Selbstbeherrschung

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Nachdem ich den festen Entschluss gefasst hatte, keine Bücher zu kaufen, ging ich zum Flohmarkt. Frau und Kindern sagte ich, dass ich von der Festigkeit meines Entschlusses überzeugt war, insgeheim wünschte ich aber, über keine interessanten Bücher zu stolpern. „Und führe uns nicht in Versuchung“. Es kam anders.

Bocheńskis Zeitgenössische Denkmethoden waren der erste Stolperstein. Ich versuchte, mir einzureden, dass ich das Buch bereits hätte.

Gewiss ist ein langes Kapitel über die axiomatische Methode in der mathematischen Logik heute, zu einer Zeit der absoluten Vorherrschaft von semantischen Kalkülen, nicht mehr modern. Trotzdem, oder vielleicht gerade deswegen ist es sehr interessant, die Gedanken des großen Polen bereits in den 70er Jahren zu diesen beiden methodologischen Polen zu lesen.

Der zweite Stolperstein war ein mit der Schreibmaschine ins Reine geschriebenes Skriptum aus den Vorlesungen von Jürgen Habermas zur Theorie der Sozialisation im Sommersemester 1968 – mit Literaturempfehlungen. Habermas wird die Vorlesung fünf Jahre später wiederholt haben, denn die Innenseite des Kartonumschlags war von einem Frankfurter Studenten mit unleserlicher Unterschrift unter Angabe des Jahres 1973 signiert.

Zwischen dem schweizerischen Freiburg, wo Bocheński Professor war, und Frankfurt am Main, damals noch nicht unter Habermas‘ Stern aber egal, wandelt Johanna Spyris Heidi vom glücklichen Naturmädchen im Besitz des richtigen Denkens zum melancholischen aber erfolgreich sozialisierten Großstadtkind.

Heidis Route hin und zurück ist atemberaubend. Ich bin vorsichtshalber dazwischen und habe beide Bücher nicht gekauft.


Enough with scrolling

I promised my wife and to myself to save our money and then we went to the flea market. Secretly I wished – I was less stable than I professed to be – not to stumble upon interesting books. „And lead us not into temptation“. But, you know, this is the most unlikely part of the Lord’s Prayer to be fulfilled.

The first book I stumbled upon was Joseph Bocheński’s Contemporary Methods of Thinking. In an era of semantical calculi, it’s probably very outdated to have a long chapter on the importance of the axiomatic method in mathematical logic. Bocheński’s thoughts on the matter are, however, very important since he had a very early grasp of the bipolarity of axiomatic vs. semantical methods.

After the bipolarity stated by the Polish Dominican logician, the next temptation was a no-book. The young Jürgen Habermas delivered in the Spring Term of the year 1968 a series of lectures on the theory of socialisation. Some student or students still circulated a transcript of these lectures five years later, when Habermas probably repeated the subject. On the backside of the script cover you could read, or rather see an unreadable name and the year 1973.

Johanna Spyri’s Heidi is a person between the two extremes marked by Bocheński and Habermas. In possession of the right method of thought, she goes from the Swiss Alps, where Bocheński was a professor, to Frankfurt to be socialised as an urban girl. And back.

Heidi’s is a breath-taking way. I’m somewhere between its two ends and managed to persuade myself that I didn’t have to buy the books.

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