Il tempio nascosto

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Gestern vor 70 Jahren ist es amerikanischen Truppen gelungen, die Gefangenen des Konzentrationslagers Dachau zu befreien. Gestern ist in einer französischen Schule eine moslemische Schülerin wegen ihres langen Rocks nach Hause geschickt worden mit der Begründung, lange Röcke seien militant-religiöse Accessoires.

Was Beides miteinander zu tun hat? Ich zitiere aus einem Artikel des Münchener Merkurs, Blatt vom 25. Juni 1958, zur italienischen Kapelle der KZ-Gedenkstätte Dachau:

Was würden wohl die Italiener dazu sagen, wenn man in ihrem Land, etwa an der „Via Appia“ oder auf einem der Hügel Roms, eine Kirche mit Zwiebel- oder Sattelturm baute, die nur in die bayerischen Lande passte? … Die Ungewöhnlichkeit [des] Typs [der Dachauer Kapelle] in Bayern könnte höchstens noch durch eine entsprechende Baumgruppenanpflanzung abgemildert werden, wie man es in führenden einheimischen Kreisen bereits erwägt (Zitiert im Opusculum meines guten Freundes Claudio Cumani Il tempio nascosto/Das versteckte Gotteshaus, München 2013 )

Die Erwägungen wurden in Tat umgesetzt.

Was viele am Anderen stört, ist bereits sein Anderssein. Dieses Anderssein ist oft nicht ästhetischer Natur. Die Symbole des Andersseins sind aber meistens ästhetischer, stilistischer Art. Die Leute pflegen bei ihren Kindern daher eine Monokultur von Symbolen anzuerziehen: einen Kleidungsstil, eine Farbpalette, eine Musikart. Warum wohl? Weil sich die Eltern anscheinend nur in der gewohnten Umgebung wohl fühlen. Das ist legitim – aber engstirnig… Wenn’s darum geht, dass aus den Kindern Erwachsene werden, die eine Aversion gegen alles haben, was etwas anders aussieht, dann ist das der richtige Weg.

Ich bin überzeugt, dass die ästhetische und symbolische Monokultur moralisch und pädagogisch falsch ist – und zwar nicht aus multikultureller Überzeugung.

Dass die Erziehung den Umgang mit mehreren Symbolen erlaubt, ist nämlich nicht Kulturverlust. Sie ist Mehrsprachigkeit auf der Ebene der Symbole. Das ist die Lehre, die moslemische Eltern, mitteleuropäische Provinzblätter, griechisch-orthodoxe Kirchenchöre und Mütter und Töchter beim Shoppen aus einer italienischen, von Bäumen überwucherten Kapelle in Dachau ziehen sollen.

Weiterführende Literatur? Fast alles außer Großmutters Geschmack. Lest Carl Gustav Jung. Lest Ernst Cassirer. Zum Beispiel…

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Yesterday was the seventieth anniversary since the American Army liberated the detainees of the Dachau Concentration Camp, near Munich. Yesterday, a muslim girl was sent home from her school in France: she wore a long skirt thought by the schoolmaster to be a militant religious accessoire.

In order to point out why these two events are a point of departure for my today’s posting, I would like to quote from the Bavarian daily Münchener Merkur of June 25, 1958. It’s an article about the architecture of the Italian chapel of the Dachau Concentration Camp Memorial Site:

What would the Italians say if in their country, say at the „Via Appia“ or on top of some of Rome’s hills, an onion dome or a church with a gable roof would be built? One which would be typical of Bavaria? … The type [of the Italian Dachau chapel] is so uncommon in Bavaria that the effect could only be mitigated by way of planting a group of trees in an appropriate way. This is already the content of the consultations of the local opinion makers (Quotation from a nice read and a good friend’s opuscle: Claudio Cumani, Il tempio nascosto/Das versteckte Gotteshaus, Munich 2013)

As one can easily see, the consultations were followed by actions.

For many, the most annoying thing about the others is their otherness. Otherness is often not a matter of aesthetics. The symbols of otherness, however, are very often about aesthetics and style. Children are very often used to only one dressing code, one set of colours, one kind of music. Why is that? I suppose because parents feel comfortable in the environment they’re used to. This is legitimate – and narrow-minded… If your goal is to make your children hate everything which somehow looks uncommon when they’re grown-ups – well, this is the way to achieve it!

I’m persuaded that a unique aesthetic and symbolic code is morally and pedagogically false. And this is not out of any multicultural beliefs.

Making your child at home with differents kinds of symbols is not depriving him or her of a culture. It’s only multilingualism on the level of symbols. For muslim parents, for newspapers from the distant provinces of this continent, for Greek-Orthodox church choirs, for mothers and daughters during shopping, this is the lesson to learn from an Italian chapel surrunded by dense vegetation at the outskirts of Dachau.

For further reading take Cassirer. Take Carl Gustav Jung. But don’t take your granma’s taste.

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Stubendienst

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Gerade verfasse ich einen Beitrag für einen Sammelband über die griechische Krise, den Agridopoulos und Papagiannopoulos bei Springer herausgeben. Die „Philosophie des Geldes“ ist, weiß Gott, seit 12 Jahren nicht mehr mein Metier, aber es macht mir Spaß, meine alten Leidenschaften aus heutigem Blickwinkel zu betrachten. Liebe Leserin, lieber Leser, Du weißt dieses Gefühl bestimmt auch aus erster Hand. Denn es gilt im allgemeinen für alle erdenklichen alten Leidenschaften, dass sie nach einiger Zeit nur noch Spaß bereiten. Oder Schmerz.

Egal! Aus diesem Anlass lese ich die alten Artikel von Yanis Varoufakis wieder. Ein Spieltheoretiker soll er sein, sagt die Presse. Das stimmt nur bedingt. Yanis‘ Beitrag in der Spieltheorie entspricht dem Beitrag Ronald Laings in der Psychiatrie: „Ihr Therapeuten seid noch verrückter als die Kranken“. Dazu eine alte Geschichte. Yanis und ich hatten gleichzeitig Stubendienst – Schicht zwei bis vier Uhr morgens – die in der griechischen Armee berüchtigte „deutsche Nummer“. Warum sie so heißt, weiß ich zwar nicht, aber den Grund vermute ich darin, dass es eine gnadenlose Schicht ist, die die Nacht entzweiteilt: Vorher kamst du nicht zum Schlafen und nachher wirst du auch nicht dazu kommen.

Egal. Yanis war im Raum 2, ich im Raum 1. Unsere Pflichten bestanden im Wesentlichen darin, die Soldaten, die Wache schieben sollten, zu wecken, und ihnen Zugang zu ihrer Waffe zu verschaffen (in Griechenland selber waren die Waffen in der Nacht weggesperrt – anders war es nur im Einsatz: Bosnien, Kosovo, Albanien in den 90ern). Während der Dienstzeit mussten wir uns in unserem jeweiligen Raum aufhalten. Yanis also im Raum 2, ich im Raum 1.

Yanis war’s langweilig. Auf einmal war er da. „Komm raus, in den Korridor, da reden wir über Spieltheorie, Unipolitik… Damit die Zeit irgendwie vergeht…“

Ich ging raus. Wir haben uns im Korridor aufgehalten. Fast zwei Stunden lang. Er nicht im Raum 2 und ich nicht im Raum 1. Ein Vergehen gegen die Regeln und zwar von Leuten, die – immerhin – Unteroffiziere werden sollten. Das Gesprächsthema war selbstreferentiell. Im Grunde genommen ging’s darum, welche Nutzwerte wir davon hatten. Hätten wir uns an den Vorschriften gehalten, dann wär’s uns beiden langweilig und wir hätten jeweils keinen Nutzen. Hätte er sich in meinem Raum 1 aufgehalten, dann hätten wir Kurzweile, Unterhaltung, aber er hätte die Patrouille befürchten müssen, ich dagegen nicht, weil ich ja meinen Posten nicht verlassen hätte. Also wäre mein Nutzen, sagen wir, gleich plus zwei und seiner gleich plus eins. Wohlgemerkt, wenn das Vergehen nicht entdeckt würde. Bei einer Kontrolle hätte er allerdings bestraft werden sollen – minus zehn für ihn also – ich allerdings nicht: weiterhin plus zwei für mich.

Hätten wir uns statt dessen geeinigt, dass ich umgekehrt in den Raum 2 gehe, dann wäre die Situation umgekehrt analog: ein Nutzen gleich plus eins  bzw. minus zehn für mich, ein Nutzen plus zwei für ihn.

Nun waren wir aber beide im Korridor. Was hatten wir davon? Beide plus eins – denn beide haben wir die Patrouille befürchten müssen – wenn am Ende keine Kontrolle stattfinden würde – und beide minus zehn bei einer Bestrafung, weil wir beide unseren Platz verlassen hatten.

Damit vertraute Leser können unschwer die spieltheoretische Matrix zu diesem Spiel erstellen. Sie können auch unschwer errechnen, dass unsere Lösung – beide im Korridor – nicht optimal war: Sie stellt nicht das Nash-Gleichgewicht des Spiels dar. Rational wäre die Lösung, dass entweder ich rüber gehe, oder dass er bei mir bleibt. Aber in diesem Fall wären die Risiken ungleich verteilt und das ist nicht die Art, die Freunde pflegen. Das Spiel ist also komplizierter, als unsere Matrix ahnen ließ. Unter Freunden geht es darum, die Risiken gleich zu verteilen und nicht im Sinne der individuellen Rationalität zu berechnen. Die Spieltheorie, mein berühmter Freund war und bleibt dessen sicher, definiert eine Rationalität, die eines moralischen Ichs unwürdig und nur teilweise gültig ist.

Eine spieltheoretisch irrationale, gleiche Verteilung von Risiken erscheint bei Bestehen einer Freundschaft moralisch gefordert, weil Beziehungen im allgemeinen wie Absprachen fungieren. Sie wird allerdings in der EU nicht gelingen. Die EU ist kein Zusammenschluss von Freunden, sondern von rationalen Egoisten. Einen Bank Run kann deshalb der konventionelle Ökonom besser verhindern als der Rationalitätskritiker.

Ljubljanska

I’m working on a paper on the Greek crisis these days – one which will be published in a volume to be edited by Agridopoulos and Papagiannopoulos and published by Springer. Clearly, I’ve written or read nothing on the „philosophy of money“ in the last 12 years but it’s interesting to return to the topic. Old passions make you smile or ache if you look at them again from the distance which time provides and the combination of money and philosophy is no exception.

Anyway, I had to read Yanis Varoufakis’s old articles for this reason. The journalists say that he’s a controversial game theoretician. He’s controversial alright. And he’s a game theoretician – however in a special sense, since his contribution in game theory corresponds to Ronald Laing’s contribution in psychiatry: „Therapists are much worse than the madcaps they’re supposed to cure“. In this context, I remember the following old story: during our service in the army, Yanis and I had a barracks duty at the same time. It was the shift from 2 to 4 am. In the Greek army this shift is called „German“. I don’t know why it is called thus but I suppose that this has to do with its being unfavourable. It cuts the night into two pieces none of which is long enough for a proper sleep.

But this is not the issue here. Yanis was on duty in the room no 2, I was in the room no 1. Our duty was to wake up soldiers who had to go out for a patrol, give them access to their weapons etc. (since we were not in an operation like in Bosnia, Kosovo or Albania we locked weapons when they were not used). And we weren’t allowed to leave the corresponding room.

But Yanis had to struggle against boredom. Suddenly he entered room no 1: „Why don’t you come out to the corridor? We can chat on game theory, univerity politics…“

So I did. We were having a discussion in the corridor while on duty. An offence against the prescriptions, of course. As if this weren’t enough, he was about to become a corporal, I was about to become a sergeant. Our topic was, as far as I can still remember, self-referential. What were our utility values? Obviously we’d have zero utility if we had been good soldiers remaining each in his room. His utility if he had happened to come and stay in room 1 would be plus one for having a chat with the fear of a patrol discovering him in the wrong place while on duty. But since in this scenario I wouldn’t have left my room, I would have plus two instead. Plus two would have remained my utility if the patrol would come. But Yanis’s utility would be minus ten in this case since he would have to be punished.

If I would go to the room no 2 instead, the situation would be vice versa: plus one or minus ten for me, plus two for him.

None of these alternatives was the case. The remaining alternative was the case. Both of us had left our rooms. We were having fun but we were both afraid of the patrol’s coming (i.e. plus one for him and plus one for me or minus ten for him and minus ten for me).

Readers used to game-theoretical matrices will have no difficulty to calculate that the decision to go both to the corridor was not the Nash equilibrium of the game. Morally, however, you expect a friend to abstain from petty calculations even if (or exactly because) this is not affirming individual rationality. Game theory, my famous friend was and remains certain about this, captures a rationality unworthy of moral agents and valid only partly.

A game-theoretically irrational equity in the division of risk is a moral desiderate because a relationship to someone involves implicit agreement with her. But there is no chance for it to be implemented in the EU. The EU is not a union of friends but a union of rational egoists. This is why the one who has more chances to prevent the bank run can only be a conventional economist, not a critic of rationality.

Highbrow and hybris

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Der Typ mit dem Rucksack, auf dem „Hybris Software“ steht, hat alles voll gestaut. Die Familie mit den drei Kindern hat enorme Schwierigkeiten, ihr Handgepäck während des Flugs in erreichbarer Nähe unterzubringen. Der Mann sagt vorwurfsvoll „Na ja, wenn’s nicht klappt, müssen wir wohl den nächsten nehmen“. Niemand rührt sich. Der Hybris-Typ auch nicht. Der Familienvater sagt’s noch einmal. Ein Passagier von weiter vorne dreht sich um und schlägt vor, die Familie soll das Problem der Stewardess melden.

Es ist überhaupt die einzige Familie im Flieger. Ansonsten lauter von Amsterdam nach Brüssel pendelnde junge Männer; oder halt Frauen die sich als Männer verkleidet haben.

Alles ist Handgepäck. Am Förderband verliert man Zeit. Deshalb hat man ja Schlange gestanden: um als erster einzusteigen; um das Handgepäck, das keines ist, nach der Landung zu packen und zum Meeting zu verschwinden. Familien stehen nicht Schlange. Familien kümmern sich um schreiende Kinder, während die Tüchtigen schon früh Schlange stehen.

Neue Wasserpumpen verkaufen, die anders aussehen als alte Wasserpumpen. Oder spekulative Bankprodukte. Oder Blabla über europäische Integration.

Blabla überhaupt. Probleme der Stewardess melden. Das Leben ist ein Arbeitgeber und man ist verbeamtet – oder so gut wie…

Mein Blabla spricht von Evidenz und von Gründen, die man braucht (oder eben nicht braucht), um zu glauben. Was ist am besten: eine rationale Doktrin, der Fideismus oder der anti-Abstraktionismus dazwischen?

Wahrscheinlich ist das noch weniger nützlich als Blabla über europäische Integration. Das europäische-Integration-Blabla nützt wenigstens als Verkaufskampagne zentraleuropäischer Produkte.

Landung: „The captain would like to wish you a pleasant day and successful meetings“.

Soll das jetzt ein Wunsch nach einer Landung sein? Wünsche, Gebete, Bitten, erhört zu werden, sollen nach Hermann Lübbes Aphorismus der Kontingenzbewältigung dienen.

Was steht auf dem Spiel wegen der Unberechenbarkeit, der Kontingenz? Dass das Treffen nicht erfolgreich wird?

Raus, raus aus dem Flieger. In den Zug. Platz finden. Aufstehen. Aussteigen. Laufen, laufen, laufen – der Rollkoffer rattert.

Aufstehen. Frühstücken. Zum Institut. Philosophen, Theologen und Mönche sind da – manche schreiben mit.

Wie kann es sein, dass irgendjemand Dinge verkaufen oder Überzeugungsarbeit leisten kann, wenn er nicht hier war, um festzustellen, wie man argumentiert? Wozu braucht man Philosophie, wenn nicht als Argumentationslehre? Und wenn man im Verkauf oder in der Politik doch keine Argumentationslehre braucht, weil’s sich so ergeben hat halt‘, wieso kann die Philosophie zum Schluss – Gottseidank – doch noch finanziert werden?

Wieder zum Zug.

Es gibt so wenig ruhige Menschen. Deren Geist ist der unruhigste.

Rabbiner

The guy with the rucksack with the „Hybris Software“ logo needed half-a-plane for himself so that now, the family with the three kids have to spread their hand luggage here and there. The man says bitterly: „If there’s no place for us, we have to take the next plane“. No one bothers to help them. This includes the hybris-software guy. The man repeats his joke. A passenger a few rows away suggests the family to contact the flight attendant.

It’s apparently the only family in a flight full of young male executives on their way from Amsterdam to Brussels and a few women dressed up like young male executives on their way from Amsterdam to Brussels.

Everything is hand luggage. The baggage conveyor is a waste of time. They stood in a queue to be able to embark first and occupy with their hand luggage a whole compartment. This is important if you want to leave the airport immediately after landing – with your hand luggage, if you can still call it thus; if you need to hurry to your meeting. Families don’t stand in queues. They have to take care of crying children.

New water pumps need to look differently from old water pumps. Speculative financial products need fancy names. European integration needs to be worshipped. It’s about needs you didn’t know you had.

Problems? This is what flight attendants are for! Life is an employer and they enjoy a permanent status.

I have to give a talk on evidence and on needing reasons to believe – plus on not needing reasons to believe. What fits your needs best: rational doctrins, fideism or the anti-abstractionism in between?

People know that they have such needs even less than they know that they need a European integration. At least, the European integration functions as an advertising strategy of central European products.

Landed: „The captain would like to wish you a pleasant day and successful meetings“.

He wishes what? Wishes and prayers are supposed, Hermann Lübbe’s aphorism goes, to increase your feeling that you can control contingency.

Is the success of a meeting the first or the second thing you want to control when you think of controlling contingency?

Disembark the plane, embark the train. Find a seat. Stand up. Get off the train. The trolley rattles on the pavement.

Getting up. Breakfast. The institute. Philosophers, theologians and a couple of monks are there. Some are keeping notes.

How is it possible that people can sell things or persuade other people if they haven’t been here to see what it is like to formulate arguments? And if it happens that in most cases you don’t need a training in argumentation and critical thinking to sell or to persuade, how comes that philosophy is still – thank God – supported by the state?

Back to the train.

Contemplative people are an exception. They are the ones with the active minds.

Solidarity

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Meine Lieblingszene in Tarkovskijs Nostalghia ist die Kerzenszene. In dieser versucht ein Mann eine angezündete Kerze von A nach B zu bringen, ohne dass das Feuer ausgeht. Die Szene ist dem Osterbrauch der Ostkirchen nachempfunden, bei dem das Auferstehungsfeuer von der Kirche nach Hause gebracht werden muss: Es ist bezeichnenderweise eine weiße Kerze wie die, welche am Abend des Karsamstags im Gebrauch sind, keine braune, wie die Kerzen des Karfreitags.

Um einen Mann als einen Sisyphus des Glaubens darzustellen, lässt Tarkovskij dessen Feuer mehrmals ausgehen, woraufhin der Mann erneut an den Ausgangspunkt muss, um es noch einmal zu versuchen. Den in meinen Augen wichtigsten Bestandteil des Brauchs ließ damit der Regisseur außer Acht: In Wirklichkeit läuft ein Orthodoxer mit seiner Kerze in der Nacht auf Ostern nicht allein, sondern er ist gleichzeitig mit anderen unterwegs, die genauso wie er von der Kirche nach Hause wollen. Deshalb kann jeder, der kein Feuer mehr hat, seine Kerze beim Unbekannten nebenan anzünden. Es ist ein solidarischer Brauch. Es hätte genauso ein antagonistischer sein können – wenn z.B. das eigenständige Überbringen des Feuers nach Hause ideell belohnt wäre wie etwa die Bergung des Epiphanie-Kreuzes durch den schnellsten Taucher – ein nichtsolidarisches Ritual ebenfalls der Ostkirchen.

Das Glaubensleben spiegelt unsere Moralvorstellungen wider. Da unsere Moralvorstellungen allerdings innere Widersprüche aufweisen, gibt es im Glaubensleben Symbole, die sowohl den rationalen Egoismus als auch die selbstlose Solidarität bejahen.

Kerzen

The candle scene is my favourite part of Tarkovsky’s Nostalghia. It shows a man who tries to carry a lit candle from A to B. The inspiration for the scene comes obviously from an Easter ritual of the Eastern Churches. You take the light of the resurrection from the church after the nocturnal Holy Saturday service and try to reach home with it. In the movie, it’s a white candle like the ones in use on Holy Saturday, not like the brown ones which one finds in Orthodox churches on Good Friday.

Now, Tarkovsky presents his hero as a Sisyphus of faith. For this reason, the candle is extinguished again and again for the hero to return to his starting point and try again. But the film director neglects in the film what is, at least in my eyes, the most important feature of the ritual in real life. When you run home in this one very special night of the year, you’re not alone. Other people leave, of course, the church with you. Therefore, when your candle is extinguished, you can light it again with the help of the others who have no extinguished candles – people you might never have met before in your life, but this is the ritual. It’s a ritual of solidarity. It could be an antagonistic, of course. An antagonistic ritual of the Eastern Church is the retrieving of the epiphany cross. The fastest swimmer and diver gets all the glory, the others get nothing.

Faith contains symbols which affirm rational egoism as well as symbols which affirm altruism. Nevertheless, not faith is to blame for ambiguity. Faith only reflects our morality.

Sir Idris Bell

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Vor mir hat er gesessen. Typischer Münchener Grieche, d.h. Rentner; allein, auf der Suche nach jemandem, dem er seine Lebensgeschichte erzählen konnte. Die Kirche war noch leer.

Unvermittelt dreht er sich um, der mir Unbekannte, und fragt, was ich denn meine, wie alt der „Bischof Bartholomaios“ sei.

– Der ökumenische Patriarch Bartholomaios, meinen Sie?

– Ja, der ökumenische Patriarch halt…

– Über 70. Mit Sicherheit.

– Letztes Jahr – fuhr er fort – war Bartholomaios in München (ich wusste, ich habe sogar einen Blogeitrag darüber geschrieben) und ich bin zu ihm, um ihm zu sagen „Weißt du, ich konnte noch kein Deutsch als du Diakon hier, in unserer Salvatorkirche warst“.

– Per Du sind Sie mit seiner Allheiligkeit? scherzte ich.

– Er ist zwar nicht so gealtert wie ich, der ich ja einfacher Arbeiter war, aber das ist lange kein Grund zum Siezen.

Das war’s: Er hatte ein Gesprächsthema. Oder eher ein Monologsthema. Mich hat der Beginn der Abendmesse „des Bräutigams“ gerettet. Trotzdem war es, mir war es klar eineinhalb Stunden später in der abendlichen Luft, eine wichtige Begegnung. Denn dieser Gastarbeiter hat eine für tot geglaubte, griechische longue durée an den Tag gelegt. Ich zitiere aus sir H. Idris Bells Egypt from Alexander the Great to the Arab Conquest: A Study in the Diffusion and Decay of Hellenism, Oxford: Clarendon Press 1948, 125-126.

Here … is the beginning of [a petition] written about the year 243 B.C.: „To King Ptolemy, greeting, Antigonus. I am being unjustly treated by Patron, the superintendent of police in the lower toparchy.“ It is a minor official in a village of Middle Egypt petitioning the all-powerful Ptolemy III Euergetes; yet he addresses the king without servility of verbiage, as man to man. Now compare a petition addressed in the sixth century by a colonus of the Apion estate to his landlord: „To my good master, lover of Christ, lover of the poor, all-esteemed and most magnificent Patrician and Duke of the Thebaid, Apion, from Anoup, your miserable slave…“ … In such a world what place could there be for Hellenism, the civilization of free men, with free minds?

Wenige wissen, dass Immanuel Kant in den 1790ern ein Vorwort zu einem deutsch-litauischen Lexikon schrieb, in dem er genau das allgemeine Du unter Litauern pries, da es eine demokratische Haltung verraten habe. Die Menschen hielten Ende des 18. Jahrhunderts viel vom Einfluss der Anredeformen; ebenso in den 1950ern, als Milovan Djilas sich die Zeit nahm, in der Borba darauf hinzuweisen, dass „Genosse“ und nicht „Herr“ die sozialistische Anrede sei; genauso in den 1960ern, als mein genannter Gesprächspartner in einem liberalen Verständnis der griechischen Kirche sozialisiert wurde.

Ob Symbole tatsächlich eine demokratische Gesinnung zum Ausdruck bringen können, weiß ich nicht. Aber dass sie Hierarchien verdecken können, davon bin ich mir sicher. Neuerdings wird im Berufsfeld das Du als eine Art neumodische Firmenidentifikation eingeführt. Zu sagen, dass es das Innenleben der Organisation transparenter macht, klingt in meinen Ohren als die Behauptung, Jesus und Pilatus wären ebenbürtig gewesen, weil sie duzten.

salvator

He sat just in front of me. A typical Greek from Munich – grey-haired. Alone. Seeking to tell the story of his life. To anyone. The church was almost empty.

Out of a sudden, he turns to me and asks how old „bishop Bartholomew“ could be.

– You mean the Ecumenical Patriarch?

– The Patriarch, alright…

– More than 70. Definitely.

– Last year, he continued, he was in Munich (I knew, of course. I also posted a short message in this blog) and I went to him and told him „You know something? I didn’t speak a word of German when you served in our Saviour’s Church as a deacon“ (while he was talking to me about his meeting with the Patriarch we were in the „Saviour’s Church„, a gothic church in downtown Munich used by the Greek Orthodox since the early 19th century).

– Are you so familiar with His all-holiness? – I said rather as a joke.

– He’s not as clearly aged as someone from the working class like myself, but this is not a reason to use the Greek plural ’n‘ stuff.

Automatically, he had a topic for discussion. Or rather for a monologue. The beginning nymphios-mass saved me. One-and-a-half hours later, in the cold Munich breeze, it was clear to me that this gastarbeiter was the living proof for a Greek longue durée. I’m quoting from sir H. Idris Bell’s Egypt from Alexander the Great to the Arab Conquest: A Study in the Diffusion and Decay of Hellenism, Oxford: Clarendon Press 1948, 125-126.

Here … is the beginning of [a petition] written about the year 243 B.C.: „To King Ptolemy, greeting, Antigonus. I am being unjustly treated by Patron, the superintendent of police in the lower toparchy.“ It is a minor official in a village of Middle Egypt petitioning the all-powerful Ptolemy III Euergetes; yet he addresses the king without servility of verbiage, as man to man. Now compare a petition addressed in the sixth century by a colonus of the Apion estate to his landlord: „To my good master, lover of Christ, lover of the poor, all-esteemed and most magnificent Patrician and Duke of the Thebaid, Apion, from Anoup, your miserable slave…“ … In such a world what place could there be for Hellenism, the civilization of free men, with free minds?

It is not widely known that Immanuel Kant wrote a foreword to a German-Lithuanian dictionary in the 1790s. There, he praised the absence of politeness forms in spoken Lithuanian because he thought this as affirming republican ideas. In the late 18th century, linguistic forms were considered to be politically important. In the 1950s when Milovan Djilas, back then the second man behind Tito, took the pains to explain the readers of the Belgrade daily Borba that the correct socialist way to address someone is „comrade“ and not „sir“, it was again because he thought that language is important. Language was considered to be important also in the 1960s when the old man who talked with me was socialized in a probably liberal understanding of the Greek Orthodox church.

I don’t know whether symbols help develop democratic views. But I’m certain of the fact that they are used in order to make hierarchical structures more implicit. In their jobs, more and more people use the first names of people who stand above them. To say that this makes the inner life of the organisation more transparent is to claim that Jesus and Pilate were equals because they spoke quite colloquially with each other.

„…hina martyreso tei aletheiai“

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Meine abschließende Bemerkung gegen den revisionistischen Demarkationismus von Gerhard Schurz in der Dubrovnik-Konferenz letzte Woche war folgende:

„Die Bayessche Formel stellt eine Erwartbarkeits-Beziehung zwischen einem Satz p und beliebigen anderen Sätzen q, r, s her. Genauer gesagt zeigt sie, wie plausibel es ist, das Zutreffen des Satzes p zu erwarten, wenn q, r, s zutreffen sollten. Da nun voneinander kausal unabhängige Sätze probabilistisch abhängig sein können, kann man nie wissen, ob eine kausale Beziehung zwischen p und q, r, s vorhanden ist. Aber – was soll’s – sagen wir, dass eine langfristig hohe probabilistische Abhängigkeit ein Indiz auf kausale Abhängigkeit ist. Zu fordern, p einerseits und q, r, s andererseits sollen kausal abhängig sein, damit sie im Rahmen einer Bayesianischen Bestätigung in Verbindung gebracht werden, ist eine petitio principii, denn die kausale Abhängigkeit zwischen p und q, r, s soll erst aufgrund der Anwendung der Bayesschen Formel befunden und nicht vorausgesetzt werden“

Nach der Konferenz habe ich wie üblich vor Ostern etwas mehr Zeit zum Nachdenken. Manchmal denke ich mit Hilfe des Thesaurus Linguae Graecae (TLG) nach – der von der University of California, Irvine zur Verfügung gestellten, unglaublichen Datenbank griechischer Texte. Ein Grund dafür ist die Schönheit der alten Sprache. Ein anderer ist eher biographischer Natur.

Seit meiner Kindheit erlebe ich, wie die griechische Linke ihre Märtyrer aus der Zeit der Diktatur und von vorher noch, aus dem Bürgerkrieg feiert. In Griechenlands geopolitischer Nachbarschaft spielt Märtyrertum eine wichtige Rolle: Im libanesischen Bürgerkrieg, im Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern, überhaupt am östlichen Mittelmeer, stiegen die Karten einer politischen Partei auf analoge Weise zur Steigerung der Zahlen ihrer Märtyrer. Die griechische Linke, der Libanon und die PLO lieferten Fälle nichtchristlichen Märtyrertums, in denen zusätzlich der Märtyrer fiel, ohne ein Wort gesagt zu haben. Allerdings habe ich in den 80ern als Student des Griechischen und des Lateinischen am Verb „martyrein“ (wörtlich: „Zeugnis ablegen“) entweder einen juridischen Kontext oder christliche Apologetik zu erkennen gelernt.

Ein Teil der Osterferien dienten damit dem Zweck, dass ich mit Hilfe des TLG herausfinde, ob es vorchristliche nichtjuridische Belege fürs Märtyrertum gibt. Um es vorweg zu sagen, ist das nicht der Fall!

Sokrates mit seinem Schierling wäre ein guter Kandidat dafür. Nun ergibt die Kombination „Sokrat-“ und „martyr-“ in TLG keine Treffer, in denen die Bedeutung von „martyrein“ und der verwandten Wörter nicht juridisch wäre. Selbst im Johannesevangelium 18,37 sagt Jesus zu Pilatus, dass er auf Erden ist, „hina martyresei tei aletheiai“: um für die Wahrheit auszusagen. Hier ist Luthers Übersetzung: „die Wahrheit bezeugen“ irreführend. Der Kontext des griechischen Originals ist juridisch – man braucht doch nur daran zu denken, dass im alten Griechisch der Dativ neben „martyrein“ demjenigen gilt, der den Zeugen – „martys“ – vor Gericht bestellte. Jesu Sprachgebrauch entspricht einem technisch-juristischen Vorbild.

Sogar das Martyrium von Stephanus, Justinus, Perpetua und anderen frühen christlichen Märtyrern hat den juridischen Sinn. Wie Jesus, so haben auch diese für die Wahrheit plädiert – mit sprachlichen Mitteln versteht sich.

Mein Verdacht war stets, dass der stille Märtyrer ein Nebenprodukt des misologischen Fanatismus ist. Der misologische Fanatiker braucht nicht zu argumentieren um ein Zeugnis abzulegen. Er muss nur zu sterben bereit sein. Märtyrer, die kein Zeugnis im juridischen Sinn ablegen, sind misologische Fanatiker. Dann sollte Dubrovnik kommen und ich griff nach einer langen Pause erneut auf den Bayesschen Bestätigungsbegriff zurück.

Ein stilles Martyrium bezeugt nicht nur die Ehrlichkeit des Märtyrers in seinem Dafürhalten, für das er stirbt. Es macht das Dafürhalten wahrscheinlicher! Die Erwartbarkeit eines Ereignisses unter der Bedingung, dass jemand lieber sterben würde, wenn er die Nachricht von diesem Ereignis nicht mehr verbreiten dürfe, ist gleich der Erwartbarkeit mit der dasselbe Ereignis zusammen mit o.g. Bereitschaft zu sterben eintritt, mal die intrinsische Erwartbarkeit des Ereignisses geteilt durch die Erwartbarkeit der Bereitschaft zu sterben. Nun ist offensichtlich die intrinsische Bereitschaft zu sterben, wenn die Verbreitung einer Nachricht verboten werde, extrem unwahrscheinlich – und im Nenner des Bruches. Das steigert die Wahrscheinlichkeit des Ereignisses, wenn man bedenkt, dass jemand lieber sterben würde, bevor er es nicht mehr propagieren dürfe

Seine Vielseitigkeit als Instrument zur Schätzung von Erwartbarkeiten verdankt der Bayessche Bestätigungskalkül dem Umstand, dass er die relative subjektive Wahrscheinlichkeit von beliebigen Sätzen in Verbindung bringen kann. Dass er à la Schurz reformiert werden könnte, um die Verwendung von nur „guten“ Daten zuzulassen, ist, denke ich, unmöglich – das ist eine weitere Behauptung, für die ich in Dubrovnik argumentierte. Das bedeutet, dass der Glaube an alles Mögliche, wofür ein Märtyrer sterben kann, gerechtfertigt ist – und zwar selbst wenn der Märtyrer rhetorisch sehr schlecht war oder nicht dazu kam, etwas zu sagen! Trotzdem glaube ich, dass der Glaube anhand eines stillen Martyriums ein unmenschliches und barbarisches Überbleibsel aus der Antike ist. In einer Welt ohne Martyrium wären die Nachrichten langweiliger – aber die Welt wäre dafür besser.

My conclusion against Gerhard Schurz’s revisionist demarcationism in my talk in Dubrovnik last week was the following:

„Bayes’s Rule shows the plausibility by which a sentence p is true given the truth of other sentences q, r and s. But even causally independent sentences can be shown to be probabilistically dependent. Consequently, you can never be certain whether q, r and s confirm p in terms of some causal connection. Yet, even if high probabilistic dependency over a long period of time would be taken to be an indication of causal dependency, it begs the question to say that p on one and q, r, s on the other hand must be causally connected in order to enter Bayesian confirmation. A causal connection between p and q, r, s would be the result of Bayesian confirmation, not its beginning“

After the conference I have some more time to reflect on some things I said there – like I always have spare time before Easter. Sometimes I think with the help of the Thesaurus Linguae Graecae (TLG) – the incredible databank of Greek texts situated at the University of California, Irvine. One reason for spending my time in this way is the beauty of Classical Greek. Another is my biography.

Since I was a child, the Greek left celebrated its martyrs from the time of the dictatorship and the civil war before that. Also in Greece’s geopolitical neighbourhood martyrdom was strongly emphasized: predominantly in the Lebanese civil war as well as in the conflict between Israel and the Palestinians. All these cases from Greece, Lebanon and Palestine involved a non-Christian context of martyrdom and of a martyrdom which consisted in the martyr’s having fallen without saying a word. But since the 80’s, as a student of ancient Greek and Latin, I learned to recognize in the use of the verb „martyrein“ (literally: „to witness“) either a juridical context or Christian apologetics.

And since I had some time today, I tried some combinations in TLG in order to find out whether martyrdom has any pre-Christian AND non-juridical usage. It hasn’t!

Initially, I thought that Socrates could have been conceived as a martyr in antiquty or in late antiquity. But the results which TLG returns for the combination of „Sokrat-“ and „martyr-“ involve cases in which „martyrein“ and relevant words have the juridical meaning only. And even in John 18,37 Jesus says to Pilate that he is here „hina martyresei tei aletheiai“: to witness on behalf of the truth – which is definitely juridical if you consider that in Ancient Greek, the standard reference of the dative (here: „tei aletheiai“) next to „martyrein“ is to the party for which you give witness in court. A dative of advantage rather than a syntactical object.

Even in the cases of the martyrdom of Stephanus, Justin, Perpetua and other early martyrs of Christianity, I recognize primarily the juridical meaning of „martyrein“. Like Jesus, they died for witnessing on behalf of the truth by linguistic means.

My first suspicion for some time now was that the mute martyr was just a by-product of misologic fanatism. Misologic fanatics don’t need to argue for anything in order to witness. They just need to be willing to die. Martyrs who give no witness in the juridical sense are misologic fanatics. So I thought until just before Dubrovnik, when I started to reflect on Bayes’s rule after a long interval.

Quiet martyrdom is not only evidence to the martyr’s truthfulness concerning the cause for which he suffers. Quiet Martyrdom makes the cause itself more likely. Because according to Bayes’s rule, the likeliness of an event given that I’d prefer to die if I may not report on it equals the likeliness of the event along with my preference to die if I may not report on it multiplied with the intrinsic likeliness of the event, divided by the intrinsic likeliness of my preference to die if I may not report on it. Obviously now, the intrinsic likeliness of my preference to die if I may not report on something is very, very low. And it is in the denominator. Therefore it makes the likeliness of the event I’m ready to die for very high.

Bayesian confirmation theory is a powerful instrument to assess likeliness just because it can operate with any data. I don’t think it can be reformed to allow only processing with „good“ data – which is one more claim I made in Dubrovnik. Although by this argument it is justified to believe whatever martyrs die for even if they don’t argue for it, I strongly believe thatthat belief to a cause because there are martyrs is an inhuman and barbaric reminiscence to late antiquity. The abolishment of quiet martyrdom is a task akin to making a better world. A bit more boring, for sure, but better.