Rursus aestas

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Den benachbarten Hirten sei dank, ist es die Zeit, in der sie sich bemerkbar machen, diese kohäsiven Gruppen ohne ein einziges schwarzes Schaf in den eigenen Reihen. Oder ohne ein einziges weißes. Für mich stehen diese schwarze Herde in der Schweiz und die weiße, wenn ich die Grenze ins deutsche Staatsgebiet überschreite, mehr als nur für die Jahreszeit. Ich verbinde mit ihnen die Erinnerung an meine frühe akademische Sozialisierung.

Kohäsive Gruppen zeichnen sich dadurch aus, zum gemeinsamen Erfolg zu schnellen oder ganz abrupt alle zusammen abzustürzen. Die institutionalisierte Rolle eines advocatus diaboli könnte der Gefahr der zu großen Übereinstimmung entgegenwirken. Die Existenz einer Opposition ist ein Überlebensvorteil…

…meinten wir vor einem Vierteljahrhundert im Fach Organisationspsychologie an der LMU. Einschlägige Experimente studierten wir damals. Auch Popper.

Soles occidere et redire possunt. Es ist wieder Sommer.

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I’m grateful to the shepherds who graze their sheep all over in the summer. Grateful because they remind me of my ideological background.

Two of the herds I see on my bicycle tours are very cohesive: the one, on Swiss territory, consisting exclusively of black animals, the other, on German territory, of white.

Social psychology teaches that cohesive groups are known for accelerating rapidly when they accelerate and for deplorably (and fast) crashing when they do not accelerate. Opposition is not only a necessity of liberalism and democracy. It is an advantage of survival. Advocati diaboli could make an otherwise cohesive group rethink about whether their agreement is on a rational basis.

This was the idea 25 years ago at the Department of Social Psychology at the LMU Munich. The newest experiments were being studied, Popper admired.

Soles occidere et redire possunt. It’s summer again.

A day of cookery and bookery

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Die gibt es kaum mehr, die Leute, welche die Zeitgeschichte als eine Aneinanderreihung von bewaffneten Konflikten mit etwas Beziehungsdrama im Hintergrund auffassten. Die Sam Peckinpahs dieser Welt sind außer Mode geraten und gleichzeitig die Robert Bartletts auch. Will heißen solche Historiker, die menschliches Handeln als im wesentlichen eine blutige Sache darstellen. Auch in diesem Sinn war Apicius gestern im Klassenzimmer unser Klassiker: Die Linsen mit Kastanien und Garum mit viel Minze und Silphium, bereits vorgestern dem antiken Rezept nachgekocht, wurden als Znüni serviert, damit wir uns darüber austauschen können. Wenn es eine europäische Identität gibt, dann ist diese nicht nur an Gewaltexzessen entlang entstanden, sondern gleichzeitig mit einer außerordentlichen Neugier nach Exotischem. Zutaten wie Pfeffer aus Indien, Asafoetida aus Afghanistan (vor dem 1. Jh. n.Chr. echtes Silphium aus Libyen), Datteln aus Ägypten zu einer Zeit, als die Schifffahrt meistens nur bei achterlichem Wind wirklich funktionierte, unterstreichen einen europäischen Wesenszug bis zu unserer heutigen Zeit, in der “Gehen wir zum Blabla” – mit einem Ethnonym an Stelle von “Blabla” – nichts anderes bedeutet als: Gehen wir zu einer Gaststätte. Eben “zum Italiener”, “zum Thai”, “zum Afghanen”.

Zu Hause gab es ein schnelles Mittagessen (mit dem ganzen Apicius im Magen war es, falls es von Interesse sein sollte, nur wenig Sushi) und einen Mittagsschlaf, bevor ich mich auf Professor Nikos Psarros‘ Seminar vorbereitete, 700 Kilometer weit weg. Wie für viele Leute an vielen Unis ist es auch für ihn ein digitales Semester. Die Verbindung war gut, ich versuchte mich nicht ablenken zu lassen durch diesen penetranten Amselgesang vor Nikos’ Fenster in der Leipziger Innenstadt, wo der Referent – auch digital verbunden – ein Paper besprach, das ich vor fünf Jahren für diesen Band zu Philosophie der Zeit schrieb, den ich selber herausgab und Bas van Fraassen prologisierte.

Schöne Unterhaltung, irgendwann war’s aus, die Studierenden verabschiedeten sich und die Verbindung blieb ein paar Minuten noch bestehen, um Nichtakademisches zu besprechen, wo Nikos auf einmal sagte, dass er dieses Semester auch ein Seminar zu Philosophie und Geschmack leitet – nicht etwa im Sinne des interesselosen Wohlgefallens der Kunst, sondern vielmehr im Sinne des Geschmacks des Essens. Das Thema ist äußerst selten und, obwohl wir befreundet sind und die Nationalität und die Berufung und das In-Attika-aufgewachsen-sein gemeinsam haben, hatten wir uns bis dahin niemals darüber unterhalten. Auch darüber, dass ich vor Jahren etwas Vergleichbares in Erfurt angeboten habe, schweige ich meistens. Und fast hätte ich auch heute darüber geschwiegen, dass ich gestern Vormittag in Apicius’ exotischen Zutaten ein identitätsstiftendes Moment für Europa suchte.

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Those who understood history to be a succession of violent events and some drama between lovers in the background, a Sam-Peckinpah-like film script, do not exist anymore. The Sam Peckinpahs of this world are out of fashion. The Robert Bartletts too. Yesterday in class, having Apicius‘s lentils-with-chestnuts-and-garum-and-much-mince-and-silphium served as a snack to the students did not only serve to make them see this but also that curiosity about exoticism is a European identity-promoting momentum since antiquity. Ingredients like pepper from India, asafoetida from Afghanistan (in fact real silphium from Libya before the 1st c. AD) and dates from Egypt at a time when sailing was only possible when the wind came from astern, underline this until today in Europe: an era when going to the Blabla place – with an ethnonym instead of blabla – means going out for lunch.

Returning home I was barely able to have lunch after the Apicius stuff (only a bit of sushi, just for the history), took a nap and logged in for professor Nikos Psarros‘s class at the University of Leipzig, where a student presented a paper I wrote some five years ago for the volume on the philosophy of time which I edited myself and Bas van Fraassen wrote an introduction for.

The connection was good and the afternoon passed with me trying not to let a blackbird out of Nikos’s office five hundred miles away distract me from listening to someone further away who struggled to do justice of my words in the paper.

After everyone logged out Nikos was telling me that on Mondays he has a class on eating and philosophy for this (digital) spring term. The topic is very rare at a department of philosophy, additionally we’re friends, plus he’s from Attica and I’m from Attica and all the things common aaaaand I also had a class like this a few years ago in Erfurt without ever having told him! Add to this that, yesterday I had the Apicius dish served for my students in Basel. I suppose that this is already too much for the connection which I see between the history of ideas and food ingredients to remain tacit.

Covidean cognitive states

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Der Zug fährt in schweizerisches Territorium und lässt Deutschland und die Maskenpflicht hinter sich. Allerdings fühlt sich keiner der Passagiere frei, die Maske abzunehmen. Das tun sie erst beim Aussteigen, wenn sie auch in Deutschland die Maske abgenommen hätten. Sonst hätten sie das Maskentragen zu einer formalen Konvention gemacht, was sie nicht wollen.

Die umgekehrt fahrenden Fahrgäste steigen in der Schweiz meistens ohne Maske ein, da dort die Maske in öffentlichen Verkehrsmitteln nicht Pflicht ist. Wohl aus dem bereits erwähnten Grund (“Keine bloß formale Konvention”) gibt es keinen, der exakt den Moment nutzt, wenn der Zug Deutschland erreicht, um die Maske anzulegen. Ob’s bei der Bekämpfung von kognitiver Dissonanz viel hilft, ohne Maske einzusteigen, aber mit Maske auszusteigen und wenigstens so zu tun, als wäre das nicht wegen der Staatsgrenze gewesen, weiß ich nicht. Das tun sie jedenfalls.

Das Land, das er verlässt, trägt der Passagier eine Zeitlang mit. Die akute kognitive Dissonanz der Art: Der Zug ist virulent bei der Fahrt von Deutschland in die Schweiz bis zur Grenze, weniger so umgekehrt, auch bis zur Grenze wird konsequent umgangen.

Kognitive Dissonanz sollte freilich beim Vergleich beider Fahrtrichtungen auftauchen. Von Deutschland in die Schweiz ist der Zug anscheinend virulenter als umgekehrt. Dass sich die Passagiere je nach Fahrtrichtung anders verhalten, ist natürlich ein Paradox, denn alle Individuen tendieren zur Umgehung von kognitiver Dissonanz. Dadurch aber, dass die dissonanten Verhaltensweisen (nicht zuletzt bleibt die Maske in der Fahrt Deutschland-Schweiz länger dran als zurück) zeitlich entfernt sind, vergleichen die Individuen das eigene Verhalten in die eine und in die andere Richtung nicht direkt.

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As the train passes the state borders from Germany to Switzerland, it underlies suddenly the legislation of the state it enters, i.e. Switzerland. And since Germany prescribes a face mask in public transport but Switzerland does not, passengers may feel free to remove their masks. No one does. They will do so once they disembark on Swiss soil, i.e. in a situation where they would remove the mask also in Germany. Otherwise, they would jeopardise their wearing a mask on the train to make it a solely formal convention.

In the reverse direction, when passengers embark the train in Switzerland to go to Germany, they wear no masks since this is not required in Switzerland. Upon passing the state borders the train underlies suddenly the legislation of Germany. But no one puts the mask on at exactly this moment. They do so a bit earlier or a bit later. Probably they want to make believe that the conventional state borders do not determine their behaviour. I don’t know if by doing so they jeopardise face mask wearing less, but this is what they do. The legal system of the state in which people have been in the last hours follows them for a while. Otherwise they would be subject to cognitive dissonance. How comes, they would ask themselves, that until the state borders infection is improbable if you don’t wear a mask but becomes probable immediately after the state borders?

The cognitive dissonance does, however, emerge when one compares the behaviour from Germany to Switzerland to the behaviour in the reverse direction. When they come from Germany heading to Switzerland they wear the mask longer because, apparently, the train is an environment is too virulent to take a risk. But when they leave Switzerland to go to Germany the same environment is seemingly not so virulent. I mean they embark without a mask. The direction cannot be said to make a difference in the human heads here. Or can it?

Cognitive dissonance is mostly avoided by individuals, says science, which makes what I just described here a paradox. But since you can never travel into both directions at the same time, cognitive psychology prevails again: cognitive dissonance is avoided by individuals when the dissonant states are temporally close and directly compared.

Netflixt oder: Unkultur in Singapur

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Meine Töchter haben beschlossen, wir gucken Crazy Rich Asians auf Netflix. Ich bin die Art Mensch, für den Lucchino Viscontis Gattopardo noch ein neulich erschienener Film ist, Andrej Tarkovskis Opfer gerade gestrig, Emir Kusturicas Dom za vešanje von heute. Also dachte ich: Zeit wäre es für ein Syncing. Crazy Rich Asians – von mir aus, Kinder, aber, bitte, auf eure Gläser und Nusszeugs aufpassen.

Der Plot: Rachel (nein, oder?) ist eine chinesisch-amerikanische Nullachtfünfzehn-Schönheit, Typ “nature imitates manga comics”, auf Beziehungsoffiziellmachungsbesuch bei der Familie ihres Boyfriends oder wie auch immer in Singapur, als ihr klar wird (festhalten!), dass ihre Schwiegermama in spe sie sehr kritisch beäugt (krass, oder?) sowie dass besagter Lover Partys auf Containerschiffen feiert, wo die Gäste mit Hubschraubern ankommen – Wagners Walkürenritt ertönt, ohne Napalmbomben.

Die Hexenschwiegermama fragt irgendwann das Mädchen, was es so in New York macht. Schüchtern antwortet die kaum Fünfundzwanzigjährige: “Ich bin Professorin für Spieltheorie an der NYU”. Das war noch dicker aufgetragen als die Offshore-Partys. Die NYU ist, um Paul Horwich in einer privaten Unterhaltung vor Jahren zu zitieren, der FC Real Madrid der Unis. Die exponiertesten Vertreter des Faches weltweit. Entweder musste also von Zuschauern ausgegangen werden, die nicht erkennen, dass es bei einer NYU-Karriere um eine andere Lebensform geht als “Flittchen trifft auf Drachenmama”, oder…

…oder der Film ist, dachte ich, eine extravagante, bourdieumäßige Sozialkritik. Eine groteske aber absichtliche, so mein Gedanke weiter, Verformung der Seifenoper-Subkultur! Meine Töchter konnten den Quatsch auf der Ebene eines zweitklassigen, kitschigen Seifenoperremake an der Schnittstelle zwischen Beautiful Mind und Dallas verfolgen, während ich auf der Ebene der Sozialkritik über den Realitätsverlust der Bildungsfernen und die Schuld daran sinnieren konnte. Fünf Minuten lang ging meine Interpretationsstrategie klar, dann stellte ich ernüchtert fest, dass es weiterhin bis Ende um Rachels Nase ging, um die Liebesgeschichte und wie sie ihn behält, auch um Hochzeitskirchenausschmückung. Nichtssagendes Bistro-Klönen zwischen Freundinnen war zudem in der Handlung vordergründig. Der Film war nicht ironisch gemeint…

Die kultursoziologische Analyse der Trivialkultur muss stets im Auge behalten: Letztere kann nur die Objekt-, keine Metasprache sein. Die Hochkultur ist der Trivialkultur nicht nur als Gegenstand sondern auch als das Instrument der Analyse entgegenzusetzen. Die Träger der Trivialkultur sind den Trägern der Hochkultur zweifach unterlegen.

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We’re watching Crazy Rich Asians, they said. On Netflix they said. I had never thought of forming a German portmanteau word consisting of “Netflix” and the German word for “good grief”, but this was the moment for it. You can see the result as the title of this posting.

If you’re reluctant to tell your daughters that the title sounds silly, if you want to affirm their choice, if you don’t want to be a daddy whose reference to films you’ve been in last is to Lucchino Visconti’s Gattopardo, Andrej Tarkovski’s Sacrifice and Emir Kusturica’s Dom za vešanje, it’s time for a syncing. You can still tell them not to drop peanuts on the floor!

The plot: Rachel (you serious?) is a Chinese-American girl and an example for Oskar Wilde’s provoking nature-imitates-art-thesis. Well, I mean if by “art” you mean “manga”. Her boyfriend takes her for the summer from New York to Singapore where he comes from and this is how she meets his mother and friends.

And – wow, what a scenario! – these people are loaded, rent a fleet of shuttlecopters to make bachelor parties on their container ships off shore (the Ride of the Valkyries is sounding but no napalms are falling) and this upper-class woman seems to despise the girl. She still despises the girl when the latter, a twenty-something-year-old, describes her job as this of a professor of economics at NYU specialising in game theory…

I could have laughed. To cite Paul Horwich in a conversation a couple of years ago: the NYU is Real Madrid. They hire the best publishing individuals in the world. I had two options: either assume that the average spectator of this utmost popular film failed to see the discrepancy between Rachel’s life style and the form of life required from an NYU professor, or…

…or – principle of charity- to take the movie to be a subterranean, bourdieusque social criticism – I wanted to be benevolent – depicting the deep discrimination of trivial culture with its soaps, symbols, instrumental perception of values. I would let my daughters watch the nonsense on the level of a second-class soap somewhere between Dallas and A Beautiful Mind whereas I would be able to interpret it as a social criticism pertaining to the distorted view of reality on the side of the cultural proletariat. And I could watch under these premises. Well, for about five more minutes. After all it was clear that the movie was about the shape of her nose and how to make a relationship work if they’re rich, and girly talk with friends. It was all to be taken at face value.

Cultural sociology analyses the subculture of the disadvantaged from a posh point of you. It has no other choice. Posh can be a metalanguage, subcultures can’t. They must remain objects and thereby objectified. Posh can also be an object of analysis alright. Can be. But it must be the instrument of analysis. Too bad for the subcultures, doomed to live in cages of a posh zoo.

A small town in Germany

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John le Carrés Roman unter dem eher hämischen Titel, der auch meine heutige Überschrift ist, bezog sich auf Bonn, die damalige Bundeshauptstadt. Karlsruhe, der Sitz des Bundesverfassungsgerichts, hat ungefähr die Einwohnerzahl von Bonn – insofern…

Professor Peter Baduras Position, dass das Bundesverfassungsgericht die unsichtbare Linie zwischen Verfassungsschutz und nichtlegitimiertem Eingriff in das politische Geschäft überschreitet, dies gar für oppositionelle Zwecke lenkt, ist politisch einem Konservatismus zuzuordnen, in dem sich normalerweise eingebürgerte Neudeutsche wie der Verfasser dieser Zeilen nicht zurechtfinden. Wie zu oft aber fungierte nun das Bundesverfassungsgericht durch sein Urteil gegen die Corona-Anleihen wie eine elitäre Institution, die den im Grundgesetz geäußerten kollektiven Willen als etwas ganz anderes überinterpretiert denn die Summe aller individuellen Willensäußerungen. Genau genommen als das Gegenteil des intuitiven Rechts in einem Text aus den späten 40ern. Wie beim Kruzifix-Urteil. Und wie bei der gleichgeschlechtlichen Partnerschaft. Mit anderen Worten sagt das Bundesverfassungsgericht: “O, Bürgerinnen und Bürger, eure Intuition von Recht und Unrecht, von solidarisch und unsolidarisch im Grundgesetz ist falsch. Ich verkünde euch somit, was die Idee dahinter schon immer und zeitlos war, ohne dass ihr es begreifen konntet. Wie denn auch…”

Was das Bundesverfassungsgericht versucht, das Ummodeln der Gesellschaft, hat die Aufklärung schon einmal vorgemacht. Allerdings weiß ich nicht, ob die von Voltaire, Rousseau, Lessing und Kant propagierte Modernisierung erfolgreich wäre, wenn diese Friedrich den Großen im Keller von Sanssouci eingekerkert hätten, um in seinem Namen Gesetze zu erlassen. Die Funktion des Volkstribuns ist eine andere als die des Censors. Das ist um so klarer in der heutigen Zeit, je mehr der deutsche Censor, das Bundesverfassungsgericht, sich als antieuropäischer Tribun forciert.

Einer der beliebtesten Verse des wohl umstrittensten Literaturnobelpreisträgers lautet: “Du brauchst nicht den Wetterdienst, um zu entscheiden, woher der Wind weht”.

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The spy novel A Small Town in Germany was meant to refer to Bonn, back then the federal capital. Bonn has the same population as Karlsruhe, the seat of the German Constitutional Court, which is what made me reinterpret John le Carré’s sarcasm.

If I’m sarcastic towards them, then they must have done wrong, you may think, the judges of the German Constitutional Court. Well, for a number of years, they have been doing things wrong. In a nutshell: they have been interpreting the collective will expressed in the German constitution to say something quite different than the sum of the individuals’ volition. If I were to paraphrase how it occurs to me, here’s the message: “Dear people, your fathers gave their will an expression after the war, and you think that the justice defined by their will would be the things intuitively understood to be just in our state. Well, often they are the opposite things”. This is a bite too big to swallow of course. How could one possibly interpret a text written in the late 40s to imply directly same-sex marriage or that crosses are not allowed in school classes? Well, this is what the German Constitutional Court has been doing. Now, they prohibit the Bundesbank to buy Corona bonds. This is not constitutional law any more rather than aprioristic metaphysics.

If I’m right in my arguments, the judges in Karlsruhe have been doing wrong. However, maybe I’m wrong. In every interpretation there is some margin of error, you may say, and it’s my opinion against theirs. And after all, they’re the experts, aren’t they?

Well, yes, but this is not my only issue after all. By seeing the German Constitutional Court to cross the line from interpreting law to enforcing oppositional policies (NB without a democratic legitimacy) I see myself accepting professor Badura’s criticism of the Court. A Badura-like conservative is not something you expected yourself to end up being if you’re a naturalised German. Otherwise, you don’t need a weatherman to tell which way the wind blows.

The German Constitutional Court will say, of course, that they are not weathermen rather than Germany’s present-day John Lockes. But since they also do politics (lacking a mandate) they are William of Orange at the same time. I don’t know if I would still read John Locke today if he had happened to be William of Orange. In ancient Rome, a censor couldn’t be a tribune of the plebs.

Mei…

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Dass das 20. Jh. aus einem Dorffest mit Maibaum und Frönen in der Natur eine Trauerfeier machte, ist verwunderlich. Um so verwunderlicher erscheint es, dass beide Feste immer noch als eine Art heidnische synkretistische Kulte einhergehen. Der alte Brauch immerhin sinnvoll im Kern, das Politfest immer verkrusteter und auf der Suche nach einer Legitimation, die für immer verloren zu sein scheint.

In einer Ausgabe, die ich zufällig beim Googeln entdeckte, erinnert die griechische KP-Zeitung “Rizospastis” an einen Gefallenen des Bürgerkriegs in den späten 40ern, der mit mir den Nachnamen und die Herkunft aus dem nordeuböischen Dorf Kamaria teilt. Bestimmt ein Verwandter. Ich hatte nichts von ihm gewusst und meine Indifferenz in Bezug auf ihn belastet mein Gewissen immer noch nicht. Was soll’s… Wenn wir Lebende vergessen, um weiterleben zu können, dann um so mehr die Toten.

In meiner gestrigen Velofahrt durch Basel war die Farbe Rot hier satt, da verblasst.

PS: Für Norddeutsche: “mei” bedeutet auf Österreichisch-Bayrisch sowas wie “uff”.

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Knelling of all days May Day to commemorate the dead of social unrest is a peculiar idea. But the fact that May Day, the feast of the awakening of nature, and May Day, the don’t-get-a-life-as-long-as-you-are-not-given-the-surplus-value-of-your-labour imperative, have been celebrated hand in hand, threatens to be a pagan religious syncretism of the 20th century.

While self-googling, I found an old edition of the newspaper Rizospastis, published by the Communist Party of Greece; one that reports how a person who shares with me the surname and the origin in the Euboean village of Kamaria, was killed in action in the 40s during the Greek civil war. Definitely a relative. I had never heard of him, which did not make me feel guilty. If we sometimes need to forget the living in order to move forward, imagine what happens with the dead.

During a bicycle ride yesterday through Basel, I couldn’t oversee the spots where the colour red appeared rich, Neither could I oversee those where it was faded away.

PS: “Mei” is a South-East German idiom of Austria and Bavaria meaning something like: “Give me a break”.