Jesus and Little Red Riding Hood

SCROLL FOR ENGLISH

 

Obschon der prominenteste Atheist unserer Zeit, soll Richard Dawkins ohne Bedenken frohe Weihnachten zu wünschen pflegen. Er erkläre, dass die Art, wie Weihnachten gefeiert werde, keine Spuren von christlichen Botschaften trage.

Wenn „christlich“ fromme Lieder singen, zur Mette gehen und über die Fleischwerdung des göttlichen Logos nachdenken bedeutet, dann hat Dawkins Recht. Meine Familie und ich feierten in den letzten Jahren Heiligabend mit unseren israelischen Freunden, Weihnachten mit den atheistischen Teilen der Verwandtschaft, nicht zuletzt mit meinen Studenten, darunter etlichen Moslems, mit denen ich immer wieder zum Erfurter Weihnachtsmarkt ging. Wenn man von der Unverträglichkeit der Esssachen an manchen Ständen mit Halal- und Kosher-Vorschriften absieht, ist der Weihnachtsmarkt eine neutrale, jedenfalls keine missionierende Veranstaltung.

In den östlichen Bundesländern ist das sogar mehr der Fall als im Westen der Bundesrepublik. Im Erfurter, im Hallenser, im Leipziger Weihnachtsmarkt stehen „Krippen“ mit Szenen aus Grimms-Märchen neben der bekannten Krippe. Diese Nähe macht es wahrscheinlich, dass Kinder den Wahrheitsanspruch der Geburt Christi mit dem Wahrheitsanspruch von Aschenputtel und Dornröschen verwecheln. Es gibt vielleicht Leser, die das bedenklich finden – auch mit Hinweis auf den Atheismus der DDR, der solche Assoziationen nährte.

Ich finde es nicht bedenklich.

Weihnachten ist nicht nur ein Fest über die Zeitwerdung des Zeitlosen. Ich weiß: Das ist die theologische Interpretation seit den Kirchenvätern und ich will sie gar nicht leugnen. Es ist aber auch ein Fest über die Menschwerdung des Göttlichen sowie ein Fest über die tiefere Realität im Fiktiven. Weihnachten regt nicht die Wissenschaft, sondern den Gebrauch von Symbolen, die Dichtung an. Wessen Zugang zu Weihnachten über Hänsel und Gretel ist, der soll diesen Weg gehen. Sind Hänsel und Gretel zudem ein Anziehungspunkt, der es ermöglicht, dass das Fest inklusiver wird, dass wir es mit nichtchristlichen Freunden feiern können? Dann um so besser!

Um so besser für den Theisten meine ich. Nicht für Dawkins.

Weihnachtsmarkt Halle

Although the most prominent atheist of our days, Richard Dawkins is said to have no hesitations to wish Merry Christmas. He allegedly explains that the celebration of Christmas is devoid of any Christian message.

If what we mean by „Christian“ are pious chants, waking up in the middle of the night to go to the church, listening to sermons on the incarnation of the divine logos, Dawkins‘ claim is true. In the last years we have been celebrating Christmas Eve with our Israeli friends, Christmas with the atheist parts of our family and, definitely, I used to go to the Erfurt Weihnachtsmarkt with my students some of whom are Muslims. If you neglect the incompatibility of some offered snacks with kosher or halal prescriptions, the Weihnachtsmarkt is a rather neutral, at no rate proselytizing public event.

This is in East Germany even more the case than in the West of the republic. What you get to see in the Weihnachtsmarkt of Erfurt, Halle or Leipzig, are scenes from Grimms‘ fairy tales next to a nativity scene – whereas in the West you only have the nativity scene, of course. There is a high probability of making kids associate the claims concerning the truth of our records on Jesus Christ with claims concerning Cinderella, the Sleeping Beauty or what have you. This is reminiscent to the GDR and its atheism and some of my readers may have concerns about associations of this kind.

I don’t.

Christmas is not only about the timeless becoming worldly. I know, this is the theological interpretation of Christmas since the church fathers, however Chrismas is also about seeing divine reason in human persons and it is also seeing a deeper reality in fiction. Christmas is not about science. It’s about the use of symbols. It’s poetry. If your access to Christmas is via Hansel and Gretel, be my guest… If Hansel and Gretel are an attraction that makes the event more inclusive for your Nonchristian friends to attend, then so much the better.

So much the better for the theist, I mean. Not for Dawkins.

 

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s