Tell justice from injustice

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Wilhelm Tell ist par excellence das Beispiel schweizerischer Historiker dafür, dass Geschichte von Legendenbildung unterschieden werden soll. Dürrenmatt (Schweizer Geschichte, Zürich 1963, S. 28-9) widmet der geschichtsträchtigen aber mythischen Episode geradezu ein Vierhundertstel seines Opus Magnum. Reinhardt (Geschichte der Schweiz, München 2006, S. 6-10) zwar mehr, allerdings zum Thema Schiller und Tell-Legende.

Die Tell-Legende ist trotzdem lehrreich und geschichtsträchtig und zeugt von einer Absage an den Utilitarismus auf der moralischen Ebene – von einer, die ich mit gutem Recht, wie ich denke, als in den Grundfesten der Eidgenossenschaft eingeschrieben betrachte. Wenn ich mit dieser Behauptung Recht habe, steht dem Staatsgründungsmythos der Schweiz (die Verwendung des Wortes „Mythos“ möchte ich hier nicht wertend verstanden wissen) der Utilitarismus fern.

Gessler, der Landvogt und Strohmann der Habsburger, so steht es geschrieben und so wurde es gesungen, stellt den freiheitsliebenden Wilhelm Tell vor die Wahl, entweder bei der Hinrichtung seines Buben zuzusehen, oder wenigstens zu versuchen, einen Apfel auf dem Kopf des Kindes mit einem Pfeil zu treffen. Trifft Wilhelm, so wird das Kind befreit. Trifft er nicht, dann entweder tötet er sein Kind, das aber ohnehin hingerichtet worden wäre, allerdings im rühmlichen Versuch, es zu retten, oder er tötet es nicht und es wird vom Habsburger hingerichtet.

Es kann, denke ich, schwer eine spieltheoretische Analyse des Falls gemacht werden, bei der das Schießen auf den Apfel auf dem Kindeskopf kein Nash-Gleichgewicht des Spiels wäre. Denn egal was passiert: Wenn Wilhelm Tell schießt, bereut er keine Alternative (hätte er nicht geschossen, wäre das Kind sowieso ermordet) und für den Landvogt wird es wohl einen Unterschied gemacht haben, ob der aufmüpfige Schweizer auf sein Angebot eingeht oder nicht – sonst hätte er das Angebot von Anfang an nicht gemacht.

Aber warum wird dann in der Legende gerade dieses Angebot des Landvogts als unerhört, unmoralisch, niederträchtig hingestellt? Wäre es etwa besser, wenn der Landvogt das Kind sofort getötet hätte?

Die einzige mir jedenfalls plausibel erscheinende Antwort ist, dass es bei den in der Legende impliziten Vorstellungen nicht um spieltheoretische Optima geht. Die Schweiz, vielleicht jeder Staat, dessen Staatsgründung auf einen Freiheitskampf zurückgeht, entstand nicht auf der Grundlage von Kosten-Nutzen denken, sondern von einem nichtutilitaristischen Gerechtigkeitsverständnis her.


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Experts of Swiss history fear probably nothing more than giving the impression that they see William Tell as part of their job. Their discussion of the legend is always short, always with a big, red, fluorescent „CAUTION, YOU LEAVE THE REALM OF HISTORY“.

Such a pity… The story of the evil sheriff who represented the house of Habsburg and captured Tell’s son to announce to kill him unless the boy’s father, a freedom-loving enemy of the Habsburgs, would hit an apple with an arrow, NB an apple on top of the boy’s head, is a game-theoretical scenario that shows…

…well, more than the whole rest of the Swiss history – an interesting one – has to show.

I believe that shooting at the apple on the boy’s head is the Nash-equilibrium of every adequate game-theoretical reconstruction of the William-Tell story. It wouldn’t be rational for the father to regret not opting for any of the alternatives since these alternatives imply his boy’s death with absolute certainty while shooting at the apple provides at least some chances of survival. And for the sheriff it must make a difference to know that Tell accepts the challenge. Otherwise, why should he offer it?

But if this is so, i.e. if taking the sheriff’s offer is the rational-choice optimum, why is this very offer according to the traditional interpretation of the legend, considered to be immoral?

I have only one explanation for this: the story and with it the predominant understanding of justice in probably every state whose raison d‘ être is the struggle for freedom, is not utilitarian.

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Migration

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Dass ich an Feigen- und Tamariskenbäumen vorbei von zu Hause zum Unterricht laufe, ist etwas, wovon ich seit der Zeit träumte, da mir eine griechische Karriere machbar erschien. Das Dreiland, wohlgemerkt eine immerhin mitteleuropäische Landschaft, schenkt mir etwas, was es nicht musste: Feigenbäume, Tamariskenbäume und Portulak im Garten. Manche werden von Überfremdung reden. Sie werden, von heiligem Zorn erfüllt, indisches Springkraut in den Auen entwurzeln.

Als klassisch gebildeter Zeitgenosse betrachte ich die Sache anders. Die Weinrebe kam mit den Römern hierher. Der Kastanienbaum, der Weizen, die wichtigsten floralen Symbole der Indisches-Springkraut-Ausreiß-Partie: Migranten. Gewiss auch Eindringlinge. Bloß, sind wir, die wir diese Präferenzen haben – und dabei rede ich nicht nur von mir, der ich offenbar ein Migrant bin – eher indigen oder bereits Produkte römischer Zivilisiertheit – und Invasion? Verhalten wir uns gegenüber Fremden nicht wie die Passagiere eines überfüllten Busses, die beim Einsteigen noch verlangten, reinkommen zu dürfen, bereits an der nächsten Haltestelle aber nach außen schreien: „Wir sind voll“? 

Meine Literaturempfehlung zum Thema Migration ist das Buch eines wichtigen Mannes, dessen Stern auch posthum hell leuchtet. Geschrieben wurde es vor 15 Jahren.

http://philpapers.org/rec/DUMOIA

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A walk from home to the class with fig trees and tamarisks around me is what I’ve been dreaming of for decades. I do have this opportunity, however my Swiss reality deviated from the dream that took place in Greece. Now, in the dream, Greece was not only a country of purslane in the gardens but also of traceable policies. One thing led to another and fig trees and tamarisks are migrants in the place I live now.

They’re not invasive, of course, and people speak of a threat only if a species is invasive. However, if you consider human preferences, fig trees and tamarisks, and vine and wheat before them, came to the region as an expression of a culture that was supposed to be superior, the Romans – NB an invasive nation. This shows that not everything that is thought to be an invasion continues to be considered one.

Many people here love wine rather than beer, white wheat bread rather than pumpernickel or any other rye bread, fig trees than fir trees in their gardens. Are they rather indigenous or rather, in terms of culture, descendants of the Roman invaders?

When I read about the topic identity and migration I often have this picture of the passenger of an overcrowded bus in mind who, few minutes ago, demanded to come in, but now, at the next bus stop, he is the first to yell to those outside that the bus is full.

The late Sir Michael Dummett is mostly remembered about his work in semantics and the theory of knowledge. Why not also for this?

http://philpapers.org/rec/DUMOIA