The two dogmas of contemporary historiography

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Das eine Dogma der zeitgenössischen Geschichtsschreibung besagt, dass  die historischen Ereignisse Konstrukte des Historikers sind.

OK, tun wir so, als ob wir diese Meinung teilen würden. Der letzte Weltkrieg? Eine Ansammlung von lose zusammenhängenden Zwischenfällen unter Verwendung militärischer Gewalt, deren Bedeutung als Ganzes vom Historiker in die Geschichte hineininterpretiert wird. Was hat schließlich Midway mit dem italienisch-griechischen Stellungskrieg in und um Südalbanien?

Das zweite Dogma heißt: Mythen zerstreuen. Aber wenn die historischen Ereignisse nur Konstrukte sind, was sollen die Kriterien sein, bestimmte Konstrukte – etwa Wilhelm Tell – als Mythen abzutun?

Die Frage ist nur rhetorisch: Es gibt keine.

Es ist schlimm, mit dem Werk eines Historikers bei der Hand, der Desorientierung anzubieten hat, Orientierung zu suchen…


Enough with scrolling

The first dogma of contemporary historiography says that historical events are construed by historians. Let’s pretend that we’re alright with this dogma.  The WWII? A loose connection of military conflicts that could be studied separately. What did the high-tech Midway Battle in the Pacific and the WWI-like Italian-Greek conflict in some Albanian mountains in the middle of nowhere have to do with each other? Nothing, right?
But then, there’s a second dogma: destroy myths.

However, what are the criteria to tell myths (say William Tell) from the remaining constructs of the historian? The question is rhetorical: there are no such criteria.

It’s so silly to try to find orientation with the help of a work of a modern historian who says that there is no orientation…

Sprache und Raum

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„Sprache und Raum“ klingt nach bad philosophy und ein Umzug ist, weiß Gott, kein Ansporn zum Philosophieren.

D.h. wenn man von der Philosophie kommt. Für unsere Umzugshelfer war das anders. Sie erklärten mir Einiges über die Fähigkeit, sich im Dreidimensionalen mit einer übergroßen Last so zu orientieren, dass die Last an keiner Stelle etwas berührt – und das heißt, obwohl man nicht sieht.

Wir unterhielten uns über dreidimensionales Tetris – beim Stapeln im LKW – und über Mehrsprachigkeit. Russisch war die lingua franca der Truppe, untereinander haben sie sich aber gelegentlich auf Armenisch oder Deutsch unterhalten. Niemand hat sich gewundert, als einer mich auf Griechisch ansprach; als eine Selbstverständlichkeit wurden meine serbischen Gespräche mit dem Belgrader Mitglied der Gruppe zur Kenntnis genommen.

Aber zurück zu den Gegenständen: Die Fähigkeit dieser Menschen einzusehen, was ich räumlich und sprachlich zusammenfasste („Im Keller habe ich noch ein paar Sachen, die mitkommen; andere lasst ihr allerdings, bitte, liegen“) hatte mit Mereologie zu tun, nicht mit Zermelo/Fraenkel, wo die Elementschaftsrelation klar gekennzeichnet sein muss. Denn die mitzukommenden Sachen habe ich nicht in eckigen Klammern gesetzt.

Der Nachteil dieses Ansatzes: die Mereologie ist immer regional und nicht axiomatisierbar. Es ist ein Talent zu verstehen, was Teil von was ist.

Echt talentierte Menschen!



Enough with scrolling

The connection between language and space has been associated in my life with bad philosophy. And, what’s more, with bad philosophy taught at the river Rhine.

Now I happen to come to the same river after decades to reflect on this connection – together with the workers who helped carry and put furniture together again.

A multilingual team, speaking Russian as lingua franca and other Slavic languages or ones spoken in the former Soviet Union plus German, they tried to explain to me the basics of carrying heavy cargo indoors, heavy cargo outdoors, heavy cargo in corridors, heavy cargo through doors. They wouldn’t admire my switching from Greek to German to Serbian as they wouldn’t hesitate to draw an analogy between their job and Tetris, between their job and maths.

And they wouldn’t face problems to understand commands like „Take from the basement all the stuff needed in the new house, leave the rest.“ If I had tagged the items to be carried across Germany, it would be Zermelo-Fraenkel they’d be using.

But most bulky things I hadn’t tagged. Clearly, if you’re this kind of customer you’re asking for mereologists. And mereologists they were!

Mereology is a talent, not a theory. To say the least, they were talented people.