Old books

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Alte Bücher führen oft zu interessanten Einsichten. Sie waren nicht immer von Anfang an beabsichtigt. Ein Foulspiel, das gut im Spielverlauf war, muss nicht vorsätzlich gewesen sein.

Da ist, was ich jüngst entdeckte.

(Lorenzen hätte gejauchzt. Der Band war übrigens sein Zeitgenosse. Studenten auf den Straßen usw. Zeitgeist).

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More often than never, old books make one have interesting insights. They weren’t always intended. Some fouls are not deliberate and are in spite of everything good for your game.

(The volume above was released about the time when Hintikka developed game semantics; students on the streets etc. Zeitgeist)

Covidean cognitive states

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Der Zug fährt in schweizerisches Territorium und lässt Deutschland und die Maskenpflicht hinter sich. Allerdings fühlt sich keiner der Passagiere frei, die Maske abzunehmen. Das tun sie erst beim Aussteigen, wenn sie auch in Deutschland die Maske abgenommen hätten. Sonst hätten sie das Maskentragen zu einer formalen Konvention gemacht, was sie nicht wollen.

Die umgekehrt fahrenden Fahrgäste steigen in der Schweiz meistens ohne Maske ein, da dort die Maske in öffentlichen Verkehrsmitteln nicht Pflicht ist. Wohl aus dem bereits erwähnten Grund (“Keine bloß formale Konvention”) gibt es keinen, der exakt den Moment nutzt, wenn der Zug Deutschland erreicht, um die Maske anzulegen. Ob’s bei der Bekämpfung von kognitiver Dissonanz viel hilft, ohne Maske einzusteigen, aber mit Maske auszusteigen und wenigstens so zu tun, als wäre das nicht wegen der Staatsgrenze gewesen, weiß ich nicht. Das tun sie jedenfalls.

Das Land, das er verlässt, trägt der Passagier eine Zeitlang mit. Die akute kognitive Dissonanz der Art: Der Zug ist virulent bei der Fahrt von Deutschland in die Schweiz bis zur Grenze, weniger so umgekehrt, auch bis zur Grenze wird konsequent umgangen.

Kognitive Dissonanz sollte freilich beim Vergleich beider Fahrtrichtungen auftauchen. Von Deutschland in die Schweiz ist der Zug anscheinend virulenter als umgekehrt. Dass sich die Passagiere je nach Fahrtrichtung anders verhalten, ist natürlich ein Paradox, denn alle Individuen tendieren zur Umgehung von kognitiver Dissonanz. Dadurch aber, dass die dissonanten Verhaltensweisen (nicht zuletzt bleibt die Maske in der Fahrt Deutschland-Schweiz länger dran als zurück) zeitlich entfernt sind, vergleichen die Individuen das eigene Verhalten in die eine und in die andere Richtung nicht direkt.

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As the train passes the state borders from Germany to Switzerland, it underlies suddenly the legislation of the state it enters, i.e. Switzerland. And since Germany prescribes a face mask in public transport but Switzerland does not, passengers may feel free to remove their masks. No one does. They will do so once they disembark on Swiss soil, i.e. in a situation where they would remove the mask also in Germany. Otherwise, they would jeopardise their wearing a mask on the train to make it a solely formal convention.

In the reverse direction, when passengers embark the train in Switzerland to go to Germany, they wear no masks since this is not required in Switzerland. Upon passing the state borders the train underlies suddenly the legislation of Germany. But no one puts the mask on at exactly this moment. They do so a bit earlier or a bit later. Probably they want to make believe that the conventional state borders do not determine their behaviour. I don’t know if by doing so they jeopardise face mask wearing less, but this is what they do. The legal system of the state in which people have been in the last hours follows them for a while. Otherwise they would be subject to cognitive dissonance. How comes, they would ask themselves, that until the state borders infection is improbable if you don’t wear a mask but becomes probable immediately after the state borders?

The cognitive dissonance does, however, emerge when one compares the behaviour from Germany to Switzerland to the behaviour in the reverse direction. When they come from Germany heading to Switzerland they wear the mask longer because, apparently, the train is an environment is too virulent to take a risk. But when they leave Switzerland to go to Germany the same environment is seemingly not so virulent. I mean they embark without a mask. The direction cannot be said to make a difference in the human heads here. Or can it?

Cognitive dissonance is mostly avoided by individuals, says science, which makes what I just described here a paradox. But since you can never travel into both directions at the same time, cognitive psychology prevails again: cognitive dissonance is avoided by individuals when the dissonant states are temporally close and directly compared.

The nonmonotonicity of taste

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Darüber, ob nichtmonotone Überzeugungsrevisionen – d.h. solche, wo die Prinzessin den Kriegerfreier nicht heiraten will, weil er Krieger ist, aber ihn trotzdem heiratet, nachdem sich ihr drei Krieger hintereinander vorgestellt haben – rational sind, scheiden sich die Geister und das seit Jahrzehnten. Bekehrungen sind auch Überzeugungsrevisionen, was die Sache besonders interessant macht.

Ob rational oder nicht, erscheint es allerdings sehr bekannt, dass uncoole Sachen plötzlich (und nichtmonotonerweise) so uncool sind, dass sie wieder cool werden, wenn ihre Träger sie mit Glaubwürdigkeit vertreten.

Nach dem nachfolgenden englischen Text gibt es Beispiele diesbezüglich mit Fotos aus der Zeit um Ostern letzten Jahres herum – auch als mittelbares Zeugnis einer heute undenkbaren Mobilität.

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Whether rational decisions can be nonmonotonic has been a controversial matter for decades. Is it rational for the princess to reject her fiancé for being a warrior but to return to him after all, after three men, all of them also warriors, ask her to marry them?

What is a debatable method to decide, is an everyday phenomenon of taste: things too uncool not to be cool if represented with due credibility.

Ready examples are…

…English teapots and cups:

Ancient Greek inscriptions on gravestones of rock stars:

Oriental markets:

Renaissance centralism:

All these pictures were taken last year about Easter, which shows how mobile we were.

Transsubstantiatio et transpropertatio

https://philori.files.wordpress.com/2014/09/amper-isar.jpg

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Die griechisch-orthodoxe Gemeinde in der Schweiz, deren Münchensteiner Sophienkirche ich sehr unregelmäßig besuche, feiert seit Anfang der Corona-Krise keine Gottesdienste. Es ist eine Kirche, wo die Heilige Kommunion typischerweise in beiderlei Naturen und zwar mit einem Kelch und mit einem Löffel gefeiert wird.

Selbst wenn es nicht offen gesagt wird, ist dieser Umstand, die Aussetzung der Gottesdienste, die ratio cognoscendi der Überzeugung, dass der Löffel und der Kommunionswein Covid-19 übertragen kann und dass diese Gefahr unverhältnismäßig groß ist gemessen am Gewinn.

Gerade habe ich allerdings über die Eucharistie im Sinne einer Kosten-Nutzen-Rechnung gesprochen. Da ist bereits ein Punkt, an dem mir viele orthodoxe Christen etwas anhaben würden. Sie würden wahrscheinlich hinzufügen, dass der Kommunionswein keine Krankheiten übertragen kann, nachdem es in Blut Christi gewandelt wurde. Sie würden diesen Ausdruck vor dem üblichen “Transsubstantiation” bevorzugen. Noch übermorgen, am orthodoxen Ostersonntag, würden sie an der Ostermesse teilnehmen und aus einem Kelch mit einem Löffel das Blut Christi zu sich zu nehmen.

Jüngst gab es in Nordserbien sowie in Georgien Fälle, in denen sich die Herde während der Sonntagsmesse außerhalb der Kirche aufhielt, um der Ansteckungsgefahr durch das neue Coronavirus vorzubeugen, allerdings aus einem Kelch und mit einem Löffel Leib und Blut Christi zu sich nahm, als der jeweilige Pfarrer auf den Kirchhof kam. Wahrscheinlich dachten sie, dass es sich bei der Verwandlung der Kirche ins Paradies um eine Metapher handelt, bei der Wandlung des Brotes und Weines in Leib und Blut Christi aber um etwas Physisches. Die Republik Griechenland – das muss ich an dieser Stelle wohl sagen – erlaubte Gottesdienste nur während der Karwoche und das durch den Gemeindepfarrer und ein Chormitglied allein hinter verschlossenen Türen. Es ist eine archetypische orthodoxe Beschuldigung gegen die Westkirchen, dass letztere eine Hostie ohne Eigengeschmack dem Hausbrot vorziehen, um nicht in Versuchung zu kommen, aus den verbliebenen Broteigenschaften wie die Konsistenz und der Geschmack zu schließen, es wäre immer noch Brot, was man zu sich nimmt. Da die Orthodoxen offenbar sehr erfolgreich die sekundären Eigenschaften des Kommunionsbrotes verdrängen, denken sie, dass das keinem sonst gelingen würde, wenn das Brot etwas – sagen wir – säuerlich wäre.

Im Gegensatz zur orthodoxen Haltung: “Es ist kein Brot, es ist kein Wein, es ist nichts von dieser Welt, also werde ich dadurch auch nicht krank” tendieren philosophisch ausgebildete Katholiken zum Nominalismus. Der Trope “Blutchristihaftes” wird immer in der Messe per Umbenennung um einen singulären Kelch Wein angereichert. Wer sich darüber im Klaren ist, wie konservativ das Phänomen Sprache ist, dem erscheint es kaum weniger wundersam, wenn alle auf einmal sowohl ihre Sprache als auch ihr Benehmen an eine Umbenennung anpassen. Aber die Umbenennung schützt einen nicht vor Infektion.

Vor Jahren pflegte ich folgendes Spiel zu spielen, immer wenn ich mit meinen Töchtern auf Fahrrädern unterwegs die Mündung der Amper in die Isar erreichte. Ich erhob meinen rechten Arm – meine Töchter waren noch im Alter, wo sie das witzig fanden – und verwandelte magisch die Isar in die Amper und die Amper in die Isar. Ab sofort war der jeweilige Fluss der andere. Natürlich blieb der linke Fluss – angenommen wir gucken nach Norden – derjenige, der von Dachau kam, der rechte derjenige, der von München und Freising kam – keine Frage! In der Paläogeographie ist es stets das Wasser, das bestimmt, um welchen Fluss es sich handelt, nicht das Flussbett. So blieb z.B. vor Millionen von Jahren ein Teil der Ur-Donau nördlich der Aare trocken. Es war ursprünglich ein Donau-Flussbett. Dass später die Wutach in dieses Flussbett hineingeflossen ist, so dass sie ihren Lauf dramatisch wechselte, bringt die Geologen nicht in Verlegenheit. Vorher Wutach – nachher Wutach, auch wenn die Richtung jetzt eine andere ist, im Flussbett eines vormals anderen Flusses.

Die Orthodoxen verstellen sich, dass die Metaphysik der Namensgebung auch anders sein könnte: am Beispiel bei der Eucharistie. Es ist ein sehr starker metaphysischer Glaube, was hinter der orthodoxen Position steckt und dem Nominalismus eines Denkers trotzt, der lange Zeit an der Isar lebte: Wilhelm von Ockham. Ein gesundheitsgefährdender Glaube in Zeiten von Epidemien ist er auch noch.

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Presently, the Greek Orthodox community of Switzerland whose church of Holy Wisdom in Basel I irregularly visit, has dispensed all services in the aftermath of Covid-19. It is a church that typically practices the Holy Communion from one single cup, with one spoon.

If you do the math you will infer that in times of an epidemic, the parish believes that the – obviously existing – risk to be infected from the Holy Communion is disproportionate to the spiritual benefit – and fairly so.

Some Orthodox however would not only consider it sacrilegious to speak of the Eucharist in terms of a cost-benefit analysis. They would also say that communion wine is not virulent as a consequence of its being rendered to blood of Christ. They would go to church and partake in the Holy Communion with one spoon without realising the risk.

In recent cases in Northern Serbia and in Georgia, the corresponding parishes avoided entering the church out of fear of infection, however they did partake in the Holy Communion from one cup and with one spoon when the priest sought his people outside, in the churchyard. They presumably thought that the transformation of the church into the kingdom of God during the mass is symbolic while the transformation of wine to Christ’s blood is a natural, physical process. To prevent similar situations, the Hellenic Republic allows services to take place during the Corona crisis only in the Holy Week and this behind closed doors, only with one priest and one choir member. Let me just mention here that there are Orthodox who blame Roman-Catholics of preferring consecrated wafers to everyday bread because the latter allegedly reminds of the properties remaining there as before the consecration. Since the properties remaining there is the very idea which the Orthodox repress – and this very successfully – they think that everyone else has issues with it.

In contrast, learned Roman Catholics often come up with a nominalist understanding of the Holy Communion: communion wine is, they’ll tell you, the blood of Christ in the sense that the trope “blood-of-Christ-like” is enhanced with a new individual – a cup of wine. After the transsubstantiation, they’ll tell you, the properties of the wine are remaining because transsubstantiation is only an act of renaming. Ergo, you can be infected.

Years ago, my daughters and I played a game – if you want to call it a game – whenever we journeyed with our bikes along the riverbanks of the Isar until its confluence with the Amper. Reaching the point – the girls were young enough to find this witty back then – I used to raise my right hand and made the one river be the other. But even after I renamed the rivers, the one to the left when we looked northwards was the one whose waters came from Dachau, the one to the right was the one which came from Freising and Munich. I had not changed this, of course. I am informed that in palaeogeography, when a riverbed is dried off and another river finds its way through it, it is the waters, i.e. the new river, which determines which river this is.

The Orthodox pretend during the Eucharist that this could be otherwise. This is a strong metaphysical belief, of course, and a much stronger one than the nominalism launched in Christian faith by a person who was actually very familiar to the river Isar: William of Ockham. But if you are an Orthodox in times of an epidemic, this issue of the philosophy of language can cost you your health.

 

Parts of Mereology

The Handbook of Mereology (ed. by Hans Burkhardt, Johanna Seibt, Guido Imaguire and myself) is now also available in portions, as digitally downloadable printouts.

Check here:

https://pcm.philosophiaonline.de/issue/PCM/2017/1

Erfurt succumbs to Marx: Groucho Marx this time

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Die Kurzfassung des Plots für nichtbundesdeutsche Deutschsprachige ist folgende:

Partei, rechts wovon nur noch die Wand steht, erhält in deutschem Bundesland – in dessen Hauptstadt der Verfasser dieser Zeilen seit vielen Jahren zufällig Privatdozent ist – so viele Stimmen, dass es praktisch äußerst schwierig ist, ohne ihr Zutun eine Regierung zu bilden. Diese Partei favorisiert, wie übrigens die normalen Bürgerlichen, den Kandidaten einer kleinen liberalen Partei, der für die Deregulierung der Märkte einsteht. Dieser wird zum Ministerpräsidenten gewählt.

Am nächsten Tag tritt der Typ inmitten von Buh-Rufen wegen Strohmann und viel NS-lastigem Vokabular zurück.

Aufgrund dessen will die rechte Partei beim nächsten Mal den Kandidaten der Linken wählen, da er offenbar auch inmitten von Buh-Rufen usw. zurücktreten wird.

Auf Marx – Groucho, nicht Karl – ist das parakonsistente Politcredo zurückzuführen: “Einem Verein, der jemanden wie mich aufnimmt, möchte ich nicht beitreten”. Das heißt natürlich, dass er keiner Partei beitreten kann, außer einer, die ihn nicht aufnimmt. Damit wird die Parteizugehörigkeit zu einer contradictio in adjecto.

“Wir beteiligen uns an keiner Regierung, die von Ultrarechten gestützt wird”, kann auch zu einer Groucho-Regel verkommen. Bei der Verteilung der politischen Kräfte in Thüringen kann es schnell passieren – übrigens auch den Linken, nicht nur der FDP – dass die Mehrheit mit dem Kopf durch die Wand bzw. mit Stimmen von sehr nah an derselben erreicht wird. Im Grunde macht es diese Regel zur demokratischen Pflicht, keine Regierung zu bilden.

Groucho stammte väterlicherseits vom Elsass ab. Im heutigen politischen Kontext erscheint das eher überraschend.

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The most recent story with which the German “Land” at whose capital I am adjunct professor, attained negative publicity goes thus:

Far-right party took a part of the popular vote so considerable that, practically, no government can be formed without their tolerance or support. OK, the conservatives could also vote the candidate of the communists, but we’re not talking about surrealistic scenarios here. Anyway, the far-right supported the candidate whose main ideological stance is deregulation of the market – like the other conservatives also did. The guy was elected prime minister. He resigned on the next day booed a lot and loudly as new Hitler.

The paraconsistent political credo was expressed by a thinker called Marx. Groucho Marx: “I refuse to join any club that would have me as a member”. Ergo, the only political party he would join would be one that would not have him as a member. According to this rule, a party membership appears to be a contradictio in adjecto.

The Thuringian rule: “We are not forming a government supported by the far right” can turn out to be a Groucho rule. Just imagine: the 29 communists and the 21 conservatives would never vote each other. And neither the former nor the latter can have a majority with the help of any parties other than the far right.

The Thuringian situation makes it a democratical duty to form no government at all.

This is as Groucho as it gets…