The difference between the saint and the good guy

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Erlingers Kolumne im SZ-Magazin liebe ich als Leser sowie aus beruflichen Gründen – Ersteres, weil er genial schreibt, Letzteres, weil seine Kasuistik-Fälle im Fach Ethik gut zu gebrauchen sind. So hat mich die Gewissensfrage noch vor Weihnachten inspiriert, folgende Frage zur schriftlichen Beantwortung zu stellen:

Ich verpacke Geschenke für ein paar Freunde, darunter für einen Blinden. Ich stelle aber fest, dass das schöne Geschenkpapier nicht ausreicht. Genau genommen habe ich fürs letzte Geschenk kein schönes Geschenkpapier mehr. Was soll ich tun?

Während sich alle darüber einigten erstens, dass der Utilitarist für den blinden Freund irgendein Papier nehmen darf, da dieser dies sowieso nicht als Abwertung seines Gesamtnutzens empfindet, wenn er nicht weiß, dass der Utilitarist Papier aus der Altpapiertonne hernahm; zweitens, dass der Kantianer für Gleichbehandlung für alle sorgen sollte…

… war es niemandem klar außer einer unglaublich spitzfindigen Zeitgenossin, was die christliche Reaktion wäre:

 

Als Christ verpacke ich das Geschenk des blinden Freundes in das schöne Papier und lasse das Geschenk meines besten Freundes unter den anderen unverpackt.

……..

Das müssen Sie erst begründen

entgegnete ich vorgestern bei der Besprechung der Arbeiten.

Das ist, glaube ich, der Unterschied zwischen der Heiligkeit und der moralischen Güte. Der Heilige darf sich nicht scheuen, nur ein Signal zu geben, wenn er nichts Besseres tun kann – und zwar auf Kosten der eigenen Beliebtheit.

Ob das ein gutes Argument in diesem Kontext ist, geschweige denn, ob sie Recht hat, weiß ich nicht. Ich muss darüber nachdenken, habe aber jedes Recht, froh zu sein, wenn sie meiner Stunde beiwohnt.

 

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My question was – it was before Christmas – what the main schools of ethics would say to the following case:

I’m wrapping gifts for friends in glossy, colourful paper when I discover that I haven’t got enough paper for the last gift. One of my friends is blind. What do I do?

Students were unanimous that if I were a utilitarian I would use some rubbish paper for the blind friend not to reduce his utility at all. And they were all pretty sure that as a Kantian I should make sure that I treat all friends according to a universal law – probably the same paper for everyone.

But what would my Christian self do? No hint in any paper except in the one of this very brilliant student:

As a Christian you have to use coloured, luxurious paper for the gift of the blind friend and leave the gift of your best friend among the others unwrapped.

….

You have to justify your solution in terms of an argument

I said the day before yesterday, during the discussion of the papers.

Well, I suppose that this is the difference between sanctity and goodness.

said she. And she continued:

 A saint may not be afraid to become unpopular when the situation is helpless and the only thing he can do is to give a signal.

Was she right? Is this a valid argument in this context anyway? I’m not sure. But I’m happy that she attends my class.

 

Die Farbe Weiß und die Weisheit

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Folgende Stelle aus dem Klagelied des gerösteten Schwans aus dem Codex Latinus Monacensis 4660, 53v-54r (d.h. Carmina Burana, Nr. 130) ist dem Publikum aus Carl Orffs Komposition bekannt:

Olim lacus colueram,             Einst bewohnte ich die Seen,

olim pulcher exsisteram,       einst war ich schön,

dum cygnus ego fueram.       als ich ein Schwan war.

Miser! Miser!                           Wie unglücklich bin ich

Modo niger                              jetzt, da ich schwarz

Et ustus fortiter!                       und stark geröstet wurde!

 

Eram nive candidior,               Heller war ich als der Schnee,

quavis ave formosior;               feiner als jedweder Vogel;

modo sum corvo nigrior.           nun bin ich dunkler als eine Krähe.

Lehtonen (Fortuna, Money and the Sublunear World, Helsinki 1995, p. 19) meint, dass das Klagelied des gerösteten Schwans eine Parodie darstellt. Aber eine Parodie von was? Das einzige, woran ich denken kann, ist ein Paradebeispiel der traditionellen Logik: „Alle Schwäne sind weiß“. Dieser als allgemeine Prämisse oft benutzte Satz hat eine interessante Vorgeschichte. In der Topik 120b39-40 schreibt Aristoteles, dass die weiße Farbe Schwänen zwar notwendig zukommt, dass die Schwäne allerdings nicht ihrem innersten Wesen nach weiß sind. In der Ersten Analytik 38a32, sagt Aristoteles, dass ein Schwan zwingend (“ex anankes”) weiß ist, während ein weißer Mensch dagegen nur kontingenterweise weiß ist (“endechetai einai leukon”). Aristoteles denkt hier wohl an “Aithiopes” und “Indoi”, Beispiele, die auch sonst im corpus Aristotelicum vorkommen, während er natürlich nie einen australischen schwarzen Schwan gesehen hatte. Ich denke, dass wir es hier mit zwei verschiedenen Notwendigkeitsbegriffen bei Aristoteles zu tun haben. Es gibt die Notwendigkeit, die wahren allgemeinen Urteilen zukommt, die Notwendigkeit von empirischen Fakten ohne Ausnahmen etwa, und eine, die in einer Definition berücksichtigt wird. Menschen sind weder nach dem ersten noch nach dem zweiten Sinn von Notwendigkeit weiß. Schwäne aber, so behauptet jedenfalls Aristoteles, seien im ersten, nicht allerdings im zweiten Sinne weiß.

Der mittelalterliche Autor des Klagelieds des gerösteten Schwans verstand allerdings Aristoteles anders – d.h. wenn es überhaupt stimmt, dass er eine Parodie zum Paradebeispiel der traditionellen Logik „Alle Schwäne sind weiß“ schrieb, den er unzählige Male gehört haben muss, als er das Trivium studierte. Der Dichter versteht die Notwendigkeit im ersten und im zweiten Sinn als ein-und-dasselbe und zieht aus dem notwendigen Zukommen von weißer Farbe die Konsequenz, der Schwan müsste per definitionem weiß sein. Ergo, ein gerösteter Schwan ist kein Schwan mehr, sondern er war ein Schwan („cygnus fuerat“). Das erinnert an den Trugschluss, der heute als “No true Scotsman” bekannt ist: Schmecke einem kein Scotch, so sei man kein Schotte, sagt der eingefleischte schottische Patriot. Und wenn doch derjenige, dem kein Scotch schmeckt, Angus McManus heißt und in Edinburgh wohnt? Dann sei er kein echter Schotte. „Schotte“ wird umdefiniert, damit sich die Äußerung des eingefleischten schottischen Patrioten stets bestätigt. Ähnlich soll gelten: Ist der Vogel schwarz, dann ist er kein Schwan – jedenfalls kein echter. „Alle Schotten lieben Scotch“ und „Alle Schwäne sind weiß“ werden als analytische Wahrheiten genommen – von Aristoteles, so jedenfalls unser Dichter.

Zusätzlich deutet der Dichter an, Aristoteles würde keinen lebendigen schwarzen Schwan brauchen, um Weiß nicht als notwendige Eigenschaft von Schwänen zu betrachten. Ein gerösteter Schwan hätte genügt.

An das Klagelied des Schwanes dachte ich letztlich, als ich das Wochenende nicht sehr weit weg von Benediktbeuren verbrachte, wo der Codex Buranus wiederentdeckt wurde. Es hat geschneit und geschneit und geschneit. Schnee ist weiß und Weiß ist keine notwendige Eigenschaft von Schnee. Das liegt nicht daran, dass Weiß eine Farbe ist. Rot kommt dem Purpurfarbstoff notwendig zu. Im Gegensatz dazu ist es nun mal eine Tatsache, dass es nichtweißen Schnee gibt

Gibt es ihn wirklich? Das Alltagsdeutsch geht von einer anderen Vorstellung aus, wenn es für den verdreckten Schnee von “Matsch”, nicht von „Schnee“ spricht. Und doch spricht es von „gelbem Schnee“. Inkonsequent das Ganze, aber es scheint wenigstens im Deutschen zu gelten, dass schwarzer Schnee kein echter Schnee ist.

Das Klagelied des gerösteten Schwans ist, wie man sieht, sehr interessant für experimentalphilosophische Gedanken, insbesondere wenn es im Zusammenhang mit „No true Scotsman“ interpretiert wird.

Stimmt es zudem, dass der Dichter des Klagelieds Aristoteles, wie ich meine, auf eine bestimmte Art verstanden hat, dann hat diese Art, Aristoteles zu verstehen, interessante metaphysische Implikationen. Wenn sich etwas nicht ändert, dann sind alle seine Eigenschaften notwendige Eigenschaften. Notwendige Eigenschaften kommen allerdings per definitionem zu, so jedenfalls wenn die Aristoteles-Interpretation des Dichters stimmt. Aber wenn der Perdurantismus Recht hat, hat eine mereochronologische „Scheibe“ von mir unveränderte Eigenschaften, ja nur unveränderte Eigenschaften, die mir dann alle per definitionem zukommen.

Da aber laut thomistischer Theologie nur Gott das Wesen mit nur notwendigen Eigenschaften ist, das Wesen, das nur seine Essenz ist, muss der Perdurantismus falsch sein.

Ich habe keine mereochronologischen Scheiben. Vielleicht die Schneeflocken. Ich jedenfalls nicht.

Schnee

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The following citation from the Codex Latinus Monacensis 4660, 53v-54r (i.e. Carmina Burana, Nr. 130), belongs to the short list of the Carmina put in music by Carl Orff. My translation is rather free:

Olim lacus colueram,             Once upon a time I dwelt the lakes,

olim pulcher exsisteram,       once upon a time a handsome mate,

dum cygnus ego fueram.       at the time when I was a swan.

Miser! Miser!                           Alas, unlucky me!

Modo niger                              Now I am black

Et ustus fortiter!                       and strongly roasted!

 

Eram nive candidior,               I was brighter than snow,

quavis ave formosior;               nicer than any other bird;

modo sum corvo nigrior.           now I am darker than a raven.

Lehtonen (Fortuna, Money and the Sublunear World, Helsinki 1995, p. 19) understands the lament of the swan as an ironic parody. But a parody of what? The only thing I can think of is the very common example of traditional logic: „All swans are white“, often taken to be a general premise of a syllogism. The statement has a famous prehistory. In the Topics 120b39-40 Aristotle thought that whiteness, though a necessary quality of swans, does not belong to the essence of a swan. In Prior Analytics 38a32, Aristotle says that a swan is white necessarily (“ex anankes”), contrasting this to a human being who is contingently white (“endechetai einai leukon”), obviously with respect to the fact that there are human beings who are “Aithiopes” and “Indoi” – examples that occur here and there in the Aristotelian corpus. I believe that Aristotle has two different concepts of necessity in mind. The one is a concept of necessity that has the power of true general statements, the other is the necessity of the essential properties of an organism. For human beings it is neither in the first nor in the second sense necessary to be white. For swans, it is necessary to be white in the first sense, so Aristotle thought since he had never seen an Australian black swan, not however in the second.

The medieval author of the poem of the roasted swan, however, did not understand Aristotle in this manner – that is, if I’m correct to think that he is parodising the sentence “All swans are white” known to him from his time as a student of the trivium. The poet makes fun of Aristotle as insinuating that a roasted swan would not be a swan any more („cygnus fuerat“), in virtue of having lost its whiteness. An anti-Aristotelian joker, the poet uses an instance of the modern “No true Scotsman” fallacy: if you don’t like Scotch you’re not a true Scotsman even if your name is Angus McManus and you live in Edinburgh. And if the bird is black, it’s not a true swan. In other words he understands Aristotle to say that not only it’s necessary for a swan to be white but it’s also essential to it. He understands Aristotle as employing the „No true Scotsman“ fallacy and as saying in effect that „All swans are white“ is analytically true – anachronistically speaking.

Of course, Aristotle didn’t have to see a living nonwhite swan to be persuaded that whiteness is not a necessary property of swans. A roasted swan would be enough for this. And this is, I think, a further innuendo of the poem.

I thought about this old story since I spent the weekend in Bavaria, not far from the Benediktbeuren Abbey where the Codex Buranus was rediscovered, and it was snowing and snowing and snowing all these days. Snow is white and white is not essential to snow – or so I think. I mean, red is essential to red nail polish. But white is not essential to swans or snow.

However, colloquial German tends to use the word “Matsch” (≈ mud) for stained or tainted snow instead of the standard term “Schnee”. It does use the equivalent of „yellow snow“ though when it’s about the spot where a dog urinated on the snow. Not very consistent but it does entail that black snow is not snow.

But apart of being interesting as a starting point for experimental philosophy vis-à-vis the „No true Scotsman“ fallacy, the poem has interesting metaphysical implications also. During the time something doesn’t change, if perdurantism is true and every mereochronological slice of this something is an entity, all the properties of this entity are necessary. And if the poet’s joke is more than only a joke, every necessary property is essential to its bearer. But according to scholastic theology, it’s God who has only essential properties.

Which means that either this cannot be an accurate definition of God or perdurantism is false.

Aristottgenstein

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Eine wichtige Tendenz in der Didaktik des Faches philosophische Logik seit den 50ern lautet, dass die Syllogistik unnötig zur Einführung in die Logik ist. Das war unter dem Einfluss von Carnap und später Quine in der damaligen Bundesrepublik der Fall. Selbst Konstruktivisten hatten diesem Verständnis der aristotelischen Logik nichts entgegenzusetzen. Paul Lorenzen meinte 1958, in seinem bahnbrechenden Aufsatz „Logik und Agon“, ausgerechnet Aristoteles hätte aus der Logik als Zweikampf ein Solospiel gemacht. Ich frage mich, wie Lorenzen die Sophistischen Widerlegungen 11 verstand. Aber dazu später.

Nicht anders war der Trend im Osten. Horst Wessel und Johannes Dölling begrüßten ihn 1980 in der Deutschen Zeitschrift für Philosophie 12, S. 1522, in ihrem Artikel „Erfahrungen mit dem Lehrprogramm für das Lehrgebiet Logik“:

Seit dem Herbstsemester 1973 wird der Logikunterricht für Studenten der Grundstudienrichtung Marxistisch-leninistische Philosophie an den Universitäten der DDR … nach einem vom Minister für Hoch- und Fachschulwesen bestätigten verbindlichen Lehrprogramm durchgeführt. Dieses Programm wurde von Lehrkräften der Universitäten Berlin, Leipzig und Halle ausgearbeitet, die über langjährige Erfahrungen in der Logiklehre für Philosophiestudenten verfügen. Schon bei seiner Konzipierung kam es zu einem fruchtbaren Erfahrungsaustausch zwischen den Lehrenden … So waren sich alle Lehrkräfte darin einig, daß die Logik auch für Philosophiestudenten in ihrer modernen Gestalt gelehrt werden muß. Es wurde deshalb bewußt darauf verzichtet, einen Vorkurs über traditionelle Logik zu lehren.

Im Rückblick finde ich es ungerecht, dass die traditionelle Logik lange vernachlässigt blieb, da die moderne Logik die einzig wahre Form der Logik darstellen soll, aber ersterer gleichzeitig vorgeworfen wird, sie sei schuld an der Vorstellung, es gebe eine einzig wahre Logik a priori.

Gerade zu einer Zeit des Logikpluralismus muss, finde ich, immer wieder darauf hingewiesen werden, dass die mittelalterlichen obligationes und selbst Aristoteles‘ Bemerkungen in den Sophistischen Widerlegungen 11 dahingehend, dass die Syllogistikregeln in der Dialektik analog zu den Regeln eines sportlichen Wettkampfs zu verstehen sind, zeigen, dass die philosophische Grammatik im Sinn von Sprachspielen anstatt sub specie aeternitatis ihren Anfang in der traditionellen Logik hat. Dazu nur noch kurz eine Bemerkung: Warum verstehen wir das Bindeglied „Spiel“ in Wittgensteins „Sprachspiel“ als Sprachkontext und nicht etwa als Wettkampf, wie Aristoteles‘ „agon“ in den Sophistischen Widerlegungen 11? Gerade wenn ich an Wittgensteins Bezugnahmen auf das Schachspiel in den Philosophischen Bemerkungen denke, erscheint mir diese Deutung sehr plausibel.

Ich darf an dieser Stelle auf den 5. Kongress zum logischen Viereck hinweisen, der im November auf der Osterinsel und wie immer vom Freund Jean-Yves Beziau und dem Kreis um die Zeitschrift Logica Universalis veranstaltet wird: Logikern, die zu den wenigen gehören, die von der traditionellen Logik immer noch neue Einsichten gewinnen und das zu sagen wagen.

Aristogenstein

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Since the 50s, in Germany it has been an important tendency in the didactics of the subject „Logic for philosophers“ to disregard syllogistics. This was the case in the Federal Republic under Carnap’s and later Quine’s influence. Even constructivists failed to support Aristotle in this respect. Paul Lorenzen, in his pioneering 1958-paper „Logic and Agon“, claims that of all people Aristotle had made a dull game of solitaire out of logic as an exciting duel. I can’t explain how Lorenzen understood Sophistical Refutations 11. I’ll return to this immediately.

In East Germany things haven’t been otherwise. Horst Wessel and Johannes Dölling hailed the trend in 1980 in an article titled „Lessons to Learn from the Syllabus for the Subject Logic“ published in the Deutsche Zeitschrift für Philosophie 12. There, on page 1522, they say:

Ever since the winter of 1973, students majoring in Marxist-Leninist Philosophy at the universities of the GDR have been learning logic … according to a syllabus accredited by the minstery to be used at institutes of higher and technical education. This syllabus was elaborated by the teaching staff of the universities of Berlin, Leipzig and Halle, scholars with long-time experience in teaching logic for philosophy students. The knowledge transfer between the teaching staff member was fruitful already in the preperation of the syllabus… They all agreed to teach also philosophy students only modern logic. A preparatory course in traditional logic was explicitly discarded.

Looking back, I find it unjust for traditional logic to be ignored because modern logic is allegedly the only true form of logic, whereas it’s traditional logic which is found guilty of the idea that there is a unique, a priori true logic.

At a time of logical pluralism, I think that one cannot understate the importance of the medieval obligationes. Neither can the importance of Sophistical Refutations 11 be understated, where Aristotle maintains that the rules of syllogistic are analogous to the rules of a sports discipline. These two examples show that a philosophical grammar with a plethora of language games instead of one-and-only reason sub specie aeternitatis has been founded by Aristotle and the medieval logicians. One more brief note in this context: in Wittgenstein’s „language games“, is there a special reason to understand „games“ in terms of linguistic contexts instead of a competition, like Aristotle’s „agon“ has to be understood in Sophistical Refutations 11? When I think how extensively Wittgenstein dwells on chess in the Philosophical Remarks, I cannot help myself wondering about this.

But now, let me recommend you the reason that made me make these thoughts: the 5th Congress on the Square of Opposition in Easter Island to take place next November. As always, it’s being organised by Jean-Yves Beziau, a good friend, together with the circle around the journal Logica Universalis. These are logicians who are not afraid to get their inspiration from traditional logic – and to admit so.

Ad quandam narrationem pictam commentarius sub titulo: Theologia oeconomiae artis annis Dei 1316 et 2016 (germanice et anglice)

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Das Szenario vorab: von George Soros angetrieben erreicht Yanis Varoufakis in einer Nacht-und-Nebel-Aktion Frankfurt am Main auf seinem Motorrad, um Mario Draghi nach Rom zu Disputationen über das thomistische Zinsverständnis zu verbannen, um in der EZB-Zentrale einen noch von der  Silvesterparty nicht voll einsatzfähigen Wolfgang Schäuble zu erpressen, schließlich um neuer EZB-Chef zu werden. In keynesianischer Allmacht wähnend lässt anschließend Yanis Geld, Geld und noch mehr Geld drucken, um es den Bürgern zu verteilen. Bloß mit der Korruption wird er nicht fertig, die zum Schluss das Projekt der Erhöhung der Staatsausgaben in eine große Party für die Superreichen verwandelt. Yanis tritt ab und zum zweiten Mal im Jahr 2016 wechselt die EZB ihren Kurs fundamental: diesmal vom byzantinischen Hesychasmus, der vorsieht, der Staat liefere und der Bürger bleibe apathisch, zum tibetischen Hesychasmus: der Bürger liefere, der Staat bleibe apathisch. Denn nach Yanis wird der Dalai Lama neuer EZB-Chef. Yanis findet dagegen Erleuchtung in einem buddhistischen Kloster.

So die Prognose der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung fürs Jahr 2016 im Comic „Der Putsch“.

Jetzt im Ernst:

Für die Zinstheologie des Thomas von Aquin soll nicht Mario Draghi beraten, sondern meine Habilitationsschrift gelesen werden, die im Jahr 2016 bei Peter Lang herauskommt. Dort stelle ich unter vielen anderen Sachen einen Vergleich zwischen Sünden- und Zinsverständnis in lateinischen und griechischen mittelalterlichen Quellen her. Ich komme zu dem Schluss – aber zuerst, bitte, das Argument und meine Belege lesen! – dass das ostchristliche Verständnis von Gottes Allmacht es zuließ, dass letzterer Sünden wie Zinsen ohne Weiteres erlassen kann. Das westchristliche Verständnis von Allmacht ließ allerdings keinen Gott zu, der sich über seine eigenen Spielregeln hinwegsetzen kann, um Forderungen im Sinne von Buße oder Rückzahlungen zunichte zu machen, um Neuwerte per fiat zu erschaffen, um Geld zu drucken…

Da sich die Geister östlich und westlich der Adria nach wie vor über die Grenzen von „Allmacht“ scheiden, wird das Europa des Jahres 2016 – im Sinn der politischen Theologie jedenfalls – dem Europa des Jahres 1316 ähneln, als der griechische Gegenpart des Thomas von Aquin und großer Verfechter einer ruhig sich selbst aufhebenden Allmacht Gottes, Gregor Palamas, Erleuchtung in einem Kloster fand.

FAS Dez 2015

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The plot: George Soros persuades Yanis Varoufakis to jump on his bike and ride like a lightning all the way from Athens to Frankfurt where he blackmails Wolfgang Schäuble who looks wasted in the aftermath of a new year’s party, to expell Mario Draghi from the ECB. Draghi goes to Rome where he disputes with pope Francis and ex-pope Benedict on the Thomistic understanding of interest rates and Yanis succeeds him in the ECB to print money, money and more money to be distributed to the pure. However, Yanis underestimates corruption, which turns high public spending into a big party for the rich. Yanis resigns and the course of the ECB is changed for a second time in 2016 from Byzantine hesychasm (delivering state, citizens in apathy) to Tibetan hesychasm: delivering citizens, state in apathy. The Dalai Lama succeeds Yanis as the new head of the ECB and Yanis seeks illumination in a Buddhist monastery.

This is what the German weekly Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung predicts for 2016 in the Comic „Der Putsch“ (The Coup).

Reading „Der Putsch“ is great fun and it contains some insights into political theology. Of course, if you want to have a reliable source pertaining to Aquinas’s understanding of interest rates, you’ll not have to ask Draghi in 2016. You’ll be able to read my second monograph (i.e. Habilitationsschrift) that will be published in 2016 instead. Among other things, I compare there the understanding of sinning and generally „paying debts“ in Latin and Greek medieval sources. Whereas Christians in the East thought that God’s omnipotence can create values, devaluate valuables or cancel debts without restrictions, the West thought that God cannot cancel His own rules to make the poor rich or to relief debts. You have to read my argument and the documents first, of course, but this is the conclusion of the corresponding chapter in outline.

The Adriatic still divides two very different ways to understand power and this is why I think that 2016, at least as much as political theology is concerned, will resemble the year 1316: the year in which Gregory Palamas, Aquinas’s Byzantine rival, sought illumination in a monastery.