Cygni

https://youtu.be/1Kj3IPPfayA

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Ich vermute, dass das mittelalterliche Studentenlied Olim lacus colueram, eine Klage des gebratenen, ergo nicht mehr weißen Schwans, nicht nur eine groteske Persiflage fürs Trinkgelage ist, sondern auch ein Logiker-Witz als Gegenbeispiel zum Paradebeispiel eines Majors: “Alle Schwäne sind weiß” – einem schon im Mittelalter jahrhundertealten.

Ich liebe das Thema. Alle Schwäne sind früher oder später nicht weiß. Blasse Abbilder ihrer einst glänzenden Vergangenheit. Nichts ist für immer. Die Studenten des Mittelalters brauchten keine neuseeländischen schwarzen Schwäne zu sehen, um ihren Profs die Grenzen der Logik und des Lebens zu zeigen.

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I suppose that the medieval song Olim lacus colueram, the lament of the roasted swan deploring not being white anymore, is not only a grotesque, humoresque drinking song of students, but also a logicians’s joke and a counterexample to the exemplary major premise “All swans are white”, employed in syllogistic courses throughout the centuries.

I love the topic. All swans are sooner or later not white and lost in darkness. Nothing is forever. Medieval students didn’t need to come across black swans from New Zealand to point out to their professors the limits of logic. And of life.

Kicked out

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Die Schulklasse der älteren Tochter präsentiert Kunstprojekte, hat’s geheißen. Im Kanton Jura, hat’s geheißen. In einer alten Velofabrik, hat’s geheißen, und der Ort heißt Courfaivre und hat nicht nur so geheißen. Viele Objekte, viele Projekte. Kaputte Teile und löchrige Rohre neben den Kunstwerken.

– Nun, ist es immer klar, was hier Kunst und was nicht Kunst ist?

– Arthur Danto würde dir sagen, dass alles, was einen Selbstwert besitzt und nur zum Betrachten in einem Ausstellungsraum steht, Kunst ist. Nun haben wir hier keine ausgewiesenen Ausstellungsräume. Es ist eine alte Fabrik, wo das Alte die “Patina” der Kunstwerke bildet. Das ist ein Problem für die Reflexion, nehme ich an…

– Und die Musik vom Klaus?

– Zweifellos Kunst. Geräusche wären zwar genauso ohne Nutzen, das macht sie aber nicht zu Kunst. Wir achten auf Geräusche wegen der Information, die sie uns vermitteln. Das ist der Nutzen der Geräusche. Auf die Musik achten wir nicht wegen des Nutzens.

– Wenn wir tanzen würden, täten wir das zum Zweck der Annäherung. Tanzmusik wäre keine Kunst dann?

Hat der Tanz einen Nutzwert für einen Zweck außerhalb der Kunst? Ja, bestimmt. Zuneigung, Imponieren. Vor vielen Jahren promovierte diese Frau in London zur Philosophie des Tanzes. Ich weiß noch, dass sie zwei Betreuer gewechselt hatte und wer sie waren. Ja, tanzen würde ich gerne. Zu einer anderen Musik natürlich. Trotzdem mochte ich die Musik von Klaus, gerade weil man nicht dazu tanzen konnte. Wer tanzt schon ohne Crémant?

Rausgeworfen war ich aus der philosophischen Reflexion.

Enough with scrolling

The headlines: elder daughter’s class presents art projects in old factory in Courfaivre/Switzerland. Many objects, many projects. Broken parts and pipes and, next to them, a student’s work.

– So, is it always clear what’s art here?

– Arthur Danto would tell you that art are those useless objects that are in an exhibition room and are observed for their own sake. But since we’re in an old factory…

– And Klaus’s music isn’t noise?

– It is art, no doubt. A noise would be useless, of course, but this doesn’t make it art. And we carefully listen to the music.

– So, if we used the music to approach each other dancing? Is dancing music not art?

Do we dance for a purpose? I’m sure we sometimes do. Many years ago, at Birkbeck, there was this woman who wanted to write her PhD thesis on philosophy and dance. Scruton was her supervisor, then Janaway. I would have loved to dance with someone if the music had been different, of course. However, I liked Klaus’s music also because one can’t dance to it. Since it was a school event there was no crémant. Who can dance without a crémant?

There are not many things in this world that can kick me out of philosophical reflection. Music is one of them. There are also others. They are very reliable when combined with music.

Realità aperta

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Strauß und Fahrkarte auf Entwerteautomat würde das Bild heißen, wenn es eine Installation wäre.

Da es sich aber dabei um kein Kunstobjekt handelt, entzieht sich die Geschichte dahinter jeder Interpretation ohne Kausalbeziehungen. Wer hat den Blumenstrauß gekauft? Für wen? Warum lässt ihn diese Person samt Karte zurück, dass jeder samt Strauß nach Liestal kann?

Das dürfte eine traurige Geschichte sein. Zum Glück weiß ich nichts darüber.

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Enough with scrolling

If the picture above showed an installation, the title would be Flowers and Ticket on Stamping Machine.

Since it is not a piece of art though, any attempt to understand must be by means of causation. Who bought the flowers? For whom? Why does this person leave the flowers and a ticket to the neighbouring canton behind?

I believe that the story behind this gesture is a sad one. Fortunately, I don’t know more.

Vom Münchner Hauptbahnhof und von Blau: Ulrich Blau

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Kurzbesuch in München. Nach Jahren. Die Zentralhalle des Hauptbahnhofs – abgerissen. Endlich! Diese Fassade erinnerte mich an schlechte Momente meines Lebens.

Privation ist der Fall, wenn etwas vermisst wird. Es ist kein Fall der Privation, wenn etwas einfach nicht da ist. Offenbar vermisse ich die Zentralhalle nicht. Allerdings vermisse ich irgendeine Zentralhalle, denn ohne Zentralhalle gibt es z.B. weniger Geschäfte und einen schlechteren Zugang zu den Gleisen. Nun ist es bei den Negationen so: Wenn keine Zentralhalle da ist, dann ist die alte auch nicht da. Bei den Privationen ist diese Implikation nicht gegeben: wenn ich irgendeine Zentralhalle vermisse, muss ich nicht unbedingt die alte vermissen.

Habe ich gerade ein Gegenbeispiel zu Blaus Dreiwertiger Logik der Sprache entdeckt? Wenn ich Recht hier habe, ist die Privation nicht einfach eine “innere Negation” im Sinne Blaus. Trotzdem halte ich Blau für den wichtigsten Münchner Logiker seit Wilhelm von Ockham natürlich… Keine Frage.

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Paid a flying visit to Munich, years after we left. The main building of the Central Station, iconic in its functional facelessness, torn down. I’m so happy they did this. I associated this facade with bad memories.

You are deprived of something only if you miss it. Not simply if it is not there. Obviously then, I am not deprived of the main building of Munich Central. But I did miss the shops and the easy access to the trains when I entered the station from the side. In negative sentences there is an implication here: if there’s not any main building, then the old one is not there either. In privative sentences things seem different: if I am deprived of a main building, I am not eo ipso deprived of the old one.

Is this a counter-example to Blau’s Three-valued Logic of Language? If so, pace Blau, privation is not simply an “inner negation”. Blau remains the most important logician of Munich since Occam, so he can manage the little scratch.

Semiotics

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“Marta”, frage ich unsere älteste Tochter, “was meinst du, warum fährt Dustin Hoffman in der Reifeprüfung einen Alfa Romeo Spider?”

– Weil Shakespeare es so haben wollte.

Man kann wohl sagen, dass ich diesem Kind gute geisteswissenschaftliche Qualitäten übertragen habe.

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“Marta”, I ask our eldest, “why do you think, why does Dustin Hoffman drive an Alfa Romeo Spider in the Graduate?”

– Because Shakespeare wanted it that way.

I strongly believe that I gave this kid some good scholarly qualities.