätze…

Ein Neujahrsvorsatz einer Person darf weder derart sein, dass er im Endeffekt nicht nur von einer Person zu erfüllen wäre, noch darf er ausschließlich von dem abhängen, was eine Person ohnehin getan hätte. Denn ein Neujahrsvorsatz ist eine Wette auf unsere Willensstärke. Aber meine Frau nimmt sich etwas vor, was eine Wette auf ihre sowie auf meine Willensstärke ist. Die Kinder nehmen sich wiederum etwas vor, was gar keine Wette auf ihre Willensstärke ist.

Meine Frau will die Lorbeeren für etwas, zu was ich wahrscheinlich mehr gefordert bin (Entschuldigung, Liebste, aber manchmal geht es nicht ohne Streiten – gerade bei uns beiden), die Kinder wollen die Lorbeeren für etwas, was sie sowieso haben. Deshalb soll mich meine Frau am Gewinn teilnehmen lassen. Und die Kinder dürfen gar nicht am Gewinn teilnehmen, denn sie erzeugen eine selbstreferentielle Entscheidungssituation wie diese, die Wolfgang Spohn 1978 auf S. 72-74 seiner Doktorarbeit vorstellte: Wolfgang wird zu einer Feier eingeladen; seine Freunde wetten, ob er erscheint oder nicht; Wolfgang findet heraus, dass die meisten sicher sind, dass er erscheint und dementsprechend wetten; deshalb ist der Gewinn derer größer, die meinen, dass Wolfgang zu Hause bleibt; Wolfgang wettet deshalb mit, dass er zu Hause bleibt – und bleibt natürlich zu Hause…

Ein Neujahrsvorsatz ist kein Spiel der Art: ich mit Hilfe anderer, wie meine Frau meint; auch kein Spiel der Art: ich für mich, wie die Kinder meinen. Ein Neujahrsvorsatz ist ein Spiel der Art: ich gegen die äußeren Umstände – und zwar eines, das man allein gewinnen kann.

Das lehrt uns etwas über die Wirtschaft. Der Vorsatz des Geldanlegers, zu verkaufen, wenn die Kurse fallen (d.h. wenn die anderen verkaufen) und zu kaufen, wenn die Kurse steigen (d.h. wenn die anderen kaufen) ist irrational und zwar auf eine Art, die die Irrationalitätä meiner Frau und die meiner Kinder verbindet. Denn, wenn wir alle etwas tun, müssen wir alle an den Gewinnen beteiligt sein. Aber der Geldanleger will allein gewinnen. Das funktioniert am besten, wenn es viele gibt, die dumm handeln. Aber dann ist der Vorsatz falsch angegeben und deutet übrigens auch an, dass unser Geldanleger möglicherweise sich unter den Dummen befindet.

Was wäre rational? Ich denke, dass Vorsätze im Allgemeinen so rational sind wie Neujahrsvorsätze: als Wetten gegen äußere Umstände. Ist ein Geschäft gut? Dann heißt es investieren. Ist es schlecht? Dann heißt es desinvestieren. Jedes Entscheidungskriterium, das von der Entscheidung der Öffentlichkeit abhängig ist und nicht von den äußeren Umständen, ist irrational weil selbstreferentiell.

calvin-hobbes-new-years-resolutions

My wife and my children have new year’s resolutions which sound like comments on the Greek crisis. My wife’s is to never argue with me, my children’s is to eat more chocolate. These are paradox resolutions.

A new year’s resolution of one person may not be such that it needs two – let alone more than two. And it may not be what a person should have done anyway. A new year’s resolution is betting on one’s own will strength. My wife’s resolution, however, is dependent on my will and on my strength as well. But she didn’t ask me. Arguing is necessary sometimes. But even if it’s not necessary, I should participate in the revenue.

The children’s new year’s resolution is an invalid betting of the kind which Wolfgang Spohn presented on pp. 72-74 of his 1978-PhD thesis. Wolfgang is invited to go to a party; his friends bet on his joining or not; Wolfgang is informed that most of his friends bet that he will go to the party which, of course, raises the payout for his not joining; Wolfgang goes to the bookmaker and bets that he himself won’t go to the party and, of course, he stays home the whole evening and night to collect the money next day.

A new year’s resolution is not a game which you play with the help of others and it’s also not solitaire or patience. It’s a game against external factors.

We just learned a lesson which pertains to economy. When an investor expresses the intention to sell when the index falls (i.e. when the others sell) and to buy when the index rises (i.e. when the others buy) his intention is as paradox as my wife’s and my children’s new year’s resolutions together. When we do something together, then we must all participate in the earnings. But, of course, the investor wants to keep his win for himself and this functions only when there are many out there who don’t act like he does. But then his intention is not what he says and his real intention – do what some do and what others don’t do – leaves open a possibility that he will be the one who loses.

I believe that the rationality criteria for intentions are the same rationality criteria for new year’s resolutions. Invest in good business, divest from bad. Every decision which is dependent not on external factors but on the decision „of the public“ is self-referential and eo ipso irrational.

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