I’m not a eurosceptic

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Diejenigen, die meinen Namen als griechisch identifizieren, werden sich gewundert haben, da ich mich nicht zur griechischen Krise äußere. Das tue ich deswegen nicht, weil ich Griechenland bereits 2003 voller Enttäuschung unter dem Eindruck der klientelistischen Personalpolitik an den griechischen Universitäten verließ. Da die Universitäten bereits seit den 80ern mehrheitlich von denen geführt werden, die jetzt als Hoffnungsträger auf nationaler Ebene gelten, sind meine Hoffnungen sehr begrenzt – euphemistisch ausgedrückt…

Danach könnte ich mich leicht verstellen, alles wäre mir egal, was in neun Tagen in Griechenland passiert – wenn es nur nicht um Verwandte, Freunde und Europas Zukunft ginge… Aber auch die Sorge um Europas Zukunft verflüchtigt sich langsam.

Europa: das ist die Freizügigkeit auf einem spannenden Kontinent; auch die demokratischen Entscheidungen weg von alten, verkrusteten nationalen Identitäten, die als eine Art biologischer Unfall verstanden wurden – „in weltbürgerlicher Absicht“ wie der Philosoph sagte, über dessen Werk ich promovierte.

Ein Europa allerdings, in dem Kants Gedankengut als eine fromme Lüge verstanden werden wird, wird zu einem Sieg der Misologie. Der Absturz der hochfliegenden Visionen wird der böse Witz, über den ein militanter Antiintellektualismus triumphieren wird. Die Fahne mit den 12 Sternen, das Europaparlament, das Schengener Abkommen werden sich als eine über viele Jahrzehnte hinausgedehnte, banale Reklame der Industrienationen entpuppt haben, mit der es diesen gelang, Mauern niederreißen zu lassen, die der Schutz kleinerer Volkswirtschaften waren.

Was in Griechenland davon übrig bleiben wird, wird eine Lücke sein: Die Lücke, die der Untergang der griechischen Textilindustrie, der griechischen Kleinboote-Werften, des griechischen Kunststoffmaschinenbaus zurücklässt.

Was in Deutschland davon übrig bleiben wird, werden die griechischen Wortfetzen zwischen Neumigranten am Münchener Hauptbahnhof nach neun Uhr abends während der Müllsammlung sein. So viel zum Plan: „Wir verkaufen euch unsere Maschinen und wir importieren von euch Humankapital“. Humankapital, das gerade gegen die Einkommensschwachen hierzulande Konkurrenz treibt.

Die Bessergestellten können dagegen jubeln: Eine Maschine funktioniert am Mittelmeer genauso wie nördlich der Alpen. Und selbst wenn sie es nicht schaffen würde, würde ihr das zunächst zugetraut… Ein Mensch funktioniert nördlich der Alpen nicht genauso wie am Mittelmeer. Und selbst wenn er es schaffen würde, käme er nie dazu, da es ihm bereits im Vorfeld nicht zugetraut würde…

Werde ich zum Euroskeptiker? Ach wo! Ein Skeptiker ist jemand, der keine Gründe erkennt, die dafür sprächen, dass Gott existiert. Wer zu wissen meint, dass Gott nicht existiert, heißt nicht Skeptiker, sondern Atheist.

Ich bin kein Euroskeptiker. Ich bin ein Aneuropist. Meine Hoffnungen auf Griechenland sind sehr begrenzt, meine Hoffnungen auf Europa existieren nicht.

Aneuropist

Readers who recognize that my name is Greek are probably asking themselves why I never write on the Greek crisis. Well, I left Greece in 2003 after three years of nasty experiences in Greek universities – experiences for which clientelism is to blame. And, you know, Greek universities are led since the 80s by those who are considered to be the hope of the country today. How could I be more pessimistic?

So much the better for me, you can say. I can be indifferent. But being indifferent is not easy if the personal destiny of relatives and friends is at stake. And Europe’s future! But this last concern vanishes…

United Europe is about freedom to seek happiness across a very interesting continent. It’s about democratic decisions regardless of the old national identities which were understood as biological accidents. Kant used to say: „in a cosmopolitan sense“.

Understood as a noble lie, however, a united Europe will be misology’s triumph. The defeated vision will be a bad joke about which only militant anti-intellectuals will laugh. The flag with the 12 stars, the European Parliament, the Schengen Agreement, all these things will turn out to have been a long-term marketing strategy of the North to conquer the small national economies of the South.

In Greece, what will remain from all this will be a gap: the gap which the sunken Greek textile industry, the sunken Greek shipyards, the sunken plastics machinery will leave behind.

In Germany, what will remain from all this will be the scattered Greek words of the sanitary workers at the Munich Main Station after nine o’clock in the evening. Obviously, the plan: „You’ll buy from us machines and we’ll import from you efficient people“ was much to the disadvantage of the working class in the North.

But the middle class and the rich are absolutely secure. A machine functions beyond the Alps as efficiently as it functions here, in Germany. And even if it doesn’t: at first instance everyone will assume so… A human being does not function here, in Germany, as efficiently as it functioned beyond the Alps. But even if she were able to do so, at first instance no one would assume this…

Do I become a eurosceptic? Nonsense! A sceptic is someone who sees no reasons to make him believe that God exists. The ones who maintain that there is no God are not sceptics. They’re atheists.

I’m not a eurosceptic. I’m an aneuropist. Almost zero hopes concerning Greece and certainly zero hopes concerning a united Europe.

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