Hans Joas erhält Max-Planck-Preis

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Erschöpft bin ich. Eine Zugfahrt, die hätte fünf Stunden dauern sollen, hat acht Stunden gedauert. In Deutschland gibt es zwei Gründe, aus denen so etwas passieren kann: entweder gibt es einen Sturm, der Bäume ausreißt, oder eine von allen guten Geistern verlassene Person war der Meinung, vor irgendeinem Zug stehen zu müssen.

Einen Sturm hat es gestern nicht gegeben.

Die Bahn hat Kaffee spendiert, viele Passagiere standen Schlange, um ihr Getränk abzuholen, und ich hatte auch Lust, einen Espresso spendiert zu bekommen (ich kann immer noch nicht schlafen, nachdem ich ihn getrunken habe) als ich vor mir an besagter Schlange die Silhouette eines ehemaligen Erfurter Nachbarn erkannte – gleichzeitig des einzigen Zeitgenossen, dessen Werk ich mehrere Sitzungen von meinen Lehrveranstaltungen widmete.

Hans Joas war lange Jahre Direktor des Max Weber Kollegs in Erfurt, Autor von mehreren Büchern, eines von denen ich für klassikerverdächtig halte, last and least mein Nachbar im Amplonius-Haus in Erfurt. Sein klassikerverdächtiges Buch trägt den Titel Die Sakralität der Person und stellt eine Genealogie der Menschenrechte dar, die keine Angst hat, den Anfang der Menschenrechtsdebatte im Spätmittelalter zu datieren; gleichzeitig einen Appell, die naturrechtliche Legitimation der Menschenrechte ernst zu nehmen. Ich musste ihm sagen, dass ich allein unter allen Erfurter Kollegen (Relativisten, Dezisionisten, Postmodernen) die Botschaft in der Sakralität zu verbreiten versuche, dass ich mir wünsche, dass gute webersche Religionssoziologie weiterhin eine Chance erhält.

Und sie erhält sie bestimmt. Letzte Woche, erzählte er mir, erhielt er den Max-Planck-Forschungspreis.

Wenn ich darüber nachdenke, bleibe ich weiterhin erschöpft. Aber auch optimistisch. Es ist nicht wenig, wenn ein Vertreter der weberschen Rationalität eine erstklassige Möglichkeit erhält, sein Werk zu propagieren. Insbesondere wenn man sieht, wie sehr die deutsche Religionswissenschaft und -soziologie an Philologismus, Bongobongoismus und volkskundlicher Postmoderne leidet.

You made my day – even if it’s night.

ICE

ENOUGH WITH SCROLLING

I’m so tired… A normally five-hours trip from Munich to Halle lasted eight hours. In Germany, something like this can be due to two reasons only: either there is a tornado-like storm or someone lost his mind and thought it a good idea to walk into the train track.

There were no storms yesterday.

The Deutsche Bahn payed passengers a coffee because of the delay, many many of them stood in a queue and I also fancied one – which is obviously the reason I have insomnia tonight. Anyway, in the same queue I recognised from behind the silhouette of a former Erfurt neighbour, at the same time the silhouette of the only thinker of our times who gave me the material for two of my classes.

Hans Joas was a long-time director of the Max Weber Kolleg in Erfurt, author of many books one of which I consider to be a future classic, last and least my neighbour in the Erfurt Amplonius Haus in Erfurt. His monograph on the Sacrality of the Person is about a genealogy of human rights which begins in the Middle Ages; and an appeal to take natural law seriously. I had to tell him that I was the only one among his former colleagues in Erfurt (relativists, decisionists, postmodernists) who tried to spread the word, his word, and how badly I wish old good Weberian sociology of religion to get a fair chance.

And he informed me that it already gets this chance. Because he was awarded the Max-Planck-research-prize last week.

Surely, I’m still exhausted. But now I’m also optimistic. It’s not negligible to have a supporter of Weberian sociology get a first-class chance to propagate his ideas.

You made my day – even if it’s night.

 

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