Telling rationality gaps from irrationality

SCROLL FOR ENGLISH

Dass die Spieltheorie für den Verlauf der Verhandlungen zur Vermeidung eines Staatsbankrotts Griechenlands maßgeblich wäre, wird mit Hinweis auf den griechischen Finanzminister, der über Spieltheorie publizierte und lehrte, in der letzten Zeit behauptet. Nach dem Unfalltod von John Forbes Nash Jr. wird das noch öfter behauptet, nachdem ein paar Journalisten feststellten, dass Nash auf Einladung des besagten Ministers einen Ehrendoktorgrad der Universität Athen erhalten hatte. Das zeugt von keiner souveränen Beherrschung der Thematik.

Wenn es nach der Spieltheorie geht, so würden die Geldgeber grob gesehen die langfristige Finanzierung eines unzuverlässigen Partners bereuen und ergo nicht präferieren, Griechenland würde ebenfalls seine Anpassung an ein Wirtschaftssystem bereuen, von dem es seit den 80ern entfernt liegt. D.h. Nichtstun und der darauffolgende Grexit wären die beste Strategie.

Wenn überhaupt von etwas, so zeugt der Lauf der Verhandlungen von der Überzeugung des griechischen Finanzministers, dass eine irrationale Entscheidung gelegentlich die beste Strategie darstellt.

Die Ausweisung der Irrationalität als bester Strategie liegt mir fern. Ja, es stimmt, seit gestern ist mein Aufsatz in History and Philosophy of Logic über Rationalitätslücken als die besten Strategien online – für die gedruckte Version muss sich der interessierte Leser etwas gedulden.

Aber Rationalitätslücken sind erstens etwas anderes als Irrationalität. Rationalitätslücken stellen Fälle dar, in denen nicht determiniert werden kann, was rational und was irrational ist. Im Fall der Irrationalität ist es dagegen durchaus determiniert, was irrational ist. Zweitens kommen Rationalitätslücken in sehr wenigen, selbstreferentiellen Spielen vor, irrationale Züge gibt es dagegen in jedem Spiel. Drittens respektiert die Rationalitätslücke die Spielregeln, während irrational spielen auch heißen kann: mit sich beliebig ändernden Regeln spielen – also kein bestimmtes, identifizierbares Spiel spielen. Ich bin der Meinung, dass Rationalitätslücken in den Anwendungen der Spieltheorie auf religiöse Konversion und auf religiösen Dialog nicht vorkommen. Dass sie in der Ökonomie vorkommen, schließe ich nicht aus. Wenn alle Anleger z.B. ihr Geld nach dem Prinzip anlegen: „Ich tue, was die anderen tun“, dann sind Selbstreferentialität und Rationalitätslücken gegeben. Aber noch lange keine Irrationalität.

Es kann sein, dass die griechische Krise auf irrationale Art gelöst wird. Daran wird aber nicht die Spieltheorie schuld sein.

Calvin Hobbes Monopoly

Like European politics, Calvin’s and Hobbes’s Monopoly fails to be a game. Games are defined as sets of rules which enable winning strategies. Games whose rules are constantly and arbitrarily changing fail to be sets of rules and do anything but enable winning strategies.

The present Greek minister of finance might still consider something like this a game. He is a heretic in game theory and thinks that there are irrational decisions which are winning strategies.

Recently, John Forbes Nash Jr. was deadly injured in a car accident. This made journalists discover that the Greek minister had been Nash’s host when the latter was offered the honorary doctor degree of the University of Athens. That was it: game theory was supposed to be relevant for European politics.

This is not very smart. Game theory would not explain why the Eurozone finances a partner they consider to be unreliable. And it does not explain why Greece would promise to reform its economy to a direction which the country has left since the 80s. If anything, irrationality as the best strategy is what Yanis Varoufakis wants to implement. This is what he always believed in, this is what he still believes.

To my ears, this is noise. It’s true, my paper in History and Philosophy of Logic on rationality gaps as the best strategy in games is online  since yesterday – you have to be a bit patient for the printed edition. However, rationality gaps are not irrationality. In rationality gaps it cannot be determined what is rational and what is irrational. Irrationality, however, is fully determined as such when it is the case. Rationality gaps emerge in very few cases in self-referential games. But you get irrational strategies in every game. Rationality gaps always respect the rules of the game. By contrast, playing irrationally can be playing with rules which constantly change and eo ipso it’s stricto sensu not playing.

Rationality gaps are not only rare. They fail to be the case in the applications of game theory in religious conversion and religious dialogue. Perhaps they do occur in economy – I can grant this. If all the investors act according to the principle: „I do only what all the others do“ self-referentiality and a rationality gap are there. However, this is not to say that irrationality is there.

I’m not quite sure that the Greek crisis will not be resolved by means of an irrational decision. But game theory will not be to blame for this.

One thought on “Telling rationality gaps from irrationality

  1. Pingback: Bilanz | philori.de

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s