Instrumentelle Vernunft

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Am Hallenser Steintor-Campus sah ich obiges Bild. Es klebte auf einem Abfalleimer, in dem natürlich keine Werke Adornos steckten.

Die negative Botschaft in schwarzen Lettern, wohl so zu verstehen, dass ein vulgärer Materialist oder ein neoliberaler Ökonom sie äußert, steigerte meine Sympathie für den Aufkleber. Wie hat’s nochmal geheißen auf diesem Plakat in Erfurt vergangenen Dienstag? „BWL-Aufbaustudium für alle, die was Richtiges studiert haben“. In Klammern stand „Biologie, Informatik“ und noch so ein paar Berufungen. Wenn ich so als Vertreter eines „Unrichtigen“ gewatscht werde, dann gehört meine Sympathie wohl denjenigen, die darauf hinweisen, dass richtige Bildung etwas anderes ist als Ausbildung, ob „richtige“ oder nicht.

Was mir allerdings widerstrebt, ist, dass der Vertreter der kritischen Theorie auf dem Aufkleber als Opfer stilisiert wird. In meinen Augen ist er ein Peiniger.

Die kritische Theorie erlebte ich während meiner kurzen Zeit von 2000 bis 2003 an einer griechischen Uni als die Legitimation zur Machtausübung ohne Mehrheitsmandat – damals bestimmte der SyRizA die politische Agenda der Unis als drei-Prozent-Partei – und als „moralische“ Untermauerung der monströsen Bevorzugung von Außenlinken für universitäre Posten. Wer gegen den Neoliberalismus schrie und ein paar Publikationen im griechischen Abklatsch von „konkret“ hatte, ließ sich mit einem Pöstchen belohnen. Wenn das keine instrumentelle Rationalität ist… Adorno als Gegenstand seiner eigenen negativen Dialektik.

Das Geist-Materie-Problem, die analytische Theologie und die Grundlagenforschung – das Instrument par excellence – ja, das sind Forschungsfelder, die nie im Verdacht der instrumentellen Rationalität stehen werden. Total untauglich für die breite Öffentlichkeit und Diamanten der philosophischen Literatur.

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Enough with scrolling

I saw the picture above „against the economism of higher education institutes“ on top of a waste bin in downtown Halle. Needless to say, no works of Adorno were to be found in the waste bin.

When I read the negative message „Is it practicable or disposable?“ – obviously polemically assigned to the vulgar materialist or the liberal economist – I thought that I do share the concerns of the leftist students that issued it after all. Concerns vis-à-vis the stronger and stronger tendency to produce specialisation instead of education.

However, I can’t see how comes that Critical Theory is supposed to be the victim and not the perpetrator. Critical Theory, as I witnessed it at work in Greece where I’ve been teaching from 2000 to 2003, is an instrument to attain power and to legitimise the absurdly high probability by which Greeks with tenured posts in philosophy are – or pretend to be – ideologists of the far left. Thus employed, Critical Theory can be as instrumentalised as anything. Adorno, as one sees, is the subject of negative dialectics himself: the more you protest against vulgar materialism and neoliberalism, the more you are legitimised to enjoy material goods with a professorial salary.

It’s rather the mind-body problem, analytical theology and logic (THE instrument of the instruments) that are beyond suspicion of promoting instrumental reason. Most ordinary people would say that they are impracticable…

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