Paraconsistent Priests

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Gerade lese ich den Sammelband Heaps and Gluts (Oxford: Clarendon Press, 2003), herausgegeben von JC Beall und ich werde den Eindruck nicht los, dass die promimenten Autoren, Beall selber, Graham Priest natürlich, Achille Varzi, Stewart Shapiro etc. nicht wissen, dass der erste Versuch, die Haufenparadoxie über ENTWEDER eine mehrwertige Semantik, ODER über Wahrheitswertesättigung zu lösen, meines Erachtens aus dem 4. Jh. n.Chr. kommt:

Warst du es, der während seiner Entstehung existierte, und bist du es auch, der jetzt existierst? Keine von beiden Alternativen trifft zu, oder? Denn, wenn es in beiden Fällen du warst und bist, wer und wo warst und bist du? Wie kannst du zwei verschiedene Wesen sein, der du ein-und-derselbe bist?

Nach den Worten Gregors von Nazianz aus dem 9. Kapitel seiner 29. Rede De filio treffen der Satz: „Dasjenige, was da war, als du entstandest, warst du“ sowie dessen Negation beide nicht zu. Das kann nun so gedeutet werden, dass der Satz: „Dasjenige, was da war, als du entstandest, warst du“ wahr-und-falsch ist: falsch, weil du natürlich noch nicht entstanden warst, während du noch im Entstehen warst; und wahr als Negation eines unwahren Satzes. Eine andere Lesart der Passage ist, dass Soriten-Kontexte eine vielwertige Semantik oder eine Wahrheitswertlücke mit einbeziehen.

In einer Mischung aus Polemik und Laune wandte sich Graham Priest vor 20 Jahren in einem Artikel im Canadian Journal of Philosophy 25/1, S. 57, gegen die „Behandlung“ von Paradoxien mit Wahrheitswertlücken. Das wäre so, als würde man

…die Eröffnung einer Schachpartie für die Schachpartie halten.

Gut – jetzt weiß ich nicht, was schlimmer ist: Eröffnungen für Schachspiele zu halten oder gleich zwei Züge nacheinander zu machen: „Ich war derjenige, der existierte, während meines Entstehens“ – der Bauer geht vorwärts – und „Ich war nicht derjenige, der existierte, während meines Entstehens“ – Bauer geht wieder an seinen Platz?

Wie kann man überhaupt Schach spielen mit jemandem, der dabei behauptet, gespielt zu haben sowie dass dieses Procedere keine allgemeine Regel darstellt?

PS: Die eine Person auf folgendem Bild ist tatsächlich Graham Priest. Die andere ist Gregor von Nazianz: ein Priester und guter Logiker.

Gregory and Graham

The one person above is Priest – Graham Priest. The other is a priest – and a good logician.

I’m reading the volume Heaps and Gluts (Oxford: Clarendon Press, 2003), ed. by JC Beall. I have this impression that all these very eminent scholars who contributed to the volume, Beall himself, Graham Priest of course, Achille Varzi, Stewart Shapiro etc. don’t know that the first attempt to solve a soritic paradox by EITHER gappy semantics OR dialetheias comes, to my knowledge, from the 4th c. AD:

Is it you, who were there during the process of your coming to be you, and you, who are there now? Both alternatives are not the case, are they? Because if the one who was and is there is in both cases yourself, then who and where is this? And how could you be two different things, since you are unique?

Gregory of Nazianzus’s words from in the 9th chapter of De filio (oratio XXIX) are meant to show that the sentences: „The entity who was evolving during your coming to be was you“ and its negation are both „not the case“. And this can be understood to say that the sentence „The entity who was evolving during your coming to be was you“ is true-and-false: false because it you were just evolving, you weren’t there yet, and true as a negation of a false sentence. Another way to understand the saint’s saying is that soritic paradoxes have an intermediate truth value or a truth-value gap.

Graham Priest, in one of his polemic moments against gappy semantics (in an article in the Canadian Journal of Philosophy 25/1 (1995), p. 57) says that calling gaps a solution is

…like calling an opening gambit a game of chess.

Now, I don’t know what is worse: calling opening gambits games of chess or making two moves at the same time: „I was myself during my coming-to-be“ – the pawn moves forward – and „I was not myself during my coming-to-be“ – the pawn returns to its place?

How to play chess with someone who says that this was his move and that this is not a universal rule of the game?

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