Human lives, useful and less useful

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Vor fast genau 21 Jahren, am 24. März 1999, begann die NATO damit, Luftangriffe gegen Serbien zu fliegen. Dem waren die jugoslawischen Sezessionskriege vorausgegangen – mehr können die Jüngeren in Geschichtsbüchern lesen.

Zu der Zeit hatte ich – gerade frisch promovierter Philosoph, ich weiß, dass es abstrus klingt – eine Firma mit Sitz in Belgrad. Mein Bruder leitete sie, das Geld kam von unserem Vater und von anderen Investoren. Sie sollten es bald verlieren, aber das ist jetzt nicht mein Thema. Kurz vor Beginn der Luftangriffe hatte ich in Wildbad Kreuth an einer von der CSU-nahen Hanns-Seidel-Stiftung veranstalteten Tagung zum Thema Südosteuropa und Politik – so etwas, ich weiß nicht mehr genau – teilgenommen. Ich weiß noch, dass Panos Kazakos, der marxistische Ökonom und, damals noch als Berater des griechischen Außenministeriums, Nikos Kotzias, später selber Außenminister und schrille Figur der griechischen kommunistischen Linken, dabei waren. In einer Pause habe ich den letzteren angesprochen. Ich vermutete, dass die Bomben bald zu fallen anfangen würden, also wollte ich wissen, ob es eine Chance gäbe, meinem lieben Bruder das zu ersparen. Er sagte ja und schoss eine griechische Handynummer los, die ich schnell aufgeschrieben habe. “Der Typ heißt Alex. Er organisiert gerade einen Bus, der unsere Diplomaten rausholt. Ruf ihn an.”

Ich habe stattdessen meinen Bruder angerufen, ihm die Nummer gegeben. “Kein Interesse, Stamati”, hat er gesagt. “Ich bleibe”.

Er blieb. Unversehrt. Aber, was er danach berichtete, war eigenartig. Erstens schätzte er die Chance als klein ein, dass ausgerechnet der Stadtteil Žarkovo bombardieren werden würde, und da lag er natürlich richtig. Er wäre unversehrt geblieben, selbst wenn er nie in den Bunker gegangen wäre. Was sage ich da?Unverletzt wäre er geblieben, selbst wenn er im Büro in der Innenstadt geblieben wäre – obwohl ihn dort manch eine nahe Detonation zum Nachgrübeln gebracht hätte, ob die Bomben tatsächlich nur auf Fernsehsender und Ministerien zielten.

Aber er musste in den Žarkovoer Bunker, sagte er. Denn die Frauen: vom Haus, vom Nebenhaus, von der Nachbarschaft, mit Geschrei und Fußtritten alle mit in den Bunker rissen. Auch alle, die der Meinung waren: Es ist wahrscheinlicher, dass ich mich beim Flüchten Hals über Kopf Hals oder Kopf verletze, als dass ein amerikanischer Pilot ein Wohngebiet zwanzig Kilometer vom Stadtzentrum entfernt ins Visier nimmt.

Ich denke es mir folgendermaßen: In einer Urgemeinschaft des homo sapiens bestehend aus zehn Männern und einer Frau gäbe es maximal ein Kind jedes Jahr. In einer Urgemeinschaft des homo sapiens bestehend umgekehrt aus zehn Frauen und einem Mann gäbe es sehr wahrscheinlich zehn Kinder jedes Jahr. Dass die Frauen mit ihrem Verhalten zeigen, dass ihr Überleben wichtiger als das der Männer ist, ist wohl phylogenetisch bedingt.

Überreagierenden Frauen in der Corona-Krise gegenübergestellt, dürfen Männer diese anthropologische Komponente nicht vergessen. Jeder Soldat weiß doch die utilitaristische Maxime anzuwenden: Frauen, Kinder und Alte müssen fortgeschickt werden. Aber die Analogie zwischen Corona-Krise und soldatischem Brauchtum hinkt. Frauen, Kinder und Alte sind in der jetzigen Krise nicht gemeinsam in der schützenswerten Gruppe, sondern die Alten müssen – so heißt es – den Kürzeren ziehen. Die große Frage an die utilitaristische angewandte Ethik in den Krankenhäusern wird bald danach sein, ob die Bevorzugung einer geburtsfähigen Patientin gegenüber einem alten Patienten, wenn nur eine von zwei Personen intubiert werden kann, immer noch der Bevölkerungsmehrheit intuitiv einleuchten wird. Wenn nicht, dann wird die der Utilitarismus in der medizinischen Ethik stark unter Beschuss genommen werden. Wenn ja, dann werden die Folgen für die deontologische Ethik sowie die Herausforderung für die christliche Theologie gigantischen Ausmaßes sein.

 

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Twenty one years ago, on March 24 1999, the NATO began to fly air raids against Serbia, following the Yugoslav secession wars. Read in a history book if you don’t know what that was.

This happened in the rather short time in which I saw myself as a businessman. I had a company in Belgrade – seriously I had, one year after my Munich PhD – managed by my brother and financed by our father and some of his friends. They were about to lose their money very soon, but this is not my point here

Shortly before the bombings in Belgrade began, I happened to attend a conference hosted by the Bavarian Conservatives in the Alps. The theme was South-East Europe and politics or something like this. I can’t recall and I don’t need to. Too unimportant. Panos Kazakos, a Marxist economist, was there. Nikos Kotzias, an enfant terrible of the far left, was also there. Back then still a consultant to the foreign minister, he was to become foreign minister himself and a disastrous one in 2015 – but this is also unimportant. The important bit was my need for advice. During the coffee break, I wanted to know from Kotzias if I could spare my dear brother the bombings. Almost as fast as a tommy gun he spit a Greek mobile-phone number which I wrote down. “Call this guy”, he said. “He is our man in Belgrade at the moment. Alex is his name. He’s organising a bus to get our diplomats out of there”.

I didn’t call Alex. I called Constantine. My brother. “I’m not interested, Stamati”, he said. “I’m staying”.

He remained there until after the bombardments and unharmed.

You are probably expecting me to start telling you his stories from the war. Parachutes, shooting, screaming… But there is no such thing in his stories. There is only his account for not wanting to go to the bunker. He reckoned that no one would bomb the district of Žarkovo. He was right in this. He would have remained unharmed even if he had never sought shelter in the bunker. In fact, he would have remained unharmed even if he had spent the days in the office – although some blasts in the vicinity would have made him doubt his common sense. But he had to go to the bunker. Always. Because the women of his appartment house, of the neighbouring house, of the neighbourhood, would violently make him go to the bunker.

Think about the following situation: in a paleolithic setting, a community consisting of one female and ten males would have maximum one child per year. A community, vice versa, of one male and ten females could have ten children at the end of the year! The priority to rescue females appears to be a phylogenetic feature of women’s behaviour. Just think of this anthropological perspective if you realise more overreacting women than men to be around during the Covid-19 crisis. Think how natural it appears in a soldier’s ethics to have the women, the children and the old in safety somewhere else before the atrocities begin.

Alas, the war metaphor with its familiar values is not a viable analogy here. The old, for example, are not on a par with women in the Covid-19 crisis. I hear that if they arrive to the point of being able to save only one life out of two, the hospitals’ practice will be very likely to intubate the young woman instead of the old man. This corresponds to an implicit utilitarian applied-ethics code.

Will the many take this to be intuitively good? If no, then the consequentionalist paradigm in healthcare will be subjected to vast criticism. If yes, then the consequences for deontological ethics and the challenge for theology will be huge.

Clausura

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Man nehme zwei kommunizierende Gefäße und nenne das eine “Deutschland”, das andere “Schweiz”. Oder “Frankreich”.

Die Gefäße enthalten eine homogene Flüssigkeit. Kleine Flocken schwirrlen in etwa gleicher Häufigkeit in ihnen. Nennen wir diese Flocken etwa “Kowidneunzehn” (den Namen habe ich frei erfunden).

Und jetzt sagt jemand: “Am besten machen wir die Verbindung zu. Nicht dass das eine Gefäß voller wird als das andere!”

Alle sehen das ein…

Zwischen den Dörfern Riehen in der Schweiz und Stetten in Deutschland gibt es ein Waldstück, einen Korridor schweizerischen Staatsgebietes tief ins deutsche, wo selbst im Zweiten Weltkrieg Leute in die Schweiz geflüchtet sind.

Ich kenne das Gebiet gut. Als deutscher Bürger mit schweizerischen Papieren kann ich diese Grenze auch legal überschreiten – kein Thema… Aber für einen Spaziergang, wenn ich Mathe- und Physikuntauglichkeit entfliehen will, eignet sich die Stelle gut.

Mal schauen, ob die Klausuren im April stattfinden können.

PS: Die Bundeskanzlerin ist bekanntlich promovierte Chemikerin und ehemals Forscherin der Akademie der Wissenschaften der DDR – fällt mir gerade ein… Wie konnte die Grenzschließung doch passieren? Wo die Leute doch sowieso zu Hause bleiben!

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Take two communicating vessels and name the one “Germany” and the other “Switzerland”. Or “France”.

Let the vessels contain a homogeneous fluid. There are tiny silvery flakes that whirl around in the vessels. Name them – sayyyy – “Covidnineteen” (strange name, huh?). The two vessels have the same amount of flakes per volume unit.

If you heard someone saying: “I propose the connection between the vessels to be closed in order to prevent the flakes here to be more than the flakes there”, how would you react? Moreover, how would you react if you realized that everyone around you hails the proposal?

Between the villages Riehen in Switzerland und Stetten in Germany, there is a forest in which a small corridor of Swiss territory “enters” like an appendix into Germany. In the Second World War there were people who managed to enter the corridor and arrive safely in Basel.

I know the spot quite well. Being a German citizen with a permit to work and live in Switzerland, I will not need to pass the border illegally. However, the spot is very convenient for a walk meant to escape for a few moments decisions irrespective of any understanding of maths or physics…

PS: Considering that the chancellor is a PhD in chemistry and a former fellow of the Academy of Sciences of the GDR, how could the borders closure possibly happen?

The Covid-19 crisis as a case study of experimental philosophy

If this comes out to be generally accepted…

https://www.telegraph.co.uk/news/2020/03/14/italians-80-will-left-die-country-overwhelmed-coronavirus/

…then, in terms of experimental philosophy, the intuitive solution of the trolley paradox is to run over the old man to spare the lives of kids.

Which, in its turn, means that at least politics has a consequentialist, not a deontological understanding of ethics.

Of trolleys and ships

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Nach dem Covid-19 witterte ich die Chance, endlich mal das Neutrum “Virus” im Deutschen nicht mehr als Maskulinum dekliniert zu hören. Wenn sie das Wort oft von den Medien korrekt benutzt hören, werden sie es lernen, dachte ich. Weit gefehlt…

Eine noch nicht verlorene Chance – diese aber nur für Kollegen – besteht darin, das Trolley-Problem als Problem unserer Prognosen und nicht der Moral zu betrachten. Stichwort: Diamond Princess. Betrachten wir doch das Kreuzfahrtschiff wie im berühmten Gedankenexperiment als eine Art Trolley ohne Bremsen vor den Alternativen, auf dem rechten Gleis der bevorstehenden Gabelung Kindergartenkinder bzw. auf dem linken einen gebrechlichen Greis zu überfahren. Was macht der Weichenwärter?

Heute geht man davon aus, dass die Quarantäne der Diamond Princess doch mehr Verluste und Schmerz verursachte als die Alternative verursacht hätte, die Passagiere des Schiffes nach Hause gehen zu lassen. Um es nach der Sprache des Kursbuches im Fach Ethik auszudrücken: der Weichenwärter beschließt, den gebrechlichen Alten statt der Kindergartenkinder überfahren zu lassen, als letztere verängstigt und orientierungslos in Richtung des Alten flüchten.

Es gibt, wie man sieht, Fälle, in denen der Handelnde nie frei von Schuld ist, so dass das moralische Urteil eines über seine Absichten sein wird. Es ist eine ethische Grundintuition, der Francis Hutcheson mit der Ethik der Gefühle Ausdruck gab, keine Frage… Was für eine Barbarei doch, aus utilitaristischen Überlegungen die Leute auf der Diamond Princess in einem verpesteten Umfeld schmoren zu lassen!

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Covid-19 gives professional philosophers the unique chance to see in the trolley problem a problem of our predictions rather than one of ethics. Just think of the cruise ship Diamond Princess as of a trolley with broken brakes (junction ahead, a kindergarten class on the right track, a rickety old man on the left) vis-à-vis the alternatives to let passengers and crew go home, possibly try to recover, or to put them in quarantine in order to protect the population. Today we think that the quarantine on board caused more human losses and pain than it would have been unable to prevent otherwise. To stick with the analogy between the vessel and the trolley: the crossing keeper decided to rescue the kids and to kill the old man instead, switched the crossing correspondingly, when the disoriented kids tried to escape onto the old man’s track…

As one sees, there are cases in which the moral agent will be blamed one way or another to do the wrong thing and, at the end of the day, her moral attitude will be judged on the basis of her intentions. There is a basic moral intuition which Francis Hutcheson expressed with his moral sense, there’s no question about that!

What a barbarous act, to let people simmer on a pestilential ship out of utilitarian premises…

Helle leuchtet’s im ganzen Land / mit einem Zitat von Immanuel Kant

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“...Hospitalität (Wirtbarkeit) [bedeutet] das Recht eines Fremdlings, seiner Ankunft auf dem Boden eines andern wegen, von diesem nicht feindselig behandelt zu werden. Dieser kann ihn abweisen, wenn es ohne seinen Untergang geschehen kann; so lange er aber auf seinem Platz sich friedlich verhält, ihm nicht feindlich begegnen. Es ist kein Gastrecht, worauf dieser Anspruch machen kann (wozu ein besonderer wohltätiger Vertrag erfordert werden würde, ihn auf eine gewisse Zeit zum Hausgenossen zu machen), sondern ein Besuchsrecht, welches allen Menschen zusteht…”

Zum ewigen Frieden, AA VIII, S. 357-8.

(Die Gewährung eines Besuchsrechts erscheint um so erforderlicher, je klarer es ist, dass die Besucher nicht als Selbstzwecke behandelt, sondern lediglich als Mittel benutzt werden. Dabei nutzen manche von den Besuchern allerdings, wie man im untenstehenden Video sehen kann, Kinder lediglich als Mittel, was sie wohl vom Genuss des obengenannten Rechts disqualifizieren sollte. Manche Antinomien der praktischen Vernunft blieben anscheinend selbst Kant unbekannt. Wie dieser Fall moralischer Kasuistik auch immer beurteilt werden mag, sollte der Staat jedenfalls glaubwürdig den Standpunkt vertreten, dass das Besuchsrecht in kein Gastrecht verwandelt werden kann. Alles andere öffnet der Xenophobie Tür und Tor).

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[H]ospitality (a host’s conduct to his guest) means the right of a stranger not to be treated in a hostile manner by another upon his arrival on the other’s territory. If it can be done without causing his death, the stranger can be turned away, yet as long as the stranger behaves peacefully where he happens to be, his host may not treat him with hostility. It is not the right of a guest that the stranger has a claim to (which would require a special, charitable contract stipulating that he be made a member of the household for a certain period of time), but rather a right to visit, to which all human beings have a claim…”

Immanuel Kant, Towards Perpetual Peace, translated by David L. Colclasure, Yale University Press, New Haven and London, 2006, p. 82.

(Giving the right to visit appears even more imminent if you think that the prospective visitors are not treated as ends in themselves but rather as instruments alone. Some visitors use however children as instruments (see video above), which appears to disqualify them from the right to visit. As one sees, there are antinomies of practical reason which Kant failed to suspect. Anyway, politics should be able to persuade that the right to visit will not be rendered to a right as permanent guests. Anything else would give xenophobia an excuse).

…symbolic of their struggle against reality…

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Das Fach Gender Studies lässt analytische Philosophen kalt. Das ist eine typische und arrogante Reaktion. Wie sie vor 100 Jahren, nach Carnaps Verriss gegen Heidegger eine Antwort auf die fundamentale ontologische Frage zu haben wähnten (lächerlicherweise war diese: “Kapier-ich-nicht”, bis sie sich erst mit den Fortschritten der Modallogik endlich zum Thema stellen konnten), überlassen die analytischen Philosophen heute die Gender Studies sich selber. Das ist aber, wie wenn der (neuwittgensteinische) “Therapeut” Leute mit verschiedenen Sprachspielen aneinander vorbei reden ließe. “If you see something, say something!” Mit welchem Recht sollte sich die analytische Philosophie über dieses Gebot hinwegsetzen dürfen?

Warum ich in den Gender Studies Kategorienfehler sehe, wird hoffentlich aus dem Folgenden klar.

Eine Bedingung für Begierde ist die Körperlichkeit; genauer: die durch Hormone und Neurotransmitter bedingten Einschränkungen des biologischen Organismus Mensch. Solange so etwas wie ein freier Wille – so jedenfalls, wie der freie Wille generell verstanden wird – Teil der eigenen Ontologie ist, kann der Sexualtrieb nicht als Ausdruck des freien Entscheidens gelten. Zu Deutsch: Niemand entscheidet sich, sich so oder anders, in diese oder jene Person zu verlieben. Love is in the air. Die Verliebtheit passiert einfach.

Insofern betrachte ich die in den Gender Studies oft vertretene Befreiung von den äußeren Zwängen der binären Sexualität als einen Kategorienfehler. Es ist unmöglich, sich zu befreien, wenn das Instrument der vermeintlichen Befreiung ausgerechnet ein dem freien Willen fremder Trieb ist. Die Sexualität stellt eine Einschränkung des freien Willens dar, eine ungeheuere Macht, einen schwarz-weißen Kontrast des Ja gegenüber dem Nein, den Triumph des Körpers über einen nivellierten Geist. Gerade in der Sexualität den Triumph der Freiheit über die binäre Logik zu sehen, ist, wie wenn Thomas Mann als Feminist gelten würde. Das wäre so offensichtlich falsch, dass es unehrlich wirken würde. Aber ich will hier nicht moralisieren, sondern lediglich feststellen, dass die für die Gender Studies typische Forderung einer nichtbinären Sexualität aus moralischen Überlegungen einen Kategorienfehler darstellt.

In der legendären Arena-Episode aus Life of Brian deutet John Cleese an, dass die Politisierung des Sexualtriebs eine Sublimation homosexueller Menschen darstellt, die selber mit ihrer Sexualität nicht klarkommen. Kein Problem, wenn’s den Leuten so gefällt. Ob dies die Vergabe von Mitteln aus Forschungsfonds legitimiert, ist eine andere Frage.

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Gender Studies belong to the branches of the social studies which most analytical philosophers arrogantly ignore. Like Carnap was proud to say that the question why there is something instead of nothing in not analysable – until the progress of modal logic could show how narrow-minded this was – his epigones today would rather let women and transgender persons talk about gender, maintaining indeed a traditional masculinity.

Alas, if you are an analytic philosopher there is no way out of masculinity. Even my following criticism of the category mistakes of gender studies may be tagged as an expression of masculinity. Nevertheless, I would be happier if analytic philosophers preferred this masculinity to blunt arrogance. If you see something, say something… And, what’s more, if you profess being a Neowittensteinian “therapist” and you know that these two clients play different language games, you don’t make an appointment for them to come at the same time, while you go to order tapas around the corner and leave them alone at your office.

What follows now is not a metaphor anymore but my argument for the claim that gender studies is based on a category mistake:

Having a body is a condition for passion – neurotransmitters and hormones being responsible for the operational details. This makes sexuality a behaviour independent from decision. As long as free will is a part of your ontology, you cannot reduce nondeliberate body functions to decision. This means, in plain English, that you do not decide with whom you fall in love.

Considering all this, the emancipation from binary sexuality, one that gender studies propagate as a liberation from social conventions that allegedly violate free will, is a category mistake. Sexuality cannot liberate from anything. Rather, it restricts free will to an extent that only very few other things do. It is an invincible power, a black-and-white, yes-or-no dichotomy of a spirit slavishly subjected to desire. Expecting sexuality to liberate you is as if you perceived Rudyard Kipling as a feminist. It is not only false. It is hypocritical. But I’m not supposed to preach here.

In the legendary scene of the arena, John Cleese insinuates that the main motivation of the ideology of a politically motivated non binary sexuality is this of homosexuals unable to cope with their own sexuality. Unlike Cleese I wouldn’t be deprecating towards anyone. I still find funds raised to legitimise preferences in and around bed in terms of an ontology or politics squandered.

 

 

Erfurt succumbs to Marx: Groucho Marx this time

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Die Kurzfassung des Plots für nichtbundesdeutsche Deutschsprachige ist folgende:

Partei, rechts wovon nur noch die Wand steht, erhält in deutschem Bundesland – in dessen Hauptstadt der Verfasser dieser Zeilen seit vielen Jahren zufällig Privatdozent ist – so viele Stimmen, dass es praktisch äußerst schwierig ist, ohne ihr Zutun eine Regierung zu bilden. Diese Partei favorisiert, wie übrigens die normalen Bürgerlichen, den Kandidaten einer kleinen liberalen Partei, der für die Deregulierung der Märkte einsteht. Dieser wird zum Ministerpräsidenten gewählt.

Am nächsten Tag tritt der Typ inmitten von Buh-Rufen wegen Strohmann und viel NS-lastigem Vokabular zurück.

Aufgrund dessen will die rechte Partei beim nächsten Mal den Kandidaten der Linken wählen, da er offenbar auch inmitten von Buh-Rufen usw. zurücktreten wird.

Auf Marx – Groucho, nicht Karl – ist das parakonsistente Politcredo zurückzuführen: “Einem Verein, der jemanden wie mich aufnimmt, möchte ich nicht beitreten”. Das heißt natürlich, dass er keiner Partei beitreten kann, außer einer, die ihn nicht aufnimmt. Damit wird die Parteizugehörigkeit zu einer contradictio in adjecto.

“Wir beteiligen uns an keiner Regierung, die von Ultrarechten gestützt wird”, kann auch zu einer Groucho-Regel verkommen. Bei der Verteilung der politischen Kräfte in Thüringen kann es schnell passieren – übrigens auch den Linken, nicht nur der FDP – dass die Mehrheit mit dem Kopf durch die Wand bzw. mit Stimmen von sehr nah an derselben erreicht wird. Im Grunde macht es diese Regel zur demokratischen Pflicht, keine Regierung zu bilden.

Groucho stammte väterlicherseits vom Elsass ab. Im heutigen politischen Kontext erscheint das eher überraschend.

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The most recent story with which the German “Land” at whose capital I am adjunct professor, attained negative publicity goes thus:

Far-right party took a part of the popular vote so considerable that, practically, no government can be formed without their tolerance or support. OK, the conservatives could also vote the candidate of the communists, but we’re not talking about surrealistic scenarios here. Anyway, the far-right supported the candidate whose main ideological stance is deregulation of the market – like the other conservatives also did. The guy was elected prime minister. He resigned on the next day booed a lot and loudly as new Hitler.

The paraconsistent political credo was expressed by a thinker called Marx. Groucho Marx: “I refuse to join any club that would have me as a member”. Ergo, the only political party he would join would be one that would not have him as a member. According to this rule, a party membership appears to be a contradictio in adjecto.

The Thuringian rule: “We are not forming a government supported by the far right” can turn out to be a Groucho rule. Just imagine: the 29 communists and the 21 conservatives would never vote each other. And neither the former nor the latter can have a majority with the help of any parties other than the far right.

The Thuringian situation makes it a democratical duty to form no government at all.

This is as Groucho as it gets…