The meaning of allegories

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Yanis, ein weltweit bekannter Spieltheoretiker und Freund, mit dem mich unvergessliche Zeiten verbinden, geht ins Rennen als Abgeordneter für die Vouli am kommenden Sonntag, an dem ganz Europa vor dem Gespenst einer Regierung in Griechenland bangt, deren politische Plattform in der Autonomenszene und bei ehemaligen Kommunisten ihren Ursprung hat.

Und ja, er kandidiert mit SyRizA – der postkommunistischen Partei.

Ich war vor ein paar Wochen nicht überrascht, als ich es erfuhr – was aber hier nicht das Thema ist.

In dieser neuen Eigenschaft, als Kandidat – und eventuell künftiger Verhandlungsführer der neuen griechischen Regierung – wurde er von der französischen La Tribune interviewt. Folgende war seine Antwort auf die Frage, was er sich denn vorstellen kann, falls der Versuch der linken Regierung nicht vom Erfolg gekrönt wird, einen neuen Schuldenschnitt zu erwirken:

So I say this clearly: Death is preferable.

Was denn die Allegorie des Todes konkret bedeute, wollte fortan der Journalist wissen, um die Antwort zu erhalten:

The term “death” was allegorical. And like any allegory, the less said the better, and this is understandable.

In den 70er Jahren gab es in der analytischen Philosophie ein großes Gespräch über die Bedeutung von Metaphern. Max Black hatte die überkommene Weisheit verteidigt, dass Metaphern durchaus bedeutungsvoll und wahr sein können. Das tat er allerdings, so wie übrigens kontinentale Philosophen auch, an der Wahrheitstheorie vorbei. Donald Davidson mahnte, Metaphern seien stets falsch, denn sie beschreiben per definitionem nicht den eigentlichen Sachverhalt, sondern einen anderen. Z.B. wurde der Wuidschütz Jennerwein – „Ein stolzer Schütz in seinen besten Jahren wurde von dieser Erde weggefegt“ – anders als im Vers angegeben nicht mit einem Besen ermordet.

Donald Davidsons These hat was: Sie ist trocken und bitter, was nach Wahrheit schmeckt – um es metaphorisch zu sagen… Wenn sie stimmt, dann sind Allegorien oft Kategorienfehler: Delacroix‘ halbnackte Frauen als allegorische Bilder der Freiheit, die Taiga als allegorische Darstellung der seelischen Leere in Tarkowskij-Filmen, der Tod als Allegorie des nächsten Tages der Greeconomics, nachdem Wolfgang Schäuble gesagt hat: „Herr Ich-kann-Ihren-Namen-nicht-aussprechen, ich möchte Ihnen nur eines sagen: Einen Schuldenschnitt gibt es nicht und Sie machen jetzt was Sie wollen“: alles eine Vermengung von gegenständlichen Bildern und abstrakten Begriffen. Kategorienfehler!

Vielleicht ist es – wie Yanis andeutet – plump, à la Davidson darauf hinzuweisen, dass Allegorien Kategorienfehler sind. Das heißt allerdings nicht, dass Allegorien ohne Erklärung bleiben sollen. Der Dichter erklärt z.B. die Todesallegorie folgendermaßen:

Der Tod sind die Dohlen, die zappeln
An den schwarzen Mauern und auf den Ziegeln,
Der Tod sind die Frauen, die sich lieben lassen,
So nebenbei wie beim Schälen der Zwiebeln.

Der Tod sind die dreckigen, schäbigen Straßen
Mit ihren großen, illustren Namen.
Der Olivenhain, das Meer und auch
Die Sonne, ein Tod jenseits von des Todes Rahmen.

Stützpunkt der Prevesa-Wache – sechzig Mann,
Am Sonntag spielt die Militärkapelle schön gereiht.
Ein Sparbuch habe ich mir zugelegt
Und es mit dreißig Drachmen eingeweiht.

Kostas Karyotakis, Prevesa, 1928.

 Griechische Fahne

Yanis is an internationally renowned game theorist and a friend with whom I’ve had unforgettable times. And he runs for MP. He wants to be a member of the Vouli in next Sunday’s general elections in Greece.

And, yes, he’s a candidate of SyRizA, the leftist party which evolved out of the reformist Communist Party of Greece to become the favourite of the anarchist communities of Athens and to promise the middle class to reset Greece and the whole of Europe to the status quo anteviz. ante crisin!!!

I wasn’t surprized when I learned it a few weeks ago – but this is here not the issue.

As a candidate and probably the future chief-negotiator of the new Greek government he was asked in an interview with the French daily La Tribune what will happen if no (new) agreement between Greece and the troika is reached. Yanis replied:

So I say this clearly: Death is preferable.

The journalist wanted to know what the death allegory means, to receive the following answer:

The term “death” was allegorical. And like any allegory, the less said the better, and this is understandable.

In the 70s there was in analytic philosophy a huge debate on the meaning of metaphor. Max Black supported the received wisdom according to which metaphors are meaningful and can be true. Like this of Continental philosophers Black’s position was with no reference to the theory of truth. Donald Davidson tried to change this. He urged that metaphors are always false since they describe by definition something which should not be properly described thus. Bob Dylan never felt really like a rolling stone: he’s not a stone even when he rolls!

I do like Davidson’s approach. To say it metaphorically, it’s dry and bitter and I suppose that this is exactly the aftertaste of true words. If Davidson’s view is correct, allegories are often category mistakes. The half-naked women who stand (up) for freedom in Delacroix’s paintings, the taiga as an allegory for emotional emptiness in Tarkovsky’s movies, death as an allegory of the no-agreement’s next day in Greeconomics – all of them are category mistakes which consist in mixing up abstract universals with concrete individuals.

But even if it’s dull as Yanis insinuates to take them to be all mistaken, allegories are by no means to remain unexplained. I’m thinking of the poet’s explanation of the death allegory:

Death are the jackdaws bashing
against the black walls and roof tiling,
death are the women being loved
in the course of onion peeling.

Death the squalid, unimportant streets
with their glamorous and pompous names,
the olive-grove, the surrounding sea, and even
the sun, death among all other deaths.


Base, Guard, Sixty-man Prevezian Rule.
On Sunday we’ll listen to the band.
I’ve taken out a savings booklet,
my first deposit drachmas thirty one.

Kostas Karyotakis, Preveza, 1928.

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