Der Nutzenmaximierer

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Ob ich weiterhin ein orthodoxer Christ bin, fragt meine Studentin, nachdem sie per Twitter und Facebook feststellte, dass ich eine Buddha-Statuette und die Statue einer balinesischen Göttin besitze.

Nun muss ich ihr sagen, dass das nicht die wahren Hindernisse sind. Es ist eher die Begriffsanalyse, die Analyse überhaupt, welche einem traditionellen Glauben im Wege steht. Neuerdings bin ich zu der Einsicht gelangt, dass der Utilitarismus die eigentliche christliche Moral ist – was wohl im Rahmen eines orthodoxen Glaubens eine unmögliche Behauptung ist. Es folgt mein Beweis dieser Behauptung.

Beweis, dass mindestens die unglücklicheren unter den Menschen nur dann im christlichen Sinn konsistenterweise gottestreu sind, wenn Gott als Nutzenmaximierer gilt:

Sollte Gott kein Nutzenmaximierer sein, dann gibt es zwei Erklärungen dafür: Entweder existiert er gar nicht, oder er existiert zwar, ohne den Nutzen seiner Geschöpfe unbedingt zu maximieren (man denke an Hiob usw.) Ist Ersteres angenommen, dann kann man von keiner Treue sprechen. Ist aber Letzteres angenommen, dann muss man glauben, dass Gott entweder nicht an der Besserung der Lage seiner Geschöpfe interessiert ist, oder dass er zwar daran interessiert ist, allerdings verhindert, unsere Lage zu verbessern, weil, was wir erleben, bereits die bestmögliche Welt ist. Im ersten Fall ist es recht, Gott die Treue – obgleich nicht den Glauben an seine Existenz – zu kündigen. Im zweiten Fall macht unsere Treue nur Sinn, wenn angenommen wird, dass unsere Lage sonst noch schlimmer gewesen wäre. Für glückliche Menschen wäre das wohl eine vernünftige Option: „Warum soll ich all das Schöne verlieren, was ich habe?“. Für Unglückliche wäre allerdings die Treue gegenüber Gott in diesem Fall nur dann eine vernünftige Option, wenn sie mit der Angst verbunden wäre, der Schmerz könnte noch größer sein: „Vergiss meine Misere. Gott könnte mich auch noch krank oder noch kränker machen oder den Kindern was widerfahren lassen“. Zugegebenermaßen ist die Angst ein starkes Motiv zur Loyalität. ABER wenn Gott zurecht zugemutet würde, die Angst auf diese Weise auszuspielen…

..

…wer wäre dann von miesem Charakter?

Das ist nicht nur zum Jux gesagt worden. Ein allgütiger Gott mit schwierigem Charakter ist eine Art christlicher Zeus; schlimmer noch: eine contradictio in terminis. Ergo können unglückliche Menschen konsistenterweise treu zu Gott sein, nur wenn sie annehmen, er wäre ihr Nutzenmaximierer. QED

ZEUS UND JESUS

A student of mine wanted to know the other day whether I’m still an adherent to the Orthodox Church. She had realized that some artwork from our home, clearly to be seen in some of my postings on twitter and facebook, is not the best support for this claim. This concerns above all a little Buddha and a goddess from Bali.

Now, I have to tell the student that artefacts depicting gods are not really obstacles to my being an orthodox Christian. Conceptual analysis – or any kind of analysis – however is.

Lately I had the insight that Christian ethics must be utilitarian. This view cannot be seriously vindicated in a traditional Orthodox context. And I find it quite arguable. Here’s the argument for the reader to judge:

We want to establish that at least Christians who live in misery have no consistent faith in Jesus unless they think that He’s a benefit maximizer.

If Jesus were no benefit maximizer then there would be only two explanations for this: either He doesn’t exist at all or He exists alright, however He is not eager to maximize the benefit of His creatures (think of Job etc.) If we accept the first option, faith is not the issue anyway. The second option however, implies, once accepted, that you must have believed that God is either indifferent about His creatures and how they’ll improve their living or that He is interested after all but cannot intervene because this is already the best possible world. In the first case loss of faith – although not faith in God’s existence – is morally justified. In the second, faith is only reasonable if paired with concern that without God we’d be in a situation much worse than the one in which we are right now. Happy people would see a reasonable option in this: „I don’t risk losing what I have“. Unhappy people, however, would be reasonably said to have faith in God if they would be anxious to suffer more than they suffer now: „I don’t care about my misery. God could have made me regret my laments“. However, if God is ascribed an attitude like this then…

then…

then…

…then who would be of a bad character?

This is a joke, of course. But much more than a joke, goodness and a bad character would make Jesus a Christian Zeus. And, what is worse, the combination of these properties would be a contradictio in terminis. As one sees, the unhappy cannot be consistently faithful to the God of Christianity unless they accept Him as a benefit maximizer. QED

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