Metabolism and mereology

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Das Aufgehen eines Ganzen in ein anderes – Teile wie Federn oder Nägel können dabei übrigbleiben – heißt Metabolismus. Solange der Metabolismus nicht auf die Mengenlehre reduzierbar ist, bleibt die Mereologie unabhängig von der Mengenlehre.

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A whole’s being annihilated into another is called metabolism. Parts of the annihilated whole can be preserved, e.g. nails or feathers.

As long as metabolism is not reduced to set theory, the notions of the whole and the part will not be reducible to the notion of element.

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If on were off, then Shannon would be Shannoff. Thank God, it’s not so.

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Die Funktion von Claude Shannons “Ultimativer Maschine” hinterlässt dem Beobachter den Eindruck, eine Selbstaufhebung zu sein: eine Funktion des Sich-außer-Betrieb-Setzens.

Dieser Eindruck basiert allerdings auf einer trüglichen Verwendung der Sprache. Die Maschine erfüllt ihren Zweck mit dem Hebeldrücken. Sie ist genau dann in Betrieb, wenn sie den Hebel drückt, der sie ausschaltet. Infolge dessen ist sie nicht in Betrieb gdw sie sich nicht ausschaltet, m.a.W. ausgerechnet gdw sie an bleibt. Das ist ein Widerspruch!

Der Widerspruch kommt durch eine sprachliche Konvention zu Stande, genauer: dadurch, dass das funktionierende System Maschine den Hebel in die Position “off” versetzt. Die Bezeichnung “off” ist allerdings irreführend.

Wie ich oft sage: Widersprüche sind sprachbedingt, keine Eigenschaften der Realität. Man hätte statt “off”: “on” schreiben können und umgekehrt. Dann würde es sich um eine sich selbst in Stand setzende Maschine handeln und die Funktion wäre ein-und-dieselbe. Oder man hätte die Schriftbilder löschen können und damit auch den Widerspruch: Es würde sich um einen Mechanismus handeln, der einen Hebel zurückversetzen würde. Der Ausdruck ist neutral und widerspruchsfrei.

Neutrale, nichtwidersprüchliche Beschreibungen stecken das Gebiet des Realitätsnahen ab, weil sie vom originär Sprachlichen, dem Widerspruch, befreit sind. Zieht man das originär Sprachliche von der Beschreibung der Realität ab, so bleibt originär Reelles zurück.

Gestern dachten meine Töchter angesichts der Maschine Shannons, dass die Philosophen eine Art Witzbolde sind. Den Gedanken will ich ihnen nicht austreiben.

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Claude Shannon‘s “Ultimate Machine” makes the spectator think that its function consists in turning itself off.

However, this is an impression based solely on an irritating use of language. It seems as if the machine were functioning iff it turns itself off, which implies that it is not functioning iff it fails to turn itself off, i.e. it is not functioning iff it remains on.

As I keep telling people, contradiction is a linguistic phenomenon, not a feature of reality. You could have there “on” instead of “off” and vice versa. The new impression would be that the machine turn itself on out of the dead while what you would have would be exactly the same function. Only the tags would be different! And it gets more interesting if you remove the tags, because then the contradiction vanishes altogether. If you remove the tags, Shannon’s machine becomes a mechanism that moves a lever back to its original position. This sounds neutral and invites no contradiction.

If I am correct in seeing in contradiction something inherently linguistic, neutral, non-contradictory descriptions define the realm of the real. My line of argument is thereby the following: if you purify your descriptions of reality to be free of the inherently linguistic, i.e. contradiction, what remains back will be the inherently real.

My daughters played yesterday with a Shannon machine, as I also did, and thought that philosophers are a kind of jesters. I am not sure whether I want to drive this thought out of their minds.

The monotony of summer and the nonmonotonicity of decisions

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Die Sommerferien lassen mich viel Zeit mit meinen Töchtern verbringen, wodurch sich allerdings große philosophische Fragen immer noch aufdrängen. Z.B. die Rationalitätsfrage bei Diskussionen der Art:

– Magst du meinen Becher haben?

– Na, na…

– Du findest also deine weiße Schokolade besser als meine braune?

– Nein, deine ist besser als meine.

– Dann findest du deinen Apfel besser als meinen Matchatee.

– Matcha ist besser als Apfel.

– Also willst du doch tauschen.

– Nein. Mein Becher ist besser als deiner.

Ich musste darüber nachdenken. Vielleicht hat sie ihre Schokolade besser als meinen Matscha gefunden. Aber da sie ja erklärt hat, dass meine Schokolade besser als ihre ist, hat sie mit Sicherheit ihren Apfel schlechter als mein Schoggieis gefunden. Insgesamt muss also mein Eis überlegen sein.

Das allerdings nur, wenn Geschmacksgüte monoton ist. Leicht ist die Monotonität widerlegt, wenn der Becher Gestalt-Eigenschaften hat.

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Summer holidays make me spend much time with my kids and also with the big philosophical problems. No, this is not an oxymoron. Take, for example the issues of rationality vis-à-vis ice-cream choice:

– Do you want to have mine?

– Nope…

– So, you like your white chocolate more than my brown one?

– I didn’t say that. Your chocolate is better than mine.

– I see! You like your apple more than my matcha tea.

– I’d say matcha tea is better than apple.

– Oh, I thought you didn’t like to swap but I was obviously wrong.

– You weren’t. I wouldn’t swap.

Since by this she obviously preferred her cup to mine in terms of, well, something, I had to think whether this was her preferring her chocolate to my matcha tea. But this attempt wouldn’t solve the riddle since then she would have to admit that she prefers my chocolate to her apple, which would make my cup generally better than hers.

The only viable explanation is that an ice-cream cup has gestalt properties that make the decision nonmonotonic.

Wenn die Zeilen…

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… kurz sind,

dann lassen sie einen vom Paradigmenwechsel träumen, den man sich herbeiwünscht.

Im Kontext kommt allerdings die Ernüchterung.

Paradigmenwechsel hin oder her, bei der idealen Zeilenlänge sollte man die Kirche im Dorf lassen: zehn bis zwölf Wörter! Basta!

Wer also diese Zeilen auf dem Handy liest und zwar so: 📱 , sollte das Gerät 90 Grad nach links oder rechts drehen.

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The reason I stumbled upon this poster was probably the fact that the lines are short and it hyphenated “ecological” to read in the subsequent line “logical”. If you add that the next word is “change” and that I do propagate a paradigm change in logic, meaning that rationality gaps and gluts can occur under certain, nevertheless very rare, circumstances…

…well, then you can figure out why I was irritated.

The ideal line length is ten to twelve words. No paradigm changes there!

So, if you are reading this on your mobile device, well, that’s not the way: 📱

Ockham neither lies nor lies here

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Wenn ich dieses Blog für Reiseeindrücke gebrauche, dann meistens, um auf Verstecktes, Unbekanntes hinzuweisen. So z.B. auf die Höhle unweit meiner Wohnung in Attika, die Platon als Vorlage für das Höhlengleichnis gedient haben soll, oder auf die euböische Legende über die Gründe (und Meeresgründe), die angeblich am Tod des Aristoteles auf meiner (seiner) Insel schuld wären.

Vor einer Woche, wieder ausnahmsweise in München, was komisch ist, denn ich kann mich nach 23 Jahren dort wohl auch nach meinem Weggang einen Münchner nennen, dachte ich, dass ich wieder über einen philosophischen Blick hinter die Kulissen schreiben kann.

Das Münchnersein des Wilhelm von Ockham ist mit meinem vergleichbar: Ockham kommt 1330 (663 Jahre vor mir) als Ausländer an den Hof Ludwigs des Bayern. Richtig am Hof lebte er nicht, obwohl er oft dort – ein kaiserlicher Berater doch – gewesen sein muss. Der damalige Hof befindet sich südlich des heutigen Nationaltheaters. An Stelle des letzteren sowie auf dem weitläufigen Vorplatz, ein paar hundert Schritte vom Hof entfernt, befand sich damals das Franziskanerkloster, wo Ockham hauste, den Vorgänger des heute weltweit bekannten Münchener Franziskanerbiers trank und Polemiken gegen den Papst schrieb.

Siebzehn Jahre nach seiner Ankunft in München stirbt Ockham und wird im Münchener Franziskanerkloster  bestattet – so jedenfalls das Sterbejahr auf einem Grabstein, der allerdings keine zuverlässige historische Quelle darstellt, weil er aus dem Kirchenchor stammt, wohin Ockham lange nach seinem Tod umgebettet werden sollte. Komischerweise bittet allerdings ein Jahr nach dem Datum auf dem Grabstein, 1348 also, ein gewisser Münchner Guilelmus de Anglia den Papst um Vergebung. Als im frühen 19. Jahrhundert zwischen der neuen Residenz und dem Alten Hof das Bayerische Nationaltheater gebaut wird, weicht das Franziskanerkloster den Musen. 1932 entdeckt Lucas Wadding besagten Grabstein neu und unterstützt die These, dass dieser nur deshalb 1347 als Todesjahr angibt, um die Annahme zu bekräftigen, Ockham könne nicht der Münchner “Guilelmus de Anglia” sein. Rudolf Höhn pflichtete Waddings These bei. Unter den Ockham-Experten hielt nur Gedeon Gàl ab 1982 am Grabsteindatum fest – wohl zu Recht, nachdem er das Original der Petition wiederentdeckte, wo der besagte Münchner Guilelmus de Anglia als Freund Ockhams ausgewiesen wird – was wohl zeigt, dass er nicht Ockham war. Was für eine schöne Geschichte: Der Namensvetter und Landsmann in der Fremde: Der ja! Der konnte weiche Knie bekommen, das alte Franziskanersigel an den Papst Clemens VI. nach Avignon schicken und huldigst um Vergebung bitten; nicht jedoch Ockham, der unverrückbare Logiker, wo es doch darum ging, die Wahrheit zu verteidigen! Gàls Position erscheint schlüssig, aber mehr Beweisstücke wären natürlich hilfreich. Bloß gefunden konnten sie nicht mehr werden.

Ohne vorherige archäologische Untersuchung war 1963, was unterirdisch unter dem Kloster übrig geblieben war, der Tiefgarage gewichen, die man heute kennt. Nachdem ich diese ein paarmal in einem Vierteljahrhundert zum Parken benutzte (zunächst hatten wir einen Golf, einen weißen; dann einen roten Golf, Turbodiesel; dann einen Opel, das Modell weiß ich nicht mehr), habe ich sie nun zum ersten Mal als Pilgerstätte besucht.

Das unmittelbare Ambiente ist pietätlos, hat allerdings genau die Klarheit und die Wahrheit, die man von einem Logiker erwartet.

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Rarely, I use this blog to give glimpses the reader can expect to find in a philosophical Lonely Planet guide. But even then, they have to be very special, too well hidden behind the surface like the (literally subterranean) Plato’s real cave that turned out to be near my place in Attica or the (literally submarine) personal crisis that Aristotle allegedly failed to get over vis-à-vis the Euboean tides.

What I’m writing today will be something very similar and, indeed again subterranean.

In mid-June I visited Munich for a short time, which feels strange, especially the word “short”, since I lived there 23 years long. William of Ockham’s stay in Munich was only a bit shorter. He went there in 1330 (663 years before I did) and took refuge on Ludwig the Bavarian’s court. Albeit an imperial advisor, Ockham’s place was a monk’s cell in the back-then Franciscan abbey, a couple of hundred yards to the north of the court, where one finds today the Bavarian National Theater and the generous Max-Joseph Square in front of the loggia. There, Ockham drank the beer that was to become today’s famous Franziskanerbier of Munich and wrote polemics against the Pope.

Seventeen years after his arrival in Munich, Ockham dies and is paid the last respects there. Much later his grave is moved to the choir. In the early 19th century the Abbey makes place for the Opera (alias Nationaltheater). Lucas Wadding rediscovers in 1932 Ockham’s gravestone, i.e. the one that stood in the choir, according to which the venerabilis inceptor died in 1347. But, strangely enough, a petition sent to Pope Clemens VI in 1438, one year after the year of death on Ockham’s gravestone, a certain “Guilelmus de Anglia” sends the old seal of the Franciscan Order from Munich to Avignon and asks for forgiveness for decades of polemics. Rudolf Höhn publishes a picture of the gravestone in 1950 and, agreeing with the aforementioned Lucas Wadding, insinuates that the year 1347 on this stone was not only mistaken, but also intentionally so, due to the wish to see Ockham as a person who never apologised for his polemics against the Pope. Only Gedeon Gàl opposes to this position. In fact, Gàl rediscovers in 1982 the original of the petition in which said Guilelmus de Anglia is identified expressis verbis as Ockham’s friend. This straightforwardly means that he was not Ockham. The compatriot, an English émigré in Munich by the same name but without a logician’s firmness might lose his courage. Ockham however cannot but defend the truth! This is Gàl’s message. New evidence would have been helpful to back this nice story, one that was based on one single document. But in 1963 the underground parking lot in the form we know it today was built. The construction had made quick progress because no one remembered to ask the archaeologists to make an excavation first.

In the past quarter of a century I have used the parking lot under the Max-Joseph Square in Munich to park different cars we owned. First a white Golf, then a red Golf, then – I think – an Opel, don’t ask me about the model etc. In mid-June I visited it for the first time as a pilgrim.

The direct ambience is impious but it has exactly the transparency and truth you expect from a logician.

Familiarissimus nominalis

Guido

Whenever we met, we called this a “family meeting”. By now, no member of the family lives in Munich anymore. We try to keep in touch and, actually, we do so mostly by being productive and by making the others notice our work. This is the case with Guido Imaguire’s latest book on Priority Nominalism, to a reading sample of which I am linking here.

Gott und Welti

New release, at the same time a new series – forthcoming titles also in English – on philosophy of religion and analytic theology at Philosophia Munich. Some pages from this book’s English abstract appear among the pictures below.

Die neue Reihe des Philosophia-Verlags: Philosophia theologica wird mit diesem Buch eingeweiht. Ich bin – es sei mir bei der Gelegenheit ein Helvetismus gegönnt – eine Art Götti desselben. Welti ist der Autor. Und Gott (und die Welt) das Thema.