Contra argumenta ad baculum

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Johann Gottlieb Fichte kannte gegen sture Skeptiker, Relativisten, Perspektivisten usw. nur ein effizientes Gegenmittel: die soziale Sanktionierung – so eine Stelle in der Bestimmung des Menschen. Behandle sie so willkürlich, wie ihre Theorie verlangt, und der ganze Werterelativismus wird ihnen sofort vergehen.

Argumente ad baculum sind natürlich immer falsch, aber seit folgender Diskussion mit meiner Tochter finde ich, dass sie auch unwirksam sind: Unlängst fragte mich unsere Kleine in einer orthodoxen Synagoge: „Papa, warum seid ihr, Männer, hinter (eben nicht VOR!) dem Vorhang?“ Sie glaubte es mir nicht, als ich ihr sagte, dass es anders herum war.

Da jegliche Orthodoxie dazu tendiert, Frauen regelnbewusster zu machen als Männer – und stolz darauf! – erinnerte mich das an diese orthodox-christlichen Frömmlerinnen, die denken, ihr Bravsein wäre durch ihr Anderssein bedingt.

Ist das überhaupt ein Problem? Ich finde schon. Fichtes argumentum ad baculum garantiert nicht, dass soziale Sanktionierung als solche wahrgenommen wird. Solange die Opfer sozialer Sanktionierung (oder auch von Diskriminierung) diese perspektivisch als Äußerung ihres Andersseins auffassen, haben sie ein verzerrtes Bild der Realität.

Synagoge

My daughter looked at me during our visit in the orthodox synagogue of Munich and asked: „Dad, why are you, men, behind the curtain?“ She was behind the curtain, of course, and I told her so, but she didn’t believe me.

She reminded me of these very pious women in orthodox Christianity who think it a feature of their otherness to be obedient. Orthodoxy of any kind makes women more obedient than men for some reason…

Johann Gottlieb Fichte says in the Vocation of Man that there is just one measure against stubborn sceptics, relativists, perspectivists etc.: social sanctions. Treat them as arbitrarily as their theory demands and you’ll see how quickly their whole scepticism will vanish.

This is an argumentum ad baculum. Argumenta ad baculum are always hollow, of course, but my aforementioned discussion with my daughter shows that they’re also inefficient. As soon as sanctions (or discrimination) are perceived simply as expressions of otherness, the relativist is unlikely to view discrimination as discrimination and sanctions as sanctions. And this is a distorted view on society.

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