Partes chimaerarum



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Vielleicht ist Folgendes ein gutes Argument dafür, dass Teile der Mereologie (Teile der Theorie, nicht Teile im Sinne der Gegenstände der Theorie) auf die Mengenlehre reduzierbar sind, vielleicht auch nicht – ich hab’s noch nicht bis zur letzten Konsequenz gedacht.

Teile von Chimären (hier aus dem Isenheimer Altar in Colmar) sind dadurch Monsterteile (und eben nicht nur Hirsch- oder Rattenteile), dass sie Teile sind, die nicht zusammengehören. D.h. Monsterteile sind nur dadurch welche, dass sie in bestimmten Verhältnissen zueinander stehen. Ohne derartige Verhältnisse zueinander sind das Hirschgeweih, der Rattenkopf, die Menschennase keine Monsterteile, sondern Teile von einem Hirschen, einer Ratte, einem Menschen. Schneide ich etwa vom einen Monster das Hirschgeweih, vom anderen den Hirschkopf, vom dritten den Hirschhals usw. weg und füge diese artgerecht zusammen, dann habe ich zum Schluss keine Monsterteile eines Hirschen, sondern Hirschteile eines Hirschen – was beweist, dass Chimärenteile nur dann als Chimärenteile gelten, wenn sie, jeder für sich genommen, die Struktur der ganzen Chimäre als Teil enthalten.

Die Chimäre aus allen und nur Chimärenteilen – die wohlgemerkt die ganze Chimäre und ergo sich selbst als Teile enthalten – ist also eine Chimäre, die sich selbst problemlos enthält. Das ist natürlich nichts anderes als eine nichtparadoxe, mengentheoretische Struktur 

(Entschuldigung für dieses Posting: Auf dem Endspurt der Redaktion des Handbook of Mereology – Johanna Seibt und Guido Imaguire sind meine Mitherausgeber, Philosophia München der Verlag – sehe ich alles, auch die lebendigen Leute um mich herum, als Teil-Ganzes-Beziehung. Hoffentlich kann ich mich und Euch nochmal normal sehen, wenn die sechshundert Seiten raus und von unserem Hals sind).

Für Kommentare wäre ich dankbar.



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Maybe it’s a good argument for the claim that parts of certain wholes are only subsets (and parthood of these wholes only a set-theoretical notion), maybe it’s not. I’ll have to think it over and to draw the last consequences out of it. For now, here it is:

Parts of chimaeras (here from the Isenheim Altar in Colmar, France) are parts of monsters and not just of, say, deer or rats, only if they’re assembled in an unnatural whole. In other words, parts of monsters can be said to be such only if they are interrelated in certain ways. It is perfectly alright for a chimaera to have Cleopatra’s nose on a deer head. Thus, to make a chimaera, what has to be avoided is to make all and only deer parts and all and only Cleopatra’s parts naturally fit together. If you take Cleopatra’s nose from this chimaera, Cleopatra’s eyes from that chimaera, Cleopatra’s arms from a third etc. what you have at the end of the day is not a chimaera consisting of parts of other chimaeras but Cleopatra consisting of Cleopatra’s parts.

As one sees, the whole structure of the chimaera must be a part of every part of the chimaera.

If Cleopatra’s nose doesn’t contain a monster-like structure as its part (e.g. by containing its relation to a deer’s head as a part), it is not a-monster’s-and-Cleopatra’s nose but only Cleopatra’s.

As one sees, being a part of a chimaera presupposes being a part of a whole that contains only and all the parts of the chimaera that contain themselves. This is nothing but a set-theoretical structure.

I believe that this shows that at least a part of mereology (I mean a part of the theory, not a part among the objects of the theory) is  reducible to set theory.

(The Handbook of Mereology (Philosophia: Munich) I’m editing together with Johanna Seibt and Guido Imaguire is almost finished. It’s about time because I currently see everything and everyone as wholes consisting of parts and I can only hope I’ll return to normality as soon as the book is published).

I’d be happy to receive your comments.

The self I once was and the stuff he believed in


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Es war noch ein folgenschweres Argument von Quine, gleichzeitig die Pointe seines Kampfes gegen den Propositionalismus: Du sollst nicht über ganze Sätze quantifizieren, denn Ereignisse sind keine DINGE, die Sätze als NAMEN hätten.

Es war eine Art Erziehung in unserem Verständnis des T-Schemas: Mit dem T-Schema sei keine allgemeine Wahrheit über Sätze, sondern eine Abkürzung immer eines bestimmten Satzes der Metasprache zu verstehen. Nun lässt bekanntlich Erziehung nicht auf die Wahrheit dessen zurückschließen, zu deren Annahme man erzogen wurde. 

Sätze sind Dinge, eben Funktionen, mit einem Wert und mit allem drum und dran. Wie die Waren mit ihrem Preis, so werden Sätze gehandelt entsprechend ihrem Wahrheitswert. Zwar macht das die Ereignisse nicht zu Dingen, aber dadurch, dass die Sätze Dinge sind, haben sie Namen. Geschriebene Sätze sind etwa Namen von Lauten (unsere Buchstaben bezeichnen ja Laute, keine Gefanken). Dass diese Namen nicht Namen der entsprechenden Ereignisse sind, würde nur gehen, wenn die Transitivität nicht gilt. Aber warum sollte sie nicht gelten?

Davidson pflegte die Nutzung von Quantoren mit Sätzen als Anwendungsgebiet „fraud“ zu nennen. Es stört mich, dass ich dieselbe Person bin wie dieser Student in München, der des Meisters Standpunkt durch und durch einsah.


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If Quine’s argument against propositionalism is correct (ergo quantification of sentences is a fraud), events aren’t THINGS with sentences as NAMES.

We were brought up like this – a whole generation of logicians and philosophers. We learned to understand the T-schema as bringing individual sentences and their truth conditions together, not as a general truth on language and it’s sentences. 

However, being  brought up in a certain way is not evidence for truth. Even if events aren’t things, sentences, like all functions, surely are. And, like all functions or commodities, they have values: truth values. Further, like many things, spoken sentences have names, i.e. graphical depictions in scripture – letters are names of sounds! I can’t help myself thinking that unless transitivity doesn’t hold (but why shouldn’t it?) these graphic depictions are names of events.

I just fail to see, then, why quantifying over variables that can be satisfied by denotates of such names, is, to use the word Donald Davidson used, a fraud.

It annoys me that my previous self thought he saw the point.

Vegetable tropes



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Heute nachmittag dachte ich, mich verlieben zu müssen – in ein Buch. Denn, was gibt’s Interessanteres in der theory of tropes – der Theorie über individuelle Eigenschaften – als die Fragen nach dem Entstehen einer individuellen Qualität und dem Nachweis darüber?

Beim genaueren Hingucken entpuppte sich das Buch als keines über Ontologie, sondern als eines über biologisch-dynamisch produziertes Gemüse; über eine bestimmte Qualität von Kohlrabi etwa.

„Qualität“, habe ich festgestellt, wird in diesem Kontext als eine bestimmte Perfektion verstanden – eben als die Perfektion des biologisch-dynamischen Kohlrabis. Entsprechend kann man von der völlig davon unterschiedlichen Perfektion des konventionellen Kohlrabis oder von was weiß ich reden. Auch die schlechte Qualität wäre die Perfektion eines gelungenen Kohlrabis, den man nicht kaufen sollte.

Das sind Qualitäten, die so speziell sind, dass sie an Tropen erinnern. Ganz falsch war mein erster Eindruck vom Buch also doch nicht. Der erste Blick hat immer eine gewisse Berechtigung. Er hat eine Perfektion.

Die Tropen als Perfektionen bzw. Grade des Erreichens von Perfektion zu verstehen, wäre vielleicht ein Kompromiss zwischen Tropentheorie und traditioneller Ontologie.

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This afternoon it was close: I thought I would fall in love with this book titled: What Is Quality, how It Emerges, how It Is Demonstrated.

At first sight I thought that it was about the theory of tropes – i.e. the individual properties. A more careful look persuaded me that it wasn’t a book on ontology but rather one on organic vegetables.

Further, I realised that in the context of the book, the term „quality“ was used as a kind of perfection. The perfect organic cabbage has a quality that is quite different than the perfect conventional cabbage. And there is also the perfection of bad-quality cabbage: the cabbage no one, really no one, would buy.

There are properties that are too special not to be reminiscent of tropes.

My first perception of the book wasn’t that mistaken after all. The first sight has always a justification.

Seeing tropes as perfections is probably also justified. If nothing else, it’s at least a compromise between the theory of tropes and traditional ontology.

Accidentia

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Monate nach dem Unfall erinnern mich nur noch die junge Haut an der Stelle der Verbrennungen und die schwarzen Stellen auf dem Fußboden an die Panik. Sie selber ist verschwunden.

Anders als die Panik, unmittelbar und irrational, arbeitet die Erinnerung an dieselbe im Hintergrund, stur und mit mathematischen Fragestellungen. Wie wahrscheinlich ist es, dass mir noch mal Ähnliches passiert? Wie wenn ich’s magisch anziehen würde? Das Unglück… 

Als rationaler Mensch, der Einiges über Wahrscheinlichkeitstheorie geschrieben hat, muss ich solche Gedanken doch abtun können, oder? Gut! Aber mit welcher Begründung genau?

Vielleicht ist es eine Erleichterung zu wissen, dass nicht von Unglück oder Glück die Rede wäre, wenn es sich dabei nicht um Unwahrscheinliches handeln würde. Hmm… Weniger gut. Solches Rationalisieren aus dem Begriff heraus ist unter der Würde des Sprach- oder auch Psychoanalytikers. Schließlich kann man Unwahrscheinlichkeit berechnen.

Wenn’s um die Berechnung von Wahrscheinlichkeit geht, denke ich an Christina. Christina ist genial; Christina ist Mathematikerin; und Philosophin. Christina brauche ich nicht mal anzurufen, um ihre Meinung zum Thema zu erfahren, es sei denn, ich will sie mit ihrer Stimme hören. Denn ich kenne sie gut genug, um mittlerweile eine Christina-Sektion in meinem Hinterkopf zu haben. Wenn ich über Bayessche Wahrscheinlichkeiten und Richard Swinburne schreibe, ist diese Sektion aktiv. Und übrigens jetzt, während ich das schreibe.

Sie kann’s nicht haben, wenn ich behaupte: „Es sind zwanzig Prozent für einen Februarregen in Verona und ein Prozent für einen langweiligen Tag ebendort, also 0,2 Prozent für einen langweiligen Regentag im Februar ebendort“. Wahrscheinlichkeiten komplexer Ereignisse, weiß sie, ergeben sich nicht immer aus Produkten von Wahrscheinlichkeitsgraden einfacher Ereignisse, sondern es kommt darauf an, die Ereignisse zu kategorisieren. Hat man empirische Daten über regenreiche und langweilige Tage in Verona im Februar? Wenn ja, dann kann man zu rechnen anfangen. Weiß man aber nicht, wie sich die Dependenz der Einzelfakten voneinander gestaltet (sind z.B. etwa alle Regentage langweilig?) dann weiß man zu wenig.

Worauf es für Christina ankommt, ist, die Frage zu beantworten, wie die Chancen stehen, schon wieder einen Unfall der gehabten Form zu haben. Gleichartige Unfälle, die ich hatte – ob ich Unglück anziehe, das ist der schlimme Gedanke, der der rationalen Analyse bedarf – sollten durch die verstrichene Zeit dividiert werden, die in Frage käme, das Ergebnis soll auf die Zukunft extrapoliert werden. Klingt gut!

Aaaaaber: Wie ist ein Unfall geartet, der mit einem Brand in der Küche gleichartig ist? Das Leck wegen Überladung dieser Nussschale von Boot bei starkem Wellengang (auch ein grausamer Schreck damals) ist gewiss nicht dergestalt. Das Anbrennen dieser schönen Frisur im Andrang jener Karfreitagsprozession wohl auch nicht. Zwar war dort Feuer im Spiel, aber jedem griechischen Kind passiert mal so etwas an einem Karfreitag: Zu viele Kerzen in den Händen von zu vielen Leuten!

Ich sehe nicht ein, wie die Gleichartigkeit von (komplexen!) Einzelereignissen als unangefochten gälte. Klar ist das eher ein Rätsel als die Lösung, denn wäre das richtig, dann brächte niemand seinem Unfall- und Haftpflichtversicherungsträger Vertrauen entgegen und die beste Kontingenzbewältigung wäre das Beten. Hermann Lübbe, der das Verhältnis zwischen Sicherheitsbedürfnis und Religiosität unterstrich, würde nie so weit gehen, die Preis-Leistungs-Verhältnisse von Rosenkranz und Versicherungsbeiträgen miteinander zu vergleichen und diesen Schritt möchte ich auch nicht wagen. Das einzige, was ich raten möchte, ist Folgendes: Gibt es einen gemeinsamen Nenner einer Reihe von Unfällen, dann ist Nachdenken zu empfehlen – und eine Versicherung. Gibt es keinen, dann ist Gelassenheit zu empfehlen – und eine Versicherung.


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Months after the accident. Spots of young, pink skin as well as spots on the floor are a reminiscence to the panic, the pain, the concern.

Pain and panic vanished. Concern is stubborn. What if it happens again? What if there’s something like a curse? No, no, let’s be rational now! Accidents are called so because they are accidental. They don’t have to happen. They just do. The only rational concern after havoc is one about probabilities, ergo contingencies, ergo accidental events. What are the chances to have accidents of the given sort in future given I am the person I am, live the way I live, react the way I react?

When it’s about probabilities I usually ask Christina.  Usually… I don’t always have to ask her because I know her too good. I know how she thinks. Christina is bright. Christina teaches probability theory. When I write on Bayesian probabilities and Richard Swinburne, she’s in the back of my head. She’s a mathematician and a philosopher at the same time. She hates it when I say: „It’s twenty per cent for a rain in Verona in February and one per cent for a dull day in Italy, so you have 0,2 per cent to spend a dull rainy day there“. Probabilities are not about multiplying factors but about categorising events of the same kind. She would say: „Don’t tell me how many rainy days you might have in Italy and how many dull days you’ve had there. These two things might be statistically dependent. There might be the case that all dull days are rainy. Just tell me how many dull-and-rainy days you had there out of how many. Only then can I tell you the probabilities you ask for“.

Statistics is about categorising complex events alright… But the more complex the event, the greater the difficulties to categorise it! What are the probabilities to have an accident like the one I had? You say that it is only the ratio of similar accidents to a certain period of time in the past and about extrapolating this figure to the future? And what’s an accident similar with a fire in the house? The incident when I overloaded this nutshell of a boat and only realised offshore that water leaked in, is probably not. But then perhaps accidents where fire is involved are considered to be similar with the one I had. Well, the one with the candle and the lady’s hair at the Good-Friday procession while still at elementary school is also probably not. Things like this happen at Good Friday’s processions every year: the crowd, the many candles and so on. It’s so much different than the extraordinary constellation I had in January…

I suppose that every attempt to define similarity between complex events can be said to be flawed.

Of course, I don’t really think that every event is sui generis. And I know that my insurance believes that there are complex events similar to those described in its policy – otherwise I wouldn’t have it. Religion is, to repeat Hermann Lübbe’s aphorism, a way to cope with contingent facts but I wouldn’t put on a par my insurance with prayers – although it’s difficult to define similarity of events.

At the end of the day, if similar things happen to you, you need to think about this as much as you need an insurance. And if they’re not similar after all, you need to stop thinking that it’s a curse – as much as you need an insurance.

Ja, wie schafft man’s bloß?

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Leser des Deutschen sollen direkt zum unten stehenden Screenshot aus der Facebook-Präsenz von schirnmag.de scrollen und bedenken, dass ich subkulturbedingt an altgriechische Texte denke, wenn ich das Wort „Logos“ lese.

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How do you manage to make logos affect emotionally, asks schirnmag.de Burkhart von Scheven of the Bauhaus University Weimar. Von Scheven proceeds to deliver an answer and I totally lose him because I have to ask myself: „Is it Heraclitean logos or Christian logos they’re talking about? And why ask a professor of visual communication on this?“


Tja, der Logos und die Logos haben nicht wirklich viel miteinander zu tun…

Tribalism and vegetables

Arkas 1

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Eine wichtige These in Pierre Bourdieus einflussreichem Werk Die kleinen Unterschiede lautet, dass Binnengruppen (und im allgemeinen Gruppen) sich von Außenseitern dadurch unterscheiden, dass sie entweder Grenzen zwischen dem Innen und dem Außen ziehen, die Außenseitern unsichtbar sind, oder die Gruppenzugehörigkeit von Kriterien abhängig machen, die von Außenseitern nicht kopierbar sind. Essensvorschriften können solche Kriterien sein.

Koscheres Essen ist eine solche Vorschrift. Nehmen wir das Verbot, ein Lamm in der Milch seiner Mutter zu kochen – der Milch also, die vielmehr des Lammes Nahrung denn des Lammes Sauce als unsere Nahrung sein sollte. Dass sich daraus im späteren Judentum das Verbot ergab, Kalbsschnitzel mit Feta als Beilage zu essen, verstehe ich als immer mehr und mehr verallgemeinerte – auch metaphorische – Interpretation des ursprünglich eng zu verstehenden Verbots durch Binnengruppen, die die Außenseiter schließlich entweder absorbierten oder verdrängten.

Das christlich-orthodoxe Fasten – bald erreicht es seinen Höhepunkt – ist ebenfalls eine Binnengruppen-Essensvorschrift im kultursoziologischen Sinn. Es fällt auf den ersten Blick auf, dass es zum Ausschluss von Juden maßgeschneidert ist. Gemüse ohne pflanzliches Fett zubereitet (Butter und Käse sind natürlich no-go) ist zwar OK für Juden, aber die Proteine-Lieferanten vieler Griechen, Russen, Melkiten usw. in der Fastenzeit – Krusten-, Weichtiere und Meeresfrüchte – schließt die jüdische Essensvorschrift aus. Abgesehen davon können beide Gemeinschaften nicht gemeinsam feiern, da Paskha mit Pessach nicht zusammenfallen darf.

So verstandener Tribalismus ist einerseits alles andere als „fein“, um bei Bourdieu zu bleiben, andererseits würde selbst der Versuch von Konversionswilligen, in die andere Gemeinschaft aufgenommen zu werden, an der Umsetzung von diätetischen Feinheiten misslingen. Die Zeit zu lernen, hätten die Konversionswilligen jedenfalls nicht. Schuld daran wäre der Tribalismus, der wahrscheinlich jede Heiratsmigrantin und jeden Heiratsmigranten zum Verlassen der Hölle bringen würde, bevor jene auf den Geschmack kämen bis ins exotische Paradies der Anderen hinein.

Gläubige stellen sich oft das Paradies als einen Ort vor, wo sie, selbstverliebte Heimatpatrioten, für ihre Lebensweise und Diät belohnt werden. Andersgläubige, Analytiker und Nouvelle-Cuisine-Leute würden keine Freude dort haben.

Arkas 2

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One of the basic statements in Pierre Bourdieu’s La difference is that ingroups (groups generally) distinguish themselves from outsiders along lines that, for outsiders, are invisible or by criteria that, for outsiders again, are impossible to copy. This can be also by means of religious prescriptions concerning food.

Take kosher cuisine. How comes that a prescription to avoid cooking a lamb in its own mother’s milk – NB, milk that was supposed to serve as the lamb’s food, not as a sauce to the lamb when the latter is your food – becomes the prescription not to have sheep’s feta as a side dish to a beef steak? I can only understand the process as an ongoing radicalisation that begins in an ingroup that uses no sheep’s butter (yes, it exists!) to cook a lamb, to end with the same ingroup’s using no dairy products in combination with any meat – and excluding the outgroups from the community altogether.

Christian-Orthodox fasting – soon to be on its peak – would be another example of ingroup-forming diet. It seems rather clear that the fasting prescriptions of the Eastern Church are tailored to exclude Jews: you may eat vegetables without any oil, let alone butter, and as a source of proteins you may take oysters, shrimps and octopuses – that are not kosher. Additionally, Orthodox Christians would postpone Easter if it would coincide with Jewish Passover, so that the communities would never celebrate at the same time.

Tribalism is not invisible, of course, but what follows is: any member of another community who is willing to convert, would find it very hard to copy the dietetic rules. Additionally, tribalism would make her or his life like hell. The newcomer would leave this hell before being able to conform to the complicated rules to lead to an alleged paradise.

Is what people hold to be paradise after all any more than a provincial place for narcissistic villagers? And would a person of another tradition, an analytic, a friend of nouvelle cuisine ever get the chance of having joy there? The questions are rhetorical.