Nationality and rationality

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In der Debatte über Özils Foto mit Erdogan und dessen Wegbleiben von der deutschen Fußballnationalmannschaft vermisse ich einen aufklärerischen Tenor. Die Zugehörigkeit zu einer Nation ist nicht – jedenfalls seit der Neuzeit nicht mehr – ein biologischer Unfall. Die deutsche Öffentlichkeit befasst sich mir zu sehr mit dem – bewussten oder unbewussten, das ist hier nicht das Thema – unbeholfenen Goethezitat des Fußballers, der twitterte, zwei Herzen schlügen – ein „Ach“ hat er nicht dazwischengefügt – in seiner Brust, ein türkisches und ein deutsches; mit einem Zitat zudem, das kontextfremd eingesetzt wurde. Emotionale Bindung ist wohl wichtig für die Identifikation mit den Werten einer sozialen Gruppe, auch im Deutschlandlied wird ja das Herz erwähnt, aber es ist nur eine von mehreren Bedingungen zum Deutschsein. Es ist unerträglich, das Thema mit vormodernen Instrumenten anzugreifen, nur weil der Betroffene, der auch nicht viel Ahnung haben dürfte, diese vorgezogen hat.

Eine Nation ist eine Gruppe von Menschen, die sich durch eine politische Beziehung zu einem Staat auszeichnet. Daher sind Linkshänder, Alkoholiker, Philosophen etc. keine Nationen. Auch Frauenhelden sind keine Nation, obwohl da das Herz eine Rolle spielt.

Als Angehöriger einer Nation ist es nötig, gewisse Werte, nicht allerdings alle Werte der Nation zu teilen. Jemand wie ich – buchstabiert mal meinen Namen ohne Fehler… – kann eine genauso kritische Beziehung zum Deutschsein haben wie der Herausgeber und die Redakteure von konkret.

Eine Nation ist keine abrahamitische Religion. Man kann mehrere Nationalitäten haben, insbesondere wenn sich keine kognitive Dissonanz daraus ergibt. Wenn die eine Nationalität allerdings einen Glauben an die offene Gesellschaft vorgibt, die andere hingegen einen Tribalismus, kann mit Recht an der Rechtschaffenheit des Trägers zweier Nationalitäten gezweifelt werden. Man kann eingebürgerte Salafisten zwar tolerieren, so wie man Neonazis toleriert. Aber die Toleranz ist eine stolze Haltung, keine liebende.

Enough with scrolling

OK, it was fun when the German national team was disqualified already in the first round of the World Cup. For the players it was, however, a disaster and one that was followed by a national conflict. The conflict had already begun before the World Cup when Mesut Özils, Arsenal Football Club’s midfielder of German citizenship and Turkish ancestry, met the Turkish president and shot pictures with him.

After these shots, Özil failed to shoot goals for the German national team in Russia and the post-failure blame game was thus programmed. After returning from Russia and having to face a hostile public opinion, Özil almost cited Goethe’s Faust in Twitter saying that he has two hearts, a German and a Turkish to subsequently accuse the German Football Federation of racism and declare to resign as national player.

Since then, German media talk about Özil’s two hearts. This is where he wanted to lead the discussion. And it’s pathetic for the whole public opinion to have the issues addressed by someone who doesn’t know that much. I say this because at least since the 18th century, nationality is nothing like a biological accident or a matter of heart. It’s the dentification with political values that has been the important factor since then. The left-handed, the drunkards, the philosophers, the Casanovas – groups to whose adherence heart beat plays a role at least to an extent – are no nations because they lack this political tenet.

It’s not necessary to share every value of the nation you belong to. But it’s absurd to pretend you would share values of different nations and ones that – if you were honest – would result to cognitive dissonance: the one nation, say, affirming open society, the other being tribalists.

And if one does pretend to affirm both? Well, I suppose that, since there’s not a way to make nazis who have our citizenship devoid of their political rights, we happen to tolerate them. If we do so, we also tolerate salafis. But tolerance is a proud attitude, not a loving one.

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