L‘ elisir d‘ amore

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Mein letzter Beitrag in einer Konferenz der Gesellschaft für analytische Philosophie war vor Jahren in Konstanz. Ich hatte mich mit Pascals Wette beschäftigt: Es sei tatsächlich rational, so wie Pascal behauptet, an Gott zu glauben angesichts des immensen Nutzens daraus, falls Gott tatsächlich existiert; allerdings lohne es sich, mit dem immensen Nutzen zu rechnen, so meine Lesart der pascalschen Wette weiter, nur unter der Bedingung, dass gar keine Nachteile daraus erwachsen können. Mit anderen Worten handelt es sich bei Pascals Wette nicht um eine einfache Kosten-Nutzen-Rechnung, sondern um eine Kosten-Nutzen-Rechnung, die eine Win-win-Situation – oder wenigstens eine Win-not-lose-Situation ergibt. Das nur als fachlicher Hintergrund meiner heutigen Geschichte.

Gestern war es ursprünglich nicht meine Absicht, mit den Drittklässlern zu philosophieren, obwohl ich das gelegentlich tue. Der Ansporn kam von ihnen und er war sogar anders gedacht. Was sie wollten, war, mir oder irgendjemandem einen Liebestrank zu verkaufen, der unwiderstehlich macht. Sie haben mir das wertvolle Flakon präsentiert, den Inhalt gepriesen, noch keinen Preis genannt und ich lehnte ab.

Eines der Mädchen wollte mich aufklären, falls der Ehestand mich daran hinderte, so etwas zu besitzen und einzusetzen, dass Liebesaffären „in Deutschland“ straffrei sind.

Nein, meine liebe, unabhängig davon will ich es nicht. Obwohl jeder, einschließlich meiner wohlgemerkt unwiderstehlich sein will, ob verheiratet oder ledig.

(Ich sehe schon ein, dass meine Äußerung ein paar theologische Probleme nach sich zieht, insbesondere in Bezug auf das neunte Gebot. Allerdings gibt es keine Probleme in Bezug auf das sechste Gebot und – das Wichtigste – die Theologie irritiert die Kinder und das war sowieso nicht unser Thema).

Ob ich deswegen den Liebestrank nicht kaufe, weil ich an seine Wirksamkeit nicht glaube.

Oh doch! Ich glaube, dass ihr hervorragende Chemiker seid und dass der Liebestrank hält, was er verspricht.

Warum kaufen Sie dann nicht?

Weil, so wie ich euch kenne, der Meinung bin, dass die Hauptzutat in diesem unglaublich wirksamen Liebestrank Schafurin ist.

(Die Schule unterhält Schafe, die in der Nähe der dritten Klasse sind).

Die Kinder lachten lauthals und rannten los, um ihre Marketing-Aktion fortzusetzen.

So, werte Leser, wenn Sie zu meinem Publikum in GAP.8 gehörten und misstrauisch über meine Resultate dort waren und immer noch sind, lesen Sie noch einmal die Einführung meines heutigen Beitrags mit meinem gestrigen Dialog mit den Kindern im Hinterkopf.


Enough with scrolling

My last paper in a big conference of the German Society of Analytic Philosophy –  years ago – was on Pascal’s Wager. I defended the view that it is rational to believe in God rather than not to believe considering the incomparably greater benefits in the case He exists (this is Pascal), nevertheless this is only if your faith in God bears no disadvantages at all (this was me). I.e. the Wager is not about simply calculating utilities; rather, it’s about calculating utilities to define a win-win  situation. Or a win-not lose situation. The public was sceptical. This, only as the background of today’s post.

Yesterday, it wasn’t my intention to philosophise with the elementary school students – although I do occasionally enjoy to make them use their analytical skills. Rather, it was their idea to prepare and try to sell a love elixir supposed to make you irresistible. They showed me this small bottle, they advertised its merits, they asked me to buy it, and I declined. They wanted to know if this was because I’m married (a girl added that having love affairs is not punishable „in Germany“).

I replied that anyone, whether married or not, would like to be irresistible (some issues with the ninth commandment here, however not with the sixth. Besides, kids should not be confused with theology which wasn’t our topic anyway…).

But was then the reason I declined my disbelief to the merits of the elixir?

No, kids, you’re great chemists.

So, you do believe that it’ll make you irresistible?

Yes, I do!

And you want to be irresistible?

This also!

Why aren’t you buying then?

Because, knowing you, the main ingredient of your elixir will be sheep urine

(the school possesses sheep located near the third class).

The kids laughed and ran off to continue marketing.

And now, if you were at GAP.8 and sceptical about my results about Pascal’s Wager there, read the introduction of this post again bearing in mind my conversation with the kids.

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