Soritic problems in mereology

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Die philosophischen Probleme, über die du beim nächsten Spaziergang stolpern wirst, sind nicht vorauszusehen. Der Call for Papers ist draußen und plötzlich: diese Felder!

Homogen oder grob homogen nennen wir ein Ganzes, wenn es aus mehreren Teilen besteht. Ein Gerstenfeld ist homogen. Was ist aber mit drei oder vier Gerstenähren? Der Blick verlagert sich plötzlich auf die Unterschiede in den Details: hier die Grannen, da die Körner, oder? OK, aber fünf Gerstenähren? Sechs? Der Sorit liegt auf der Hand. Auch wenn wir eine Thematik im Call for Papers nicht erwähnten, würden wir (guido_imaguire[at]yahoo.com; gero[at]philori.de) gerne darüber lesen. Voraussetzung: Das Thema wird im HoM nicht behandelt.

Enough with scrolling

You can’t predict the philosophical issues you will come across in your next walk. The Call for Papers is issued and suddenly: these fields!

We call wholes (largely) homogeneous when their parts are many. But we don’t call them thus if the parts are few. A field of barley is homogeneous. But a bunch of two or three burley ears is a heterogeneous whole: here the awns, there the seeds. A bunch of four? Of five? The sorite is obvious. Even if we (guido_imaguire[at]yahoo.com; gero[at]philori.de) didn’t mention the or that issue in the Call for Papers, feel free to express your interest. The condition is: we didn’t discuss it in HoM.

Undetached horse parts

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Wie “nicht abgetrennte Teile eines Pferdes” auf Quinesisch heißt, weiß ich nicht. Ob “gava” das Präfix oder “gai” das Suffix sein soll…

Was mich aber nicht loslässt, ist der Gedanke, dass die Vorstellung des Pferdes, sobald wir von Teilen des Pferdes sprechen, aus gedanklich abgetrennten Teilvorstellungen bestehen muss, selbst wenn das Pferd nicht zerlegt ist. Sonst wären wir nicht in der Lage, von verschiedenen Teilen zu sprechen.

Das zeigt allerdings, dass die Unbestimmtheit der Übersetzung aus der Teilmenge der mereologischen Ausdrücke einer Sprache in die Teilmenge der mereologischen Ausdrücke einer anderen Sprache nicht besonders groß sein wird.

Die Alltagsmereologie interessiert mich letztlich. Guido Imaguire and ich haben einen Call for Papers für ein Handbook of Mereology 2 herausgebracht. Dieses soll auch ein paar Alltagsmereologie-Beiträge enthalten.

Wer alles verstanden hat und am CfP interessiert ist (und ein sehr gutes Englisch schreibt), bittschön!

Wer alles verstanden hat, aber am CfP nicht interessiert ist, bitte, nicht weggehen: hier ist vielleicht was für Sie.

Wer jetzt denkt, dass das alles wirres Zeug ist, muss doch nicht den ganzen Witz vermissen. Hier gibt’s Hintergrundinfos.

Wer schließlich auf der Leitung steht, gerne aber runter davon möchte, hier sind meine anderen Postings zum Thema.

Enough with scrolling

I have no idea how “undetached horse parts” is called in Quinese. Whether “gava” has to appear as a prefix or “gai” as a suffix.

But what I realise is that even when the horse is undetached in reality, a representation of a whole horse must be detached in some way if we are talking about horse parts. In our imagination.

Probably the indeterminacy of translation from the subset of mereological expressions of a language to the one of another language, is not that big.

I am very interested in folk mereology lately. Guido Imaguire and myself have released a call for papers for a sequel of the Handbook of Mereology – one that will comprise some folk-mereology stuff among others.

If you understood everything and are interested in the CfP, here it is.

If you understood everything but you’re not interested in the CfP, this could be for you.

If you lost me completely and don’t care about mereology, you don’t have to lose the whole “joke”. Here‘s some background.

If, finally, you lost me but you’re nevertheless interested, just read my other posts on the issue.

Under too many layers

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Die Nachrichten: Die Hagia Sophia soll wieder eine Moschee werden. Das gibt mir den Anlass, meine Assoziationen zur Kirche (sorry: zum Gebäude) zu schildern. Sie sind mehrbödiger als Baklava und folgende:

Zur Moschee wurde die Hagia Sophia zunächst 1453, als die Stadt (DIE Stadt – urbs) von osmanischen Truppen im Mai überrannt wurde. Zu der Zeit war sie eine römisch-katholische Kirche im Sinne der Kirchenunion von Ferrara-Florenz des Jahres 1439. Die Orthodoxen, diejenigen jedenfalls in der Stadt, die gegen die Union waren, haben sie 14 Jahre lang gemieden, bevor sie zur Moschee wurde. Sie spielten mit dem Gedanken, Hussiten zu werden, egal…

Noch vier Jahrhunderte vorher war in der Hagia Sophia der Philosophenmeister (“hypatos ton philosophon”), Johannes Italos, vom Unterricht am Konstantinopler Hofseminar feierlich suspendiert worden. Wegen Aristotelismus. Und wegen zuviel Logik im Unterricht, wie die Kaisertochter Anna Komnena in ihren Memoiren (Entschuldigung liebe Wertneutralität, wenn ich hinzufüge: schamlos) zugibt. Noch heute wird am ersten Sonntag der Großen Fastenzeit in jeder orthodoxen Kirche der Welt das Anathema gegen die Philosophie wiederholt, das damals dort verlesen worden war. Ungefähr aus derselben Zeit stammt die Nestorchronik, welche die Christianisierung der Kiewer Rus unter Wladimir I. auf die Begeisterung der Kiewer Abgesandten in der Hagia Sophia zurückführt. Hoffentlich nicht während des o.g. Zeremoniells gegen Johannes Italos. Ein Dutzend Jahrzehnte später wurde die Kirche von den Kreuzrittern des Vierten Kreuzzugs geplündert.

Geplündert stand sie weiter, wie sie heute steht. Stehen sollte bald ihr Name, übrigens in der Landessprache als Fremdwort mit der neugriechischen Aussprache erhalten geblieben, auch für die kollektive Entität aller heiligen Menschen. Die göttliche Weisheit: Das sind wir. Dieser, ursprünglich russische, Volksglaube wäre ohne das Gebäude wahrscheinlich nicht entstanden. Auf diesen Glauben ist einer der wenigen Versuche zurückzuführen, aus der Orthodoxie eine moderne Konfession zu machen. Sergej Bulgakov, ein Wirtschaftswissenschaftler und einstiger Weggenosse Lenins, versuchte im Pariser Exil, der Kirche unserer Vorfahren eine christsozialistische Gestalt zu verleihen. Sophiologie nannte er die neue Doktrin. Die Gemeinschaft der Idioten ist weise. Das ist meinerseits nicht ironisch gemeint.

Ja, die Hagia Sophia ist eine grandiose Fortentwicklung des architektonischen Konzepts des Pantheons von Rom; einer Stadt würdig, die Neurom heißen wollte; und – trotz Johannes Italos – Symbol von Weltbürgerlichkeit. Der einstige Notre-Dame-Kanoniker Étienne Tempier, der als Bischof den Aristotelismus im Werk von Thomas von Aquin verurteilte, reicht nicht aus, um die Notre Dame zu blamieren. Die Hagia Sophia ist ebenso resistent gegen in ihr begangene Dummheiten. Das zum einen.

Zum anderen habe ich in keinem Museum der Welt so viele gelangweilte, geistig abwesende Besucher angetroffen, nach dem Motto: “Sie haben alle gesagt, zumal wir hier sind, müssen wir das besuchen. Groß ist es schon…” Oder kennen meine Leser etwa ein Museum in dieser Welt, wo die Kunstwerke nicht bewundert werden? Ich kenne eines: die Hagia Sophia. Das Augenmerk des “Ausstellers” fällt ja nicht auf die Kunst, sondern auf das historische Faktum der Eroberung. (Fremdländische Ansätze der auf Erwachsene abzielenden Museologie können mir vielleicht egal sein. Aber im Sinne der Museumspädagogik: Was ist das für eine Erziehung für die Kinder, die das Museum besuchen?)

Meine letzte Assoziation jetzt:

Es gibt überall zweckentfremdete Gebäude. Ein zweckentfremdetes Gebäude aber, wo der neue Nutzer jahrhundertelang außer Stande war, wenigstens über die Zerstörung hinwegzutäuschen; darüber zu glätten und zu polieren, so dass der Besucher nicht denken muss, dass die Zerstörung zum Stolz des neuen Nutzers gehört – ja, ich war schon in der Mezquita! – hatte ich nie gesehen. Bis ich die Hagia Sophia besuchte.

Und jetzt soll es eine wichtige Nachricht sein, dass sie wieder zur Moschee wird?

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What you see in the two last pictures are marble fencings of the empress’s gallery in the Hagia-Sophia church – oops, sorry: museum – oops again: mosque in Constantinople – oops…

Anyway, you get the idea… The new masters (“new” is more or less a façon-de-parler since they’ve been there since 1453) gouged out the Christian Symbols but left the destruction for everyone to see.

Some amount of destruction is there when you dedicate a building to another purpose than the one it originally served. The Mezquita of Córdoba is a handy example of a mosque that was rendered vice versa to a church with a vast change of the central part of the original structure. However, the new masters there did bother to make the destruction unseen, tried to embed a cathedral into the mosque without the malicious gesture: “Har, har, har: see what I did?” In the Hagia Sophia, the tidying up of the traces of the destruction didn’t happen in the last five-and-a-half centuries. Now, it will become a mosque again. This gives me the motivation to deploy my associations pertaining to the building. They have more layers than the baclava served outside it and are the following:

As I said, the Hagia Sophia was first rendered to a mosque in May 1453 when the Ottoman army conquered the city. When this happened it had been a Roman-Catholic church for 14 years, following the church union of Florence in 1439. The Orthodox, those at any rate who were against the union, have avoided the church and services given in it for a decade-and-a-half before it became a mosque.

Four centuries earlier, the Hagia Sophia had been the site of John Italos’s condemnation. John was an Italian-Norman logician who had the title of the master among the philosophers (“hypatos ton philosophon”). Accused by the emperor’s daughter Anna Comnena of too much Aristotle and logic in classroom, he was removed from office and ceremonially so in the greatest of all churches. Anna Comnena must have been a horrible student. In spite of everything, her style is not devoid of charm and I do have respect for a woman author in the Middle Ages. At the same time, it is disgraceful to make your dad, the emperor, fire the professor whose subject you failed. And then, for all of us, it is even more disgraceful to recite since then, every year on the first Sunday of the Great Lent, in every Orthodox church, for almost one thousand years now, the same anathema against philosophy that was released there and then.

It was the time when the Russian Primary Chronicle ascribed to the impressive church the decision of Vladimir I to have his subjects baptised according to the Byzantine rite. A church which was to be looted by the crusaders a century and something later.

This notwithstanding, its name, still preserved until today as a Greek loan, came up to stand also for the collective entity of all saints: wisdom is sanctity and sanctity is the mereological whole of us all. This, originally Russian, popular faith was arguably inspired by the church of the Holy Wisdom. When Sergey Bulgakov, the economist and philosopher, denounced his former comrades to Lenin’s great bitterness, and attempted from his Parisian parish to renovate Orthodoxy to be a more liberal denomination, he called the new doctrine sophiology – alluding to the aforementioned popular faith. Even if each of us is an idiot, we are wise when taken as a whole.

A bigger Pantheon in a city called New Rome and thereby a symbol of cosmopolitanism in spite of the John-Italos episode. If Étienne Tempier, the bishop of Paris who condemned the Aristoteliansm in Aquinas, is not enough to debase the Notre-Dame of whose chapter he had been the chancellor, then Hagia Sophia remains also undegraded in spite of the unpleasant episodes in it. On one hand…

On the other, in no other museum have I met so many bored people ticking off one more must-see from their tourist guide. Which is quite understandable since the focus of the Hagia-Sophia Museum is not on its art but on the historical event of the conquest. And, I mean, come on: even if I don’t care about the museological concepts in far countries, I am still concerned about the education they give to their children…

This is why I think that rendering the Hagia Sophia to a mosque is not the important news about it.

Opposition

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Die Debatte um die These, dass der Widerspruch ein bloß sprachliches Phänomen ist, das aus – in den Dingen an sich nichtvorhandenen – Dichotomien der Sprache entsteht, ist bekannt und ich werde sie heute nicht ansprechen.

Viel provokativer erscheint mir der gestrige Spaziergangseinfall: Jedweder Gegensatz ist nur sprachlich. Nicht zuletzt könnte auf dem Schild stehen: “Friss mich!”.

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Arguably, contradiction is only a linguistic device based on dichotomies in language that are nonexistent in reality. This is a well-known debate and I shall not address it here – not today.

What is more provocative is an aperçu after yesterday’s walk: any opposition is only linguistic. Note that the inscription above (“Do not feed” – meaning: the goats) could state anything else. Among others: “Eat me!”.

Epistemology of logic during a walk

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Es gibt unendlich viele Systeme der Logik. Manche sind redundant und uninteressant.

Notorischerweise gilt das etwa vom System, das aus der Regel besteht, aus p lasse sich p&p folgern, sowie aus einer Prämisse: Sagen wir pv~p. Dieses System lässt zum Überdruss Konkatenationen des principium exclusi tertii generieren. Man hat das Gefühl, es zu gut zu kennen.

Was eine Logik interessant macht, sind die Blicke, die sie hinter die langweilige Sichtblende erlaubt.

Deshalb glaube ich, dass die Universale Logik zum Teil Pragmatik sein soll.

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There are infinitely many systems of logic. Some are redundant and uninteresting like the one that consists of the rule of inference: p entails p&p, and of exactly one premise; say pv~p. This system generates concatenations of the Principle of Excluded Middle ad nauseam.

Others are thrilling… Why is that so? I suppose because with them you can discover something behind the boredom.

A Universal Logic has to be partly pragmatics.

Old books

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Alte Bücher führen oft zu interessanten Einsichten; zu nicht immer von Anfang an beabsichtigten. Ein Foulspiel, das gut im Spielverlauf war, muss nicht vorsätzlich gewesen sein.

Da ist, was ich jüngst entdeckte.

(Lorenzen hätte gejauchzt. Der Band war übrigens sein Zeitgenosse. Studenten auf den Straßen usw… Zeitgeist).

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More often than never, old books make one have interesting insights. Not always intended ones. Some fouls are not deliberate and are in spite of everything good for your game.

(The volume above was released about the time when Hintikka developed game semantics; students on the streets etc. Zeitgeist)

Covidean cognitive states

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Der Zug fährt in schweizerisches Territorium und lässt Deutschland und die Maskenpflicht hinter sich. Allerdings fühlt sich keiner der Passagiere frei, die Maske abzunehmen. Das tun sie erst beim Aussteigen, wenn sie auch in Deutschland die Maske abgenommen hätten. Sonst hätten sie das Maskentragen zu einer formalen Konvention gemacht, was sie nicht wollen.

Die umgekehrt fahrenden Fahrgäste steigen in der Schweiz meistens ohne Maske ein, da dort die Maske in öffentlichen Verkehrsmitteln nicht Pflicht ist. Wohl aus dem bereits erwähnten Grund (“Keine bloß formale Konvention”) gibt es keinen, der exakt den Moment nutzt, wenn der Zug Deutschland erreicht, um die Maske anzulegen. Ob’s bei der Bekämpfung von kognitiver Dissonanz viel hilft, ohne Maske einzusteigen, aber mit Maske auszusteigen und wenigstens so zu tun, als wäre das nicht wegen der Staatsgrenze gewesen, weiß ich nicht. Das tun sie jedenfalls.

Das Land, das er verlässt, trägt der Passagier eine Zeitlang mit. Die akute kognitive Dissonanz der Art: Der Zug ist virulent bei der Fahrt von Deutschland in die Schweiz bis zur Grenze, weniger so umgekehrt, auch bis zur Grenze wird konsequent umgangen.

Kognitive Dissonanz sollte freilich beim Vergleich beider Fahrtrichtungen auftauchen. Von Deutschland in die Schweiz ist der Zug anscheinend virulenter als umgekehrt. Dass sich die Passagiere je nach Fahrtrichtung anders verhalten, ist natürlich ein Paradox, denn alle Individuen tendieren zur Umgehung von kognitiver Dissonanz. Dadurch aber, dass die dissonanten Verhaltensweisen (nicht zuletzt bleibt die Maske in der Fahrt Deutschland-Schweiz länger dran als zurück) zeitlich entfernt sind, vergleichen die Individuen das eigene Verhalten in die eine und in die andere Richtung nicht direkt.

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As the train passes the state borders from Germany to Switzerland, it underlies suddenly the legislation of the state it enters, i.e. Switzerland. And since Germany prescribes a face mask in public transport but Switzerland does not, passengers may feel free to remove their masks. No one does. They will do so once they disembark on Swiss soil, i.e. in a situation where they would remove the mask also in Germany. Otherwise, they would jeopardise their wearing a mask on the train to make it a solely formal convention.

In the reverse direction, when passengers embark the train in Switzerland to go to Germany, they wear no masks since this is not required in Switzerland. Upon passing the state borders the train underlies suddenly the legislation of Germany. But no one puts the mask on at exactly this moment. They do so a bit earlier or a bit later. Probably they want to make believe that the conventional state borders do not determine their behaviour. I don’t know if by doing so they jeopardise face mask wearing less, but this is what they do. The legal system of the state in which people have been in the last hours follows them for a while. Otherwise they would be subject to cognitive dissonance. How comes, they would ask themselves, that until the state borders infection is improbable if you don’t wear a mask but becomes probable immediately after the state borders?

The cognitive dissonance does, however, emerge when one compares the behaviour from Germany to Switzerland to the behaviour in the reverse direction. When they come from Germany heading to Switzerland they wear the mask longer because, apparently, the train is an environment is too virulent to take a risk. But when they leave Switzerland to go to Germany the same environment is seemingly not so virulent. I mean they embark without a mask. The direction cannot be said to make a difference in the human heads here. Or can it?

Cognitive dissonance is mostly avoided by individuals, says science, which makes what I just described here a paradox. But since you can never travel into both directions at the same time, cognitive psychology prevails again: cognitive dissonance is avoided by individuals when the dissonant states are temporally close and directly compared.

The nonmonotonicity of taste

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Darüber, ob nichtmonotone Überzeugungsrevisionen – d.h. solche, wo die Prinzessin den Kriegerfreier nicht heiraten will, weil er Krieger ist, aber ihn trotzdem heiratet, nachdem sich ihr drei Krieger hintereinander vorgestellt haben – rational sind, scheiden sich die Geister und das seit Jahrzehnten. Bekehrungen sind auch Überzeugungsrevisionen, was die Sache besonders interessant macht.

Ob rational oder nicht, erscheint es allerdings sehr bekannt, dass uncoole Sachen plötzlich (und nichtmonotonerweise) so uncool sind, dass sie wieder cool werden, wenn ihre Träger sie mit Glaubwürdigkeit vertreten.

Nach dem nachfolgenden englischen Text gibt es Beispiele diesbezüglich mit Fotos aus der Zeit um Ostern letzten Jahres herum – auch als mittelbares Zeugnis einer heute undenkbaren Mobilität.

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Whether rational decisions can be nonmonotonic has been a controversial matter for decades. Is it rational for the princess to reject her fiancé for being a warrior but to return to him after all, after three men, all of them also warriors, ask her to marry them?

What is a debatable method to decide, is an everyday phenomenon of taste: things too uncool not to be cool if represented with due credibility.

Ready examples are…

…English teapots and cups:

Ancient Greek inscriptions on gravestones of rock stars:

Oriental markets:

Renaissance centralism:

All these pictures were taken last year about Easter, which shows how mobile we were.

Transsubstantiatio et transpropertatio

https://philori.files.wordpress.com/2014/09/amper-isar.jpg

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Die griechisch-orthodoxe Gemeinde in der Schweiz, deren Münchensteiner Sophienkirche ich sehr unregelmäßig besuche, feiert seit Anfang der Corona-Krise keine Gottesdienste. Es ist eine Kirche, wo die Heilige Kommunion typischerweise in beiderlei Naturen und zwar mit einem Kelch und mit einem Löffel gefeiert wird.

Selbst wenn es nicht offen gesagt wird, ist dieser Umstand, die Aussetzung der Gottesdienste, die ratio cognoscendi der Überzeugung, dass der Löffel und der Kommunionswein Covid-19 übertragen kann und dass diese Gefahr unverhältnismäßig groß ist gemessen am Gewinn.

Gerade habe ich allerdings über die Eucharistie im Sinne einer Kosten-Nutzen-Rechnung gesprochen. Da ist bereits ein Punkt, an dem mir viele orthodoxe Christen etwas anhaben würden. Sie würden wahrscheinlich hinzufügen, dass der Kommunionswein keine Krankheiten übertragen kann, nachdem es in Blut Christi gewandelt wurde. Sie würden diesen Ausdruck vor dem üblichen “Transsubstantiation” bevorzugen. Noch übermorgen, am orthodoxen Ostersonntag, würden sie an der Ostermesse teilnehmen und aus einem Kelch mit einem Löffel das Blut Christi zu sich zu nehmen.

Jüngst gab es in Nordserbien sowie in Georgien Fälle, in denen sich die Herde während der Sonntagsmesse außerhalb der Kirche aufhielt, um der Ansteckungsgefahr durch das neue Coronavirus vorzubeugen, allerdings aus einem Kelch und mit einem Löffel Leib und Blut Christi zu sich nahm, als der jeweilige Pfarrer auf den Kirchhof kam. Wahrscheinlich dachten sie, dass es sich bei der Verwandlung der Kirche ins Paradies um eine Metapher handelt, bei der Wandlung des Brotes und Weines in Leib und Blut Christi aber um etwas Physisches. Die Republik Griechenland – das muss ich an dieser Stelle wohl sagen – erlaubte Gottesdienste nur während der Karwoche und das durch den Gemeindepfarrer und ein Chormitglied allein hinter verschlossenen Türen. Es ist eine archetypische orthodoxe Beschuldigung gegen die Westkirchen, dass letztere eine Hostie ohne Eigengeschmack dem Hausbrot vorziehen, um nicht in Versuchung zu kommen, aus den verbliebenen Broteigenschaften wie die Konsistenz und der Geschmack zu schließen, es wäre immer noch Brot, was man zu sich nimmt. Da die Orthodoxen offenbar sehr erfolgreich die sekundären Eigenschaften des Kommunionsbrotes verdrängen, denken sie, dass das keinem sonst gelingen würde, wenn das Brot etwas – sagen wir – säuerlich wäre.

Im Gegensatz zur orthodoxen Haltung: “Es ist kein Brot, es ist kein Wein, es ist nichts von dieser Welt, also werde ich dadurch auch nicht krank” tendieren philosophisch ausgebildete Katholiken zum Nominalismus. Der Trope “Blutchristihaftes” wird immer in der Messe per Umbenennung um einen singulären Kelch Wein angereichert. Wer sich darüber im Klaren ist, wie konservativ das Phänomen Sprache ist, dem erscheint es kaum weniger wundersam, wenn alle auf einmal sowohl ihre Sprache als auch ihr Benehmen an eine Umbenennung anpassen. Aber die Umbenennung schützt einen nicht vor Infektion.

Vor Jahren pflegte ich folgendes Spiel zu spielen, immer wenn ich mit meinen Töchtern auf Fahrrädern unterwegs die Mündung der Amper in die Isar erreichte. Ich erhob meinen rechten Arm – meine Töchter waren noch im Alter, wo sie das witzig fanden – und verwandelte magisch die Isar in die Amper und die Amper in die Isar. Ab sofort war der jeweilige Fluss der andere. Natürlich blieb der linke Fluss – angenommen wir gucken nach Norden – derjenige, der von Dachau kam, der rechte derjenige, der von München und Freising kam – keine Frage! In der Paläogeographie ist es stets das Wasser, das bestimmt, um welchen Fluss es sich handelt, nicht das Flussbett. So blieb z.B. vor Millionen von Jahren ein Teil der Ur-Donau nördlich der Aare trocken. Es war ursprünglich ein Donau-Flussbett. Dass später die Wutach in dieses Flussbett hineingeflossen ist, so dass sie ihren Lauf dramatisch wechselte, bringt die Geologen nicht in Verlegenheit. Vorher Wutach – nachher Wutach, auch wenn die Richtung jetzt eine andere ist, im Flussbett eines vormals anderen Flusses.

Die Orthodoxen verstellen sich, dass die Metaphysik der Namensgebung auch anders sein könnte: am Beispiel bei der Eucharistie. Es ist ein sehr starker metaphysischer Glaube, was hinter der orthodoxen Position steckt und dem Nominalismus eines Denkers trotzt, der lange Zeit an der Isar lebte: Wilhelm von Ockham. Ein gesundheitsgefährdender Glaube in Zeiten von Epidemien ist er auch noch.

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Presently, the Greek Orthodox community of Switzerland whose church of Holy Wisdom in Basel I irregularly visit, has dispensed all services in the aftermath of Covid-19. It is a church that typically practices the Holy Communion from one single cup, with one spoon.

If you do the math you will infer that in times of an epidemic, the parish believes that the – obviously existing – risk to be infected from the Holy Communion is disproportionate to the spiritual benefit – and fairly so.

Some Orthodox however would not only consider it sacrilegious to speak of the Eucharist in terms of a cost-benefit analysis. They would also say that communion wine is not virulent as a consequence of its being rendered to blood of Christ. They would go to church and partake in the Holy Communion with one spoon without realising the risk.

In recent cases in Northern Serbia and in Georgia, the corresponding parishes avoided entering the church out of fear of infection, however they did partake in the Holy Communion from one cup and with one spoon when the priest sought his people outside, in the churchyard. They presumably thought that the transformation of the church into the kingdom of God during the mass is symbolic while the transformation of wine to Christ’s blood is a natural, physical process. To prevent similar situations, the Hellenic Republic allows services to take place during the Corona crisis only in the Holy Week and this behind closed doors, only with one priest and one choir member. Let me just mention here that there are Orthodox who blame Roman-Catholics of preferring consecrated wafers to everyday bread because the latter allegedly reminds of the properties remaining there as before the consecration. Since the properties remaining there is the very idea which the Orthodox repress – and this very successfully – they think that everyone else has issues with it.

In contrast, learned Roman Catholics often come up with a nominalist understanding of the Holy Communion: communion wine is, they’ll tell you, the blood of Christ in the sense that the trope “blood-of-Christ-like” is enhanced with a new individual – a cup of wine. After the transsubstantiation, they’ll tell you, the properties of the wine are remaining because transsubstantiation is only an act of renaming. Ergo, you can be infected.

Years ago, my daughters and I played a game – if you want to call it a game – whenever we journeyed with our bikes along the riverbanks of the Isar until its confluence with the Amper. Reaching the point – the girls were young enough to find this witty back then – I used to raise my right hand and made the one river be the other. But even after I renamed the rivers, the one to the left when we looked northwards was the one whose waters came from Dachau, the one to the right was the one which came from Freising and Munich. I had not changed this, of course. I am informed that in palaeogeography, when a riverbed is dried off and another river finds its way through it, it is the waters, i.e. the new river, which determines which river this is.

The Orthodox pretend during the Eucharist that this could be otherwise. This is a strong metaphysical belief, of course, and a much stronger one than the nominalism launched in Christian faith by a person who was actually very familiar to the river Isar: William of Ockham. But if you are an Orthodox in times of an epidemic, this issue of the philosophy of language can cost you your health.