Nije votka rakija

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Der Silvester eignet sich für hochgradig Geistiges – einerseits an Vergangenheits- und Zukunftsreflexionen, andererseits für mit Salzmandeln Begleitetes. Letzteres ist in einem bestimmten Sinn sehr konservativ. Man erwartet von einem Südslawen eine Neigung zur Šljivovica, zum Zwetschgen-Schnaps also, mehr als zur Lozovača, dem Trauben-Schnaps. Umgekehrt präferieren Südfranzosen, Italiener und Griechen Treberschnäpse, ob mit oder ohne Anis versetzt, und, um den Kreis zu schließen, habe ich im Schwarzwald und in der Schweiz durchaus Zwetschgenwasser entdeckt, aber wenn ich die Einheimischen vor die Wahl stelle, werden sie das Quittenwasser vom Bauern nebenan trinken. Auch keinen Vodka, auch keinen Arak.

“Es ist nicht Vodka die Rakija” spiele und singe ich gelegentlich – aber wenn, dann gern – seit ich etwa zwanzig war. Sieben Akkorde, einfaches Fingerstyle. Der jugoslawische Song war damals neu, zwar nicht das Natürlichste, was ein durch-und-durch griechischer Student der Nationalen Capodistria Universität in Athen zu singen pflegte, aber im Text – er verlässt die russische Geliebte; er stellt sich vor, was sie gerade macht; er kann nicht über den Gedanken hinweg; selbst die Briefmarke mit Lenins Bildnis auf dem Abschiedsbrief macht ihn fertig – schwingt ein für mich doch natürlicher Gedanke mit: “Der Südländer in mir, die Rakija also, lässt sich nicht ändern”.

Da Beides, “rakija” und “votka bulk terms, Massenbegriffe sind, ohne über- oder untergeordnet zu sein (Ersteres kann im Serbokroatischen auch als Oberbegriff aller Destillate verstanden werden, bloß aller einheimischen, was den Vodka sowieso ausschließen würde), ist zunächst für den Nichtmuttersprachler schwer zu unterscheiden, welches das von Momčilo Bajagić intendierte Prädikativ und welches das Satzsubjekt ist. Anders wäre es mit einem Gattungsbegriff, etwa: “harmlos”. Ob mit “Die Rakija ist nicht harmlos” oder mit “Nicht harmlos ist die Rakija” weiß der Hörer genau, welcher Terminus Satzsubjekt und welcher das Prädikativ ist. Aber in “Nije votka rakija” stehen Rakija und Vodka nebeneinander als Spezies. Dass Rakija kein Vodka ist, ist also keine Gegenprädikation, sondern eine Ungleichung. So verstanden, sollte die Syntax egal sein. Dass Rakija nicht Vodka sei, ist gleichbedeutend damit, dass Vodka nicht Rakija sei.

Meinste! Wenn Bajaga sagt: “Nije votka rakija”, dann meint er wohl, er, als per analogiam von der Sonne Šumadijas (eigentlich Slavoniens) gezuckerte Rakija, sei zu wenig Vodka, um im Norden zu bleiben. Würde er stattdessen singen: “Nije rakija votka”, dann würde er meinen, nicht er sei zu sehr Balkanese, sondern die Perle, die er zurücklässt, sei zu sehr Vodka, um in den Süden mitzufahren. Der Song hätte einen völlig anderen Sinn, geschweige denn Probleme mit dem Reim. Denn, was reimt sich mit “votka“? Egal! (Wie man sieht hat’s bereits im Yugorock gegolten: “A bottle of vodka’s still lodged in my head and some blonde gave me nightmares, think that she’s still in my bed as I dream about movies they won’t make of me when I’m dead…”)

Jedenfalls können die Terme einer Ungleichung zum Zweck der Hervorhebung vertauscht werden. Die Ungleichung behält ihre Bedeutung bei, aberdas Augenmerk des Sprechers gilt dem Satzsubjekt. Es besteht hier eine bestimmte Ähnlichkeit mit der Arithmetik an Waldorfschulen. Nicht “3+2=5”, sondern “5=3+2” soll die didaktisch zuträgliche Formel sein. Es ist nicht trivial, so zu denken. Das Gleichheitszeichen hat in diesen Ausdrücken jeweils eine andere Bedeutung. Im ersten Fall ist es eine (gesättigte) Funktion, die ausgedrückt wird, im zweiten eine Relation. Die zwischen Nord und Süd ist auch eine Relation – eine dysfunktionale. Aber das führt jetzt zu weit.

Ähnlich wie bei den Summen, die fünf ergeben, ist der Ausdruck: “Einen Beerenschnapps” eine Funktion, deren Argumente Zwetschgen oder Trauben sein können und der Wert “Rakija” sein muss. Eine Relation dagegen ist der Ausdruck: “Ob Šljivovica, oder Lozovača, Hauptsache Beeren…”

Der Leser wird sich fragen, was ich gerade trinke. Na ja: anders genannten Lozovača. Am Ende des Tages, auch des Jahres, bleibe ich ein Grieche. Dabei: die Šljivovica ist seit gestern aus.

Einen guten Rutsch ins neue Jahr, liebe Leserin, lieber Leser, egal was Sie trinken und aus welcher Himmelsrichtung Sie kommen. Später wird das mit der Himmelsrichtung wieder schwer und wer aus dem Norden oder aus dem Süden kommt, wird sich einem Test unterziehen müssen, und, wenn er in Quarantäne bleiben muss, werden “nicht mal alle Briefträger Russlands diesen Kummer austragen können”.

Ich weiß nicht, ob die Einschränkungen der Mobilität uns im Jahr 2021 begleiten werden. Aber das Jahr 2020 war fast wie eine Zeitreise dreieinhalb Jahrzehnte zurück.


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The New Year’s Eve goes together with high spirits – the ones you demonstrate with your attitude as well as the others which you accompany with snacks. The latter are in a particular sense conservative. Most Southern Slavs do prefer the šljivovica, a plum spirit, to lozovača, made of grapes, which the Southern French, Italians and Greeks, whether with or without anis, prefer to quince spirit, a very popular one in Switzerland and the Black Forest. This closes the circle of conservatism and this circle has to close and reopen since the clip above is one of a Balkan rock musician named Momčilo Bajagić.

I’ve played and sung in different occasions “Rakiya isn’t vodka” since I was twenty. Seven accords, simple finger style. It wasn’t the most common thing in the world to sing Yugorock if you were an Athenian and a student at the National Capodistria University, but it was a new song back then, most of my mates had no idea that after the northern borders there was a culture and a vivid one, and the text urges – he leaves a Russian girl back in Russia; he can’t help wondering what she’s doing now; even the stamp with Lenin’s face on the envelope of his farewell note is hard to take… – “The southerner in me, rakiya so to say, won’t be a vodka”.

Rakija” and “votka are bulk terms. Both are specific. In Serbocroatian, you can use “rakija” as a generic term of every spirit of 40% vol and above, but here this is not the case. Vodka – definitely a true counter-predication – is not a kind of rakiya. Further, the fact that rakiya is not vodka is definitely a true inequation, and by this alone – another true inequation – vodka is not rakiya.

For a non native speaker it’s not clear what the predicative and what the grammatical subject is in “Nije votka rakija“. I’d have no difficulties if the one term were an adjective and thus unambiguously the generic one. E.g.: “harmless”. But here the point is not whether vodka or rakiya belong to the set of harmful things. The point is that the one is not the other. You may think that it’s unimportant how you express this thought, whether by saying “Vodka is not rakiya” or “Rakiya is not vodka”.

But nope! It’s not unimportant! When Bajaga says: “Nije votka rakija“, what he means per analogiam, is that he, a person spoiled by the sun and landscape of Šumadija (in fact Slavonia but let’s leave the details out) is too much rakiya to pretend to be vodka. (That was ages before the lyrics “a bottle of vodka’s still lodged in my head and some blonde gave me nightmares, think that she’s still in my bed as I dream about movies they won’t make of me when I’m dead…”)

If he had sung instead: “Nije rakija votka“, then he wouldn’t have meant that he’s too much of a Balkan guy. It would be the lady instead who would have been too much of a Russian to follow him to Belgrade. This would have entailed even greater problems! I mean, find a word that rhymes with “vodka”…

As one sees, the terms of an inequation can be interchanged to achieve an emphasis. It’s like elementary arithmetic in Waldorf-Steiner schools: Never write: “3+2=5”. Write: “5=3+2” instead. You might say that the two expressions are trivially equivalent. They’re not! In the first case the equality sign equates a (saturated) function to its value. In the second it’s a relation, not a function that is expressed. (Probably you know from your experience that relations are often dysfunctional but this has nothing to do with what I just said.)

You may ask yourself what I’m drinking. Well, in essence, a lozovača. In Greek we don’t call it thus but the essence is what counts. At the end of the day and of the year I’m Greek alright. Plus, I have no šljivovica anymore and didn’t go to the supermarket.

I wish my readers a happy new year independently of what they drink and where they come from. After the beginning of the new year things will worsen. Those who go from here to there will have to make a test and if they stay in quarantine “not even all the postmen of Russia will be able to carry the weight”.

2020 was a year that, in terms of mobility, came right out of the 80s. 2021 will not be of much difference. Let’s take this positively. Time travel can be rejuvenating, I suppose.

Presenting presents

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Die Nachweihnachtszeit ist eine Bewältigung der durch die Geschenke ausgedrückten Liebe, des Erratens oder Missratens, schließlich der “Friss oder stirb”-Indifferenz. Vergessen wir den letzten Fall.

Es gibt Geschenke mit einer bedeutungsschwangeren Verpackung. “Du musst mich mögen”. Andere sind ohne Hülle: “Auch ohne Weihnachten hättest du mich, denn ich gehöre zu dir”. Vergessen wir auch diesen letzten Fall.

Es ist einfach, sich nach dem Auspacken beim Stifter eines geglückten Geschenks zu bedanken. Es ist dagegen eine schwere Last, sich nicht anmerken zu lassen, dass das Geschenk missglückt war. Deshalb war wohl die Verpackung da: “Vorsichtshalber mache ich es später auf”. In Griechenland ist es ein Zeichen sehr schlechter Manieren, ein Geschenk vor dem Stifter auszupacken.

Riskanter ist das Vorstellen des (unverpackten) Geschenks in Tarkowskis Opfer. Unten finden meine Leser den Clip. Wer den ganzen Film sieht, wird feststellen: In ihm geht es um verpackte, heimliche Opfer für die Geliebten, die es nicht verdienen, geliebt zu werden.

Dabei geht es beim Schenken nicht um Verdienste. Schenken ist nicht die Auszahlung eines Gehalts.

Eine tiefere Übereinstimmung zwischen Tarkowski und der griechischen Sitte sehe ich doch noch. Die Spender werden wir so viel mögen, um ihnen wenigstens die Einsicht zu ersparen, wir hätten die Spende nicht verdient, oder?

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The time after Christmas is one in which you have to deal with other people’s love, correct or false guesses about your taste, finally their indifference, everything expressed in their gifts. Let’s forget the last case.

Some gifts come with a question-begging packaging. “You have to like me”. Others are given unwrapped. “I knew you needed me and I would be here even if there was no Christmas”. Let’s forget also this last case.

After you unpack a gift, it is an easy task to thank givers if they wanted you to be happy and you are happy. But it is a huge burden to know that they wanted you to be happy and you are not. This case is probably what the packaging was for. In Greece it’s bad manners to open a present in front of the donor. A more risky move is presented by Andrei Tarkovsky in the Sacrifice. Watch the clip above. And then watch the whole movie. It’s about gifts and secret sacrifices for people who are undeservedly important to you. I could have omitted “undeservedly”. Donating has nothing to do with deserving or not deserving. A donation is not a salary.

After all, you see, Tarkovsky does agree with the Greek custom. Do not open your presents before the donors disappear. You don’t want them to notice that you didn’t deserve the donation. At least you like them that much, don’t you?

Make aesthetics Kantian again

Just reposting from The Guardian this time I’m afraid. Much dispute to be made over the issue if at least public buildings are intersubjectively beautiful if classicist but if classicism is at stake, I cannot soberly argue and it will be about my taste, my being Greek etc. Before I plead for an order issued by Trump, I am giving you the article.

Just a moment: before I continue with reposting, I just remembered – and I only want to share this with you – this passage where Gramsci writes about Latin in Italian high schools the point being: We won’t abolish it just because Gentile who wanted Latin was a right-wing Hegelian. But maybe it’s my and his taste again…

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Trump issues order to demand new US federal buildings be ‘beautiful’ | Donald Trump | The Guardian

www.google.com/amp/s/amp.theguardian.com/us-news/2020/dec/21/trump-executive-order-federal-buildings

In contradiction for good

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Legenden haben den Nachteil, falsch, aber den Vorteil, griffig und didaktisch geeignet zu sein, wenn es darum geht, eine abstrakte Idee zu vermitteln. Ohne die Apfelbaum-Legende wäre Newtons Analyse der Schwerkraft weniger interessant. In Oscar Wildes Geist (es sei die Natur, welche der Kunst nacheifert, und nicht umgekehrt) steht so ein Baum heute noch im Innenhof von Trinity College in Cambridge. Niemanden scheint es zu bekümmern, dass er nachträglich gepflanzt wurde, denn, wer lässt sich eine schöne Geschichte durch die Wahrheit zerstören? Romeos und Julias Balkon in Verona sowie das Haus von Sherlock Holmes an der Londoner Baker Street, Hausnummer 221b, sind weitere Fälle, in denen sich die Kulturgeschichte an Legenden anpasste.

Sollte die Logik des Widerspruchs irgendwann eine nützliche und alltäglich präsente Disziplin werden, dann wären nicht Heraklit, Hegel, Vasiliev oder Priest ihre popularisierten Multiplikatoren, sondern vielmehr folgende Legende wäre eine gute Werbung für sie (Vorsicht: die Geschichte, die folgt, ist im Kern ein Fake!)

Es war der 20. Juni des Jahres 2012, ein Mittwoch. Jon Michael Dunn, Informatikprofessor an der Indiana University Bloomington, schaute auf die Uhr. Seit drei Stunden – dunkel war es draußen, als er begann – arbeitete er sehr konzentriert, Kopfhörer an den Ohren, in seinem Gastzimmer im dritten Stock des Marienklosters im nordböhmischen Haindorf. Um acht wollte er Schluss machen. Es war natürlich ein Jammer, ohne ein ausformuliertes Paper nach Europa für die Konferenz zu reisen, aber nie war es anders: Ende des Semesters hatte er nie Zeit. Andererseits: halb so schlimm! Er würde nicht den neuesten Schrei der Forschung vorstellen und für Tschechien wäre das trotzdem neu. Drei Stunden haben gereicht und er hatte sogar Zeit, die Wallfahrtskirche noch vor der Konferenzsitzung zu besuchen. Gerade mit seiner Krawatte beschäftigt, sah er Rauch vom Türenschlitz in den Raum reinkommen. Er ging ans Fenster. Heiße Luft kam ihm entgegen. Die Klostermensa unter seinen Füßen brannte. Wieder schnell an die Tür. Er machte auf. Zwei Feuerwehrmänner waren just angekommen, denn Herr Professor sei der einzige, der nicht unten sei. Jon hatte drei Optionen, um sein Leben zu retten: Es gab einen Korridor geradeaus vor seiner Tür, einen weiteren nach links, schließlich einen nach rechts. Überall gab es viel Rauch und selbst die Feuerwehrmänner waren sich uneinig. Der eine wies ihn nach links und nur nach links; der andere nach rechts und nur nach rechts. Der Logiker ertappt sich dabei, dankbar für den Widerspruch zu sein. Denn wenigstens haben beide Feuerwehrmänner einen von drei Korridoren ausgeschlossen. Hätten sie stattdessen gar keine Meinung geäußert, hätte er sich mit 33,333-prozentigen Überlebenschancen anfreunden müssen. Jetzt errechnete er sich – immerhin – 50%.

Im Konferenzraum stellte Jon fest, dass die Tasche mit dem Paper oben geblieben war. Aber das war ihm gerade egal. Ohne Manuskript sprach er vor einem verblüfften Publikum über die Vorzüge widersprüchlicher Informationen gegenüber dem Informationsmangel. Sein Vortrag und damit die Paradoxie der zwei Feuerwehrmänner sollte legendär werden.

Es gibt ein paar wahre Aussagen in dieser Geschichte. Jon Dunn ist ein emeritierter Professor von Indiana Bloomington und das Paper ist (jedenfalls halb-) legendär. Der Rest – ein Brand im alten Gemäuer des Haindorfer Marienklosters etwa – sollte eine künftige Legende werden, um der Öffentlichkeit den Wert des Widerspruchs vor Augen zu führen.

Da ich nicht nur aus der Logik, sondern auch aus der Psychologie komme, bin ich am (sehr kleinen!) Schnitt beider Gebiete interessiert. Mein obiger, “ge-fake-ter” Bericht der Logica-Konferenz 2012 kann nicht wahr sein. Echte gestresste Leute tendieren angesichts widersprüchlicher Daten dazu, alle Daten abzulehnen, statt das Gute aus dem Widerspruch herauszufiltern. Sie würden aus dem Fenster springen, den Korridor gegenüber nehmen, denn – so die traditionelle Logik – ex falso quodlibet. Man denke etwa an den Absturz von Birgenair, Flug 301 am 6. Februar 1996, auch von Air France 447 am 1. Juni 2009, als widersprüchliche Cockpit-Daten die Piloten dazu verleiteten, allen Daten zu misstrauen, gleichzeitig zu versuchen, alle korrigieren zu wollen, obwohl das gegensätzliches Handeln erforderte. Ex falso quodlibet.

Misstrauen vor dem Hintergrund widersprüchlicher Äußerungen ist, was die Corona-Krise bisher erzeugte. Um aus der Sackgasse des lahmmachenden Widerspruchs zu kommen, müssen wir uns vom Ex falso quodlibet verabschieden, damit von der klassischen Logik. Denn eines zeigen unsere derzeitigen Widersprüche klar: Maßnahmen, die auf die Sozialhygiene des 19. Jahrhunderts maßgeschneidert sind, können zwar der Wahlkampftaktik des Kandidaten dienen, sind aber aus dem Standpunkt empirischer Wissenschaft unhaltbar. Wenn diese Lehre aus dem Widerspruch und der Zerissenheit der Gesellschaft gezogen wird, werden wir über das Ex falso quodlibet hinweg einen Schritt näher zum Ex falso contra charlatanismum gemacht haben.

Damit werden wir der Demokratie einen Dienst erwiesen haben.

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Urban myths have the disadvantage to be false but the advantage to be didactically suitable to make you memorize an idea. Isaac Newton’s analysis of gravitation would be far less interesting without the apple-tree story. In the spirit of Oscar Wilde’s aphorism “nature imitates art” you can find the alleged apple tree today at Trinity College, Cambridge, one that was planted later, of course. Similar cases are Romeo’s and Julia’s balcony in Verona and Sherlock Holmes’s house at London’s Baker Street 221b. Cases in which cultural history faked evidence for urban myths and fictions are not frequent, but at least existing.

If the logic of contradiction, i.e. the logic which embraces contradiction instead of abolishing it, ever becomes a useful and everyday endeavour, then, this is at least my persuasion, the urban myth of applied contradiction will not be one with Heraclitus or Hegel as its main character. It will not even pertain to Nikolai Vasiliev’s imaginary logic in the early 20th century or Graham Priest’s almost legendary monograph In Contradiction (1987). I believe that it will be an urban myth around Jon Michael Dunn, the man who launched the Two Firemen Paradox. What follows could be the urban myth of the future science of applied contradiction (Attention! What follows is a fake story!)

It was June 20, 2012, a Wednesday, when Jon, a computer science professor from Indiana University Bloomington, looked at the clock. It was 8 am. He had been working for three hours in his third-floor room, at the Hejnice Monastery of Nord Bohemia in the Czech Republic, very concentrated with his headphones on. He hadn’t prepared himself sufficiently for his lecture later in the same morning. He never had time to work for conferences at the end of the summer term with all these students tests and assignments. Otherwise, it was old stuff he wanted to lecture about. “They’ll have probably never heard something about this”. It would be enough if he worked from 5 to 8 am. He would even have time to make a walk in visit the church  before the session. He took his headphones off, put his paper in the bag and went to the mirror to wear his tie when he saw smoke entering his room from under the door. He went to the window where he was taken by surprise by hot air coming from under his feet. The refectory second floor just underneath was burning. He ran and opened the door where he saw two firemen. “We are looking for you, professor! All the others went downstairs!” Jon stood for some seconds in front of his door undecided about which of the three full-of-smoke corridors would be more secure for him to leave the wing of the medieval building. The one fireman pointed to the right corridor and said: “Only through this corridor, sir”. The other fireman pointed to the left corridor and said the same words. But none of the two pointed to the third corridor which stretched straight ahead in front of him. Jon, a professor of logic, was relieved to have a 0.5 instead of 0.3333 probability to survive.

In the conference room, he was observing the fireworkers packing their tools and preparing to leave the site. He realised that his own tools, his bag with the conference paper, was lost in the fire. He didn’t care much though. He had decided to give a lecture on the topic “Contradictory Information Can be Better than nothing: The Paradox of the Two Firefighters”. The paper soon became legendary under the catchy subtitle.

The myth above includes only few true sentences. Jon Dunn is a professor emeritus of Indiana Bloomington and the paper is legendary but the rest is a legend. There was never a fire in the Hejnice abbey – but it would be a nice idea to fake some traces for the next generations of pilgrims not only to Virgin Mary but also to the site of the crucial event that will have lead to the science of applied contradiction.

If you have had some training in psychology before doing logic, you can probably immediately tell why my account of the 2012 Logica Conference is meant to make up an urban myth and cannot be true. Whenever real stressed people are confronted with contradictory information, they will not try to sort out the good thing out of it, e.g. “Do not take the corridor in front of you”. They will rather tend to dismiss all information as rubbish. What comes to my mind in this respect are the crashes of Alas Nacionales flight 301 on February 6th, 1996, and of Air France flight 447 on June 1st, 2009, where contradictory data made the pilots mistrust all data they had and at the same time try to correct all the contradictory data they mistrusted anyway. Ex falso quodlibet.

Mistrust concerning everything with contradictory data in the background is what the Covid-19 crisis generated. We will have done a service to our democracies if we manage to concentrate on what this contradiction teaches independently of our stance for or against masks, confinement etc: that the historical movement of Social Hygiene in 19th-century Germany, one that propagated social attitudes under the pretense of measures against cholera and tuberculosis, was false.

Above, I added the picture of the main exponent of Social Hygiene in today’s Germany, at the same time a man with the ambition to run for chancellor with the conservatives: the Bavarian prime minister.

And there is one more thing to infer from contradiction: It is not ex falso quodlibet. It is rather ex falso contra charlatanismum.

2020 – the directors’ cut

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🇩🇪🇦🇹🇨🇭🇱🇮

Dieser Eintrag ist nicht philosophischer Natur. Das ist eine gute Sache. Schließlich sind viele meiner Leser keine professionellen Philosophen.

Nach der englischen Version habe ich zwei Videoclips und sechs Bilder eingefügt, die an solchen meiner Tage des Jahres 2020 geschossen wurden, die von einem Filmregisseur hätten gestaltet sein können.

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This is not a philosophical post, which is probably a good thing since not all of my readers are professional philosophers.

If certain of my days in the year 2020 had been directed by film directors, then these would have been the days and the directors:

Apr 11: Marc Forster

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Apr 30: Woody Allen

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June 25: Jules Dassin

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June 27: Emir Kusturica

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July 7: Andrei Tarkovsky

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Aug 16: Wim Wenders

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Dec 4: Francis Ford Coppola

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Dec 12: Théo Angelopoulos

Psychobankers

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Die Steilvorlage für ein wunderbares Tor liefert der Psychoanalyse die Basler Kantonalbank mit ihrem neuesten Spot. “Die Werte des Vaters” fallen wohl mit dem Geldwert der Finanzanlagen des Vaters zusammen.

Ob als moralische oder als pekuniäre Werte interpretiert, drängen solche Werte zur gleichzeitigen Lektüre von Piketty, dessen Buch ich angefangen hatte, und von Freuds Drei Abhandlungen. Eine Seite hier, eine da; eine hier, eine da.

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I stood at the shop front when I noticed on the screen why this commercial-clip character chose this bank to administer her portfolio, her mortgage loan, you name it. It’s for “her father’s values”. The ambiguity is none when dad’s moral values and the exchange value of his money are supposed to coincide.

I’ll have to continue reading Piketty whose book I interrupted after page 200. And I have to put it beside the bed next to Freud’s Three Essays. One page here, one page there; one here, one there…

Of ordinary and of formal things – and of extraordinary as well

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Als ich noch dieses Erfurter Seminar zu Anwendungen der nichtklassischen Logik in der Religionsphilosophie anbot, machte ich in den ersten Wochen stets einen Logik-Crash-Kurs (die Beweise schnelligkeitshalber mit Beths Baumkalkül bzw. à la Hodges), in dem ich, selbst wenn die LV in deutscher Sprache angeboten war (manchmal war das sowieso eine von Asiaten besuchte, englischsprachige Lehrveranstaltung) kurz darauf hinwies, dass das Englische ein natürliches Verständnis der Unterscheidung zwischen freien und gebundenen Variablen ermöglicht: “Some” gibt die Grundintuition für die gebundenen, “any” für die freien Variablen. Soviel zu Englisch als didaktischer Metasprache der Prädikatenlogik. Neuerdings habe ich an folgender Unterscheidung des Englischen eine gewisse Freude: Wenn die Besatzung der Pequod als mereologische Summe jagt (d.h. jeder in Ahabs Crew sucht den Wal), dann hat das britische Englisch den Ausdruck parat: “The crew chase the whale”. Aber wenn es nur das Ziel der Gruppe als Gruppe ist, den Wal zu fangen – manche in der Gruppe haben aber aktiv nichts damit zu tun, sondern nur kochen, putzen usw. – wird die Besatzung eher als Menge denn als mereologische Summe kenntlich gemacht und zwar folgendermaßen: “The crew chases the whale” Der Numerus des Verbs ist bezeichnend.

Die natürlichen Sprachen können offenbar Elemente des Instrumentariums von formalen Sprachen ausdrücken. Englisch ist dabei ein Königsweg zum Logischen. Nun will ich nicht wie ein Wittgenstein-Enthusiast klingen oder die Geltung der Logik relativierten, aber ich kann mir nicht vorstellen, wie wir sonst formale Begriffe “adäquat” nennen würden, wenn wir sie nicht aus unserer informellen Sprache kennten. Zu was wären die formalen Begriffe etwa adäquat?

Es ist nicht die Freude am Advent, die den Dezember dezembermäßig macht, sondern der Dezember, der Freude am Advent haben lässt. Heute dachte ich an ein Zitat – vermutlich ist es ein Zitat… – das ich von einem griechischen Kirchenvater haben müsste: Nicht das Trachten nach etwas macht es etwa wahr, sondern es ist umgekehrt die Wahrheit, die uns nach ihr trachten lässt. Von wem ist das? Der Name ist weg. Ich muss wohl im TLG recherchieren.

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In an English-speaking instruction in predicate logic, it is a common place to say: “You can understand bounded variables as the pronoun “some” and free variables as the pronoun “any””. If this is an old advantage of English as the didactic metalanguage of predicate logic, I recently found a new one: the difference between captain Ahab’s crew as a mereological sum (i.e. as a grammatical subject of a general statement) from the same crew in the sense of a set (i.e. as a grammatical subject of a singular statement) is expressed by the numerus of the verb. Cf. “The crew chase the whale” (homogeneous mereological sum – every individual in the group chases the whale) vs “The crew chases the whale” (set – even if some do nothing, the arbitrarily constructed set has a property as a whole).

Ordinary language can express formal notions for which prima facie one would need a formal device. Now, English is probably a predominant case and I don’t wish to sound relativistic or late Wittgensteinian, but unless it were so, I cannot see else how we would have the intuition that a formal notion is adequate.

It’s not the Christmassy atmosphere that makes December; it’s December that makes the Christmassy atmosphere. There is this citation in my mind today: “It is not the quest that makes its object true. It is truth itself that makes you seek it”. By some Greek father probably but I can’t remember by whom. A good reason to start TLG and make a full-text search.